The Reckoning – Collector’s Edition Mediabook

Blu-ray Review

Capelight Pictures, 25.05.2021
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OT: The Reckoning

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Pest & Cholera

Neil Marshall kehrt zu seinen Horrorwurzeln zurück.

Inhalt

Grace muss den Tod ihres Mannes verkraften

England im Jahre 1665: Die Pest wütet im Land und fordert ihre Opfer. Als Grace’ Mann Joseph die nahegelegene Dorfschänke besucht, steckt er sich mit dem Bakterium an und wird kurz darauf krank. Seine Frau kann er nur noch warnen, ihm nicht zu nahe zu kommen, während er sich der Einfachheit halber den Strick nimmt und sein Leben beendet. Grace muss nun ohne Mittel und Möglichkeiten die Pacht für Land und Haus aufbringen, um nicht beim lokalen Gutsherr in Ungnade zu fallen. Nachdem sie in die Schänke geht, um dort um Geld zu bitten, wird sie abgewiesen. Einzig ihre Eheringe können einen kleinen Zeitaufschub bewirken. Doch als der Schuldeintreiber Grace bedrängt und sich die junge Witwe zur Wehr setzt, ist es mit der Geduld des Gutsherrn vorbei. Im Dorf angekommen, bezichtigt er Grace der Hexerei. Und das gemeine Volk stimmt schnell mit ein, findet gar noch mehr Argumente dafür. Um aber einen “fairen” Prozess zu machen, ziehen sie den Inquisitor John Moorcroft hinzu. Dieser soll herausfinden, ob Grace tatsächlich mit dem Teufel im Bunde steckt …

Die Pest wütet

Neil Marshall, Hoffnungsträger des britischen Horrorkinos, inszenierte mit Dog Soldiers 2002 einen grimmigen Mix aus Tierschocker und Soldatenfilm, der die Genre-Welt aufhorchen ließ. Drei Jahre später lieferte er mit The Descent sein Meisterwerk ab, das nicht nur als Creature-Horror funktionierte, sondern auch als Frauenensemble-Film mit feministischer Note – quasi der weiblich dominierte Gegenentwurf zu John Boormans Beim Sterben ist jeder der Erste. Mehr Spannung als in The Descent fand man im kompletten ersten Filmjahrzehnt des neuen Millenniums nicht. 2008 wechselte Marshall dann ins SciFi-Genre und lieferte eine blutige Cyberpunk-Dystopie ab.
Nach seinem 2010er Ausflug ins historische Fach, zog sich der Brite zurück und inszenierte vermehrt Episoden bekannter TV-Serien. Bis er 2019 mit dem Reboot von Hellboy wieder auf dem Tableau erschien. Allerdings wenig erfolgreich, denn Call of Darkness wurde praktisch in der Luft zerrissen. Marshall bestätigt das übrigens, bzw. argumentiert nicht dagegen an. Im Gegenteil spricht er im Interview mit dem Deadline-Magazin, dass CoD deshalb kommerziell nicht erfolgreich war, weil er einfach nur schlecht ist. Was (seiner Aussage nach) auch daran läge, dass im fertigen Call of Darkness nur wenig von ihm selbst vorhanden sei und er seine Vision nicht habe umsetzen können. Das, so seine Auffassung weiter, hätte sich mit The Reckoning geändert. Denn hier hatte er wieder Hand über Story, Produktion, Regie und sogar den finalen Schnitt. Allerdings gemeinsam mit seiner Partnerin Charlotte Kirk, die auch zeitgleich als Hauptdarstellerin fungiert.

