The Lost Viking

Blu-ray Review

Tiberius Film, 06.02.2020

OT: The Lost Viking

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Ein Däne in der Fremde

Neues Futter für Freunde des Wikingerfilms.

Inhalt

Vitharr soll auf seine Schwester aufpassen

Das Jahr 852 n.Chr.: Der junge Wikinger Vitharr ist soeben mit seinem Clan, der vom seinem stolzen Vater geführt wird, an der britischen Küste angekommen. Nur zu gerne würde man von dort aus das Land erobern. und Vitharr würde sich noch lieber im Kampf als würdiger Nachfolger seines Vaters erweisen. Dass er dazu früher Gelegenheit bekommen wird als gedacht, zeigt sich bereits in der ersten Nacht. Denn die Gruppe wird von einer anderen unter dem Kommando von Wyman angegriffen. Bis auf Vitharr kommen alle um – selbst seine kleine Schwester kann der blonde Lockenschopf nicht retten. Von nun an ist er auf sich allein gestellt. Seine einzige Zuflucht wäre sein Onkel Skuld, der sein Lager irgendwo in der Nähe haben soll. Auf dem Weg dorthin trifft er auf Wymans Sohn und bringt ihn im Kampf um. Nun haben zwei Männer Grund zur Rache am jeweils anderen …

Beim Priester findet er Erste Hilfe

Emmet Cummins gab 2018 sein Regiedebüt mit diesem Wikingerfilm und schwimmt damit mühelos auf der von Serien wie Vikings oder Filmen wie Walhalla Rising begründeten Welle von Nordmannen-Serien und -Filmen. Mühelos deshalb, weil The Lost Viking erstaunlich viel Atmosphäre liefert, obgleich er mit sichtbar günstigen Mitteln produziert wurde. Natürlich wirken Filme, in denen Menschen in Fellkutten und mit Pfeil und Bogen in der Hand durch den Wald hüpfen immer ein bisschen wie ein abgefilmtes Rollenspiel. Aber wenn man es bei Lagerfeuer und Schummerlicht stimmungsvoll ausleuchtet, funktioniert das Ganze sogar als Film.
Der große Pluspunkt von The Lost Viking ist zwar nicht unbedingt sein Drehbuch aus der Standard-Dramaschule, sehr wohl aber sein Gespür, die Figuren sorgsam zu charakterisieren, die teils stilvollen Bilder mit stimmungsvoller Musik zu unterlegen und auf die erstaunlich populären Schauspieler zu vertrauen. Vitharr-Darsteller Dean Ridge gehörte beispielsweise acht Episoden lang schon zum Cast der Serie Vikings und schnupperte in Dunkirk auch schon mal Hollywood-Luft.
Noch bekannter und extrem aktiv (derzeit sind nicht weniger als zwölf Filme mit ihm in Planung oder Produktion) ist Ross O’Hennessy als Wyman. Er spielte schon den Lord of the Bones in Game of Thrones und agiert erstaunlich emotional, wenn er über seinen von Vitharr mit bloßen Händen (und einem Stein) getöteten Sohn stolpert. Seine Emotionen wirken dabei keineswegs gespielt.

