The Mule 4K UHD

Blu-ray Review

Warner Home Video, 20.06.2019
Warner Home Video, 20.06.2019

OT: The Mule

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Plan B

In The Mule lernt Clint Eastwoods Charakter auf die harte Tour, warum Familie das Wichtigste ist.

Inhalt

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Vater und Tochter sind seit 12 Jahren vollkommen entfremdet

Earl Stone war die Arbeit stets wichtiger als die Familie. Als Held im Koreakrieg kümmerte er sich später lieber um seine Blumenfarm als den wichtigen Ereignissen der Familie beizuwohnen. Zwölf Jahre nachdem er dann auch die Hochzeit seiner Tochter verpasst hatte, hat ihm das Internet aber die Tour vermasselt und er steht vor dem Konkurs. Er muss seine Angestellten entlassen und sein Truck hat schon länger keine Wartung mehr erhalten. Gleichzeitig steht die Vermählung der Enkelin vor der Tür und Earl lässt sich erstmals wieder bei der Familie blicken. Nur um direkt von seiner Ex-Frau und der Tochter angefahren zu werden, dass er ohnehin nur gekommen wäre, weil er nicht weiß, wo er sonst hin soll. Als er von dannen ziehen möchte, wird er von einem der Partygäste angesprochen. Der bietet ihm an, dass der rüstige alte Herr einfach nur ein Paket transportieren soll – immerhin blickt Earl auf 60 Jahre Fahren ohne jeden Strafzettel zurück. Als er darauf anspringt, ahnt er nicht, um was genau es geht. Während der dritten Tour bricht er die Regel und öffnet das Paket. Earl stellt fest, dass man ihn offenbar als Kokainschmuggler für ein Kartell nutzt. Doch selbst als er das weiß, hört er nicht auf. Das Geld ist gut und der Job einfach. Und vielleicht findet er darüber auch einen Weg zurück zu seiner Familie …

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Die Pflanzenplantage von Earl steht kurz vor der Pfändung

Gut zehn Jahre lang hatte Leo Sharp (Jahrgang 1924) Kokain für das mexikanische Sinaloa Kartell von der mexikanischen Grenze nach Detroit geschmuggelt. Er war damit der „erfolgreichste“ Drogenkurier des Kartells, bis er 2011 mit rund 100 Kilo Koks an Bord seines Lincoln Mark LT erwischt wurde – ohne Frage ein Stoff, der wie gemacht ist für einen Film.
Und eine Story, die Clint Eastwood inspirierte, erneut auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen. Dass er (wie im Bonusmaterial zu hören ist) zunächst überhaupt nicht an sich selbst als Hauptdarsteller dachte, mag daran liegen, dass er schon 2008 bei Gran Torino davon sprach, das letzte Mal vor die Kamera getreten zu sein. Oder aber der große alte Mann des US-Kinos lässt sich gerne bitten. Dies taten die für die Nebenrollen gecasteten Darsteller dann auch fleißig, weshalb man Eastwood nun erneut in dreifacher „Belastung“ bewundern darf (auch als einer der Produzenten fungiert er ganz nebenbei).
Aber mal ganz ehrlich: Wer außer ihm hätte diesen 80-jährigen, knorrigen Herrn spielen sollen, wenn nicht er selbst?
Und das tut er auch in The Mule auf unnachahmliche Weise. Glaubwürdig vermitteln auch hier wieder seine Kollegen, dass er für den Earl Stone eine etwas gebücktere Haltung und langsamere Bewegungen einstudierte, um nicht so agil zu wirken, wie es der (zum Zeitpunkt des Drehs) 88!-jährige Eastwood eigentlich könnte.
Und so darf man ihm in sein faltiges Gesicht schauen, darf ablesen, welches Leben dieser Earl geführt hat, nachdem er als Held aus dem Koreakrieg kam und seine Familie der Arbeit auf seiner Pflanzenfarm unterordnete. Trotz des gemächlichen Tempos des Films ist das großes Schauspielkino – und dabei weit von jeder Peinlichkeit entfernt.

