The Wolf’s Call – Entscheidung in der Tiefe

Blu-ray Review

Concorde, 07.11.2019

OT: Le chant du loup

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Drei Zitronen in einer Reihe

Äußerst packender U-Boot-Thriller aus Frankreich.

Inhalt

Chanteraide ist sich nicht sicher, was er hört

Chanteraide ist der Beste seines Fachs. Sein Gehör übertrifft das aller anderen, was ihn zum perfekten Sonar-Akustiker des französischen U-Boots „Titan“ macht. Während einer Rettungsmission, bei der man ein Special-Forces-Land-Team über die Torpedorohre evakuieren möchte, stößt er auf ein bisher unbekanntes Signal. Zunächst klassifiziert er es als kranken Wal. Doch kurz darauf stellt es sich als offenbar als U-Boot heraus, das den Standort des französischen Submariners an eine iranische Fregatte weitergibt. Die Rettung der Kampfschwimmer gelingt zwar, doch die Geheimoperation fliegt auf und es gibt Verluste beim Gegner. Chanteraides falsche Analyse des Sonars führt zu seiner Beurlaubung – und nicht nur das. Der abgeschossene Helikopter des Gegners löst eine waschechte internationale Krise aus und die Russen drohen nach dem Abbruch jeden Dialogs mit einem atomaren Erstschlag. Frankreich bleibt nichts anderes übrig, als zu reagieren. Sie schicken das Atom-U-Boot Effroyable ins Wasser. Kommandant ist erneut Grandchamp, der den Einsatz an der syrischen Küste geleitet hatte. Seine rechte Hand D’Orsi übernimmt eben jene Titan, um Geleitschutz zu geben. Grandchamp geht allerdings nicht ins Wasser, ohne Chanteraide als Sonar-Chef anzuheuern – zumal der gerade herausgefunden hat, welche beängstigende Signatur er da wirklich im Wasser gehört hat. Dumm dass man noch etwas Cannabis in seinem Blut nachweisen kann und Chanteraides Einsatz auf dem Boot damit gelaufen ist. Doch die Ereignisse überschlagen sich und seine Dienste werden an Land mehr benötigt als es der Welt lieb sein kann …

D’Orsi und Grandchamps müssen zum Rapport beim Admiral

Da schau mal her, liebes Hollywood. Was du zu Beginn der 90er dem Tom-Clancy-Hit Jagd auf Roter Oktober geschafft hast, führte lange Zeit zu einem Vakuum im hochwertigen U-Boot-Thriller. Erst Hunter Killer weckte Erinnerungen an diese Zeit und lieferte wieder diese unnachahmliche Spannung.
Frankreich hingegen ist nicht gerade bekannt für seine nervenzerrenden Actionthriller. Das Land, das eher für alberne Komödien, introvertierte Dramen oder überdrehte Actionfilme (Ausnahmen bestätigen selbstverständlich die Regel) steht, will’s nun aber wissen.
Und Antonin Baudry gibt die Antwort auf konsequente Weise. Mit seinem Regiedebüt The Wolf’s Call legt er einen U-Boot-Thriller erster Güte – oder besser Kajüte – vor.
Schon die 23-minütige Eingangssequenz entführt den Zuschauer auf einen Spannungstrip, der sich gewaschen hat. Selten schaffte es ein U-Boot-Film, dieses Gefühl, nur hören, aber nicht sehen zu können, so direkt auf den Zuschauer zu übertragen. Gebannt sitzt man vor der Leinwand, wenn Chanteraide rätselt, welche Klassifizierung das Geräusch ist, das er hört. Und wenn das Wolfsgeheul des Gegners durch die Boxen dröhnt, fühlt man die Angst, die den Männern im französischen Boot im Nacken sitzt.

Kann Diane Chanteraide helfen?

