Über Grenzen – Der Film einer langen Reise

Blu-ray Review

Busch Media Group, 28.02.2020

OT: –

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18.000 km

Ebenso spannende wie unglaubliche Weltreise-Doku.

Inhalt

Margots Reiseroute im Idealfall

Ein kleines Dorf in Eschwege, Nordhessen im Jahr 2017: Margot Flügel-Anhalt ist 64 als sie beschließt, noch einmal etwas zu erleben. Die als Sozialpädagogin arbeitende Frau hatte es schon einmal für einige Zeit ins Ausland gezogen – von 1974-1976 nach Marokko.
Nun will sie weiter. Bis nach Zentralasien. Hin und zurück plant sie mit 16.000 Kilometern. Auf dem Motorrad. Und das ohne Führerschein. Ihr alter „Lappen“ erlaubt das Fahren einer 125er innerhalb der Führerschein-Klasse 3. Also tut sie es. Sie übt ein bisschen, hat noch etwas Respekt vor der steilen Abfahrt vor dem Haus, doch dann legt sie los. Die kleine 125er Enduro soll sie den ganzen Weg über begleiten.
Verrückt sagen die einen, mutig die anderen. So richtig glauben will’s keiner.
Was aber auch keiner zuvor glauben wollte, ist, wie hilfsbereit sämtliche Menschen auf ihrer Reise sind. Schon früh hat sie mit Problemen der Benzinversorgung an der Maschine zu kämpfen. Schon früh hilft ihr ein Pole, diese zu beseitigen. Kippt sie mit ihrem Bike um, sind sofort „Retter“ zur Stelle. Und unterkommen tut sie bisweilen bei gastfreundlichen Menschen aller europäischen und asiatischen Länder, die sie bereist.

Verschraubungen und Verbindungen müssen sauber bleiben

Einen Monat braucht sie, bis sie im kirgisischen Pamir-Gebirge ankommt. Dort trifft sie erneut auf das Dokufilmer-Team, die sie in Kirgisistan, Tadschikistan und dem Iran für einige Zeit begleiten. Im Schneetreiben hält das auch mal leichte Konflikte bereit. Denn auf den matschigen Straßen kommt Margot kaum vorwärts und ist zusätzlich extrem unsicher auf dem Bike, während die Begleiter im Auto langsam verzweifeln.
Über Grenzen macht durchaus auch selbstkritisch deutlich, dass Margot hier und da vielleicht zu blauäugig losgefahren ist und sich zu wenig über Witterungs- und Straßenbedinungen informiert hat. Zumal sie beim Überqueren der Pässe im Pamirgebirge immer wieder die Hilfe des Drehteams braucht und alleine nicht mal in der Lage gewesen wäre, die Maschine wieder anzuheben, wenn sie mit ihr mal wieder umgekippt ist. Was wiederum häufig der Fall ist, weil die Straßen ihren Namen selbst im trockenen Zustand nicht verdient haben und Margot aufgrund ihrer vorsichtig-langsamen Fahrweise immer wieder in tiefe Schlaglöcher eintaucht. Doch nach und nach schweißt es die Gemeinschaft zusammen. Und selbst wenn es nicht immer alles glatt geht. Die Gastfreundschaft und die riesige Weite der zentralasiatischen Gegend entschädigt für Vieles. Selbst wenn Margot aufgrund einer Knöchelverstauchung den Motorradsitz mal für zwei Tage dem jungen Kollegen aus dem Drehteam überlässt, sieht sie es nicht als Niederlage. Sie freut sich vielmehr darüber, dass ihr diese Reise klar macht, wie sehr sich Menschen und vor allem Reisende gegenseitig helfen.

