The Purge: Election Year

Blu-ray Review

Universal, 19.11.2017

OT: The Purge: Election Year

 


Frühjahrsputz

Die Blutnacht geht in die dritte Runde.

Inhalt

Senatorin Roan sieht der Butnacht mit gemischten Gefühlen entgegen

18 Jahre nachdem Charlie Roan ihre komplette Familie in der Purge-Nacht verlor und als einzige verschont wurde, ist sie zur Präsidentschaftskandidatin gereift. Als solche ist sie glühender Gegner der Blutnacht und hat ihren kompletten Wahlkampf zum Anti-Purge-Dogma gedeihen lassen. Der könnte in der Tat erfolgreich verlaufen, denn die Stimmung gegen die New Founding Fathers of America ist gekippt. Es mehren sich Hinweise, dass die Regierung sich die Purge-Nacht zu Nutze machte, um die Armen weiter zu beschränken und die Reichen (und natürlich sich selbst) reicher zu machen. Ihr Credo, dass ihr Land seine Seele verlöre, kommt an und stiftet natürlich bei den Mitgliedern der NFFA Unruhe. Kein Wunder, dass deren Oberhaupt mit der kommenden Blutnacht etwas ganz bestimmtes vor hat. Da eine dermaßen in der Öffentlichkeit stehende und nicht bei allen beliebte Frau Schutz braucht, hat sie sich einen erfahrenen Mann an Bord geholt: Leo Barnes. Der gerät in Aufruhr, als die NFFA ausgerechnet in dieser Purge-Nacht den Schutz für Regierungsvertreter des Ranges zehn aufhebt. Eben jener Rang, den auch Charlie Roan bekleidet. Da sie sich nicht von denjenigen absetzen will, für die sie in den Wahlkampf geht, kommt ein elitäres Safe-House, wie es Leo vorschlägt, nicht in Frage. Sie will zuhause bleiben und verlässt sich auf den Personenschützer. Dumm nur, dass einer ihres Teams nicht vertrauenswürdig ist und die Feinde ins Haus lässt …

Immer an ihrer Seite: Leo Barnes

Während The Purge sich vornehmlich auf den Mikrokosmos der sich in ihren Häusern oder sonstwo verschanzenden Menschen konzentrierte und damit ein intimer Horrorthriller vor dystopischem Hintergrund war, wagte sich und The Purge: Anarchy für die meiste Zeit des Films auf die Straßen hinaus und erweiterte die Szenerie. Nun aber legt Autor und Regisseur DeMonaco einen noch größeren Radius an: Seiner Aussage nach sollte The Purge: Election Year die Horrorelemente mit jenen eines Politthrillers vermengen und dafür kam das US-Wahljahr 2016 natürlich gerade richtig. Tatsächlich ist die gesellschaftspolitische Kritik der Purge-Filme noch nie so offen und unverhohlen ausformuliert worden, wie es in Election Year der Fall ist. Von geifernden Mordtouristen, die zu tausenden ins Land strömen, um auch etwas vom Tötungskuchen abzubekommen über Versicherungen, die einen Tag vor der entscheidenden Nacht ihren Beitrag mal eben um ein Vielfaches erhöhen, weil sie damit rechnen, dass die Kunden den Betrag dennoch zahlen werden bis hin zu bigottem religiösem Fanatismus und korrupten Politikern, die andere in den Tod schicken. DeMonaco geht es vor allem um die neue Moralvorstellung, die zu einer Art Religion geworden ist und es geht ihm um Klassenunterschiede, bzw. einen bereits stattfindenden Klassenkampf. Der Regisseur möchte das Geschehen auf der Leinwand als Allegorie auf die Dinge, die aktuell in den USA geschehen, sehen. Während es in der echten Welt momentan NOCH mit Worten oder Twitterposts ausgefechtet wird, sind die Protagonisten im Film sowie die politische Macht hinter der Purge-Nacht eben schon einen Schritt weiter. Natürlich ist The Purge: Election Year aber nach wie vor auch ein Unterhaltungsfilm – und das immer noch auf hohem Niveau.

Eins muss man den Purgern lassen: Einen ausgefallenen Sinn für Masken haben sie

Zieht man in Betracht, dass DeMonaco zwar schon diverse Skripts bekannter Filme verfasste, er aber erst vier Filme (inkl. der drei dieses Franchise) inszeniert hat, muss man schon den Hut ziehen, dass er ein beständig hohes Niveau halten kann – und das bei praktisch fast jährlicher Erscheinungsweise. Genrekollegen wie SAW erging es da mitunter schlechter. Dass der Thrill immer noch funktioniert mag zum Teil an der nach wie vor ungewöhnlich krassen Storyidee liegen. Gleichzeitig schafft es die Filmreihe immer wieder skurrile Figuren hinzuzufügen und sie optisch außergewöhnlich in Szene zu setzen. Erneut ein Lob geht an das gesamte Creative Department, das mit coolen Masken, fantasievoll gestalteten Fahrzeugen und außergewöhnlichen Optiken aufwartet. Eingefangen auch hier von den vorzüglichen Bildern Jacques Jouffets, der als Kameramann für den coolen Look des Films sorgt. Shoot-outs wie jener als Joe und Marcos die Senatorin und Leo vor den Purge-Touristen retten, sind schön deftig. Abgefahren wird’s, wenn Kimmy und ihre irre Gang aus maskierten Mädels „ihre Schokolade“ einfordern, hat man fast das Gefühl, einer Dutzendschaft Harley Quinns gegenüber zu stehen. Szenen, die wirklich Spaß machen und ein bisschen irre Anarchie verströmen. Neben Frank Grillo, der nach dem Vorgänger erneut zum Einsatz kommt, fügen sich die vier Figuren um ihn herum nicht nur gut ein, sondern bekommen mehr Screentime als Nebencharaktere für gewöhnlich erhalten. Gerade Mykelti Williamson (der Bubba aus Forrest Gump) als Joe und J.J.Soria als Marcos bilden gemeinsam mit Betty Gabriel (Laney) ein starkes Trio. Elizabeth Mitchell (die Juliet aus LOST) als Senatorin Roan ist sicherlich die exotischste Besetzung gibt die Überzeugung ihrer Figur aber glaubwürdig und emotional wieder. Außerdem kann sie zupacken und versteckt sich nicht hinter ihrem Personenschützer.

