Unknown User: Dark Web

Blu-ray Review

unknown user dark web blu-ray review cover
Universal Pictures, 11.04.2019

OT: Unfriended: Dark Web

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Abyssus abyssum invocat

Höchst effektives Spiel mit Erwartungshaltung

Inhalt

unknown user dark web blu-ray review szene 2
Matias staunt nicht schlecht, als der Hacker in Amayas Wohnung auftaucht

Matias hat sich gerade einen Laptop … sagen wir zwangsgeliehen. Als er damit zuhause einen Chat mit seiner taubstummen Freundin Amaya beginnt, um der ein neues Erkennungsprogramm für Gebärdensprache zu zeigen, bricht der Rechner allerdings kurz zusammen. Als er sich neu bootet, kann Matias nicht widerstehen und öffnet den Facebook-Account des ehemaligen Besitzers. Überrascht stellt er fest, dass sich direkt mal drei sexy Mädels melden, die sich endlich wieder mit Norah C. IV (offenbar der eigentliche User des Geräts) zu treffen. Matias denkt sich nichts dabei und startet den Skype-Video-Spieleabend mit seinen Freunden. Immer wieder jedoch stürzt das Ding ab und nachdem er feststellt, dass die Festplatte zu voll ist, startet er ein Analyseprogramm. Das teilt ihm mit, dass bestimmte versteckte Dateien sämtliche Kapazitäten fressen. Als er sie öffnet, findet er eine riesige Anzahl an bizarren Videos, die offenbar heimlich gemacht wurden. Als er dann auch noch einen Zugang zum Darknet findet und diesem folgt, beginnt eine Nacht mit tödlicher Konsequenz …

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Was zum Henker haben die User da im Darknet von Norah C. IV gekauft?

2015 kam mit Unknown User ein ziemlich wirkungsvoller Horrorthriller aus dem Hause Blumhouse, dessen Innovation es war, dass er die Handlung komplett über den Screen eines Laptops vermittelte. Nun, vier Jahre später, gibt’s eine Fortsetzung. Allerdings nicht in inhaltlichem Sinne. Denn Unknown User: Dark Web erzählt eine komplett andere Geschichte. Während der Vorgänger das Szenario entwickelte, dass sich ein unbekannter User über den Account einer verstorbenen Freundin meldete und von dort seinen blutigen Feldzug startete, landen die Hauptfiguren hier im finsteren Darknet.
Wie schon beim Vorgänger, sollte man auch bei Unknown User: Dark Web aufmerksam sein. Es passiert viel und wie man es von sich selbst kennt, sind zeitgleich ein halbes Dutzend Fenster geöffnet. In 90 Minuten dieses Films flimmert mehr Information über den Bildschirm als in fünf anderen „normal“ gefilmten Genrewerken. Das kann schon mal überfordern und nach dem Ende hat man das Gefühl, man braucht mal einen Tag Internet- und PC-Abstinenz. Was besonders überrascht, ist die Tatsache, dass man sich selbst erstaunlich aktiv im Film befindet. Immer wieder ertappt man sich beim Schauen dabei, mal ein Fenster auf Matias‘ Rechner selbst verschieben, minimieren oder hervorholen zu wollen.
Dabei baut der Film seine Figuren und ihre Beziehungen behut- und sorgsam auf. Gerade Hauptfigur Matias und seine Problem mit Freundin Amaya stehen zu Beginn im Fokus. Wie internetbeeinflusst wir alle sind, merkt man durch das geschickte Timing der abbrechenden Kommunikation zwischen den beiden. Man kann nachvollziehen, wie Matias nervös auf eine Nachricht von ihr wartet. Wie er die sich bewegenden Punkte im Messenger zu hypnotisieren versucht, damit endlich eine Antwort kommt, die dann durch eben jene Pünktchen zwar angeteasert wird, aber doch immer wieder von Amaya abgebrochen wird. Man muss keinen Liebeskummer in Zeiten von sozialen Netzwerken gehabt haben, um die Frustration Matias‘ nachempfinden zu können.

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AJ fühlt sich sicher – zu Recht?

