Blu-ray Review

OT: Titanic

Rose und Jack
Der lange Zeit erfolgreichste Film aller Zeiten erlebt seine lang erwartete 4K-Premiere.
Inhalt

Brock Lovett ist mit seinem Team Mitte der 90er im Nordatlantik auf der Suche nach einem Diamantcollier, das er an Bord der Titanic vermutet und aus dem Schatz Ludwigs XVI. stammen soll. Als sie aus einer der Suiten einen Safe bergen, finden sie darin allerdings nur eine Aktzeichnung einer jungen Frau, die das Collier trägt. Als über den Fund im Fernsehen berichtet wird, sieht Rose Calvert die Show und nimmt Kontakt zu den Schatzsuchern auf. Sie gibt an, die auf der Zeichnung abgebildete Frau zu sein. Doch die Gruppe rund um Lovett misstraut Rose, da diese (unter ihrem früheren Namen) beim Untergang des Schiffs ums Leben gekommen sei. Als Rose vor Ort auftaucht, erzählt sie den verblüfften Schatzsuchern ihre Geschichte. Eine Geschichte, an deren Ende die gestandenen Abenteurer mit Tränen in den Augen zurückbleiben …

Als James Cameron nach Terminator, Aliens, Abyss, Terminator II und True Lies zum ersten Mal komplett aus der Action-, bzw. SciFi-Ecke herauskam, war die Skepsis nicht nur beim Publikum groß. Auch das produzierende Studio 20th Century Fox traute dem Braten nicht so recht. Dennoch überzeugte Cameron das Studio, sogar Budget für das Filmen am und im Schiffswrack freizugeben. Mehrere Tauchgänge in Kooperation mit russischen, amerikanischen und kanadischen Wissenschaftlern wurden vollzogen, um ausreichend Filmmaterial zu haben. Dass der Regisseur für die Umsetzung der Schiffszenen auf Special Effects setzte und nicht, wie man ihm anbot, eine Replika anfertigen ließ, musste ebenfalls von Fox abgenommen werden. Denn die Realisierung über Special Effects war rund doppelt so teuer wie die Möglichkeit, mit einem Modell zu arbeiten. Als die Produktionskosten während der Dreharbeiten und der Postproduktionsphase noch einmal exzessiv stiegen, zog 20th Century Fox fast die Reißleine. Sogar Camerons Absetzung als Regisseur stand im Raum. Immerhin hatte man mit bereits extrem teuren 150 Mio. Dollar Produktionskosten gerechnet und musste am Ende 200 Mio. Dollar berappen. Hätte Fox damals für die Auswertung in Nordamerika nicht Paramount mit an Bord geholt – wer weiß, ob Titanic jemals realisiert worden wäre.

Doch er wurde fertiggestellt. Und er kam ins Kino. Als damals teuerster Film aller Zeiten. Und er wurde zum Erfolg. Zum größten Erfolg der damaligen Zeit. Mit einem initialen Einspielergebnis von 1,8 Mrd. Dollar blieb Titanic für 12 Jahre an der Spitze der Liste der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Es war an Cameron, sich selbst zu entthronen, als er 2009 mit Avatar – Aufbruch nach Pandora erneut für das größte Einspiel aller Zeiten sorgte. Hierzulande ist Titanic nach Das Dschungelbuch bis heute der meistbesuchte Kinofilm aller Zeiten – 19 Mio. Menschen sahen ihn in Deutschland. Und damit rund sieben! Mio. mehr als Avatar. Und ohne Übertreibung dürfte die Zeit kurz nach dem Jahreswechsel 1998 für ein großes Umsatzplus in der Taschentücher-Branche gesorgt haben. Auch ich befand mich seinerzeit in einem Kino in Wesel, um Cameros Epos zu begutachten. In einer Zeit, in der man in den Kinos noch zugequalmt wurde und das Internet noch in den Kinderschuhen steckte. Informationen holte man sich noch aus Printmedien (das sind diese Dinger mit bedruckten Blättern drin) und selbst dort wurde eine Art “Hype” vermittelt, den Cameron mit seinem Film ausgelöst hatte. Und ja, ich darf zugeben: Auch mir hing ein Kloß im Hals, als Jack seiner Herzensdame am Ende den Vortritt auf dem schwimmenden Stück Holz ließ. Davor waren drei Stunden emotionale Achterbahnfahrt vergangen, die in einer für damalige Zeiten unglaublichen Katastrophensequenz mündeten. Trotzdem die Darsteller realistisch betrachtet maximal durchschnittliche Leistungen ablieferten, fieberte man mit Rose und Jack in ihrem Romeo-und-Julia-Szenario mit. Vielleicht schon alleine deshalb, weil Billy Zane so ein absoluter Stinkstiefel ist. Vermutlich hätte man mit jedem mittelmäßigen Akteur mitgefiebert, der sich gegen Zanes Arroganz gestellt hätte. Kate Winslet und Leonardo DiCaprio jedenfalls halfen ihre Rollen, die zuvor mehrere andere Darsteller einnehmen sollten. Vor allem DiCaprio machte sie zum Superstar. Ihm flogen plötzlich alle Frauenherzen zu.

