The Professor

Blu-ray Review

Leonine Distribution, 31.07.2020

OT: The Professor

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Feiert den Augenblick

Johnny Depp in einem Drama über einen Mann mit Todesdiagnose.

Inhalt

Fuuuuuck!

„Es sieht nicht gut aus!“ Wenn es Worte gibt, die man von einem Arzt NICHT hören will, dann diese. Doch Richards Doktor muss sie aussprechen und ihm mitteilen, dass er nur mehr 12 Monate zu leben hat – wenn er eine Behandlung wahrnimmt. Ohne diese sind’s sechs Monate. Zeit also, sich Gedanken über das zu machen, was Richard sein Leben nennt. Denn selbst jetzt mit dieser terminalen Diagnose scheinen Probleme um ihn herum immer noch wichtiger zu sein. Seine Frau eröffnet ihm, dass sie eine Affäre mit seinem Chef, dem Direktor des College hat. Sie verrät ihm auch das pikante Detail, dass dieser mit einem dritten Hoden gesegnet ist. Gleichzeitig berichtet die Tochter ihre Homosexualität und Richard behält seine Nachricht erst einmal für sich. Stattdessen beschließt er, sein Leben nun in vollen Zügen zu genießen. Marihuana hilft dabei. Und die Wahrheit. Im Gegensatz zu vorher muss Richard sich nicht mehr in das gesellschaftliche Korsett begeben, sondern kann frei Schnauze seine Meinung kundtun. Und das befreit ihn. Allerdings merkt er auch, dass es ein paar Menschen in seinem Leben gibt, die wirklich wichtig sind …

Richards Frau geht fremd

Johnny Depp ist … Nein, noch mal von vorne: Johnny Depp kann … Verdammt …
Wie fängt man eine Rezension an, wenn man etwas Gutes über einen Schauspieler schreiben möchte, der seit geraumer Zeit nur noch mit negativen Schlagzeilen von sich hören lässt. Was in all den Alkohol-Exzessen und Streitigkeiten mit seiner Ex-Frau Amber Heard leider zunehmend untergeht, ist die Tatsache, dass er (im nüchternen Zustand) einer der genialsten Darsteller unserer Zeit – vor allem aber seiner Generation ist.
Selbst wenn Hollywood ihn während der letzten 15 Jahre vor allem auf Hampelmann-Rollen reduzieren wollte, die allesamt irgendwo ein bisschen Captain Sparrow waren, weiß der Fan, dass nach wie vor mehr in ihm steckt. So wie hier, in The Professor. Und es ist so unglaublich schade, dass er selbst Mitschuld an dem Bild trägt, das die Öffentlichkeit mittlerweile von ihm hat.
Denn im 2018er Film von Wayne Roberts (seinem erst zweiten Werk nach Katie Says Goodbye), der mit einjähriger Verspätung auch hierzulande erscheint, spielt er so unglaublich gut, dass man glatt vergisst, dass er zuletzt so oft den wild gestikulierenden Piraten/Indianer/dunklen Magier gespielt hat.

Zwei wichtige Männer in Richards Leben: Sein Freund Peter und sein Chef Henry

Und das auch, weil er die für seine Figur lebensumkrempelnde Situation eben NICHT nutzt, um eine weitere völlig abgedrehte Performance zu liefern. Schlimm genug, dass man das als Zuschauer mittlerweile praktisch erwartet. Aber nein. Als Richard hat er sein bisheriges Leben im Schatten anderer und im strengen Gefüge gesellschaftlicher Konventionen verbracht. Aus diesem Korsett bricht er nun zwar aus, verändert sich aber nicht gleich in einen Jack Sparrow Light. In den allermeisten Szenen agiert er selbst unter Trunkenheit seiner Figur angenehm zurückgenommen. Man hat endlich wieder die Möglichkeit, sein nuanciertes Spiel zu beobachten, dass mit kleinen Gesten und einem Augenzwinkern daher kommt. Johnny Depp, so viel macht der Film deutlich, ist viel zu lange zweifelhafter „Held“ der Klatschspalten gewesen und trägt den kompletten Film locker auf seinen Schultern.
Das Schöne an The Professor: Er macht unmissverständlich klar, auf was es im Leben ankommt und vermittelt das mit einer gewissen Leichtigkeit und ohne die Schwere, die solchen Filmen sonst schon mal anhaftet. Richard stürzt sich ins Leben, holt Dinge nach, hat Spaß und lebt den Moment. Das ist zwar von Melancholie durchzogen, aber nie schwermütig.
Das weniger Schöne an The Professor: Das Drehbuch ist einerseits ein wenig konventionell geraten und andererseits ist die Botschaft, dass der „Spaß“ vor allem im Alkohol- und Drogenkonsum zu suchen ist, ein wenig … naja, zweifelhaft. Geerdet wird das allerdings über die Gespräche zwischen Richard und seinem Kollegen und Freund Peter (Mut zur Softie-Rolle: Danny Huston), denen man die Emotionalität durchaus abnimmt. Auch die jungen Studenten von Richard geben einen Gegenpol zu dessen Party-Ausflügen. In ihrem philosophisch angehauchten Literaturkurs reflektieren sie als junge Generation die eine oder andere Zweifelhaftigkeit und wirken erwachsen genug, um zu erkennen, dass das „Feiern des Augenblicks“ nicht abhängig ist von Drogenkonsum.

