The Requin – Der Hai

Blu-ray Review

Leonine Distribution, 29.04.2022

OT: The Requin

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Zimmer auf dem Wasser

Och nö, nicht noch so ein Hai-Film …

Inhalt

Kyle wird sich nicht immer schlau verhalten

Jaelyn hat eine Fehlgeburt hinter sich und hat deswegen immer noch Alpträume und massive Schuldgefühle. Ständig fragt sie sich, ob sie etwas hätte ändern können, ob sie etwas falsch gemacht hat und ob sie nun vielleicht ein süßes kleines Baby umsorgen könnte, wenn es anders gelaufen wäre. Die Beziehung zu Ehemann Kyle hat dadurch ebenfalls gelitten. Doch weil man das Ganze irgendwie bewältigen möchte, beschließt man, sich eine gemeinsame Auszeit zu nehmen. Raus aus dem Alltag, rein in die Entspannung – und idealerweise wieder wieder zusammenfinden. Also buchen die beiden einen Urlaub, von dem sie sich etwas Erholung vom Stress und ein Wiederzueinanderfinden erhoffen. Vietnam scheint ihm ein gutes Ziel zu sein, kann man dort in der Nebensaison doch für wenig Geld eine traumhafte Zeit verbringen. Und die Gewässer um das Land sind legendär für ihre Idylle. In einer schwimmenden Hütte finden sie ein kleines Refugium, von dem aus man direkt ins kristallklare Wasser springen kann. Doch die Vergangenheit wühlt einfach zu kräftig und Jaelyn fühlt sich bald nicht mehr wohl. Irgendetwas nagt an ihr und nimmt sie psychisch massiv mit. Deshalb beschließt sie, gemeinsam am nächsten Tag abzureisen. Doch ein Tropensturm verhindert das Vorhaben. Die Hütte wird vom Steg getrennt und schwimmt bald aufs offene Meer hinaus. Während guter Rat teuer ist führt eine dumme Aktion dazu, dass man kurz darauf die Flucht ins Wasser antreten muss. Das ist vor allem deshalb delikat, weil Kyles Bein vom Sturm verletzt ist und blutet – ein gefundenes Fressen für hungrige Haie …

Jaelyn wird viel schreien

Was waren das für Zeiten, als Alicia Silverstone in niedlicher Manier Batgirl in Batman & Robin gab und ein paar Jahre zuvor „clueless“ gewesen ist. Eigentlich konnte man der stets irgendwie lächelnden Aktrice gar nichts übel nehmen. Auch nicht, dass sie schauspielerisch eher limitiert war. Was sie immer noch ist. Und was sie im Hai-Thriller The Requin eindrucksvoll unter Beweis stellt. Doch fangen wir von vorne an:
Le-Van Kiet ist ein vietnamesischer Filmemacher, der 2019 den bis heute erfolgreichsten einheimischen Film aller Zeiten inszenierte: Furie. Die Geschichte um die Mutter, die sich als äußerst wehrhaft erweist, nachdem man ihre Tochter entführte, schaffte es sogar auf die Nominierungsliste als „Bester internationaler Film“ bei den Oscars. Kein Wunder, dass man auch international auf Kiet aufmerksam wurde und ihn nun einen Hai-Film nach eigenem Drehbuch inszenieren ließ. Ja, einen Hai-Film. Also mithin das, woran so ziemlich jeder Regisseur (Steven Spielberg, Jaume Collet-Serra und Johannes Roberts mal ausgenommen) in der Filmhistorie kläglich scheiterte. Selbst dann, wenn eigentlich verdiente Filmemacher ankündigen, sie machen was mit Haien, ist Vorsicht geboten. So ging selbst Renny Harlin 1999 mit Deep Blue Sea richtig baden. Einige haben das Haifilm-Problem gut erkannt und begegnen ihm bewusst mit Trash-Appeal – bspw. Asylum durch und mit seiner bewusst bescheuerten Sharknado-Reihe. Wer so viel Selbstironie beweist, dem kann man nichts übel nehmen, weshalb die Hai-Tornado-Filme Kultstatus genießen.

