Unearth

Blu-ray Review

Busch Media Group, 08.10.2021

OT: Unearth

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Was uns krank macht

Ungewöhnlicher Genremix mit stimmungsvoller Atmosphäre.

Inhalt

Seine Farm hat schon bessere Zeiten gesehen

Eine Farm, die aufgrund der Hitze vor einem weiteren Jahr der schlechten Ernte steht. Eine Autowerkstatt, die mehr schlecht als recht läuft – die Welt der beiden benachbarten Familien Lomack und Dolan könnte ein wenig heiler sein. Doch die Wirtschaftskrise trifft vor allem die ländlichen Gegenden mit der geringen Bevölkerungsdichte und der hohen Landflucht. Und weil es finanziell aussieht wie’s aussieht, werden die Konflikte innerhalb der Familien immer lauter ausgetragen. George, der mit seiner Autowerkstatt kaum noch Geld verdient, sieht sich mit Vorwürfen seiner Tochter Kim konfrontiert, in ihrer Abwesenheit nicht auf ihr Baby, seinen Enkel, aufpassen zu können. Dann kommt der Gaskonzern Patriot Exploration und bietet bis zu 1200 $ den Hektar Grundstück. Das wiederum möchten die traditionellen Dolans nicht so einfach akzeptieren. Besonders die Familien-Matriarchin Kathryn will ihren Grund und Boden keineswegs an einen Konzern verpachten. Lieber stirbt sie kämpfend, als das zu tun. 200 $ würde sie George ihrerseits anbieten, um einen Teil von dessen Land zu mieten. Doch George entscheidet sich dafür, dem Unternehmen seine Unterschrift zu geben. Dass die das Erdgas mit Fracking ans Tageslicht befördern wollen, ist ihm erst einmal egal. Doch dann passiert etwas Unvorhersehbares …

Georges Autowerkstatt wirft nichts mehr ab

Zuallererst eine Warnung: Diesen Film sollte man möglichst anschauen, ohne sich große Inhaltsangaben oder verräterische Kritiken durchzulesen, um sich die Spannung und die überraschende Entwicklung nach knapp 60 Minuten zu bewahren.
Unearth
beginnt stimmungsvoll und atmosphärisch, zeigt die schwüle Atmosphäre des hitzigen Sommers in irgendeiner ländlichen Gegend der USA. Es ist die Gegend, die nicht von irgendeiner Art Wirtschaftsaufschwung partizipiert hat, die Reichtum und Wohlstand nur aus der Entfernung kennt. Die Gegend, in der Farmer ihre Rinder verkaufen müssen, weil sie sonst nicht über die Runden kommen. Mit unheilschwangeren Bildern, die bewusst düster und trist gehalten sind, folgt die Kamera den Protagonisten und zeigt deren scheinbar unaufhaltbaren sozialen und menschlichen Niedergang. Oft passiert nicht viel. Unearth beobachtet meist und kommentiert kaum. Wir sollen ein Gefühl für die Stimmung und das drohende Unheil bekommen. Wie ein aufziehendes Gewitter wirkt die Stimmung bisweilen – zumal sich die Filmmusik sehr im Hintergrund hält und lediglich vereinzelt bedrohliche Klangteppiche erzeugt. Dynamische Kamerabewegungen sind selten. Viele Einstellungen sind eher statisch. Man könnte dem Film vorwerfen, langweilig zu sein. Und viele werden das so empfinden.

Abwechselnd kümmern sich beide Familien um Baby Reese

Unearth macht aber auch gar keinen Hehl daraus, hier erst einmal nicht die Fast&Furious-Filmgeneration abholen zu wollen. Den Zuschauer erwartet zunächst vielmehr ein Film, der Stimmungen auffängt. Einer, der von der Dynamik zwischen Landwirtschaft und Industrie erzählt; der die Kritik am Fracking mehr als deutlich macht und der zeigt, dass es für so manchen Menschen dieser verlassenen Gegend keine Perspektive gibt. Und der zeigt, wie der eine an der Situation verzweifelt, während die andere krampfhaft an der Tradition festhält. Man fühlt, dass die Protagonisten auf einem Pulverfass sitzen, das irgendwann unweigerlich in die Luft fliegen muss – unabhängig davon, ob dann der große Konzern mit dem Geld winkt. Dass die Explosion dann auf eine Art und Weise passiert, wie man es zunächst nicht erwartet hätte, zeichnet den Überraschungseffekt aus, der den Zuschauer nach etwas über 60 Minuten überrumpelt – vor allem, wenn man vorab möglichst wenig über den Film in Erfahrung bringt.
Bis zu diesem Zeitpunkt könnte man denken, dass es sich primär um eine Sozial- und Milieustudie handelt, die sich sehr kritisch zur Ausbeutung der Natur und der menschlichen Gesundheit durch das Fracking positioniert. Und das tut Unearth in aller Deutlichkeit und Konsequenz – interessanterweise, ohne dem Konzern ein großes Gesicht zu geben, sondern schlicht durch Auswirkungen wie Lärm, Umweltverschmutzung und krankmachende Umstände.