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Earl traut seinen Augen ob der Bezahlung für den Kurierdienst kaum

Zwar spielt der Schauspieler/Regisseur auch hier gerne mal mit der einen oder anderen politisch inkorrekten Spruch gegenüber Mexikanern oder Lesben. Zudem raunzt er bei jeder Gelegenheit über die „Seuche“ der Handys und des Internets. Doch das ist weniger dem republikanisch-konservativem Eastwood zuzuschreiben als vielmehr der Story an sich. Denn die Nähe zu ähnlichem Verhalten seines Walt Kowalski in Gran Torino ist hier tatsächlich gegeben. Hüben wie drüben haben wir es mit einem grummeligen alten Mann zu tun. Einem, der in Diskussionen nicht nachgibt und der irgendwie immer denkt, dass gewiss nicht er es ist, der an allem die Schuld trägt. Und so entwickelt sich um die Geschichte des Drogenkuriers eine viel wichtigere – eine Story von einem Mann, der sich verändert. Der erkennt, welche Dinge ihm nach all den Jahren des Rückzugs auf seine Blumenfarm wirklich etwas bedeuten und wofür es sich zu kämpfen lohnt. Nachdem er die Hochzeit seiner Tochter einer Preisverleihung und dem anschließenden Besäufnis in einer Bar unterordnete, wird ihm allmählich bewusst, dass er gerne verlorene Zeit wieder gutmachen würde.
Und das schildert The Mule spätestens dann in bewegenden Bildern, wenn seine Ex-Frau plötzlich erkrankt.

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Wird Earl wenigsten die Bindung zu seiner Enkelin halten können?

Die trotz Familienstory und Drogenkrimi an und für sich relativ ereignisarme Geschichte würzt The Mule mit Elementen eines Roadmovies. Und da die Kurierfahrten von der mexikanisch-amerikanischen Grenze bis hoch nach Detroit stattfinden, nutzt Kameramann Yves Bélanger die Zeit für wunderschöne und epische Aufnahmen entlang der Route. Die tollen Landschafts-Szenen werden noch ergänzt von entspannter Country-Musik, die Eastwoods Earl charmanterweise nie so richtig textsicher mitsingt. Außerdem wird das Ganze noch mal mit ein paar humorvollen Momenten gewürzt, wenn Stone vor keinem der schwer bewaffneten Kartell-Mitglieder den Schwanz einzieht und gerne mal einen süffisanten Kommentar fallen lässt.
Ob’s in Wahrheit auch so gewesen ist? Man weiß es nicht. Dem Film aber tut es gut und lässt ihn durchweg unterhaltsam werden.
Dabei verschweigt Eastwood nicht, dass sein Earl Stone letztlich ein Verbrecher ist. Einer, der harte Drogen durchs Land schaukelt und damit innerhalb einer Mühle arbeitet, die Tausende auch junge Menschen in die Abhängigkeit und möglicherweise in den Tod treibt.
Selbst wenn der Film dies in der Rolle von Stone ein bisschen romantisiert, gibt es ja noch die Staatsgewalt. In Person von den Agenten Bates (unglaublich entspannt: Bradley Cooper) und Treviño (Michael Peña) wird deutlich, welche unglaublichen Mengen der alte „Muli“ hier ins Land brachte.
Beiden Darstellern ist übrigens eine herausragende gemeinsame Szene gegönnt, die fast das Format des Aufeinandertreffens von Al Pacino und Robert De Niro in Heat hat.
Und wie in Michael Manns Actionfilm von 1995 ahnt man, dass es auch in The Mule für Earl kein gutes Ende nehmen wird. Dessen reales Vorbild wurde nach seiner Ergreifung übrigens im Jahre 2014 zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt, von der er letztlich ein Jahr absolvierte.