Paddelwettkampf mit Haien

Wenn aber doch der Großteil der Hai-Filme besser nicht gedreht worden wären, warum tut man sich das als Regisseur an? Hat Le-Van Kiet sich gedacht: „Hey, wenn alle scheitern, darf ich das auch?“ oder war er so fernab realistischer Einschätzung, dass er tatsächlich glaubte, er könne es besser? Die Antwort sei vorab gegeben: Nein, er kann’s nicht besser. Denn The Requin ist ein durchweg durchschnittlicher, manchmal langweiliger und in der Realisierung des Riesenfischs sowie der abtreibenden Hütte (und weiterer mieser CGIs) ärgerlich schlechter Genrevertreter. Und wer auf den Hai (bzw. die Haie) hoffte, der muss sich mal eben fast eine Stunde gedulden. Zuvor gibt’s viel Dramatik zwischen den Eheleuten, was immerhin dafür sorgt, dass man die zwei und ihr Verhalten gut kennenlernt. Während Jaelyn vornehmlich ängstlich-zögernd und vorsichtig erscheint, ist Kyle sorglos, rational-abgeklärt und zunehmend naiv – man könnte auch sagen dämlich. Je länger der Film dauert, desto stärker und entscheidungsfreudiger wird Jaelyn, was natürlich auch damit zusammenhängt, dass sie im Angesicht des drohenden Todes durch ein gefräßiges Raubtier auch ihre alten Dämonen loszuwerden beginnt – so weit, so unoriginell. Immerhin kann man The Requin zugute halten, dass er nach Furie zum zweiten Mal eine (zumindest im zweiten Teil des Films) starke Frauenfigur inszeniert, die über sich hinaus wachsen muss, während der Mann an ihrer Seite zum strunzdummen Versager mutiert.

Rettende Insel?

Alicia Silverstone ist dabei, wie oben erwähnt, leider immer noch keine gute Schauspielerin. Gerade die emotionalen Momente, die das Drehbuch von ihr verlangt, wenn sie „Anfälle“ hat und in Schuldgefühle verfällt, wirken hölzern. Sie schafft es einfach nicht, den Zuschauer emotional zu packen und damit auf ihre Seite zu ziehen. Glücklicherweise hat sie immer noch eine sympathische Ausstrahlung, die für vieles entschuldigt. Und wenn ihre Jaelyn im letzten Drittel des Films über sich hinauswachsen muss, geht sie immerhin an ihre physischen Grenzen, was ja auch schon mal respektabel ist. Nervig allerdings, dass sie dabei nicht mehr hinbekommt (oder nicht mehr durfte) als wahlweise hysterisch oder überdreht zu schreien. Schade überdies, dass die Inszenierung der Hai-Attacken so undynamisch bleibt, dass man Le-Van Kiet absprechen sollte, jemals wieder einen Actionfilm zu drehen. Und wenn es dann während der letzten Viertelstunde immerhin einen etwas größeren Vertreter der Raubfischgattung zu sehen gibt, wirken die CGI-Effekte leider äußerst kostengünstig. Auf die Art und Weise wären sie bei den Sharknados gut aufgehoben gewesen – deren Witz erreicht The Requin aber zu keiner Zeit, weshalb das hier weder Fisch (haha) noch Fleisch und schlicht unnötig ist.

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Format: Blu-ray
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Bild- und Tonqualität