Man könnte an dieser Stelle das Review noch weiter schreiben und Dinge über die letzte halbe Stunde preisgeben. Eine halbe Stunde, in der die Stimmung plötzlich drastische Formen annimmt und die Atmosphäre erstaunlich packend gerät. Dazu gibt’s eindringliche Bilder, die auch vor sehr unbequemen Darstellungen nicht zurückschrecken. Man kann Unearth sicherlich vorwerfen, dass er sich sehr lange Zeit nimmt, um final zum Punkt zu kommen; dass er außerdem unnötige Nebenplots öffnet, die für den Film keine Relevanz haben. Doch schon für die letzten 30 Minuten (mögen sie für den einen zur ersten Stunde passen und für den anderen nicht) lohnt sich dieser ungewöhnliche Genremix.
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Format: Blu-ray
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Bild- und Tonqualität

Adrienne Barbeau aus “The Fog” gibt sich die Ehre

Braungrau – das ist in etwa das, was es zum Bild von Unearth zunächst einmal zu sagen gibt. Selbst die besser ausgeleuchteten Tageslichtszenen zu Beginn haben nur wenig andere Farbbestandteile. Und während der letzten halben Stunde wird’s eh so düster, dass man nur noch braune Farbabstufungen zu Gesicht bekommt. Sehr gut gelingt die Bildruhe des digital gedrehten Films, der weitgehend ohne Rauschen oder ähnliches auskommt. Dazu kommt eine wirklich hervorragende Schärfe in Close-ups, die bei entsprechender Ausleuchtung jedes Detail in Gesichtern offenbart. Während des Finales muss man allerdings damit leben, dass die Kameraführung von zuvor statisch auf sehr dynamisch wechselt und Gegner der Hand(wackel)kamera hier nicht mehr so richtig glücklich sein werden. Die Kontrastierung gelingt gut, was auch für die dunkleren Szenen gilt. Selbst wenn der Schwarzwert hier nicht die knackigsten Sphären erreicht.
Unearth kommt mit zwei DTS-HD-Master-Spuren fürs Deutsche und Englische. Zwei Spuren, die es wirklich in sich haben. Und das gilt schon für die Anfangsphase, in der es vornehmlich um die saubere Darstellung der Stimmen geht. Geradezu gespenstisch gut sind dann die Räumlichkeit und Aktivität der Surroundspeaker. Vor allem in der letzten halben Stunde dreht man hier ordentlich den Hahn auf und lässt den schaurigen Score ebenso effektvoll auf den Zuschauer los wie zirpende Grillen und andere Naturgeräusche.  Dazu grollt der Tiefbass bedrohlich und mitunter wirklich vehement (79’30, 82’15). Die Atmosphäre, die durch Geräuscheffekte, Score, flüsternde Stimmen und Naturkulisse zum Ende hin aufgebaut wird, ist in jedem Fall klasse.

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Bonusmaterial

Christina sitzt zwischen den Stühlen

Neben den beiden Trailern zum Film kommt das einzige relevante Extra in Form eines Question & Answer vom 8. Hard:Line Film Festival, das im September 2020 stattfand und bei dem Unearth der Eröffnungsfilm war. Per Videoschalte sind Regisseur und Regisseurin sowie Allison McAtee (Darstellerin der Christina Dolan) und zwei Special-Effects-Künstler zugeschaltet. Während man etwas erschrocken ist über Regisseurin Dorota Swies’ Kunstfigur-Aussehen, bleibt das Interview mit dem Quintett etwas steril und trocken. Dennoch erfährt man ein wenig über die Hintergründe der Produktion und die Herstellung der praktischen Maskeneffekte.

Fazit

Unearth wird nicht jedem gefallen. Will er auch gar nicht. Dafür sind die beiden Filmteile vielleicht auch etwas zu unterschiedlich und die erste Stunde etwas arg gemächlich inszeniert. Interessant wird der Film durch sein letztes Drittel, das mit intensiver Atmosphäre belohnt, was er in den ersten 60 Minuten vielleicht nicht ganz einzulösen vermag.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 80%
Tonqualität (dt. Fassung): 90%
Tonqualität (Originalversion): 90%
Bonusmaterial: 40%
Film: 65%

Anbieter: Busch Media Group
Land/Jahr: USA 2020
Regie: John C. Lyons, Dorota Swies
Darsteller: Adrienne Barbeau, Marc Blucas, Allison McAtee, Brooke Sorenson, Rachel McKeon, P.J. Marshall
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 94
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Busch Media Group)
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Trailer zu Unearth

UNEARTH - Deutscher Trailer


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