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Nicht jede Kurierfahrt wird problemlos verlaufen

Bild- und Tonqualität BD

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Die Mexikaner ziehen andere Saiten auf

The Mule beginnt mit sehr ruhigen und rauscharmen Einstellungen der Blumen in Earl Stones Gewächshaus. Auch in Innenräumen bleibt’s recht körnungsarm und die angenehmen Kontraste dominieren. Die Farbgebung ist grundsätzlich sehr warm und hangelt sich entlang einer Braunpalette. Das sorgt für angenehm gesunde Gesichtsfarben und stellt die Gegend im Süden der USA authentisch dar. Geht es später auf den Roadtrip und es gesellen sich am Rand der Straße grüne Wiesen und Hänge hinzu, werden auch diese satt und realistisch wiedergegeben. Während Close-ups in der Regel sehr knackig sind, stören einzig ein paar Randunschärfen im unteren und manchmal auch oberen Bereich (80’28).
The Mule macht’s akustisch wieder wie Creed 2 – Rocky’s Legacy und verzichtet fürs Deutsche auf eine verlustfreie Tonspur. Dolby Digital muss es richten, was für sich genommen extrem ärgerlich ist. Natürlich ist Eastwoods jüngster Film kein Actionfeuerwerk. Oft ist das Höchstmaß an Effekten das Raunen während einer Preisverleihung oder die Geräusche in einem Pub. Dennoch gibt es eben ein paar Szenen, die durchaus Dynamik brächten, wenn man sie denn nicht so kastriert hätte.
Im Finale hört man beispielsweise das sonore Brummen des Einsatzfahrzeugs von Bates und darauf einen Hubschrauber in mehreren unterschiedlichen Situationen. Was über den englischen dts-HD-Ton Volumen und Informationen bis in den LFE-Bereich hat, verkümmert über die Dolby-Digital-Version der Synchronisation. Letztere kann die dialoglastigen Szenen zwar annähernd auf einem Level darstellen, verliert aber praktisch jeden Vergleich, wenn es mal etwas räumlicher oder rasanter wird.
Immerhin verhallen Schüsse beim Tontaubenschießen schön effektvoll – und das auch über die deutsche DD-Spur (68’58).

Bild- und Tonqualität UHD

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Earl trickst die Polizei aus

The Mule wurde vollständig digital aufgenommen, wofür ARRI Alexa Minis und ARRI Alexa XTs zum Einsatz kamen. Diese lieferten 2.8K und 3.4K am Ausgang, wurden jedoch für das Digital Intermediate auf 2K runterskaliert. Die UHD liefert also nur ein 4K Upscale von diesem DI. Hinzu kommt ein im Rahmen von Rec.2020 erweiterter Farbraum sowie die höhere Bilddynamik nach statischem HDR10.
Letzteres sorgt gegenüber der Blu-ray für etwas knackigeres Schwarz und bedrohlichere Wolken am gewitterverhangenen Himmel, wenn es etwas dunkler ist. Ist die Ausleuchtung gut, gehört The Mule zu den UHDs, die von allen bisher erschienenen Titeln am wenigsten Unterschiede zur Blu-ray offenbart. Das Color Grading ist praktisch identisch. Der erweiterte Farbraum hat selbst in Rottönen kaum mehr Kraft als jener der Blu-ray und Gesichter werden nur um Nuancen wärmer dargestellt. Um diese Unterschiede zu erkennen, muss man aber zügig zwischen beiden Quellen hin- und herschalten und sehr genau hinschauen. Dass die Differenzen gering sind, zeigen auch die Screenshots. In Sachen Auflösung ist die hochskalierte Disk bei starkem Zoom deutlicher in Schriften. Auf Gesichtern in Close-ups lässt sich der Unterschied hingegen kaum ausmachen.

Blu-ray (6’45): (Slider ganz nach rechts): Mal abgesehen von der ganz dezent helleren Abstimmung der Blu-ray ist die Differenz zwischen BD und UHD extrem gering.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Mehr als ein bisschen dunkleres Bild ist hier nicht auffällig.

