Why Don’t You Just Die!

Blu-ray Review

Pierrot Le Fou, 27.03.2020
Pierrot Le Fou, 27.03.2020

OT: Papa, sdokhni

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Die Geschichte mit dem Hammer

Russland kann auch blutig.

Inhalt

Matvey wollte Andrey eigentlich zeigen, wo der Hammer hängt

Soll er wirklich klingeln? Mit zittrigen Fingern steht Matvey vor der Tür. Den mit Isoband umwickelten Hammer in der anderen Hand hinter dem Rücken. Hinter der Tür würde ihn Andrey erwarten. Der stiernackige und glatzköpfige Polizist ist der Vater von Olya, Matveys Freundin.
Matvey drückt den Knopf, Andrey öffnet. Doch irgendetwas lenkt ihn von seinem Vorhaben ab.
Es dauert nicht lange, da bricht in der spießigen Wohnung die Hölle los und Blutfontänen spritzen, Knochen zersplittern und aus der einst so geordneten Moskauer Vorstadtwohnung wird in kürzester Zeit ein Schlachtfeld, auf dem sich die beiden Kontrahenten einen gnadenlosen, unbarmherzigen Kampf auf Leben und Tod liefern. Ein fehlgeleiteter Schuss aus einer Schrotflinte offenbart ein unglaubliches Geheimnis, das für eine krasse Wendung sorgt – und erst der Auftakt ist für zahlreiche weitere WTF?!-Momente.

Olya hat einen Wunsch an Matvey

Wer Paul Watzlawicks Anleitung zum Unglücklichsein kennt, fühlt sich in den ersten Momenten von Why Don’t You Just Die! unwillkürlich an dessen Geschichte mit dem Hammer erinnert. Doch dass es in Kirill Sokolovs Langfilm-Debüt dann doch nicht um Gedankenspiralen und eingebildete Kränkungen geht, macht der Film in den darauf folgenden 95 Minuten klar. Nein, wir haben es hier mit einer lupenreinen Splatterkomödie aus russischer Produktion zu tun.
Der Humor ist von Beginn an so furztrocken wie man es sonst nur von skandinavischen Filmen kennt. Gleichzeitig gelingt es Sokolov hervorragend, eine Spannung aufzubauen, die schon alleine deshalb packend gerät, weil man als Zuschauer beständig im Dunkeln gelassen wird, was Matvey zum Henker mit diesem Hammer vorhat – und vor allem warum. Über fünf Minuten sitzen die zwei Kontrahenten am Tisch, während Andrey seinem Gast die unangenehmsten Fragen zu Olya stellt.
Und zwei Minuten später, wenn sich diese Spannung löst, hat man vermutlich noch nie auf derart originelle Weise gesehen, wie (und womit) sich eine Wohnung in seine Bestandteile zerlegen lässt. Dabei ist das Timing von Why Don’t You Just Die! tatsächlich unschlagbar gut. Während des gut fünfminütigen ersten Kampfes sind Kameraführung, Bewegungsabläufe und Regieeinfälle sensationell durchkomponiert.
Gleichzeitig gilt es, einen Höllenrespekt vor den beiden Darstellern zu haben, die sich ohne Rücksicht auf Verluste in den physischen Fight schmeißen.

Es wird blutig

Jetzt könnte man meinen, dass der Film sein Pulver in der ersten Viertelstunde verschossen hat. Doch dann hat man die Rechnung ohne das Drehbuch und den Einfallsreichtum von Sokolov gemacht. Nach einer kurzen Phase der Entspannung, in der wir endlich erfahren, warum Matvey überhaupt erst mit dem Hammer vor Andreys Tür stand, gibt’s witzige Überraschungen (Stichwort: importierte Handschellen), überraschende Wendungen und bittere Pillen – stets in bestimmte Kapitel aufgeteilt, die nach und nach mehr Figuren und ihre Hintergründe offenbaren.
Ein bisschen drängt sich der Vergleich mit einem Mix aus Quentin Tarantino und Guy Ritchie durchaus auf – jedenfalls wird Sokolov nicht traurig darüber sein, wenn man sein Werk mit jenen der berühmten Kollegen vergleicht. Zumal er durchaus ein wenig Gesellschaftskritik unterbringt. Offenes Infragestellen der Regierung Putins oder Kritik gegenüber hohen  politischen Ebenen ist zwar nicht möglich, aber immerhin auf der Ebene einfacher Polizeibeamter darf man mittlerweile Korruption thematisieren.
Und dass das Motiv Pädophilie angesprochen wird, ist für einen russischen Film gar ein ziemlich heißes Eisen.
Selbstredend wird’s hier aber nicht zu ernst, sondern innerhalb der irrwitzigen Story verarbeitet.
Und selbst für Slapstick ist sich die rabenschwarze Splatterkomödie nicht zu schade und mit dem Kapitel Yevgenich nimmt das absurde Element noch einmal zu. Erst mit der Auflösung der Sache und dem damit verbundenen Kapitel über Olya nimmt der Film etwas Tempo raus und hält sich schon mal ein wenig zu lange auf.
Weil’s aber wieder mit einem Knalleffekt endet, verzeiht man das gerne.
Eins ist nach den 95 Minuten jedenfalls klar: Mehr Blut ist innerhalb eines Appartements in einem Film schon lange nicht mehr vergossen, verspritzt und auf Boden und Wänden verteilt worden.