Aus heutiger Sicht sind die Special Effects leider überhaupt nicht gut gealtert. Viele der Überflugszenen über das Schiff sehen schlechter aus als Cutscenes von Videospielen aus einem ähnlichen Zeitraum und die digitale Titanic sieht vor dem Himmels- und Meereshintergrund ziemlich unnatürlich eingefügt aus. Cameron ist ein digitaler Pionier und wäre es nicht an ihm gewesen, hätten viele Filmemacher nach ihm sicherlich Schwierigkeiten gehabt, auf den VFX-Zug aufzuspringen. Dennoch: Praktische Effekte aus Filmen, die weitaus älter sind, funktionieren auch heute noch. Und charmanter wäre es sicher gewesen, Cameron hätte für weit weniger Geld das Angebot angenommen, eine Replika bauen zu lassen. Beim nun nochmaligen Schauen des Films wurde ich dann doch immer wieder rausgerissen, weil’s einfach nicht wirklich überzeugend ist. Solange das Geschehen aber im Inneren oder später in der dunkleren Umgebung spielt, ist die Konzentration aufs Geschehen wieder möglich. Und wenn man Titanic an seiner Ausstattung, der musikalischen Untermalung und dem zugespitzten Arm-Reich-Drama misst, dann lässt man sich auch heute noch von der Geschichte gefangennehmen und fiebert bis zur unvermeidlichen Frage mit: Hätte Jack auch noch auf die Holztür gepasst? Oder wäre es doch unmöglich gewesen?






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Bild- und Tonqualität BD

Die reguläre 2D-Blu-ray von Titanic stammt aus dem Jahre 2012 und kam zeitgleich mit der 3D-Blu-ray-Fassung, für deren Kino-Wiederaufführung Cameron den Film in 4K remastern ließ. Mehr dazu im nächsten Kapitel bei “Bildqualität UHD”. Der damaligen Blu-ray unterstellte man seinerzeit vielfach Referenzwerte. Aus heutiger Sicht ist das ein bisschen differenzierter zu betrachten. Schon das Abtauchen des Mini-U-Boots zu Beginn offenbart, dass das Encoding nicht perfekt ist, so manche Klumperei verursacht und auch bei der Farbabstufung hakt es ein wenig. Zweifelsohne passiert das in einer extrem schwierigen Farbübergangs- und Beleuchtungssituation – also im Bereich der maximalen Herausforderung für eine 8-Bit-SDR-Scheibe. Wechselt das Bild allerdings in regulär beleuchtete Innenraumszenen, wird’s wirklich richtig gut. Die Close-ups von Bill Paxton waren für 2012 wirklich herausragend gut und scharf. Ja, ein wenig Filterung und Schärfung scheint hier auch passiert zu sein, wenn man sich die Augenbrauen bei 8’25 so anschaut, die schon arg krisp erscheinen. Auch Rose’ Falten und Furchen wirken bei näherem Hinsehen gefiltert und nachgeschärft. Außerdem überstrahlen helle Oberflächen ein wenig (Boot bei 8’28) und in einem Mix aus Encoding und etwaiger Filterung gehen auch schon mal die feinen Details wie gespannte Kabel oder Seile in der gleichen Einstellung verloren. Dass die aus heutiger Sicht nicht mehr überzeugenden Effect-Shots herausstechen, kann man auch hier schon deutlich sehen (Umrisse der Titanic bei 29’04). Gruselig auch die digital kreierten Darsteller bei den Vogelperspektiven/Kamerafahrten über die Titanic. Das hatte dann halt schlicht und ergreifend 1997er-Videospiel-Cutscene-Niveau. Erstaunlich, wie steif ein Kapitän dastehen kann und wie künstlich sein Erster Offizier sich bewegt (31’21). Natürlich darf man das heute als charmant bezeichnen. Und hier kann man erfreut über das wenig flüssige 24p-Bild sein, dass die künstlichen Figuren in Schwenks aus der Vogelperspektive einfach wegstottert. Sehr gut gelingen dafür die Farben, die wahlweise authentisch kühl gehalten sind (anfängliche Szenen unter Wasser) oder mit warmer Ausarbeitung gefallen, wenn es in Rose’ Zuhause oder auf die Titanic geht. Schön eingefangen wird auf dem Riesendampfer die Körnung. Das wirkt im besten Sinne durchaus filmisch und nie mutwillig gefiltert-digitalisiert. Die nun der 4K-Disk beiliegende Blu-ray ist leider nicht neu gemastert und basiert daher auch nicht auf dem Workflow, den man für die 4K UHD Blu-ray nutzte. Kurz gesagt: Es ist die gleiche Scheibe wie vor elf Jahren.