Die CGIs wurden kostengünstig eingekauft

The Requin wurde digital gedreht, wofür alleine schon die Tatsache spricht, dass günstig produzierte Tierhorrorfilme überhaupt nicht mehr den Aufwand betreiben könnten, analoge Kameras und entsprechendes Filmmaterial an einen Set mit viel Wasser zu transportieren. Leider war nicht herauszubekommen, mit welchen Kameras hier gearbeitet wurde und ob das Ausgangsmaterial über ein 4K-DI oder nur über ein 2K-Di gezogen worden ist. Unabhängig davon beginnt die Blu-ray immerhin noch sehr kontraststark. Interessanterweise während der relativ schwierigen Nachtszene. Doch mit dem guten Einstand war es das dann auch, denn kurz darauf gibt’s beim Drohnenflug über die Urlaubshüttennach 6’10 sehr unschöne digitale Artefakte auf den Strohdächern. Das war aber noch nicht alles. Denn noch etwas schlimmer sieht der Überflug über die Bäume nach 7’40 aus. Hier gibt’s erneut wirklich hässliche Artefakte zu beobachten. Die ruhiger gefilmten Szenen, die weniger stark durch Bewegungen definiert werden, gelingen durchweg besser und offenbaren keine digitalen Artefakte. Farben kommen meist natürlich rüber und sind mitunter schön kräftig. Das wird vor allem während der Naturaufnahmen sichtbar, die sich sehr plastisch ins Heimkino begeben. Der Kontrastumfang ist auch im Hellen sehr gut, was den vielen unterschiedlichen Farben während der Landszenen in die Karten spielt, aber auch das Meer schön türkis strahlen lässt. Überstrahlungen sind außerdem nur selten zu bemängeln, sodass man hier von einem sehr ausgewogenen Kontrast sprechen kann. Die Schärfe in Close-ups ist gut und offenbart, dass Silverstone mittlerweile eine (glücklicherweise) ohne Beauty-Eingriffe gereifte Frau ist. Die Lachfältchen um die Augenpartie stehen ihr jedenfalls gut und auch Objekte zeigen sich gut aufgelöst. Das leichte Banding, das man im Wasser bei 38’00 sieht, hätte schlimmer ausfallen können und ist für die Schwierigkeit solcher Aufnahmen erstaunlich gut im Griff gehalten worden. Dennoch reiht es sich in die schon zuvor beobachteten digitalen Artefakte ein. Die spätere Überkontrastierung auf dem Meer ist stilistisch bedingt und spiegelt wider, dass unser Duo unter der sengenden Sonne auf dem Meer sämtlichen Naturgewalten ausgesetzt ist. Das kann man der Blu-ray nicht als Fehler anlasten.
Akustisch sorgen zwei DTS-HD-Masterspuren für die Vertonung beider Sprachen von The Requin. Die deutschen Dialoge werden durchweg klar und deutlich reproduziert und sind hervorragend eingebettet. Das hat man auch schon sehr viel schlechter gehört – gerade bei günstige(re)n Produktionen. Räumlich wird’s, wenn Jaelyn ihre Flashbacks hat und Stimmen hört. Diese werden sehr griffig auf die Rearspeaker verteilt, was für eine schöne Atmosphäre sorgt. Immer wieder fühlt man sich dann fast in ihrem Kopf und in ihren eigenen Visionen. Wenn dann der Tropensturm losbricht, versucht sich der Ton an ein wenig Dynamik, bleibt aber akustisch eher ein Sturm im Wasserglas. Viel Tiefbass gibt’s nicht und die Soundeffekte wirken bisweilen billig. Dazu kommt, dass die Lautstärke-Spreizung eher schwach ausgeprägt ist. Echte Dynamik kommt deshalb nicht auf. Recht atmosphärisch klingen die anbrandenden Wellen nach etwas über einer Stunde, die auch von den Rearspeakern widerhallen. Die Attacke des Hais hätte man indes wieder deutlich zackiger vertonen können. Für aufwändiges Sounddesign war hier leider kein Geld mehr übrig.

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Bonusmaterial

So dünn wie die Story von The Requin – Der Hai ist auch die Ausstattung im Bonusmaterial. Außer dem Originaltrailer findet sich hier lediglich eine Trailershow mit vier weiteren Teasern zu Filmen des Anbieters. Und das, wo man doch so gerne mal etwas mehr von Alicia Silverstone und ihrer Motivation, in diesem Hai-Thriller mitzuspielen erfahren hätte.