Ob es Matvey kommen gesehen hat?

Bild- und Tonqualität

Es kommt was Großes auf ihn zu

Why Don’t You Just Die! hat ein etwas gröberes Bild mit etwas Körnung und teils übertriebenen Farben. Details haben schon mal leichte Doppelkonturen, die Schärfe ist durchweg eher auf moderatem Niveau. Der Kontrast geht in Ordnung, ohne dass hier die allertiefsten Schwarzwerte oder höchsten Spitzlichter erreicht werden. Während der in tiefes Rot getauchten Szenen im Kapitel Yevgenich nimmt die Körnung deutlich zu und verwandelt Hintergründe schon mal in stehende Rauschmuster.
Why Don’t You Just Die! ist nicht sonderlich effektvoll, wenn’s um die Akustik geht. Es ist vornehmlich der Score, bzw. die Filmmusik, der/die mal den Raum nach hinten und die Dynamik in den Bassbereich verlagert. Stimmen bleiben dabei durchweg gut verständlich, obwohl ohnehin nicht viel gesprochen wird.

Bonusmaterial

Die Situation im Hause eskaliert

Im Bonusmaterial von Why Don’t You Just Die! finden sich zwei Kurzfilme des jungen Regisseurs sowie ein gut 45-minütiges Question&Answers, das vor der Aufführung des Films stattfand. Sokolov plaudert bereitwillig und offen über das Filmemachen in Russland. Er redet über die Probleme politischer Filme im eigenen Land, über die Finanzierung von gewissen Thematiken und über Tabu-Themen wie Korruption oder politische Kritik an Putin. Witzig sind seine Anekdoten über die Art, wie man sich Filme beschafft hat, nachdem die Sowjetunion zusammengebrochen war – legal war damals praktisch nicht an Filme zu kommen.

Fazit

Why Don’t You Just Die! ist eine durchweg gelungene, stylisch fotografierte und ziemlich originell inszenierte Splatter-Komödie mit ein bisschen unterliegender Gesellschaftskritik und Blut. Viel Blut. Wirklich VIEL Blut.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 60%
Tonqualität (Originalversion): 60%
Bonusmaterial: 50%
Film: 75%

Anbieter: Pierrot Le Fou // ALAMODE FILMDISTRIBUTION oHG
Land/Jahr: Russland 2018
Regie: Kirill Sokolow
Darsteller: Witalj Khaew, Alexander Kuznetsow, Ewgenija Kregzhde, Michael Gor, Elena Shewchenko, Alexander Domogarow, Ilja Kostjukow, Ilja Gawrilenkow
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, ru
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 98
Codec: AVC
FSK: 18 (ungeschnitten)

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter ALAMODE FILMDISTRIBUTION oHG)

Trailer zu Why Don’t You Just Die!

WHY DON'T YOU JUST DIE! | Trailer deutsch | Ab 27.03. erhältlich!
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4 thoughts on “Why Don’t You Just Die!

  1. Avatar Sascha

    Meeeega Review Timo! 🙂 Ich als bekennender „Gorehound“ freue mich schon so f*cking hart auf das Teil! 🙂 Mit dem letzten Streich von Pierrot Le Fout „Puppet Master“ haben sie auch nicht enttäuscht. 😉

    • Wirst deinen Spaß haben 😉

      • Avatar Sascha

        Ich gehe davon aus, dass die Splattereinlagen/SFX „handmade“ sind? Oder doch CGIs? Konntest Du da eine entsprechende „Beobachtung“ machen in den Gore Szenen?

        • Das Blut ist definitiv handgemacht. Virtuellen Kram konnte ich soweit nicht feststellen.
          Es ist aber auch keine Splatterorgie im Sinne eines Braindead. Es fließt viel Blut, aber der Hauptwitz entsteht durch die irren Einfälle und das Schwarzhumorige.

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