Und weil man aus einem 20-Mio.-Dollar-Budget das absolute Maximum herausgeholt hat, ist das (neudeutsch genannte) „Production Value“ erstaunlich hoch. Da schießt dann auch mal ein echtes U-Boot aus dem Wasser und der Helikopter in der Luft ist auch kein skaliertes Modell. Nein, dieser französische U-Boot-Thriller hat es drauf.
Baudry, der selbst als Diplomat unterwegs war, entwirft in der von ihm geschriebenen Story natürlich ein ziemliches Hoppla-Hopp-Szenario. Aber abseits der eher unrealistischen Schnell-Eskalation lässt er dem Zuschauer eh kaum Zeit, sich um die Logik zu kümmern. The Wolf’s Call hält Tempo und Spannungskurve hoch und kann sich dabei auf ein hervorragendes Darsteller-Ensemble verlassen – und damit sind nicht (zwingend) die beiden hierzulande bekannte(re)n Namen Omary Sy und Mathieu Kassovitz gemeint. Nein, es sind vor allem François Civil als Chainteraide und Reda Kateb als Grandchamp. Während Kateb authentisch den Zwiespalt aus Pflicht- und Verantwortungsgefühl sowie Bedenken der Situation gegenüber rüber bringt, kann Civil eindrücklich den jugendlichen Optimismus und unbändigen Wunsch, sich zu beweisen, vermitteln.

Admiral Alfost muss eine schwerwiegende Entscheidung treffen

Ein weiterer Pluspunkt des Films ist sein Sounddesign, das auf zwei Ebenen funktioniert. Erstens auf jener der offenen Konfrontationen. Während dies allerdings noch im Rahmen bekannter anderer Geräusch-Umsetzungen bleibt – auf hochwertigem Niveau, versteht sich – sticht die zweite Ebene hervor.
Diese wird immer dann bedient, wenn Chanteraide über die Vorfälle nachdenkt, kombiniert oder aber schlicht eine Nacht mit seiner frischen Freundin Diane verbringt. Von pumpendem Bass, der pulsierende Herzen symbolisiert, über Ultraschallgeräusche eines gleichmäßigen Blutkreislaufs bis hin zum verstärkten Klackern eines PC-Keyboards. Wenn Chanteraide seinen zwischenzeitlichen Test bestehen muss, nimmt der Sound den Zuschauer dann direkt in die Mitte und man ist selbst geneigt, die Geräusche analysieren zu wollen.
Jedes Mal, wenn der Sonar-Analyst die Kopfhörer aufsetzt, ist Spannung angesagt und während die Ereignisse selbst immer wieder überraschende Haken schlagen, halten sich die ultrapatriotischen Töne in Grenzen. Natürlich darf man Wolf’s Call auch als Demonstration neuen französischen Selbstbewusstseins verstehen. Mitunter hat der Film seine stärksten Szenen, wenn es um die Diskussion um die Einhaltung von Protokollen geht, um deren Sinnhaftigkeit. Man kann beide Seiten der Argumentation nachvollziehen und möchte nicht in der Haut der Entscheidungsträger stecken.

Kann Chanteraide dem Druck standhalten?

Bild- und Tonqualität

Allzu patriotisch wird’s in „Wolf’s Call“ nicht

U-Boot-Filme sind oft auch Unterwasserfilme – eh klar. Wenn das Geschehen aber abtaucht, läuft eine Blu-ray oftmals Gefahr, die kritischen Farbabstufungs-Nuancen unterschiedlich heller und dunkler blauschwarzer Bereiche nicht mehr fein aufzulösen. Sogenanntes Banding ist die Folge – sichtbare Abstufungen in den Farbübergängen.
Doch die Unterwasser-Szenen sind nicht das Einzige, das in U-Boot-Filmen für anspruchsvolle Bilder sorgt. Fast noch schwieriger sind die Gefechtsstations-Momente, die in der Regel vom durchdringenden Rotlicht als einzige Lichtquelle im ansonsten stockfinsteren Innenraum des Bootes begleitet werden. Hier kommt es dann häufig zu Überkontrastierungen.
Letzteres hält sich bei Wolf’s Call sehr im Rahmen. Die Close-ups bleiben trotzdem scharf und nur wenige helle Bereiche auf den Gesichtern beginnen leicht zu überstrahlen (Sys Nase bei 10’30). Ein ganz geringfügig hinzugefügtes Korn vermeidet allzu matschige Farboberflächen und wirkt filmisch. Schwarzwerte und Kontrastdynamik passen ansonsten. Das angesprochene Banding hält sich zunächst in ganz engen Grenzen, wird dann aber leider doch deutlich sichtbar. Beim Tauchgang D’Orsis ab 88’44 wird es teilweise sogar heftig und bildet deutliche Blöcke, während die Datenrate auf durchschnittliches DVD-Niveau sinkt – schade für ein ansonsten sehr stabiles Bild.