Grace hat Visionen vom Teufel

Was wiederum nicht ohne einen gewissen Beigeschmack ist. Denn rund um die Produktion von Reckoning wurde bekannt, dass Kirk, die zuvor bereits mit anderen Größen des Film- und TV-Business liiert gewesen war, ihre Beziehungen scheinbar gerne dafür nutzte, sich selbst bessere Rollen zu verschaffen. In Call of Darkness, für den sie vorgesehen war, hat das nicht geklappt. Sehr zum Ärger von Marshall, der sie dort gerne inszenierte hätte. Das tut er nun ausgiebig in diesem Mix aus Mittelalter-Pest-Hexenverbrennungs- und #MeToo-Film. Denn Kirk dominiert The Reckoning. Und das ist leider auch eine der großen Schwächen des Werks. Marshall mag glücklich darüber sein, hier mal wieder mit etwas weniger Budget und dafür mit mehr Freiheiten gearbeitet haben zu dürfen, ein besserer Film ist ihm deshalb nicht gelungen. Während sich die erste Hälfte der Geschichte darum kümmert, wie sich die von Kirk gespielte Grace nach dem Pest-Tod ihres Gatten müht, im Haus und auf dem Hof wohnen zu bleiben, während der notgeile Squire Pendleton sie bedrängt, geht’s in der zweiten Hälfte um die Folter an der vermeintlichen Hexe.
Denn The Reckoning mixt Pest-Szenario (jenes der großen Pest von London 1965/’66) mit jenem der Hexenverfolgung. Dabei gibt sich Marshall allerdings nur wenig Mühe, authentisch zu bleiben. So laufen die Häscher, die Grace im Haus nach dem Hexenvorwurf einfangen, zwar mit Pest-Masken rum, sind aber zweifelsohne keine Doktoren oder deren Gehilfen. Marshall nutzt die Maske schlicht für den Schauereffekt.

Auf dem Weg, vom Inquisitor “befragt” zu werden

Was man The Reckoning auf der positiven Seite vermerken muss, sind seine stimmungsvollen Bilder sowie die immerhin kurz angerissenen Themen Feminismus und Kritik an Verschwörungstheorien. Denn genauso schnell, wie diese heute über soziale Netzwerke entstehen, wird hier über drei Kommentare der bierseligen Schenkenbesucher “mal eben” eine Hexe gemacht. Was Neil Marshall mit “Nähe zur MeToo-Bewegung” meint, ist dann schlicht die deutlich offenbare Kritik am Umgang mit Frauen und dem Leid, das man ihnen in der damaligen Zeit antat. Dass Charlotte Kirk dabei allerdings stets aussieht, als hätte man im Mittelalter bereits täglich mit Lidstrich und Augenbrauen-Zupfen nachgeholfen; dass sie selbst dann noch erstaunlich munter wirkt, wenn ihr vaginal eine Spreizbirne eingeführt (und ausgelöst) wurde, passt in das wenig logische Verhalten der Hauptfigur und arbeitet der eigentlichen Intention des Films etwas entgegen.
Sean Pertwee, Marshalls Stammdarsteller aus Dog-Soldier-Zeiten gibt sein Bestes als Inquisitor Moorcroft, ist aber natürlich limitiert auf seine eindimensionale Rolle als Foltersadist. Abwechslung bringt Marshall zwischendurch rein, wenn er Grace immer wieder Visionen einer Teufelsgestalt oder aber von ihrem verstorbenen Ehemann haben lässt. Hier und da gibt’s einen Hauch Erotik, während Gewalttaten bis auf wenig Ausnahmen im Off passieren. Doch just in dem Moment, da man dachte, es ginge erstaunlich blutleer zu, zermalmt ein Pferdewagen den Schädel eines unerfreulichen Gesellen. Für einen kurzen Moment fühlt man sich an die gute alte 80er-Jahre-Splatterzeit erinnert, wenn die Murmel des Opfers wie eine Wassermelone gespalten wird. Da dieser Splattermoment aber relativ isoliert und auf weiter Flur steht, wirkt’s irgendwie auch nicht so ganz passend.

