The Sisters Brothers

Blu-ray Review

Universum Film, 26.07.2019

OT: The Sisters Brothers

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Brothers in Arms

Ebenso tiefgründiger wie humorvoller Western vom Gewinner des Silbernen Bären

Inhalt

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Die Sisters Brothers haben die Verfolgung aufgenommen

Oregon 1851: Eli und Charlie Sisters sind Kopfgeldjäger. Erfolgreiche Kopfgeldjäger. Wo sie hingehen, wächst in der Regel kein Gras mehr. Nun haben sie einen neuen Auftrag vom „Kommodore“. Sie sollen einen Goldgräber namens Warm töten. Warm wird bis zu diesem Akt von John Morris, einem Kundschafter des Kommodore, festgehalten. Doch irgendwas verläuft dieses Mal ganz anders. Morris und Warm scheinen gemeinsame Sache zu machen und sind Eli und Charlie immer einen Schritt voraus. Bis es dann doch zum Aufeinandertreffen kommt, das vollkommen unerwartet verläuft …

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John Morris ist im Auftrag des Kommodore unterwegs

Jacques Audiard ist bekannt für Der Geschmack von Rost und Knochen oder Dämonen und Wunder – Filme, die man eher im Drama-Bereich findet. Nun inszeniert er sein erstes englischsprachiges Werk und nimmt sich gleich das ureigenste Genre des US-Kinos vor, den Western. Freilich mit einem ganz eigenen Blick auf die von weiten Landschaftsaufnahmen und halbfertigen Städten gesäumte Filmkategorie. In Sisters Brothers geht’s nicht um Blutrache, Familienfehden, Bankraub oder konkurrierende Gangs. Vielmehr ist Audiards Film ein eher intimes Porträt, das vor allem durch seinen lakonischen bis schwarzen Humor auffällt. Wenn sich die beiden Sisters-Brothers mit sarkastischen Scherzen beschenken, Charlie im volltrunkenen Zustand wahlweise durch die Gegend ballert, vom Pferd fällt oder seine Nase nuschelnd in dessen Mähne versenkt, hat das schon fast coen’sche Ausmaße.
Neben dem Humor transportiert Sisters Brothers aber auch eine existenzialistische Story über zwei ungleiche Brüder. Zum einen der rationale und nachdenkliche Eli, der am liebsten aussteigen und vielleicht sogar etwas Zweisamkeit genießen würde. Auf der anderen Seite Charlie, der sein Seelenheil im Alkohol sucht und keinen Deut daran denkt, aufzuhören und „irgendein Geschäft“ zu eröffnen.

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Will mit einer Formel auf Goldsuche gehen: Warm

Zwischen den beiden entwickeln sich immer wieder grundlegende Dialoge über den Sinn des eigenen Tuns. Ungewöhnliche Dialoge, die auch das Trauma der beiden nach und nach aufdecken. Gleichzeitig nutzt Audiard seinen Film, um gängige Western-Klischees zu brechen oder Männlichkeitsbilder des Genres in Frage zu stellen – gleichzeitig vermeidet er durchweg Pathos-Gerede und Machosprüche.
Stützen kann sich Sisters Brothers dabei auf vier hochkarätige Darsteller. Während Jake Gyllenhaal als John Morris und Riz Ahmed als Warm zwar etwas weniger Screentime haben, diese aber mit glaubwürdigen Performances füllen, ist es an Joaquin Phoenix und John C. Reilly, als Brüderpaar den Film zu schultern. Und das tun sie meisterlich. Als Schauspieler genauso grundverschieden wie die Figuren, die sie verkörpern, ist Phoenix locker wie lange nicht mehr. John C. Reilly hingegen darf nach dem unsäglichen Holmes & Watson vor allem im letzten Viertel von Sisters Brothers zeigen, was für ein guter Schauspieler und Herzblut-Kerl in ihm steckt, wenn er endlich das tun kann, was er im Kindesalter versäumt hat: Seinen Bruder beschützen.
Zwar könnten Fans des klassischen Westerns mit dem Verlauf der eher ungewöhnlichen Story etwas Probleme haben, aber gerade für solche Filmfreunde, die aufgeschlossen über alle Genre-Tellerränder schauen, ist Sisters Brothers ein echtes Highlight.
Was NICHT für 12-jährige gelten sollte. Denn bei allem Humor, der hier integriert wurde, sind die teilweise splatterhaften Shoot-outs (bzw. deren Auswirkungen) rein gar nichts für Zuschauer unter 16. Hier lag die FSK mit ihrer Einschätzung gründlich daneben.