Ein gemütlicher Geselle im Weg

„Deutschland ist sauber, wir haben eine Demokratie und Wasser“. Margot ist auf über 4000 Meter Höhe kurz vor dem Kyzyl-Art-Pass im Pamir-Gebirge, als ihr mehr noch als zuvor bewusst wird, wie gut es uns geht. Die Menschen, denen sie dort im kargen und aufgrund der dünnen Luft feindlichen Umfeld begegnet, haben eine Lebenserwartung von vielleicht 60-70 Jahren. Sie sind also in Margots Alter. Das stimmt nachdenklich. Und es sollte für ein Stück Respekt vor dem Leben Anderer sorgen, vielleicht für mehr Toleranz und weniger Blasiertheit gegenüber dem Fremden. Hier ähnelt Über Grenzen der ebenfalls über Busch Media veröffentlichten Motorrad-Weltreise-Doku Egal was kommt von Christian Vogel.
Während der Szenen im Iran wird’s sogar mal politisch. Denn Margot möchte wissen, wie die Männer zum Kopftuchzwang stehen. Sie trifft auf einen Geschäftsmann, der Mode verkauft, aber nicht den traditionellen iranischen Tschador – aus Überzeugung, wohlgemerkt. Man hört durchaus durch, dass die Bevölkerung (mal wieder) weiter ist als die konservativ-religiöse Regierung des Landes.
Und trotzdem Margot hier auch ein paar Tränen verdrückt, weil sie merkt, wie stark der Druck der Regierung auch auf ihr, der Exotin im Lande, lastet, wird kurz darauf deutlich, dass sie eigentlich nicht mehr nach Deutschland zurück möchte. Sie kann sich kaum vorstellen, das Bike in ihrer Heimatstadt abzustellen und nicht am nächsten Tag erneut loszufahren.
Und sie hat es auch nicht lange ausgehalten: Margot ist wieder unterwegs. Mit ihrem alten Benz will sie nach Südostasien. Im Oktober 2019 brach sie auf. Wer die Reise mitverfolgen möchte, kann das auf ihrem Blog tun.

Etwas karge, aber unglaublich weitläufige Landschaft

Bild- und Tonqualität

Entlang der Route trifft Margot auf die freundlichsten Menschen

Über Grenzen wechselt zwischen den Aufnahmen des Dokufilmer-Teams, die hochwertige und ruhige Bilder liefern, und jenen, die Margot selbst aufzeichnete. Letzteres passierte wahlweise mit ihrer Helm- oder mit der Handykamera. Je nach Lichtverhältnissen wird das dann schon mal körnig oder arg wachsig. Schwenks ruckeln dann zudem auch mal heftig. Den zeitlichen Hauptanteil machen aber die Profi-Aufnahmen aus, die vom Drehteam während der Zeit gemacht wurden, in der sie Margot begleiteten. Und die bleiben in der Regel sauber, ansprechend kontrastiert und recht scharf. Auch die Drohnenaufnahmen gefallen.
Beim Ton, der in 2.0 Dolby Digital Stereo vorliegt, kann man sich über eine erstaunlich hohe Räumlichkeit freuen. Eine Räumlichkeit, die vor allem den sanften Soundtrack sehr schön auf die beiden Frontspeaker verteilt. Ähnliches gilt für Geräusche eines Wasserfalls oder vorbeifahrende Motorensounds. Die gesprochenen Worte sind ein wenig muffig(er) als der Rest. Außerdem laufen sie nicht ganz synchron zu den Lippenbewegungen, was ärgerlicher ist als die leichte Muffigkeit. Wer über eine Laufzeitkorrektur am Receiver verfügt, darf sie hier gerne nutzen.

Bonusmaterial

Im Bonusmaterial von Über Grenzen hat man eine Diashow neben drei nicht verwendeten Szenen abgelegt. In „Margot über die Reise“ liefert sie ein paar poetisch angehauchte Gedanken zu Standbildern ihrer Reise.

Fazit

Über Grenzen ist durchweg spannend, unterhaltsam und manchmal unglaublich. Mehr noch als bei Egal was kommt steht hier das große Risiko im Vordergrund, das die unerfahrene Margot eingegangen ist. Und ziemlich schonungslos zeigt der Film die Resultate. Es wird schon deutlich, dass das Unterfangen auch jederzeit hätte kolossal schiefgehen können. Und es wird spannend, welche Erfahrungen die Weltreisende nun mit ihrem alten Benz im ganz fernen Osten machen wird.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 50%
Bonusmaterial: 40%
Film: 75%

Anbieter: Busch Media Group
Land/Jahr: Deutschland 2019
Regie: Johannes Meier, Paul Hartmann
Darsteller: Margot Flügel-Anhalt
Tonformate: dts HD-Master 2.0: de
Bildformat: 1,78:1
Laufzeit: 114
Codec: AVC
FSK: 12

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Busch Media Group)

Trailer zu Über Grenzen

ÜBER GRENZEN - Der Film einer langen Reise (2019) - Offizieller Home Video Trailer

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