Upgrade

Blu-ray Review

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Universal Pictures, 11.04.2019

OT: Upgrade

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Entspann dich!

Wenn Filme unberechtigt unter dem Radar fliegen, aber ein großes Publikum verdient haben …

Inhalt

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Ein Traumpaar: Grey und Asha

Die Zukunft: Grey Trace und seine Frau Asha lieben sich – und das, obwohl sie völlig unterschiedlich sind. Während Grey in seiner Freizeit gerne an Autos des 20. Jahrhunderts werkelt, ist Asha hochdotierte Angestellte eines Computerkonzerns, dessen Arbeit sich auf die Schnittstelle zwischen künstlicher Intelligenz und humaner Interaktion konzentriert. Auf einer Nachhausefahrt mit ihrem autonom fahrenden Auto wird dieses plötzlich von einer Fehlfunktion betroffen und steuert in eine slumähnliche Vorstadt-Gegend. Dort wird Asha brutal getötet und Grey schießt man direkt in die Querschnittslähmung. Drei Monate später lässt er sich von Maschinen bedienen, weil nur noch sein Kopf beweglich ist. Lediglich seine Mutter hilft ihm bisweilen. Weil die Polizei trotz aller modernen Überwachungsmittel nicht in der Lage ist, die Killer zu finden, frustriert Grey die Situation mehr und mehr – zumal er nicht mal Selbstmord begehen kann. Dann jedoch tritt der Technik-Guru Eron Keen an ihn heran und schlägt vor, einen Chip in Greys Körper zu implantieren. Dieser STEM würde sämtliche motorischen Fähigkeiten übernehmen. Zunächst lehnt Trace ab, weil er doch lieber in Selbstmitleid sterben würde. Doch dann sieht er die Chance, den Tod seiner Frau zu rächen und nimmt das „Upgrade“ an …

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Nach dem Attentat ist Trace an den Rollstuhl gefesselt

Seit einigen Jahren krempelt Jason Blum mit seinen Blumhouse Productions das Horror-Genre gehörig um. Nicht nur war er als Co-Produzent schon bei den Paranormal-Activity-Filmen aktiv, feierte er in den letzten Jahren vor allem mit den Franchises von Insidious, The Purge oder Sinister Erfolge und revolutionierte das Genre gar mit Get Out oder aktuell im Kino mit Wir. Was man von Blum bisher noch selten gesehen hat, ist SciFi. Und genau das holt er mit Upgrade nun nach. Inszeniert wurde das Ganze von Leigh Whannell, dessen Regie-Debüt Insidious: Chapter 3 – Jede Geschichte hat einen Anfang gerade drei Jahre her ist, den man aber vor allem als Co-Autor und Adam-Darsteller der ersten SAW-Filme kennt.
So weit, so faktisch. Inhaltlich spielt Upgrade mit einer zeitlosen Mord-Rache-Geschichte und hüllt sie in eine zukünftige, sehr automatisierte Welt. Dass Whannell, der auch das Drehbuch schrieb, ganz bewusst Kritik an Smart-Home-Automatisierungen wie eine gewisse „Alexa“ integrierte, schafft eine Bindung der Zuschauer an die Story. Ohnehin konzentriert sich der Film auf das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne. Eingebettet in einen extrem kühlen, extrem technischen Look, in der sich auch die Menschen weitgehend entfremdet haben. Umso konsequenter, dass sich auch unser Protagonist bald nicht mehr als Herrscher über seinen Körper fühlt. Zunächst nicht mehr in der Lage, überhaupt einen Muskel unterhalb des Halses zu bewegen, übernimmt nach dem Upgrade mehr und mehr der verbaute Computer-Chip das Handeln von Grey. Es beginnt noch harmlos mit einer Zeichnung, die Trace wie von Geisterhand gesteuert zu Papier bringt. Bald schon nutzt STEM jedoch dessen Physis, um ein bluttriefendes Rachewerk zu vollbringen.

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Zeit für ein Upgrade

Während Grey als Zuschauer im eigenen Körper unterwegs ist, spalten seine Hände im „Auftrag“ von STEM Kiefer oder machen aus dem Gesicht eines Gegners einen Maschendrahtzaun. Whanell inszeniert das Geschehen allerdings nicht bitterernst, sondern mit einem absurden Humor (anders ist die FSK-16-Freigabe auch nicht zu erklären). Der Clou dabei ist, dass man sich als Zuschauer wie ein Kumpel der Hauptfigur fühlt. Denn sowohl wir als auch Grey scheinen irgendwann nur zuschauen zu können, was passiert. Dass das so gut gelingt, liegt (wie erwähnt) am ironischen Unterton, der in der Konversation zwischen STEM und Trace offenbar wird. Es liegt aber auch an der deutschen Synchro. Denn STEM wird von keinem Geringen als Timmo Niesner gesprochen, der Stimme von Elijah „Frodo Beutlin“ Wood.
Und es liegt vor allem an einem: Einer sensationellen Choreografie. Gut 39 Minuten lang lässt Upgrade nicht im Ansatz erahnen, was Whannell ab der ersten Kampf-Sequenz für ein Fest von Kamera-Moves und Körperbewegungen zelebrieren wird. Das, was man hier zu Gesicht bekommt, ist Matrix 2.0 mit einem unglaublichen Drive und einer großartigen, extrem vergnüglichen Rasanz. Und wenn Grey auf das schaut, was sein Körper mit STEMs Befehlen am ersten Gegner verursacht hat, ist seine Reaktion ebenso erwartungsgemäß wie komisch.