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Zweckgemeinschaft

Bild- und Tonqualität

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Kurze Rast in San Francisco

Sisters Brothers wurde zwar digital gefilmt, im Nachhinein aber ein wenig gefiltert. Zum einen gab’s ein bisschen Filmkorn, um dem Westerngenre mit seinen großen im Cinemascope gefilmten Beiträgen gerecht zu werden. Auf diese Weise wuseln Himmelshintergründe teilweise deutlich, während andere Szenen verhältnismäßig körnungsfrei bleiben. Farben und Kontraste sind ein wenig reduziert. Während Hauttöne weitgehend natürlich bleiben, könnte das Grün der Sträucher und Bäume kräftiger sein. Auch der Schwarzwert lässt ein wenig zu wünschen übrig. Die Schärfe ist in Close-ups 84’10 geht okay, hat aber in Halbtotalen oft Probleme (Restaurant-Szene in San Francisco) und ist am unteren Randbereich häufig unscharf.
Wer mal satte und wuchtige Schüsse hören möchte, der sollte sich die ersten vier Minuten von Sisters Brothers anschauen, wenn nichts anderes zu hören ist als eben die abgefeuerten Abfolgen aus den Revolvern der beiden Brüder. Sie zerreißen (auch später noch mal) die Nacht mit einer Urgewalt, die selbst im Western-Genre ihresgleichen sucht. Ebenso dynamisch und effektvoll ist das krachende Gewitter nach knapp einer halben Stunde, das mehr nach schwerem Unwetter, denn nach ein bisschen Donner und Regen klingt (25’50). Das Pferdegetrappel kommt durchweg recht voluminös zur Geltung und Dialoge sind klar – allerdings muss man die Lautstärke etwas höher einpegeln als gewöhnlich.

Bonusmaterial

Im Bonusmaterial von Sisters Brothers gibt’s neben dem Trailer eine Frage-Antwort-Runde mit Regisseur Audiard und Jake Gyllenhaal nach einer Kinovorführung. Dazu ist noch das Featurette „Brothers Forever“ an Bord, das aber nicht mehr als ein einminütiger, von John C. Reilly kommentierter Kurztrailer zum Film ist.

Fazit

Sisters Brothers ist grandios gespieltes Westernkino, dessen Story weit tiefer geht als das Gros der Genrefilme – ein echter Geheimtipp für aufgeschlossene Filmfans. Die BD liefert leider ein sehr wechselhaftes Bild, dafür aber einen wuchtigen und in Shoot-outs sehr dynamischen Sound.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 85%
Tonqualität (Originalversion): 85%
Bonusmaterial: 40%
Film: 80%

Anbieter: Universum Film
Land/Jahr: Frankreich/Spanien/Rumänien/Belgien/USA 2018
Regie: Jacques Audiard
Darsteller: John C. Reilly, Joaquin Phoenix, Jake Gyllenhaal, Riz Ahmed, Rebecca Root, Allison Tolman, Rutger Hauer
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 122
Codec: AVC
FSK: 12

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Universum Film)

Trailer zu The Sisters Brothers

The Sisters Brothers – Trailer (deutsch/german; FSK 12)

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One thought on “The Sisters Brothers

  1. Avatar Florian Schäfer

    Endlich wieder ein Western! Yeah, count me in!

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