The Poison Rose – Dunkle Vergangenheit

Blu-ray Review

New KSM, 20.02.2020

OT: The Poison Rose

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Alles in Maßen

John Travolta darf als Privatdetektiv auf den Spuren eines Philipp Marlowe wandeln.

Inhalt

Carson trifft auf alte Bekannte

Los Angeles, 1978: Carson Phillips ist Privatdetektiv. Er raucht gerne, er trinkt gerne und er spielt gerne. Klar, dass der Ex-Football-Star mit seinem Verhalten aneckt. Doch das rückt erst einmal in den Hintergrund, als eine schöne Frau in seinem Büro auftaucht und ihn mit einem neuen Fall beauftragt. Ein Fall, den er nur deshalb annimmt, weil die Dame gut bezahlt. Denn er führt ihn zurück in seine Heimatstadt Galveston. Dort soll er nach einer Barbara van Pool suchen, die nach einem Nervenzusammenbruch in einem Sanatorium einsitzt. Die Nichte, Mrs. Johnson, macht sich Sorgen, da sie eigentlich stetig Kontakt zu ihrer Tante hatte, sie nun aber nicht erreichen kann. Als Carson in Galveston ankommt, will man von der alten Dame im Sanatorium allerdings nichts gewusst haben. Und auch der diensthabende Arzt vertröstet den Detektiv immer wieder. Je tiefer er nachforscht, desto mehr Leichen kommen allerdings ans Tageslicht. Und dabei spielen gute und weniger gute alte Bekannte eine nicht unerhebliche Rolle …

Carsons Ex hält Überraschungen für den Privatdetektiv parat

John Travolta, Morgen Freeman, Famke Janssen, Robert Patrick, Brendan Fraser und Peter Stormare – keine eben schlechte Besetzung, mit der Regisseur George Gallo bei seinem an den klassischen Noir-Film angelehnten Thriller aufwarten kann. Allerdings stand vor allem Travolta zuletzt nicht gerade für Qualitätsarbeit. Seine Rollen in The Fanatic und Trading Paint brachten ihm akut zwei Nominierungen für die Goldene Himbeere 2020 ein und der unsägliche Speed Kills ist in meinem Jahresrückblick 2019 mit besonderer Beachtung erwähnt worden.
Aber man möchte ja weiter möglichst neutral an Filme herangehen. Und so beginnt Poison Rose erst einmal viel versprechend. Klassisch-elegische Jazz-Klänge eröffnen den Film und da direkt im ersten Satz der Satz „Ich bin Privatdetektiv“ fällt, weiß man, wohin die Reise geht. Die Hardboiled-Werke Raymond Chandlers rund um dessen Protagonisten Philipp Marlowe standen Pate, wenn Travoltas Phillips eine Reise in die Vergangenheit antritt, um einen Fall zu lösen. Dass es hier nicht werweißwie rasant zugeht, sollte von Beginn an klar sein. Vielmehr geht es um Bilder, Stimmungen und Atmosphäre. Getragen von der illustren Schauspielerriege, vergehen gerade mal 15 Minuten und vier der oben genannten Schauspieler sitzen an einem Spieltisch. Wiedervereint und in alten Zeiten schwelgend. Carson Phillips, der die Geschichte aus dem Off kommentiert wie es in einem guten Privatdetektiv-Thriller nun mal gemacht wird, stellt uns die wichtigen Figuren vor, während der Zuschauer so richtig immer noch nicht weiß, wo genau der Auftrag hinführen wird.

