Traumfabrik – Die Magie der Liebe

Blu-ray Review

EuroVideo, 12.12.2019

OT: –

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Willkommen beim Film!

Beschwingte Romanze vor dem Hintergrund der Grenzschließung in Berlin.

Inhalt

Emil steht etwas überwältigt vor dem Eingang des Filmstudios

Der Sommer 1961: Emil kommt gerade aus der Armee und bekommt von seinem Bruder Alex einen Job in den DEFA-Studios in Berlin. Der Kulissenbauer hat seinem jüngeren Familienmitglied immerhin einen Platz als Komparse zuschustern können. Doch als Emil für einen Moment als Lichtdouble für den Hauptdarsteller einspringen soll, nutzt er die Situation aus und küsst eine weibliche Darstellerin des Films leidenschaftlich. Milou, so heißt sie, ist überrascht. Nicht weniger überrascht ist aber der Regisseur des Films, der Emil gleich mal vom Set scheucht. Ein paar ungeschickte Verhaltensweisen später ist der junge Ex-Komparse eine Persona non grata auf dem Gelände, hat Milou währenddessen aber schwer beeindruckt. Das Dumme dabei: Milou ist mit dem Dreh praktisch fertig und muss zurück nach Paris. Als dann im August die Grenzen geschlossen werden, scheint ein Wiedersehen unmöglich. Es sei denn, Emil würde einen großen Film drehen und Milou als Schauspielerin anfordern. Nur ob das klappt, wo er auf dem Gelände doch Hausverbot hat …?

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Alex hat Emil den Job besorgt

So wie Quentin Tarantino mit Once Upon a Time in Hollywood seine Liebeserklärung an die Ära des New Hollywood abgeliefert hat, kann man Martin Schreiers Drama Die Traumfabrik als Liebeserklärung an das berühmteste aller deutschen Filmstudios, die DEFA, deuten.
Vor dem zeithistorischen Hintergrund der Grenzschließung erzählt Schreier eine Romanze, die jede Mauer und jeden Zaun überwindet. Dabei kann er sich auf ein tolles Szenenbild verlassen (Traumfabrik wurde als erster Film der neuen Produktionsfirma „Traumfabrik Babelsberg“ realisiert) und findet in Dennis Mojen und Emilia Schüle ein gut harmonisierendes Paar.
Was nicht passt, ist der tonale Unterschied zwischen den locker-leichten Szenen im Studio zu Beginn und den militärisch-diktatorischen bei der Grenzschließung. Und das nicht aus dem Grund, weil man das Drama selbst besser ausgespart hätte, sondern weil die betreffenden Szenen einerseits hopplahopp abgehandelt werden und anderseits ungelenk inszeniert und gespielt sind.
Da relativ kurze Zeit später schon wieder der Humor regiert, wenn Emil per Zufall sein eigenes DEFA-Büro bekommt, scheint schon wieder vergessen, was sich für Dramen an der Grenze zuspielen. Vor allem der Hauptfigur scheint hier völlig das Bewusstsein für den Ernst der Lage zu fehlen.

Wird Emil Milou mit seinem Projekt für sich gewinnen können?

Da wäre es deutlich stimmiger gewesen, wenn man erst gar keine Bilder von der Grenze genutzt hätte und das Faktum vielleicht einfach per Radio-Durchsagen vermittelt hätte. Vielleicht wäre es sogar besser gewesen, andere Umstände dafür zu nutzen, dass sich Emil und Milou erst einmal gar nicht mehr sehen können. Denn Traumfabrik läuft immer dann zu Hochform auf, wenn er zeigt, wie aus einem kleinen Traum ein großes Unternehmen wird. Das „Projekt Kleopatra“ wird schwungvoll und mit Verve auf den Weg gebracht und von gut aufgelegten Nebendarstellern flankiert. Heiner Lauterbach als Studiochef dreht sich höchst amüsant wie ein Fähnchen im Wind, Oliver Korritke nimmt sich in seiner Rolle als Pförtner viel zu wichtig und Thomas Heinze als Regisseur ist schlicht grandios. Wenn er alle Angestellten cholerisch anmault, vor den großen Filmstars aber kuscht wie ein Schoßhündchen, ist das schon ein echter Spaß.
Demgegenüber ist man dann schon verwundert, wenn gleich zweimal im Laufe der zwei Stunden rüde Gewalt angewendet wird, die vom Ton her überhaupt nicht zum Rest passen will.
Ähnliches gilt auch für den eifersüchtigen Gehörnten. Dessen Figur ist nicht nur völlig überzogen dargestellt, sondern auch noch unglücklich gespielt.