Auch dem DTS-Ton von Titanic wurde damals in vielen Rezensionen eine referenzhafte Anmutung unterstellt. Das gilt allerdings nach heutigen Gesichtspunkten nur noch etwas eingeschränkt. Die Filmmusik hat gelegentlich mit den Hochtonanteilen zu kämpfen und DiCaprios Stimme beim “Nein, natürlich nicht, aber darum geht’s nicht” Richtung Land klingt gefiltert und dünn. Ganz anders die wuchtigen Szenen im Maschinenraum, die mit viel Einsatz von Tiefbass einhergehen und wunderbar dynamisch rüberkommen. Auch in der letzten Stunde darf der Ton zeigen, was er kann, wenn das große Schiff in zwei Teile zerbricht und final gen Meeresboden sinkt. Überall kracht, splittert und spratzelt es und die zwei Schüsse nach 146’50 kommen äußerst dynamisch zum Ohr. Geradezu markerschütternd wird’s, wenn das Hinterteil der Titanic im späteren Verlauf noch einmal auseinanderbricht und die Subs richtig gut zu tun bekommen. Das hat in Summe schon einen großen Spaßfaktor, auch wenn die Synchro nicht immer mustergültig voluminös ist.






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Bild- und Tonqualität UHD

Kameramann Russell Carpenter nahm Titanic seinerzeit mit einer Mischung aus mehreren analogen Kameras auf. Zum Einsatz kamen die Arriflex 35 III, die Panavision Panaflex Gold II und die Panavision Panaflex Platinum. Das Ganze wurde auf 35-mm-Filmmaterial aufgezeichnet. Für die 2012er Fassung des Films wurde (angeblich) ein 2K-DI nach einem erfolgten 4K-Scan erstellt. Andere Quellen sprechen von einem kompletten 4K-Workflow. Dort steht:
The Reliance process is typically accomplished in 2K resolution–the most common resolution used today in digital cinema — but Cameron took it a step further onTitanicwith a complete 4K pipeline, which involves four times more data. The restoration ofTitanicwas completed earlier this year in roughly 10 weeks.
Sowie an anderer Stelle: RMW Burbank honed it 3D chops working with James Cameron on “Avatar” and, earlier, his 2003 documentary “Ghosts of the Abyss.” It recently completed a restoration on the helmer’s “Titanic” using an entirely 4K pipeline and it is now doing the same with his films “The Abyss” (1989) and “True Lies” (1994).
Das Ganze wurde von Reliance Media Works im Lowry-Verfahren vorgenommen. Das Problem, das sich nachher im Bild zeigt, beginnt also bereits hier: Welche Aussage ist korrekt? Basierte die damalige Blu-ray bereits auf einem kompletten 4K-Workflow, wie die offizielle Aussage von Reliance Media berichtet und basiert darauf nun auch die 4K-Disk? Oder liegt die Wahrheit in der zitierten Aussage von Geoff Burdick von Lightstorm, der behauptet, dass man auf einem 2K-DI aufgebaut hat, das für die 3D-Kinoauswertung genutzt wurde? Die Aussage von Burdick lässt allerdings viel Raum für Spekulationen, da sie missverständlich gelesen werden kann.
Unabhängig davon hatte James Cameron fünf Jahre nach der Wiederveröffentlichung in 3D, also 2017, Titanic noch einmal in Dolby Vision remastern lassen und auch in Kinos vorgeführt. Und im letzten Jahr, zum 25. Jubiläum, fügte Cameron auch noch nachträglich HFR (High Frame Rate) hinzu, um den Film erneut in die Kinos zu bringen. Die HFR hat es jetzt nicht auf die UHD Blu-ray geschafft, sehr wohl aber die HDR-Fassung inkl. nativer 4K-Basis – wenn man beim ursprünglichen 4K-Scan von 2012 als Basis sprechen kann. Denn auf diesem basiert nun auch wieder die UHD Blu-ray. Es wurde also kein komplett neuer 4K-Scan durchgeführt, sondern auf das zurückgegriffen, was 2012 bereits gemacht wurde. Allerdings erstellte man davon nun (erneut angeblich) ein neues 4K-DI. Bei den VFX hatte man im Laufe der Jahre beispielsweise auch einige Szenen verändert oder korrigiert (bspw. den Sternenhimmel am Ende des Films, die zunächst nicht korrekt nach Datum und Zeit der Historie abgebildet waren). Um das Material jetzt für die UHD Blu-ray fit zu machen, hat Camerons Lightstorm mit Peter Jacksons Park Road Post zusammengearbeitet. Das Material wurde Szene für Szene neu gemastert, wobei durchaus “Grain Management” (also die Bearbeitung der Filmkörnung) stattgefunden haben soll. Da Jacksons Park Road Post eher berüchtigt für die Reduktion von Filmkorn ist, grummelte es vielen Fans der authentischen Bildwiedergabe vorab im Magen. Sie befürchteten ein DNR-Feuerwerk und ein völlig gecleantes Bild. Das Resultat wurde im Übrigen von Cameron und Produzent Landau abgenommen.