Wer ihn reizt, bekommt Blei zu spüren

The Poison Rose macht also ein Geheimnis aus allem und jedem. Und dafür fährt er teils klischeehafte, aber umso unterhaltsamere Details auf. Ein sichtlich um die Hüften breit gewordener Brendan Fraser (dessen Körper Rachel Weisz seinerzeit noch als pornografisch gestählt bezeichnete) agiert zwar hart an der Grenze zum Overacting, allerdings macht es unglaublich Spaß, seinem abgedrehten Nervenarzt zuzuschauen.
Apropos Spaß: Fraser scheint tatsächlich der einzige Darsteller zu sein, dem das Ganze hier wirklich Freude bereitet hat. Neben seiner launisch-extrovertierten Rolle wirken Freeman, Janssen, Patrick und leider auch Travolta eher gelangweilt. Was schade ist. Denn von all den hundsmiserablen Drehbüchern, die man dem Ex-Saturday-Night-Fever-Star in den letzten Jahren angedreht hat, gehört jenes von The Poison Rose wirklich noch zu den besseren.
Vielleicht missinterpretierten Regisseur Gallo und Travolta, dass Film-Noir-Privatdetektive irgendwie immer unmotiviert und quarzend in ihrem unaufgeräumten Büro (hier eher Hotelzimmer) rumhängen und Ermittlungsgespräche am liebsten in gefühlter Zeitlupe einsprechen. Dazu hilft dem Film nicht gerade, dass er im zweiten Drittel ein paar Nebenplots eröffnet, die sich bisweilen so in den Vordergrund drängen, dass der eigentliche Grund für Carsons Reise zu verschwinden droht. Was schade ist, denn die Suche nach der verschwundenen Sanatoriums-Insassin hatte interessant begonnen.
Je länger der Film fortschreitet, desto weniger scheint es vorwärts zu gehen. Und wenn die Story im Treibsand zu versinken droht, kommt immer mal wieder ein kleiner Schwenk hinzu, der unseren Carson wie ein rechter Haken trifft. Nicht so aber den Zuschauer, der relativ schnell durchschauen kann, was der Film selbst unnötig verkompliziert aufbauscht. Wirklich gut funktioniert die Filmmusik, die im Verbund mit dem stilisierten Bild eine sehr schöne Atmosphäre erzeugt.

Bild- und Tonqualität

Doc beherrscht die Stadt

The Poison Rose basiert nach verfügbaren Quellen auf einem 4K-Digital-Intermediate. Aufgrund der teils starken Körnung (29’42, 68’03) könnte man auch vermuten, dass analog gefilmt wurde, doch vermutlich wurde das Rauschen eher später hinzugefügt. Denn das ist nicht das einzige genutzte Stilmittel. Viele Szenen werden von einem Weichzeichner belegt, Lens-Flare-Effekte gibt’s obendrauf, helle Bereiche reißen bisweilen aus, dunkle lassen Details vermissen und mit Randunschärfen hat man es im unteren Bereich auch zu tun. Die Auflösung in Close-ups sieht immerhin gut aus, auch wenn man von einem 4K DI mehr erwarten dürfte.
Beide Tonspuren von The Poison Rose kommen im unkomprimierten dts-HD-Master-Format zum Ohr. Das sorgt zwar für unkomprimierten Ton, was allerdings selten in Dynamik umgesetzt wird. Die vornehmliche Konzentration auf die Dialoge gelingt indes sehr gut. Die Stimmen kommen angenehm und mit gutem Fundament rüber. Und wenn mal Action am Start ist (wie bei der Schießerei nach 55 Minuten), gibt’s auch mal ein paar effektvolle Querschläger. Ähnlich wie beim wilden Feuergefecht nach gut 75 Minuten.

Bonusmaterial

Knapp zweieinhalb Minuten Bildergalerie sowie Trailer zum Film finden sich im Bonusmaterial von Poison Rose.

Fazit

The Poison Rose ist darstellerisch und filmisch ein Fortschritt für John Travolta – was in Anbetracht der Gurken, in denen er in den letzten Jahren auftrat, auch nicht schwer ist. Großartig ist auch Brendan Fraser in einer sehr extovertierten Rolle. Schade, dass die Story einfach zu wenig Spannung aufbaut und sich bisweilen arg zieht.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 65%
Bonusmaterial: 10%
Film: 55%

Anbieter: KSM GmbH
Land/Jahr: USA/Italien 2019
Regie: Francesco Cinquemani, George Gallo
Darsteller: John Travolta, Morgan Freeman, Brendan Fraser, Famke Janssen, Peter Stormare, Robert Patrick
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 95
Codec: AVC
FSK: 12

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter KSM GmbH)

Trailer zu The Poison Rose

THE POISON ROSE Official Trailer (2019) John Travolta, Brendan Fraser Movie HD

 

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