Triple 9

Blu-ray Review

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Universum Film, ab 16.09.2016

OT: Triple 9

 


Blutige Botschaft

Ebenso beinharter wie illusionsfreier Copthriller für Erwachsene.

Inhalt

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Marcus und Franco – zwei der korrupten Cops

Terrell, Russell, Marcus und Jorge und ein paar weitere Polizei- und Militärleute haben gerade im Auftrag der russischen Mafiapatin Irina ein Ding gedreht. Als Beamte gelingt ihnen der Coup (fast) perfekt, doch das vereinbarte Geld gibt’s trotzdem nicht. Vielmehr ist die Bedingung für die Auszahlung der Kohle ein weiterer Deal. Denn nur wenn die Gang ein paar bestimmte Dateien besorgt, kommt ein russischer Obergangster wieder auf freien Fuß – und für den arbeitet Irina nun mal. Um dem ganzen etwas Nachdruck zu verleihen, senden sie eine brutale Botschaft. Das Problem bei dem neuen Job: Er ist praktisch unlösbar, wenn nicht eine massive Ablenkung hergestellt wird. Und die kann nur dann funktionieren, wenn ein „Triple 9“ gemeldet wird – der Mord an einem Polizisten. Wie praktisch, dass man Marcus gerade ein Greenhorn als neuen Partner an die Seite gestellt hat, dessen Idealismus dem korrupten Kollegen eh ein Dorn im Auge ist. Dumm allerdings, dass der kein Geringerer als der Nevve von Sergeant Detective Jeffrey Allen ist – immerhin dem Einsatzleiter, der sich um die Ermittlungen des ersten Coups kümmert …

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Der Coup geht beinahe schief

„Seien sie vorsichtig, was sie instagoogletweetfacen!“ – Woody Harrelson, seit Jahren schon aboniert auf die etwas abseitigeren Figuren in abgründigeren Filmen nuschelt in Triple 9 lustvoll vor sich hin und bildet als Jeffrey Allen die Speerspitze derer, die gegen ihre eigenen Leute ermitteln müssen. Das tut er rotzig und mit dem nötigen Zynismus, während an seiner Seite ein nahezu unglaubliches Ensemble besetzt wurde. Casey Affleck als rechtschaffener Jungcop; Chiwetel Ejiofor, Anthony Mackie, Norman Reedus, Aaron Paul und Clifton Collins jr. auf Seite der korrupten Beamten und Kate Winslet als schön fiese Mafiabraut – viel mehr konnte man für den harten Copthriller von John Hillcoat kaum auffahren. Und so beginnt der Film auch entsprechend aufregend mit einem Coup, der die Figuren vorstellt und frühzeitig aufzeigt, wer im Verlaufe Probleme machen wird. Zunächst geht es auch entsprechend spannend weiter, wenn die Charaktere sich mehr und mehr ineinander verweben. Doch zur Mitte hin zieht es sich dann auch etwas und die Geschichte rund um den zweiten Coup kommt kaum in Fahrt. Etwas viel Geplänkel rund um den geplanten Angriff auf Chris sowie die arg häufigen gegenseitigen Erpressungsmaßnahmen lassen das Interesse an Triple 9 trotz durchweg guter Leistungen etwas abebben.

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Detective Jeffrey Allen ist zynisch, maulig und dennoch aufrecht