Und weil der Film das so geschickt aufbaut, ist der Thrill, den Unknown User: Dark Web nach gut einer halben Stunde entwickelt wird, umso glaubwürdiger. Sicher werden die absoluten Nerds unter den Zuschauern Logik- oder Systemlöcher finden (vor allem die Tatsache, dass sich Matias auch in der extremen Gefahrensituation mit Amaya per Gebärdensprache zu unterhalten versucht, während er viel schneller geschrieben hätte, nervt). Aber für denjenigen Zuschauer, der im Internet nur oberflächlich unterwegs ist (wie ja praktisch jeder) sitzen die Schocks tief und es wirkt alles nachvollziehbar. Die Öffentlichkeit der Facebook-Profile, die Möglichkeiten, die der eigentliche Besitzer des Laptop hat – das lässt einen durchaus anders auf den eigenen Bildschirm und die Kamera schauen, die einen unaufhörlich anglotzt. Es sollte nicht verwundern, wenn einige Zuschauer im Anschluss an den Film eben jenes ständig beobachtende Auge zukleben. Natürlich ist das hier alles zugespitzt inszeniert und nicht jeder hat ein Internetleben wie AJ, das man in gleicher Weise ausnutzen könnte, wie es bei ihm letztlich geschieht. Was aber dennoch irgendwie möglich scheint, wenn man in solch einer Form gehackt wird, macht Angst. Und das vermittelt auch der zweite Teil der Filmreihe eindrucksvoll – und zwar bis zum konsequenten Ende.
Erstaunlich ist Übrigens, welcher Aufwand seitens des deutschen Anbieters betrieben wurde. Denn für Unknow User: Dark Web hat man nicht nur eine Sprachsynchro angefertigt (eh klar), sondern sämtliche Texte, Social-Networks-Oberflächen oder Whats-App- und Skype-Interaktionen auf dem Computerscreen komplett eingedeutscht. Da saß jemand eine ganze Weile dran und war gut beschäftigt.

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Serena ahnt, was gleich passieren wird

Bild- und Tonqualität

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Erst spät wird klar, warum der Entführer kurz sein Gesicht in die Kamera hält

Unknow User: Dark Web hat natürlich ein sehr stark von den verwendeten Kameras der Laptops abhängiges Bild. Die Einblendungen von Homepages wie facebook oder skype sind noch die qualitativ besten und bestechen mit scharfem Schriftbild und absoluter Rauschfreiheit. Die farbigen Skype-Chats leiden hingegen in unterschiedlicher Art und Weise unter verrauschter Optik oder wahlweise sehr weicher und flacher Ästhetik. Ganz zu schweigen von den Szenen, die mit den Überwachungskameras aufgezeichnet wurden. Natürlich ist das alles so gewollt und passt zur Atmosphäre des stilistisch außergewöhnlichen Films. Aber objektiv ist es recht schwankend.
Akustisch kommt die Originalspur mit einer dts-HD-Master-Kodierung, während die deutsche Synchro nur in regulärem dts vorliegt.
Natürlich konzentriert sich das Geschehen des Films zunächst vollkommen auf die Front. Was soll auch passieren, wenn man auf einen Computerbildschirm schaut. Sobald Matias dann jedoch das Darknet betritt und Nachrichten eingehen, pocht es lautstark. Und beim Schauen des ersten Videos setzt es einen krassen Jumpscare-Soundeffekt. Sämtliche Spannungsmomente werden im Nachgang immer wieder von derben Surround- und Dynamikattacken begleitet, was vor allem deshalb so heftig rüberkommt, weil es zwischendurch so leise ist und man nichts hört außer dem Tippen auf der Tastatur.

Bonusmaterial

Das Bonusmaterial von Unknown User: Dark Web hält insgesamt drei alternative Enden bereit, die unterschiedliche Szenarien bzgl. des möglichen Überlebens einiger Figuren entwickeln.

Fazit

Unknown User: Dark Web entwickelt eine sich kontinuierlich aufbauende Spannung, die die Schlinge um den Hals des Zuschauers immer weiter zuzieht. Das Szenario, das hier entwickelt wird, erscheint mitnichten abwegig und sorgt neben dem Schock, den der Film als solches vermittelt auch noch für ein unangenehmes Gefühl beim nächsten Start von Computer, Internet, Skype & Co. Erstaunlich, mit welch‘ minimalen Mitteln Stephen Susco den Zuschauer hier packt.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 75%
Tonqualität (Originalversion): 75%
Bonusmaterial: %
Film: 80%

Anbieter: Universal Pictures
Land/Jahr: USA 2018
Regie: Stephen Susco
Darsteller: Colin Woodell, Betty Gabriel, Rebecca Rittenhouse, Andrew Lees, Connor Del Rio, Stephanie Nogueras, Savira Windyani
Tonformate: dts HD-Master 5.1: en // dts 5.1: de
Bildformat: 17,8:1
Laufzeit: 93
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Universal Pictures)

Trailer zu Unknown User: Dark Web

Unknown User: Dark Web – Trailer deutsch/german HD

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