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Studio:
Format: Blu-ray
Spieldauer:
Erscheinungstermin: Fri, 28 May 2021
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Bild- und Tonqualität

Das Mal sagt ganz klar: Grace ist eine Hexe

The Reckoning ist digital gefilmt und recht rauscharm. Ziemlich kontrastreich und erstaunlich sauber noch dazu. Manch anderer Regisseur hätte sich fürs Thema Pest und Hexen vermutlich einen schmuddeligeren Look ausgesucht. Aber sowohl Hautfarben als auch die hell ausgeleuchteten Tageslichtszenen werden kräftig und leuchtend wiedergegeben. Das gilt auch für die saftigen Wiesen, die teilweise zu sehen sind und die in puncto Auflösung nur unter ganz minimalen Kompressionsartefakten leiden. Auch an den Bäumen raschelndes und sich bewegendes Laub bleibt sauber und ohne Bewegungsartefakte. Schärfe und Detailauflösung sind immerhin so gut, dass man Details auf den Gesichtern gut erkennen kann. Je nach verwendeter Optik kann’s an den Bildrändern schon mal etwas unscharf werden, wofür die Blu-ray aber nichts kann. Sauber und ohne Probleme bleiben Farb- und Helligkeitsverläufe.
Räumlich fängt’s an, wenn die Stimmen zum Intro-Text flüstern und dabei die Surrounds voll einbeziehen. Der Score brandet in der ersten Szene des Films dann extrem dynamisch auf, was allerdings bereits darauf hindeutet, dass der Musikpegel grundsätzlich etwas zu heftig geraten ist. Umso schöner, dass auch der Tiefbass ordentlich eingreift und das am Baum knarzende Seil, das um Josephs Hals liegt, mit Druck wiedergibt. Sehr räumlich ist auch das Gewitter in den ersten Minuten und der Regen fällt rund um den Zuschauer herum nieder. Sobald es dramatischer wird, greifen die Mainspeaker dann ebenso spürbar ein wie es auch der Subwoofer erneut tut. Vor allem ist es auch dann der Score, der für Dynamik sorgt. Schön reißerisch und für Jumpscares gut sind dann die fauchenden Geräusche des Teufels.

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Bonusmaterial

Knapp zehn Minuten an entfallenen Szenen sowie der Trailer zum Film stellen das Bonusmaterial der regulären Amaray-Fassung dar. Das schicke Mediabook enthält dann noch die DVD des Films sowie ein 24-seitiges Booklet.

Fazit

The Reckoning ist leider keine Rückkehr von Neil Marshall zu den Wurzeln seiner erfolgreichen Horrorzeiten. Dafür ist sein jüngstes Werk zu langatmig und wenig originell. Die Konzentration auf die Darstellung seiner Lebenspartnerin Charlotte Kirk ist überdies unglücklich da sie schauspielerisch limitiert ist. Nicht viel vorwerfen kann man der Blu-ray, die den Film technisch sauber und mit sattem Sound wiedergibt.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 75%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 30%
Film: 40%

Anbieter: Capelight Pictures
Land/Jahr: GB 2020
Regie: Neil Marshall
Darsteller: Charlotte Kirk, Sean Pertwee, Steven Waddington, Joe Anderson, Ian Whyte
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 110
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Capelight Pictures)
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Trailer zu The Reckoning

THE RECKONING Trailer (Deutsch)


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Die Grundlage für die Bild- und Tonbewertung von Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays bildet sich aus der jahrelangen Expertise im Bereich von Rezensionen zu DVDs, Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays sowie Tests im Bereich der Hardware von Unterhaltungselektronik-Komponenten. Gut zehn Jahre lang beschäftigte ich mich professionell mit den technischen Aspekten von Heimkino-Projektoren, Blu-ray-Playern und TVs als Redakteur für die Magazine HEIMKINO, HIFI TEST TV VIDEO, PLAYER oder BLU-RAY-WELT. Während dieser Zeit partizipierte ich an Lehrgängen zum Thema professioneller Bildkalibrierung mit Color Facts und erlangte ein Zertifikat in ISF-Kalibrierung. Wer mehr über meinen Werdegang lesen möchte, kann dies hier tun —> Klick.
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