Richtig ärgerlich sind aber die kleinen Details, die die eigentliche Sorgfalt etwas ruinieren. Da geht Hillcoat zwar einerseits hin und lässt die Beamten lehrbuchmäßig aneinandergereiht hinter dem Schutzschild herlaufen, nur um seinen Hauptdarstaller Affleck zu erlauben, die Knarre im Gangsterstyle quer zu halten. Dass man auf diese Weise kaum gezielt oder gar geradeaus schießen könnte, weiß mittlerweile jeder, der sich intensiver mit Copthrillern befasst hat. Und das, wo Affleck im Bonusmaterial zu Protokoll gibt, dass er sich intensiv mit zwei Police Departments auseinandergesetzt und mit ihnen zusammengearbeitet hat. Hillcoat überspielt solche Ärgerlichkeiten mit einer grafischen Härte, die hart an der Grenze zur 18er Freigabe entlanggleitet und häufig direkte Einschüsse aus nächster Nähe oder schlicht und einfach direkt abgetrennte Köpfe präsentiert. In der etwas aufgebauscht wirkenden Story, die man durchaus hätte straffen können, ist (wie schon zuletzt in The Finest Hours) Casey Affleck trotz Unachtsamkeit bei der Waffenhaltung mal wieder der souveräne Anker. Unglaublich, was der jüngere der beiden Brüder dem jüngsten Batman-Darsteller in Sachen Schauspiel voraus hat. Im Falle von Kate Winslet macht es einfach Spaß, der in der Regel eher für süßliche Rollen vorgesehenen Schauspielerin dabei zuzusehen, wie sie in bester Sharon-Stone-Teufelsbraut-Manier lustvoll die böse Dame in rotem Outfit gibt. Und so sind es vornehmlich die Darsteller und vor allem die schmuddelig-düstere (siehe Bildqualität) Atmosphäre, die über die eher gewöhnliche Story hinwegtrösten.

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Kate Winslet in einer SEHR ungewohnten Rolle

Bild- und Tonqualität

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Chris sticht gleich ins Wespennest …

Das Bild von Triple 9 hat massiv überzogene Kontraste, versumpft im Schwarz mitunter bis zur Unkenntlichkeit und fügt dazu noch ein Korn hinzu, dass es auf Gesichtern nur so wuselt. Die anfängliche Szene im Auto bietet alles, was Filterung und Verfremdung hergeben – nicht schön, aber eben stylisch und irgendwie zum Film passend. Manchmal ist die Körnung aber derart brutal, dass man sich in einem Super-8-Film wähnt. Das ist dann nicht mehr nur nicht schön, sondern richtig hässlich – zumal die schlanken Beine von Gal Gadot dann kaum noch definiert zu erkennen sind (27’42). Die anschließenden Aufnahmen von Winslets Gesicht sind dermaßen überkontrastiert, dass es schreit und man das Gefühl hat, sie hätte 20 Stunden unter praller Sonne ohne UV-Blocker gesessen. Dazu gesellen sich bisweilen auch noch künstliche Helligkeitsschwankungen – quasi digitales Bildpumpen (57’15).
Akustisch hinterlässt Triple 9 einen etwas zwiespältigen Eindruck: Zum einen sind da die durchaus effektvollen Actionmomente und knalligen Schusswechsel (49’20) sowie der lebhafte und weiträumige Filmscore. Zum anderen sind Dialoge zum Teil wenig gut verständlich, bzw. zu dumpf und brummelig. Das kann das Original etwas besser. Wirklich gelungen ist die generelle Atmosphäre, die enge Kellergassen authentisch einfängt, aber auch Außengeräusche realistisch darstellt.

Bonusmaterial

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… und gerät bald in Gefahr

Im Bonusmaterial von Triple 9 wurden vier deleted Scenes sowie zwei Featurettes abgelegt. In „Unter the Gun“ geht’s um um die Figuren und die Ereignisse des Films – mehr ein Trailer zum Film als ein Making-of. „An Authentic World“ beschreibt etwas näher die Arbeit von Regisseur Hillcoat – allerdings läuft auch dieses Feature nur gut 150 Sekunden.

Fazit

Triple 9 ist ein schmutziger Copthriller, der als Mischung aus Copland und Training Day daherkommt und durch seine Darsteller überzeugt. Weil das auch über kleine Details hinwegrettet, sollten Fans des Genres aufhorchen und reinschauen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 55%
Tonqualität (dt. Fassung): 75%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 30%
Film: 75%

Anbieter: Universum Film
Land/Jahr: USA 2015
Regie: John Hillcoat
Darsteller: Casey Affleck, Woody Harrelson, Kate Winslet, Anthony Mackie, Chiwetel Ejiofor, Norman Reedus, Aaron Paul, Clifton Collins Jr., Teresa Palmer, Gal Gadot
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 116
Codec: AVC
FSK: 16

Trailer zu Triple 9

Triple 9 – Trailer (deutsch/german)

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