In der Arena des Römers warten harte Hunde

Man sollte allerdings gefasst sein, dass es hier nicht ständig Gewalthandlungen und Action zu sehen gibt. Nach der Eingangs-Sequenz handelt The Lost Viking zunächst vornehmlich von der Reise des jungen Vitharr zu seinem Onkel. Dabei wird er von einem Priester verarztet, trifft auf eine kleine friedliche Gemeinschaft und lernt vor allem sich selbst kennen. Der Film begleitet das mit einem melancholischen und sphärisch klingendem Soundtrack, der die Bilder ein wenig traurig wirken lässt und so ganz gut das Gefühl der Einsamkeit vermittelt, die Vitharr umgibt. Erst nach gut 55 Minuten wird es mal wieder blutig, wenn die Gemeinschaft angegriffen wird, in der Vitharr untergekommen ist. Selbst das wird aber in eher melancholischen Bildern geschildert, was die Emotionalisierung der Geschichte auf eine andere Art und Weise bewerkstelligt als Filme, in denen vornehmlich Wut erzeugt wird.
Zur Mitte hin nimmt der Film eine Szenario à la Gladiator an, was mit erstaunlich versierten Kampfchoreografien und einem nicht zu geringen Blutzoll zu Gefallen weiß. Immer mehr verdichtet sich das Szenario zu einem sehr individuellen und schmerzhaften, in dem Vitharr sich seinen Dämonen stellen muss.
The Lost Viking mag ein dünnes Drehbuch haben, Atmosphäre und Stimmung kann man ihm aber keineswegs absprechen. Und weil Dialoge eher dezent ausfallen und der Film mehr von der Musik und den Bildern bestimmt wird, ist das sogar ein eher außergewöhnlicher Vertreter seines Genres. Zu keiner Zeit hat man das Gefühl, es mit einem lieblos herunter gekurbelten B-Movie zu tun zu haben. Im Gegenteil: Durch die stimmige Inszenierung, die gute Kameraarbeit und die engagiert aufspielenden Darsteller gehört The Lost Viking (trotz unberechtigt schwacher imdb-Wertung) zu den besseren der im Wikinger-Fahrwasser schwimmenden Genrefilme.

Vitharr wird zum beinharten Kämpfer

Bild- und Tonqualität

Herja steht ihre Frau in der Arena

Für eine britische Produktion sehr unüblich, beginnt das Bild mit sattem Schwarzwert und hervorragenden Kontrastwerten während der anfänglichen Nachtszenen am Lagerfeuer. Erst wenn der erste Gegner auf der Düne auftaucht, wird’s etwas problematisch mit der Durchzeichnung. Zuvor wirkt das alles sehr schlüssig. Allerdings muss man hier einfach im Auge behalten, dass die Produktion so teuer nicht gewesen ist und vor allem die Ausleuchtung auf die Entfernung am Strand eher mangelhaft gewesen sein muss. Auch später im Wald gibt’s damit öfter mal Probleme (21’35). Zudem geraten ein paar Close-ups in Bewegung schon mal etwas unscharf. Die Laufruhe indes gefällt und kann die digitale Herkunft des Films nicht leugnen. Fast wirkt das hier etwas deplatziert, da man ein solches Szenario eher körnig erwartet hätte. Nicht so schön sind – wie die absumpfenden Schwarzwerte – die starken (bewussten Farbverfälschungen, die später immer wieder genutzt werden.
Beim Ton von The Lost Viking liegen zwar beide Fassungen in dts-HD-Master mit 5.1 Spuren vor, aber bis auf ganz wenige Ausnahmen (Schritte bei 87’00) bekommt nur die Front etwas zu tun. Der Center liefert die Dialoge der sehr guten Synchro verständlich, aber oftmals etwas zu dünn. Der melancholische Score wird relativ räumlich auf den beiden Hauptlautsprechern verteilt. Die englische Fassung ist insgesamt wesentlich direkter, unmittelbarer und griffiger bei den Stimmen – allerdings ebenfalls nicht viel räumlicher.

Bonusmaterial

Im Bonusmaterial von The Lost Viking finden sich die Originaltrailer sowie ei paar Programmtipps des Anbieters.

Fazit

Betont reduziert, ziemlich grimmig, ein wenig melancholisch und erstaunlich leidenschaftlich gespielt –  The Lost Viking ist wirklich besser als man annehmen könnte. Viele intensive Szenen und das packende Schauspiel der beiden Protagonisten entschädigen auch für die teilweise etwas günstig wirkenden Settings.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 60%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 10%
Film: 70%

Anbieter: Tiberius Film Home Entertainment
Land/Jahr: GB 2018
Regie: Emmet Cummins
Darsteller: Dean Ridge, Ross O’Hennessy, Kezia Burrows, James Groom, Ioan Hefin, Chris Hampson
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 107
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Tiberius Film Home Entertainment)

Trailer zu The Lost Viking

Lost Viking / Offizieller Trailer / HD Deutsch

One thought on “The Lost Viking

  1. Avatar Sascha

    Cooles Review, Timo! Werde ich mir die kommenden Tage mal gönnen. 😉

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