D’Orsi glaubt daran, die Ereignisse noch stoppen zu können

Wolf’s Call kommt mit zwei dts-HD-Master-Spuren, die dementsprechend unkomprimiert sind und schon den Düsenjet zu Beginn effektvoll von den Rears zu den Fronts schicken. Auch der Hubschrauber, der später auftaucht wird räumlich dargestellt und die im Film vorkommenden Explosionen sind relativ dynamisch.
Besonders gut funktioniert der Sound allerdings in den Momenten, wenn der Film auf Sonar-Empfang geht. Dumpf-gedämpfte Meeresgeräusche, die (zu Beginn) schon mal vom Trommeln der Einheimischen abgelöst und ansonsten vom rumpelnden Ton einer Fregatte durchbrochen werden; ein leises Drehen einer Schiffsschraube – das macht akustisch eine Menge Spaß und sorgt für Spannung. Es sind gerade diese feineren Vertonungen, in denen nur wenig mehr als ein Rauschen zu hören ist, bei denen man gebannt vor dem TV oder der Leinwand sitzt. Und der Sound von Wolf’s Call macht das hervorragend. Weder gibt er sich in den leisen Szenen die Blöße, noch bricht er ein, wenn’s dynamischer wird. Der letzte Kick im Tiefbass mag gegenüber den großen US-Produktionen vielleicht fehlen, aber das ausgeklügelte Sounddesign macht ansonsten durchweg Spaß. Dabei bleiben die Dialoge durchweg verständlich und gehen auch in den lauteren Szenen nicht unter.

Bonusmaterial

„Wolf’s Call“ betrachtet den U-Boot-Thriller mal aus einer anderen Perspektive

Im Bonusmaterial von Wolf’s Call finden sich neben einem Interview mit Kassovitz und Sy noch ein Featurette sowie ein Making-of. Das „Immersion“ getaufte Featurette läuft beachtliche 45 Minuten und ist ganz nahe dabei, wenn die Crew an Bord des Hubschraubers oder U-Boots ist. Die Darsteller beschreiben, wie sie sich während der Tauchgänge gefühlt haben und dass man die Enge erst realisiert, wenn man drin steckt. Omar Sy beispielsweise fehlen die Bullaugen, die man von Schiffen kennt. Erst wenn man wirklich unter Wasser ist, so sagt er, bekommt man ein Gefühl dafür, wie es ist, wenn man aus keiner Art von Fenster schauen kann.
Außerdem können wir zusehen, wie sie auf die Abläufe in den Kommandoräumen trainiert wurden und wie man die Sets mit dem authentischen Material ausgestattet hat. Das Making-of läuft mit zehn Minuten deutlich kürzer und gleicht mehr einer unkommentierten B’Roll. Charmant ist das Interview, in dem Kassovitz seinen jüngeren Kollegen ungläubig fragt, ob er wirklich noch nicht Das Boot gesehen habe.

Fazit

Wolf’s Call liefert zwei Stunden Hochspannung, die es locker mit den besten U-Boot-Thrillern amerikanischer Herkunft aufnehmen kann. Stark besetzt, hochwertig gefilmt und mit einem klasse Sounddesign gesegnet, gehört Baudrys Film zu den Überraschungen der diesjährigen Veröffentlichungen im Heimkino.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 70%
Film: 85%

Anbieter: Concorde Home Entertainment GmbH
Land/Jahr: Frankreich 2019
Regie: Antonin Baudry
Darsteller: François Civil, Omar Sy, Mathieu Kassovitz, Reda Kateb, Paula Beer
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, fr
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 116
Codec: AVC
FSK: 12

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Concorde Home Entertainment)

Trailer zu Wolf’s Call

THE WOLF'S CALL – ENTSCHEIDUNG IN DER TIEFE | Trailer | Deutsch | offiziell | HD | Ab 7. November

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2 thoughts on “The Wolf’s Call – Entscheidung in der Tiefe

  1. Avatar hook

    für frankreich gibt es eine UHD … ist bekannt, ob es auch eine UHD für den deutschen markt geben wird ???

    • Da WOLF’S CALL hierzulande bei einem anderen Anbieter erscheint als in Frankreich und Concorde für Deutschland keine UHD angekündigt hat, gehe ich nicht davon aus, dass es diese doch noch geben wird.

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