Kimmy will ihre Schokolade

Bild- und Tonqualität

Die Präsidentschaftskandidatin kann sich auf das Trio aus Laney, Joe und Marcos verlassen

Anfänglich nutzt The Purge: Election Year ein ausgiebiges Korn, um die Szenen aus der Vergangenheit zu unterstreichen. Dazu kommen brutal kurze Schärfentiefen, dir nur die im zentralen Fokus stehenden Details scharf erscheinen lassen. Nach dieser Sequenz hat die Blu-ray ein absolut blitzsauberes und äußerst kontrastreiches Bild mit messerscharfen Nahaufnahmen und außerordentlich kräftigen Farben (Debatte 6’40). Geht es in die Nacht gesellt sich genau die Menge an Korn hinzu, die man als stilistisch notwendig und authentisch betrachten kann, ohne dass es zu störend wirkt. Gesichter geraten allerdings schon mal ein wenig schlechter durchzeichnet, wenn sie arg im Schatten gefilmt werden.
Im Gegensatz zum deutschen Partner Paramount Home, der den hochauflösenden Tonspuren meist nur schwachbrüstige deutsche Dolby-Digital-Pendants entgegensetzt, schafft es Universal selbst zumindest, der Originalfassung in dts-HD-MA eine reguläre dts-Version für das hiesige Publikum zu bieten. Und die ist dann auch nur bedingt schwächer. Schon T.Rex‘ 20th Century Boy klingt auf beiden Tonspuren absolut gleichwertig.´Auch das Grummeln des Subwoofers in der ersten Sequenz gelangt mitsamt der sägenden Geräusche äußerst lebhaft zum Zuschauer von The Purge: Election Year. Und wenn nach etwas über 20 Minuten die Purge-Signale über die gigantischen Lautsprecher ertönen, möchte man beinahe bei sich selbst alle Rolladen runterlassen. Dazu hämmert immer wieder der metallische Soundtrack aus allen Rohren und wird nur von Laneys Pumpgun übertönt, wenn sie das Innere von Kimmys Schokogesicht nach außen kehrt.

Bonusmaterial

Widerstandskämpfer Dante sieht vieles gleich, aber manches auch anders als die Senatorin und Leo

Unter dem Punkt „Ein Blick in The Purge“ erklärt Autor/Regisseur James DeMonaco, dass er von vornherein vorhatte, den dritten Teil größer werden zu lassen – wie eine Art Politthriller. Es ging ihm nicht nur darum, die Protagonisten diese eine Nacht durchstehen zu lassen. Witzig ist, dass er auch sagt, dass er The Purge mit diesem dritten Teil zu einem Ende bringen wollte, denn Teil IV ist bereits in Planung. In „“ geht es dann drei Minuten lang um Frank „Leo“ Grillo, der schon in The Purge: Anarchy als Held fungierte und hier zu Protokoll geben darf, dass die Stunts und Action deutlich fordernder waren. Umso schöner, dass er das meiste höchstselbst vollzog. sieben unveröffentlichte Szenen ergänzen das Bonusmaterial.

Fazit

The Purge: Election Year hält trotz spürbar größer angelegtem Schauplatz mühelos das Niveau des Vorgängers. Erneut hat man es mit einem spannenden, actionreichen und ziemlich politischen FIlm zu tun, der demnächst sogar in die vierte Runde geht. Man verrät nicht zu viel, wenn man sagt, dass es sich hierbei vermutlich um ein Prequel handeln wird, das schildert, wie es überhaupt zum Umsturz und zur Implementierung der Purge-Nacht kam.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 75%
Tonqualität (dt. Fassung): 75%
Tonqualität (Originalversion): 75%
Bonusmaterial: 30%
Film: 70%

Anbieter: Universal Pictures
Land/Jahr: USA 2016
Regie: James DeMonaco
Darsteller: Elizabeth Mitchell, Frank Grillo, Mykelti Williamson, Raymond J. Barry, Edwin Hodge, Terry Serpico, Betty Gabriel, Joseph Julian Soria, Kyle Secor
Tonformate: dts HD-Master 5.1: en // dts 5.1: de
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 109
Codec: AVC
FSK: 16

Trailer zu Purge: Election Year

The Purge: Election Year – Official Trailer (HD)

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