The Priest – Vergib uns unsere Schuld

Blu-ray Review

Tiberius Film, 05.12.2019

OT: Purgatory Road

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Beichte auf Rädern

Die Pfade des Herrn sind unergründlich – so auch in diesem blutigen Horrorthriller.

Inhalt

the priest – vergib uns unsere schuld blu-ray review szene 1

Priester Vincent und sein Bruder Michael legen die Beichte ziemlich individuell aus. In einem runtergekommenen Caravan ziehen sie durch die Lande, predigen in einem Aufstellzelt und geben ihre Absolution gleich vor Ort im Camper. Wenn die Sünden allerdings zu schwer ausfallen, macht Vincent kurzen Prozess: Vergeben wird durch den Tod und Vincent führt das Schwert. Gleichzeitig ist er selbst nicht wirklich frei davon, schaut er doch jedem Rockzipfel hinterher, der sich ihm bietet.
Als die mysteriöse Gummelstiefel-Trägerin Mary-Francis auftaucht und dem Bruderpaar hinterher fährt, lässt sie sich auch zunächst die Beichte abnehmen. Doch schon kurz darauf empfiehlt sie sich als Komplizin, nachdem sie einen flüchtenden Sünder niederstreckt, den Vincent nicht dingfest machen konnte. Was sich gesucht und gefunden zu haben scheint, verwandelt sich aber schon bald die Apokalypse als Michael und Vincent zu spüren bekommen, wer Mary-Francis wirklich ist …

Das nächste Beicht-Opfer

Der blutige Pfad Gottes stand Pate für dieses C-Movie aus der Trash-Schublade amerikanischer Direct-to-Video-Produktionen. Ohne sich groß mit Dramaturgie oder Spannungsaufbau zu beschäftigen, tischt uns Regisseur Mark Savage schon in der Eröffnung ein von einer Shotgun zerfetztes Gesicht auf und gibt die Marschrichtung vor: Blut und Gewalt vor großer Substanz. Dazu gibt’s ein paar rezitierte Bibelstellen und einen andauernden Keyboard-Teppich, der übertönt, dass Umgebungsgeräusche praktisch nicht stattfinden. Die günstige Produktion macht keinen Hehl aus ihrem mangelnden Budget und so wirklich ernst nehmen will sie sich auch nicht. Zumindest, wenn man sich die Beichte des ersten Sünders anhört.
Und so plätschert das Ganze vor sich hin, gibt ein paar Spannungen zwischen den beiden Brüdern preis und nimmt sich ziemlich viel Zeit, die eigentliche Antagonistin auf das Predigerduo treffen zu lassen. The Priest ist für amerikanische Verhältnisse erstaunlich offenherzig, was Nacktheit angeht, sodass sich zur blutigen Komponente auch noch ein bisschen nackige Haut gesellt.

Marie-Francis geht mit ihren Lovern ziemlich ruppig um

Dazu kleidet Savage das Ganze in etwas bemüht künstlerisch wirkende Bilder und lässt vor allem Trista Robinson in der Rolle der Mary-Francis fast theaterhaft agieren und sprechen. Mehr Sinn gibt das dem Film aber auch nicht – selbst wenn The Priest noch versucht, einen Nebenhandlungs-Strang über Familie mit einzubinden.
Viel zu bruchstückhaft inszeniert ist die Story, viel zu bedeutungsschwanger die Bilder, die letztlich nicht einhalten können, was sie versprechen. Dazu ist oft das Timing auch noch schwach. So wird eine eigentlich dynamische Szene derart ungelenk abgewürgt, dass die eigentlich beabsichtigte Pointe verpufft.
Man könnte also sagen, lieber abschalten als einschalten. Könnte.
Denn bei allem Mangel an inszenatorischer Professionalität entwickelt The Priest so ca. ab der 70. Minute doch noch so etwas wie Dynamik. Die Situation zwischen den drei „Partnern“ beginnt zu eskalieren und spannender zu werden. Zudem tut sich noch ein Mysterium den Vater von Vincent und Michael betreffend auf. Während der Zuschauer zwar nicht unbedingt maßlos von der Auflösung überrascht wird, hat man das immerhin konsequent durchgezogen und in Luke Albright zudem eine Figur, an der man sich moralisch ein wenig orientieren kann.

Bild- und Tonqualität

Vincent legt das Wort Gottes sehr frei aus

The Priest ist sichtbar digital gefilmt und anschließend noch ein bisschen gefiltert worden. Viele Einstellungen wirken deshalb ziemlich soft und wenig dreidimensional. Ziemlich poppig sind die Farben – sowohl in den dunklen als auch in den helleren Sequenzen. Schon Mary-Francis‘ Ledermantel sticht heraus. Erst Recht aber die farbigen Lichter im Inneren des Campers. In Close-ups sind Gesichter schon mal recht scharf, während Halbtotale zunehmend flacher werden. Außerdem gibt’s direkt zu Beginn unschönes Banding im blauen Licht auf den Wänden und gleich noch mal kurze Zeit später bei 3’28. In Drohnen-Shots und schnellen Actionszenen lassen aber sowohl Auflösung als auch die ansonsten stabile Bildruhe nach.
Akustisch ist The Priest mehr als unspektakulär. Die komplette Szenerie bleibt frontlastig und öffnet sich selbst während eines Gewitters nur ganz dezent auf die rückwärtigen Speaker. Die alles dominierenden Synthie-Klänge dominieren die Front und werden nur von den Dialogen ergänzt. Letztere sind in den hysterischeren Momenten leider unangenehm laut gemastert – jedenfalls in der Synchro.

Bonusmaterial

The Priest kommt ohne echtes Bonusmaterial aus und bietet nur die Originaltrailer und ein paar Programmtipps.

Fazit

Die Splattereinlagen fallen fürs Thema des Films eher ungewöhnlich deftig aus. Das kaschiert etwas die in den ersten drei Vierteln arg ereignislose Story, die erst im letzten Abschnitt etwas Dynamik entwickelt – nicht gänzlich uninteressant und für Horrorfilm-Gucker mit Mut zum Tellerrand vielleicht eine Entdeckung.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 50%
Tonqualität (Originalversion): 55%
Bonusmaterial: 10%
Film: 55%

Anbieter: Tiberius Film
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Mark Savage
Darsteller: Gary Cairns II, Luke Albright, Trista Robinson, Jeremy Sande, Sylvia Grace Crim
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 1,78:1
Laufzeit: 99
Codec: AVC
FSK: 18 (uncut)

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Tiberius Film)

Trailer zu The Priest

The Priest – Vergib uns unsere Schuld – HD Trailer

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