Jetzt war Avatar ein AI-Upscale Desaster beispiellosen Ausmaßes und der ebenfalls massiv rauschgefilterte und nachgeschärfte Terminator 2 hat gleichfalls mit einem zweifelhaften Ruf zu kämpfen. Im Falle von Avatar war’s vielleicht nachvollziehbar, weil Cameron den Look an den zweiten Teil angleichen wollte und der erste Teil nun mal nur in Full-HD und digital gedreht wurde. Im Falle von Terminator 2 waren die Voraussetzungen durch das analoge Filmmaterial und einen 4K-Scan besser, allerdings wurde das Ganze für die 3D-Konvertierung optimiert und die 4K-2D-Fassung war offensichtlich eher ein “Abfallprodukt” der 3D-Version, die zudem nach allem, was man weiß und schlussfolgern kann, gar nicht in nativem 4K vorliegt, sondern nur “ein Auge” des stereoskopen Streams nutzt. Für Titanic, der ebenfalls analog gedreht wurde, könnten die Voraussetzungen ähnlich gut sein. Zumal dessen 2012er Blu-ray, die auf dem 4K-Remaster beruht, keineswegs totgefiltert war. Auch die Tatsache, dass Disney hier ausnahmsweise mal Dolby Vision als Grading auf einer physischen Disk “zulässt”, spricht für die Scheibe. Um es kurz vorwegzunehmen: Titanic ist keine exzessiv rauschgeminderte Aquarellpampe, schon gar nicht durchgängig. Und damit kann man die größte Befürchtung zumindest etwas zerstreuen. Es kann zudem gesagt werden: Besser sah der Film auf einer physischen Disk noch nie aus. Jeder, der nicht zu hundert Prozent genau hinschaut, kann nun aufatmen, sich die Scheibe bestellen, am Tag der Veröffentlichung genießen und an dieser Stelle nicht weiterlesen. Wer dennoch weiterlesen möchte, bekommt allerdings auch ein paar mehr Informationen über vorhandene Probleme. Wenden wir uns zunächst der Auflösung/Schärfe zu. Schaut man in Rose’ gealtertes Gesicht, so werden die Fältchen noch etwas deutlicher und auch das nicht ganz perfekte Make-up lässt sich noch besser erkennen (15’25). Allerdings gibt es auch Momente, in denen die AI zugeschlagen hat. Besonders die Nachschärfung einiger Szenen lässt das erkennen und weckt dezente Erinnerungen an jene aus Avatar. So sieht Bill Paxtons Gesicht bei 20’07 alles andere als natürlich aus und weist im Bart, auf dem Pulli und beim Weiß der Augen unschöne Effekte auf. Hier schlug definitiv eine Nachschärfung nach vorheriger Rauschreduktion zu. Die AI, die hier am Werke war, produziert durch die Schärfeanhebung auch an anderen Stellen unschöne Muster aus der Körnung (89’19 zwischen den beiden Herren am rechten Bildrand auf der Scheibe im Hintergrund). Andere Aufnahmen wie jene vom Schiff bei 8’26 profitieren von einem etwas natürlicheren Look und sehen nicht relevant künstlich geschärft aus. Man darf aber durchaus über diese “neuen” Details diskutieren – vor allem darüber, ob sie wirklich vorhanden sind oder digital kreiert wurden. Der Saum am Rand des Stuhls bei 45’26 oder auch das Rattan bei 70’19 weisen Details auf, die von der Blu-ray komplett verschwiegen worden, während die Körnung in diesen Momenten feiner herausgearbeitet (aber noch nicht perfekt encodiert) ist. Dennoch bleibt die Vermutung, dass man es hier nicht mit einem durchweg nativen 4K-Bild, sondern eher mit einem hoch prozessierten Bild zu tun hat. Das kann natürlich daran liegen, dass 4K-Scans im Jahre 2012 noch nicht so hochwertig waren, wie sie es heute sind. Aber viele Einstellungen hinterlassen einen eher künstlichen, denn einen organischen Schärfelook. Und die Close-ups der Darsteller nach gut drei Stunden, wenn Rose und die Crew von Lovett noch einmal zu Wort kommen, sind einfach diese Spur zu scharf. Das sieht zwar beeindruckend aus, zeigt aber selbst im Bewegtbild Spuren einer künstlichen Nachschärfung. Eine weitere Frage, die sich hier stellen könnte: Ist das Korn, das man hier sieht, das originale Filmkorn oder Resultat einer Rauschminderungs-/Nachschärfungs-/Digitales-Korn-Hinzufügens-Kette? Indiz dafür könnte sein, dass einige Szenen gegenüber der alten Blu-ray durchaus stark rauschgemindert und sehr glatt erscheinen.