Blu-ray (83’18): (Slider ganz nach rechts): Erst wenn es dunkler wird, wird der Unterschied etwas größer.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD dunkelt hier doch stärker ab und lässt bspw. den Himmel etwas dramatischer erscheinen.

Blu-ray (92’57): (Slider ganz nach rechts): Auch bei gut ausgeleuchteten Gesichts-Close-ups ist der Unterschied gering.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD zeigt etwas wärmere, dunklere Hauttöne. Dazu ist das Hemd neutraler, etwas weniger grünlich.

Blu-ray: (Slider ganz nach rechts): Nehmen wir einen Detailausschnitt, müssen wir schon sehr deutlich hineinzoomen, um die Differenz zu erkennen.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Dann jedoch belohnt die UHD trotz „nur“ 2K-Upscale mit klarer erkennbarer Schrift. Das „Reverse“ unter „Rock Star“ lässt sich nun überhaupt erst erkennen.

Im Vollbild ist gut zu erkennen, wie weit man für den oben beschriebenen Unterschied ins Bild zoomen muss.
Keine Änderung beim Sound der UHD: Auch die 4K-Scheibe enthält nur den englischen dts-HD-Sound und die deutsche DD-Spur.

Bonusmaterial

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Die besten Pulled-Pork-Sandwiches weit und breit

Im Bonusmaterial von The Mule gibt’s ein elfminütiges Making-of, das eine genauso melancholische Stimmung aufbaut wie der Film. Man spürt, dass es möglicherweise Eastwoods letzter Film vor der Kamera sein wird und alle ehren und respektieren ihn. Man erfährt aber gleichzeitig auch noch etwas über die Kostüme, über die Locations und über die Darsteller. Dazu gesellt sich noch das Musikvideo „Don’t Let the Old Man in“ von Toby Keith. Das ist nicht sonderlich viel an Extramaterial, aber es passt von der Atmosphäre her gut zum Film.

Fazit

The Mule erreicht nicht ganz die emotionale Tiefe von Gran Torino und ist bewusst entspannter und lockerer angelegt. Eastwood ist als Produzent/Regisseur/Schauspieler aber nach wie vor eine Wucht. Und ein bisschen wünscht man sich schon, dass es nicht sein letzter Auftritt vor der Kamera gewesen sein wird.
Die UHD unterscheidet sich von der Blu-ray nur in Nuancen. Die höher (skalierte) Auflösung wird erst bei sehr großen Bildbreiten deutlich und die Kontrastdynamik bleibt unterhalb der Möglichkeiten.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD: 75%
Bildqualität UHD: 75%

Tonqualität BD/UHD (dt. Fassung): 70%
Tonqualität BD/UHD (Originalversion): 80%

Bonusmaterial: 40%
Film: 75%

Anbieter: Warner Home
Land/Jahr: USA 2018
Regie: Clint Eastwood
Darsteller: Clint Eastwood, Bradley Cooper, Andy Garcia, Laurence Fishburne, Michael Peña, Dianne Wiest, Manny Montana, Taissa Farmiga, Alison Eastwood
Tonformate BD/UHD: dts-HD-Master 5.1: en // Dolby Digital 5.1: de
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 116
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD-66
Real 4K: Nein (2K DI)
High Dynamic Range: HDR10
Maximale Lichtstärke: 2111
FSK: 12

(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots liegt bei Anbieter: Warner Home)

Trailer zu The Mule

THE MULE – Trailer #1 Deutsch HD German (2019)

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One thought on “The Mule 4K UHD

  1. Avatar Rüdiger Petersen

    Wieder das Dilemma mit der Deutschen Tonspur. Ich habe mir vorgenommen in Zukunft keine Scheiben mehr zu kaufen die minderwertige Tonspuren vorweisen. Kleine Labels schaffen es den Scheiben gute Tonspuren zu implementieren und solange es die grossen nicht schaffen werde ich die Blu-ray,s in Zukunft eben ignorieren. Das ist sehr schade aber für mich persönlich nur konsequent.

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