Fazit

The Requin – Der Hai ist eine gute Stunde lang ziemlich langweilig und bietet dann 20 Minuten leidlich spannende Unterhaltung mit einer permanent schreienden Alicia Silverstone und einem schlecht getricksten Hai. Le-Van Kiet reiht sich leider nicht in die Riege zwischen Spielberg, Collet-Serra und Roberts ein. Und so bleibt der Film nur etwas für Silverstone-Fans. Das Bild leidet unter teils deutlichen digitalen Artefakten in Bewegungen, punktet aber mit guter Kontrastierung während der ruhigen Szenen. Der Ton bietet gut verständliche Dialoge, bleibt aber zu wenig dynamisch für einen solchen FIlm.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 65%
Bonusmaterial: 10%
Film: 50%

Anbieter: Leonine Distribution
Land/Jahr: USA 2022
Regie: Le-Van Kiet
Darsteller: Alivia Silverstone, James Tupper, Danny Chung, Deirdre O’Connell, Jennifer Mudge
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 90
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Leonine Distribution)
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Trailer zu The Requin

THE REQUIN - DER HAI | Trailer deutsch german [HD]


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Die Grundlage für die Bild- und Tonbewertung von Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays bildet sich aus der jahrelangen Expertise im Bereich von Rezensionen zu DVDs, Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays sowie Tests im Bereich der Hardware von Unterhaltungselektronik-Komponenten. Gut zehn Jahre lang beschäftigte ich mich professionell mit den technischen Aspekten von Heimkino-Projektoren, Blu-ray-Playern und TVs als Redakteur für die Magazine HEIMKINO, HIFI TEST TV VIDEO, PLAYER oder BLU-RAY-WELT. Während dieser Zeit partizipierte ich an Lehrgängen zum Thema professioneller Bildkalibrierung mit Color Facts und erlangte ein Zertifikat in ISF-Kalibrierung. Wer mehr über meinen Werdegang lesen möchte, kann dies hier tun —> Klick.
Die technische Expertise ist aber lediglich eine Seite der Medaille. Um stets auf der Basis von aktuellem technischen Wiedergabegerät zu bleiben, wird das Testequipment regelmäßig auf dem aktuellen Stand gehalten – sowohl in puncto Hardware (also der Neuanschaffung von TV-Displays, Playern oder ähnlichem, wenn es der technische Fortschritt verlangt) als auch in puncto Firmware-Updates. Dazu werden die Tests stets im komplett verdunkelbaren, dedizierten Heimkino angefertigt. Den Aufbau des Heimkinos könnt ihr hier nachlesen —> Klick.

Dort findet ihr auch das aktuelle Referenz-Gerät für die Bewertung der Tonqualität, das aus folgenden Geräten besteht:

Das Referenz-Equipment fürs Bild findet ihr wiederum hier aufgelistet. Dort steht auch, wie die Bildgeräte auf Norm kalibriert wurden. Denn selbstverständlich finden die Bildbewertungen ausschließlich mit möglichst perfekt kalibriertem Gerät statt, um den Eindruck nicht durch falsche Farbtemperaturen, -intensitäten oder irrigerweise aktivierten Bild“verbesserern“ zu verfälschen.

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5 Kommentare
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dc_coder_84

Kleiner Typo im Fazit: Silvestone-Fans

ondy

Ich war früher richtig vergnallt in die kleine 🙂 hi filmchen hab ich satt aber jetzt muss ich doch mal rein gicken;)

Jack

Bin ich bei dir. Dann bleib ich einfach weiterhin bei den Aerosmith Musikvideos und träume davon, einmal mit ihr Motorrad zu fahren.

blooob

es ist immer wieder erstaunlich, wie ‚tapfer‘ du solche offensichtlich ‚miesen‘ filme trotzdem anschaust und bewertest. ^^

die zeit hättest du für ‚Lamb‘ mit Noomi Rapace aufbringen sollen. ein film der nicht jeden erreichen wird, aber wenn man sich darauf einlassen kann, ist der eine empfehlung wert. 😉