Schaut man sich die VFX an, wirken diese auch etwas detaillierter (Leitern an den Schornsteinen bei 29’03), allerdings fallen die visuellen Effekte vor dem Hintergrund auch stärker auf. So sieht die Titanic bei eben jener Laufzeit schon sehr gemalt aus und ihre Konturen wirken arg hart. Und wenn Rose und Jack bei 142’30 vor dem Wasser fliehen, sieht man das Ersetzen ihrer Gesichter auf (offenbar) Stuntperformern nun noch deutlicher. Dennoch hat man auch bei den digitalen Effekten noch mal Hand (oder eine AI) angelegt. Schaut man sich bei 31’21 die Streifen auf dem Ärmel des Captains an, sind diese nun von dunkleren Streifen durchwirkt. Auch die Handknöchel kann man erkennen, wo die Blu-ray keinerlei Struktur offenbarte. Im Hintergrund lässt sich das “Stop” auf dem Rad besser erkennen. Künstlich sehen diese Szenen dennoch nach wie vor aus. Aber dafür kann die UHD Blu-ray nichts. Sehr wohl aber für ein harmonischeres Grading. Zunächst einmal ist positiv, dass die HDR-Disk kaum relevant dunkler ist. Dafür liefert sie kräftigere Brauntöne und nimmt die Gelbanteile etwas weg. Davon profitieren auch Gesichter, die nun natürlicher erscheinen. Die UHD-BD zeichnet auf hellen Oberflächen (Jacke bei 70’19) etwas besser durch, ist im Schwarz aber satter und bei Farben durchweg eine Spur kräftiger. Der Output bleibt dennoch ein zweischneidiges Schwert. Während das ganz üble Terminator-2-/Avatar-Gepansche ausbleibt und Titanic über die 4K-Disk in Summe besser aussieht als die Blu-ray von vor zehn Jahren, wurde dennoch recht viel prozessiert. Vor allem einige Nachschärfungen fallen unangenehm auf. In den überschwänglich positiven Kanon bereits vorhandener Reviews kann ich an dieser Stelle nicht einstimmen, sehr wohl würde ich persönlich den Film aber lieber über die neue UHD Blu-ray als über die alte Blu-ray schauen.
Persönliche Einschätzung: Wenn ich mir das durchweg prozessierte Bild anschaue, vermute ich, dass es damals einen kompletten 4K-Workflow gegeben hat, der auch als Basis für die UHD Blu-ray genutzt wurde. Allerdings ist auffällig, wie anders die Körnung bisweilen aussieht, wenn man es mit der Blu-ray vergleicht. Ich tendiere dazu anzunehmen, dass man für die UHD Blu-ray das Material dieses 4K-Workflows genutzt hat, es aber von der ursprünglichen Körnung weitgehend befreit hat. Dabei sind Bildinformationen verlorengegangen (Korn ist ja bekanntlich Bildinhalt). Nach dem De-Noising hat man die AI verwendet, die für die Nachschärfung verantwortlich ist und die versucht hat, Details wiederherzustellen, die zuvor durch das De-Noising verlorengegangen sind. Das ist mal gut, mal nicht ganz so gut gelungen. Und es hat an vielen Stellen durch übertriebenen Eingriff zu Artefakten und sichtbaren Wachseffekten geführt. Die dezente Körnung, die man beim Bild der UHD Blu-ray sieht, hat man (erneut meine Vermutung) digital hinzugefügt, um es etwas filmischer wirken zu lassen.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD Blu-ray zeigt hier das natürlichere Korn.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … liefert die neue Disk nur wenig Neues an Details.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … sieht’s schon noch etwas knackiger aus. Hier noch ohne Überschärfungsprobleme.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD Blu-ray zeichnet im Himmel und auf der weißen Front besser durch.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): wirkt es zunächst detailreicher. Allerdings sieht man bereits Überschärfungen rund um die rote Schrift. Dafür ist die Körnung deutlich homogener.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Ganz anders die 4K-Disk. Schon in der Übersicht fällt auf, dass die UHD Blu-ray etwas zu scharf ist.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Und wirklich schön sieht das nicht aus. Dieser Shot erinnert doch sehr an Teile aus dem Avatar-AI-Desaster. Rund um die Augen, die Umrandung vom Mund, die Nasenlöcher, der weiße Kringel um die Iris – das sieht nicht nach mehr Auflösung aus, sondern nach Nachschärfung des alten 2K-DIs.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die Kontrastdynamik ist ein wenig besser. Doch nicht nur das …