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Format: Blu-ray
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Erscheinungstermin: Fri, 31 Jul 2020
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Bild- und Tonqualität

Richards Tochter stellt ihre Freundin vor

Das Bild im Format von 1,85:1 hat von Beginn an einen leichten Touch ins Gelblich-Braune. Es wirkt ein wenig kränklich in den helleren Szenen. Während der dunkleren Inneraum-Sequenzen kommen sehr rote Hauttöne hinzu, die ab und an etwas übertrieben wirken. Vor allem in der Szene beim Dinner des Direktors nach etwa 70 Minuten. Dort sind Gesichter durchweg eher verbrannt als natürlich gebräunt. Die Bildruhe ist recht gut, die Schärfe über den Bildschirm homogen verteilt. Allerdings sind weder die Kontraste sonderlich dynamisch, noch ist die Detailauflösung herausragend. Ein alles in allem eher durchschnittliches Bild.
Das gilt in ähnlichem Sinne auch für den Ton. Aber nicht, weil er technisch unsauber ist, sondern einfach, weil er komplett frontbezogen bleibt. Es gibt nicht mal eine Sequenz, in der die Surrounds wirklich bemüht werden. Selbst die sehr dezente und leise Filmmusik bleibt auf die vorderen Lautsprecher beschränkt. Dialoge immerhin werden klar und sauber wiedergegeben.

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Bonusmaterial

Außer dem Originaltrailer und einigen Programmtipps gibt’s hier nichts zu entdecken.

Fazit

The Professor beweist, dass Johnny Depp abseits aller Skandale immer noch ein großartiger Schauspieler ist. Er trägt den Film praktisch alleine auf seinen Schultern und gibt ihm mehr Bedeutung als das etwas konventionelle und wenig originelle Drehbuch es vermag. Dennoch ein guter Tipp für Fans von Dramen, die zum Nachdenken anregen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 65%
Bonusmaterial: 10%
Film: 65%

Anbieter: Leonine Distribution
Land/Jahr: USA 2019
Regie: Wayne Roberts
Darsteller: Johnny Depp, Rosemarie Dewitt, Odessa Young, Ron Livingston
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 1,85:1
Laufzeit: 91
Codec: AVC
FSK: 12

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Leonine Distribution)

Trailer zu The Professor

The Professor - Trailer (deutsch/german; FSK 12)

 

3 thoughts on “The Professor

  1. Avatar Rüdiger Petersen

    Mein Tipp……….ist bei Amazon Prime sofort kostenlos zu streamen 🙂

  2. Avatar Kevin

    Hallo Timo, vielen Dank wieder für diese tolle Rezension!

    Dürfte ich dich als Experte mal zwei Sachen Fragen?

    1. Du berichtest immer in deinen 4K Rezensionen über HDR (plus) sowie auch Dolby Vision. Ich schaue meine 4K UHDs über die Xbox One S und diese gibt bei UHDs immer „nur“ das HDR Signal aus. Springe ich auf Disney Plus kommt aber wieder Dolby Vision. Wo stelle ich das Format um? Mir wäre nämlich Dolby Vision bei den UHDs auch lieber als HDR (persönliche Meinung). Auch Frage ich mich, wie HDR plus eingestellt werden kann…

    2. HDR ist im Filmmodus bei meinem Philips 55OLED754/12 (glaube das Panel ist von LG, ähnlich wie bei deinem Setup also) mittlerweile perfekt eingestellt, an das dunklere Bild habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Jedoch ist der Gaming-Modus in HDR wirklich viel dunkler. Die Einstellungen sind dennoch im Grunde die selben wie im Filmmodus. Weißt du zufällig woran das liegen kann? Und evtl. wie man dem abhelfen kann?

    Vielen Dank im Voraus und mach bitte weiter so!
    Viele Grüße und ein schönes Wochenende.

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