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Die Grenzen sind dicht

Bild- und Tonqualität

Traum vs. Sicherheit

Traumfabrik beginnt mit (und behält sie auch) überhöhten Kontrasten. Scheint die Sonne im Hintergrund, reißen Gesichtsumrisse stets sichtbar aus. Ist mal kein helles Licht irgendwo im Spiel, präsentieren sich die Hauttöne mit sehr warmen Farben. In dunklen Bereichen nimmt eine gewisse Körnung zu, die für leichte Unruhen sorgt. An anderer Stelle hingegen wirken Gesichter schon mal etwas soft und gefiltert. Der Schwarzwert leidet zudem ein wenig unter dem hohen Kontrastumfang und lässt Details schon mal versumpfen. Noch dazu setzt es im späteren Verlauf schon mal leichtes Banding (79’00).
Der Ton von Traumfabrik bietet eine dts-HD-Master-Spur, die von Beginn an sehr präsent ist. Sehr räumlich gestaltet sich beispielsweise der Rundgang mit Emil gemeinsam über das DEFA-Gelände nach knapp fünf Minuten. Wenn die Kamera sich immer wieder dreht, sind um sie herum das Geschehen und die Umgebung sehr unmittelbar. Wenn dann bei 5’58 mal eben das Gelände bebt, wird das mit erstaunlicher Dynamik wiedergegeben. Klasse auch die Surround-Kulisse während der Dreharbeiten des Piratenfilms – sowohl die Gespräche der Komparsen als auch die Kastagnetten sind griffig platziert und öffnen den Raum sehr schön (ab 9’31). Dialoge sind derweil gut verständlich, könnte aber ein wenig mehr Volumen haben.

Bonusmaterial

Die Rahmenhandlung zeigt den gealterten Emil mit seinem Enkel

Im Bonusmaterial von Traumfabrik warten jeweils Interviews mit dem Regisseur, dem Produzenten sowie mit sechs Darstellern. 14 entfernte und erweiterte Szenen gibt’s obendrauf sowie einen Clip von/zur Premiere. Zwei Featurettes ergänzen das Ganze. In „Der Zauber von Studio Babelsberg“ erzählen die Darsteller, wie sehr sie von den altehrwürdigen Hallen überwältigt waren. „Die Stars im Film“ reflektiert noch mal kurz das Ensemble des Films. Beide Featurettes laufen zusammen nur knapp vier Minuten.

Fazit

Traumfabrik ist ein toll ausgestatteter, in Teilen bewegender und gut gespielter Film. Allerdings leidet er unter teils unpassenden und wenig miteinander in Einklang zu bringenden Sequenzen zwischen Slapstick-Komik und politischer Dramatik. Das Timing und der Ton sind nicht immer perfekt.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Bonusmaterial: 40%
Film: 60%

Anbieter: EuroVideo
Land/Jahr: Deutschland 2019
Regie: Martin Schreier
Darsteller: Dennis Mojen, Emilia Schüle, Heiner Lauterbach, Ken Duken, Nikolai Kinski, Michael Gwisdek, Thomas Heinze, Oliver Korittke
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de // dts-HD-Master 2.0 Hörfilmfassung: de
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 127
Codec: AVC
FSK: 6

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter EuroVideo)

Trailer zu Traumfabrik

Traumfabrik - Die Magie der Liebe (dt. Trailer)

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