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … kann man das “Stop” hinter der Scheibe lesen und auch die dunklen Streifen am Ärmel vom Captain sind zu erkennen.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … durchaus etwas knackiger aus.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … dass in der Tat mehr Details zu sehen sind. Kann das alleine eine AI?


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD Blu-ray ist authentischer braun und kräftiger in den Hautfarben.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): mehr Details zu haben scheint, der rechte aber unter Artefakten leidet.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … das alles sieht detailreicher aus.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … zeigen die unschön verstärkten Rauschmuster zwischen den Herren und an der linken Gesichtshälfte des Mannes auf der rechten Seite.

Die UHD Blu-ray kommt für beiden Tonspuren mit einer neuen Codierung. Das Englische erhält Dolby Atmos, während man über die deutsche Tonspur im Vorfeld mal wieder versammelten Vorabärger ausgeschüttet hat. Denn, wie oben geschrieben, hatte man die DTS-Spur der alten Blu-ray gerne vielerorts gelobt und direkt wieder das Allerschlimmste vermutet, als klar wurde, dass die UHD Blu-ray “nur” mit einer regulären Dolby-Digital-Fassung kommen wird. Jetzt ist es aber schon bei Prey so gewesen, dass Dolby Digital keineswegs schlecht klingt, wenn’s gut gemacht ist – selbst dann nicht, wenn’s von Disney kommt. Man könnte eher vermuten, dass die ursprünglich von Fox kommenden Titel (wie eben auch Titanic oder Prey), die Dolby Digital fürs Deutsche erhalten, weniger stark von Disney angefasst und dynamikkomprimiert werden als die hauseigenen Titel. Hören wir uns die DD-Version gegenüber der DTS-Spur der alten Blu-ray an, so geht diese in den relevanten Actionszenen zunächst einmal rund 4-5 dB leiser zu Werke. Und leider auch etwas weniger dynamisch. Der Untergang ab Minute 160 wird zwar immer noch wuchtig und auch mit Nachdruck umgesetzt (vor allem, wenn man die Lautstärke zuvor um eben jene 4-5 dB anhebt), doch ganz so dynamisch und knallig wie beim DTS-Ton ist’s dann nicht. Auch die Schüsse bei 146’50 fallen nicht so knackig, zerreißen die durcheinander sprechenden Stimmen nicht in der gleichen Form wie über die Tonspur der alten Blu-ray. Das gilt aber übrigens im gleichen Maße auch für die englische Dolby Atmos Fassung, die ebenfalls schwächer agiert als ihr “altes” DTS-HD-Master-Pendant. Um keine Missverständnisse zu erzeugen: Gegenüber den extrem müden Marvel-Blu-rays/UHD Blu-rays klingt die DD-Spur von Titanic besser und auch dynamischer. Aber sie bleibt eben hinter der alten DTS-Fassung zurück. Wer ganz besonders kritischer Hörer ist, der zieht bei der Wertung noch einmal 10 Prozent ab, aber gerade im Verhältnis zu Marvel-Titeln geht das doch noch in Ordnung.