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Computergenie Eron hat die Lösung für Grey

Und das auch deshalb, weil Logan Marshall-Green den Grey Trace mit allen unterschiedlichen Gemütsregungen absolut überzeugend gibt. Zugegeben: Mit dem Bart sieht er einem gewissen Tom Hardy nicht ganz unähnlich, was die Nähe zu einem ebenfalls gewissen Venom noch etwas deutlicher werden lässt. Hüben wie drüben wird eine Person eher unfreiwillig aus dem Inneren heraus fremdgesteuert. Und je stärker das der Fall ist, desto besser macht es Marshall-Green. Gerade die Szenen, in denen STEM die volle Kontrolle hat, verlangen dem Darsteller einige höchst unnatürliche Bewegungen ab. Und sie fördern noch mal ein paar schöne Splatterszenen zutage. Auf diese Weise ist Upgrade dann doch wieder ein bisschen auch Horrorfilm – und zwar bis zum ungewohnt konsequenten Ende.
Whannells zweite Regiearbeit hat das Zeug zum Homevideo-Klassiker – in etwa wie damals der massiv unterschätzte Equilibrium mit Christian Bale.

Bild- und Tonqualität

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Wer hat die Kontrolle?

Upgrade wurde komplett digital gefilmt, was sich in zumeist lupenreinen Einstellungen ohne Korn darstellt. Einige wenige Szenen in der Dunkelheit sind schon mal etwas stilisiert, doch das sind seltene Ausnahmefälle (50’08). Der Kontrastumfang ist hoch und der Schwarzwert absolut knackig. Close-ups sind außerdem ziemlich scharf und Farben kommen kräftig rüber – so es denn welche gibt.
Akustisch kommt Upgrade mit zwei unterschiedlichen Fassungen auf der Disk. Während die Freunde des Originaltons mit einem verlustfreien dts-HD-Master bedient werden, reichte es für die Synchro nur zu einer herkömmlichen dts-Spur. Die läuft mit rund 0.7 Mbps und klingt in Sachen Räumlichkeit gar nicht mal schlecht. Zwar liefert die Originalfassung mehr Hall, wenn Grey und Asha in Erons unterirdischer Behausung auftauchen, entschied man sich, für die hiesige Version auf deutlich weniger Hall zu setzen. Im Original hört sich das doch sehr nach Kathedrale an. Doch insgesamt werden die Surrounds schon zu Beginn in der Garage gut bedient und der V8 des guten alten Trans Am kommt auch sehr räumlich daher. Das Gleiche gilt auch für die Computerstimme des Zukunfts-Vehikels oder das Surren der futuristischen Flugobjekte. Richtig klasse ist auch die akustische Räumlichkeit und Wiedergabe von STEMs Stimme. Die ist so präsent auf allen Speakern, dass man sie beinahe selbst in seinem Inneren zu hören glaubt.

Bonusmaterial

Das Bonusmaterial von Upgrade liefert außer dem Trailer leider nichts weiter.

Fazit

Upgrade ist perfekt choreografierte und höchst unterhaltsame Sci-Fi-Action-Kost mit einem glänzend aufgelegten Hauptdarsteller und furiosen Stunt-Choreografien. Vollkommen zu Unrecht im Kino unter Wert gelaufen, sollte er im Heimkino den Nachbrenner zünden. Ach ja, eins noch: Kameramann Stefan Duscio hat für seine Arbeit einen Oskar verdient!
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 75%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Tonqualität (Originalversion): 85%
Bonusmaterial: 5%
Film: 90%

Anbieter: Universal Pictures Germany
Land/Jahr: USA 2018
Regie: Leigh Whannell
Darsteller: Logan Marshall-Green, Betty Gabriel, Steve Danielsen, Harrison Gilbertson, Benedict Hardie
Tonformate: dts HD-Master 5.1: en // dts 5.1: de
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 100
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Universal Pictures Germany)

Trailer zu Upgrade

Upgrade Trailer – (Universal Pictures) HD

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5 thoughts on “Upgrade

  1. Avatar ck

    Klingt gut, gekauft!

    • Avatar Rüdiger Petersen

      Halte auch gerade die Blu-ray in meinen Händen. Lasse mich mal überraschen. Der Trailer sieht wirklich mehr als gut aus. Hatte voher von diesen Streifen noch gar nichts gehört.

  2. Avatar Patrick Bach

    Wieso suchst Du Dir aber auch immer so tolle Filmtipps aus! Deine Schuld, wenn mein Geldbeutel mal wieder jammert. 😀 Kling echt gut… ich liebe diese Art von Film.

    • Hehe 😉

    • Avatar Rüdiger Petersen

      Schaue auch diese Art von Filmen sehr gerne. Hoffentlich ist er uncut.

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