Knöpfen wir uns die Atmos-Fassung des O-Tons mal auf der Höhen-Ebene vor, so liefert diese direkt schon mal Echolot-Geräusche der Mini-U-Boote sowie ein hörbares Rauschen, wenn sie von oben hereinschweben. Das tut auch der Helikopter bei 14’06 und lässt seine Rotoren glaubwürdig von den Heights flappen. Die Umsetzung gelingt hier äußerst realistisch. Auch die Filmmusik legt sich in einigen Momenten mit nach oben, was sehr homogen und perfekt abgemischt klingt. Schwankungen, die an einen “billigen” Upmix erinnern würden, sind nicht zu hören. Wenn nach 26’28 das Schiffshorn erklingt, fällt man vor Schreck fast aus dem Sessel. Auf dem Schiff selbst passiert fast nichts mehr. Auch Szenen in den geschlossenen Sälen, wenn Musik gespielt wird, bekommen keine zusätzlichen Höhen-Anteile. Erst, wenn es nach 99 Minuten in Richtung Action geht und das Innere des Maschinenraums voluminös in Szenen gesetzt wird oder die Schraube im Wasser zu hören ist, geht es wieder auf die Höhenspeaker. Sobald die dramatischen Szenen vom Sinken der Titanic das Geschehen dominieren, gibt’s auch wieder 3D-Sounds. Auch so etwas wie eine Signalrakete nach 115 Minuten zischt mal über die Höhen-Speaker. Einige Szenen im Wasser, das in das Schiff eingedrungen ist und durch das sich Rose und Jack kämpfen müssen, werden ebenfalls sehr effektvoll von oben begleitet.






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Bonusmaterial
Das Bonusmaterial liegt (ausgenommen der drei bereits bekannten und nicht untertitelten Audiokommentare) auf einer zusätzlichen dritten Blu-ray vor. Dort finden sich insgesamt drei Dokumentationen, sechs Hinter-den-Kulissen-Featurettes sowie entfernte Szenen, Trailer und das Musikvideo von Céline Dion. Bereits die drei Dokus liefern Material von rund zweieinhalb Stunden Laufzeit und sind neueren Datums. Mithin sind diese bereits so spannend wie der Film selbst. Vor allem der Tei, in dem Cameron “die letzten Geheimnisse” verrät. Die Hinter-den-Kulissen-Featurettes sind älteren Datums und deshalb bereits bekannt. Dennoch ein rundum gelungener Bonuspart.
Fazit
Titanic funktioniert als romantisches Drama bis zum tränenreichen Ende auch heute noch sehr gut. Für Cameron war’s ein Meilenstein in seiner Karriere und für die Kinogeschichte ebenfalls. Diesen Meilenstein gibt es jetzt als 4K-Disk, die bei der Bildqualität mal überzeugend, mal weniger überzeugend agiert. Die grundsätzliche Schärfe wirkt mitunter stark verbessert, was aber deutlich mehr prozessiert als nativ aufgelöst erscheint. Dennoch hat man den Film über weite Strecken noch nie so plastisch gesehen. Wer allerdings kein Freund von Nachschärfungen ist, sollte mit Vorsicht an die UHD Blu-ray gehen. Zwar ist das hier sehr weit entfernt vom AI-Desaster eines Avatar, aber dennoch sieht man gelegentlich ähnlich verunglückte Einstellungen. Über die drei Stunden Film verteilt bleibt es allerdings homogener und deshalb in Summe und mit zugedrücktem Auge die bisher beste Möglichkeit den Film zu Hause zu schauen. Der Ton hat etwas (aber nicht extrem) unter seinem Wechsel zu Disney gelitten, ist aber immer noch gut anhörbar.
Timo Wolters
Bewertung
Bildqualität BD: 70%
Bildqualität UHD: 70%
Tonqualität BD (dt. Fassung) (2012/2023): 90%
Tonqualität UHD (dt. Fassung): 80%
Tonqualität BD (Originalversion) (2012/2023): 90%
Tonqualität UHD 2D-Soundebene (Originalversion): 80%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Quantität (Originalversion): 70%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Qualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 100%
Film: 80%
Anbieter: Walt Disney Studios
Land/Jahr: USA 1997
Regie: James Cameron
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Kate Winslet, Billy Zane, Kathy Bates, Gloria Stuart, Bill Paxton, Bernard Hill
Tonformate BD: dts-HD-Master 5.1: en // dts 5.1: de
Tonformate UHD (2023): Dolby Atmos (True-HD-Kern): en // Dolby Digital 5.1: de
Untertitel: de, en
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 194
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD-100
Real 4K: Ja (4K DI)
High Dynamic Range: HDR10, Dolby Vision
Maximale Lichtstärke: keine Angabe
FSK: 12
(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots liegt bei Anbieter: Walt Disney / 20th Century Fox)
*Affiliate-Links sind mit * gekennzeichnet. Für Einkäufe über diese Affiliate-Links erhalten wir eine Provision. Für den Käufer entstehen keine Mehrkosten. Infos zum Datenschutz findet ihr hier.
Trailer zu Titanic
So testet Blu-ray-rezensionen.net
Die Grundlage für die Bild- und Tonbewertung von Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays bildet sich aus der jahrelangen Expertise im Bereich von Rezensionen zu DVDs, Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays sowie Tests im Bereich der Hardware von Unterhaltungselektronik-Komponenten. Gut zehn Jahre lang beschäftigte ich mich professionell mit den technischen Aspekten von Heimkino-Projektoren, Blu-ray-Playern und TVs als Redakteur für die Magazine HEIMKINO, HIFI TEST TV VIDEO, PLAYER oder BLU-RAY-WELT. Während dieser Zeit partizipierte ich an Lehrgängen zum Thema professioneller Bildkalibrierung mit Color Facts und erlangte ein Zertifikat in ISF-Kalibrierung. Wer mehr über meinen Werdegang lesen möchte, kann dies hier tun —> Klick.
Die technische Expertise ist aber lediglich eine Seite der Medaille. Um stets auf der Basis von aktuellem technischen Wiedergabegerät zu bleiben, wird das Testequipment regelmäßig auf dem aktuellen Stand gehalten – sowohl in puncto Hardware (also der Neuanschaffung von TV-Displays, Playern oder ähnlichem, wenn es der technische Fortschritt verlangt) als auch in puncto Firmware-Updates. Dazu werden die Tests stets im komplett verdunkelbaren, dedizierten Heimkino angefertigt. Den Aufbau des Heimkinos könnt ihr hier nachlesen —> Klick.
Dort findet ihr auch das aktuelle Referenz-Gerät für die Bewertung der Tonqualität, das aus folgenden Geräten besteht:
- Mainspeaker: 2 x Canton Reference 5.2 DC
- Center: Canton Vento 858.2
- Surroundspeaker: 2 x Canton Vento 890.2 DC
- Subwoofer: 2 x Canton Sub 12 R
- Heights: 4 x Canton Plus X.3
- AV-Receiver: Denon AVR-X4500H
- AV-Receiver: Pioneer SC-LX59
- Mini-DSP 2x4HD Boxed
Das Referenz-Equipment fürs Bild findet ihr wiederum hier aufgelistet. Dort steht auch, wie die Bildgeräte auf Norm kalibriert wurden. Denn selbstverständlich finden die Bildbewertungen ausschließlich mit möglichst perfekt kalibriertem Gerät statt, um den Eindruck nicht durch falsche Farbtemperaturen, -intensitäten oder irrigerweise aktivierten Bild”verbesserern” zu verfälschen.
- Panasonic DMP-UB900
- Panasonic DP-UB824EGK
- Panasonic TX-55GZW954
- LG 55G16LA
- Epson EH-TW9400
- HDMI-Kabel: Audioquest Forest-Serie