Widows – Tödliche Witwen 4K UHD

Blu-ray Review

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20th Century Fox, 02.05.2019
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20th Century Fox, 02.05.2019

OT: Widows

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5-2=3

Smart geschriebene Heist-Story mit weiblichem Touch.

Inhalt

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Die Witwen trauern

Es war ein todsicherer Coup, den die vier Gangster unter dem smarten Harry Rawlings da ausgeklügelt hatten. Doch der Raub von zwei Mio. Dollar ging gründlich daneben und endete in einem explodierten Van und zur vollkommenen Unkenntlichkeit verbrannten und zerrissenen Leichen. Die vier Witwen der Verstorbenen Kriminellen trauern. Doch dabei bleibt es nicht. Als der lokale Verbrecher Jamal Manning bei Veronica, der Hinterbliebenen von Harry, auftaucht, verkündet er, dass diese noch einen Monat Zeit habe. Vier Wochen, um die zwei Millionen zu beschaffen, die Harry und seine drei Kollegen im Van hatten und die nun verbrannt sind. Mit diesen zwei Millionen möchte Jamal seiner Kandidatur für den Stadtrat einen Push verschaffen. Denn seiner Ansicht nach wird es Zeit, die Dynastie der Stadträte aus der schmierigen Familie der Mulligans abzulösen. Für Veronica ist nun jedoch guter Rat teuer. Glücklicherweise hat Harry ihr einen Plan für dessen nächsten Coup hinterlassen. Bei dem sind immerhin fünf Mio. Dollar drin. Mit diesem Plan tritt sie nun an zwei der anderen Witwen heran. Und gemeinsam sollte das doch zu schaffen sein …
Stadtrat

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Veronica wird von Stadtrats-Anwärter Mulligan beworben

Wenn Frauen einen Coup planen, kann das entweder so inszeniert sein wie in Ocean’s 8 oder wie hier. Denn was 12-Years-a-Slave-Regisseur Steve McQueen in Widows – Tödliche Witwen in Zusammenarbeit mit Autorin Gillian Flynn (Gone Girl) realisiert, ist so etwas wie ein in der harten Realität verankerter Antipol zur locker-beschwingten Gangsterposse von Gary Ross. Hier wird gestorben und geheult. Wenn Angehörige und Ehemänner das Zeitliche segnen, werden hier keine Witzge gemacht. Nein, hier herrscht das Gesetz der Straße – und das ist gnadenlos. Wenn sich nach und nach die Figuren zusammen finden, die Story ihren Lauf nimmt, zieht sich die Schlinge um die Damen immer weiter zu. Und damit der Zuschauer es genauso ernst nimmt, streut McQueen bisweilen eruptive Gewaltmomente ein. Gewalt, die in der Regel von Jamals Bruder und Handlanger Jatemme ausgeht.
Allerdings nimmt sich Widows ordentlich Zeit. Arg viel Zeit, um genau zu sein. 130 Minuten Spieldauer für einen Heist-Film, der den Coup erst sehr spät durchzieht, sind lang. Und während man zwar reichlich erstaunt zuschaut, wie Colin Farrell als kommender Politiker mit Plauzen-Ansatz und konservativer Frisur aussieht wie ein junger Helmut Kohl, schlägt die Story ihre überraschenden Haken reichlich spät.

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Jamal und Bruder Jatemme

Man muss also bis zur 80 Minute warten, bevor die etwas unentschlossen vor sich hin köchelnde Storysuppe mit etwas Salz gewürzt wird und eine pfundige Überraschung präsentiert.
Immerhin schaffen es die Darsteller, diese Zeit einigermaßen zu überbrücken. Wobei gerade die großartige Viola Davis (The Help) hier ein bisschen zu sehr in die weinerlich-passive Rolle gedrückt wird, aus der sie sich erst nach und nach befreien kann. Ihr Spiel wirkt im Verhältnis zu ihren prämierten Rollen etwas limitiert. Wirklich herausragend ist Elizabeth Debicki, die für das Trio Beschaffungsmaßnahmen in Sachen fahrbarer Untersatz und Feuerkraft absolvieren muss. Das tut Debicki (die güldene Ayesha aus den Guardians-of-the-Galaxy-Filmen) mit einer tollen Mischung aus Naivität und den Waffen einer Frau – ihre Darstellung liefert vom Hauptfiguren-Trio am meisten Dynamik und sorgt gleichzeitig für die witzigeren Momente. Außerdem grandios: Robert Duvall, der als Familien-Patriarch seinem Sohnemann (Farrell) mal so richtig den Kopf wäscht.
Darstellerisch ist also (fast) alles super. Aber was zahlreiche Füll-Szenen (bspw. im Friseursalon von Belle) sollen, die den ohnehin nicht gerade rasanten Film noch mehr ausbremsen – das sind Fragen, die unbeantwortet bleiben. Auch das Techtelmechtel zwischen Alice und David wirkt gedehnt und unnötig in die Länge gezogen. Es dauert dann bis zur 100. Minute, bevor die ersten Planung für den eigentlichen Bruch unternommen werden – und dann wird er auch schon durchgezogen und der Film ist vorbei. Wobei zur Ehrenrettung gesagt werden darf: Der Coup selbst gerät überraschend heftig und hält zwei ebenso kurze wie krasse Situationen parat.

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Konspiratives Treffen

Bild- und Tonqualität BD

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Eine neue Fahrerin ist gefunden

Dass Widows – Tödliche Witwen auf analogem Filmmaterial basiert (nähere Angaben im nächsten Kapitel), ist vom Start weg zu erkennen. Die Körnung des Materials ist deutlich und führt gerade auf hellen Flächen zu einem schmuddeligen Look. Filmisch mag das gut zum Thema passen, rein technisch sieht’s halt nicht sehr hübsch aus. Zudem kommt oft eine deutliche Farbfilterung zum Einsatz, es gibt schon mal Doppelkonturen (möglicherweise bedingt durch die Aufnahme über einen Spiegel 9’41) und der Kontrastumfang ist eher im mittleren Bereich, da die Highlights nie wirklich hell sind. Immerhin sind Farben verhältnismäßig kraftvoll und wer auf analogen Look steht, wird den Stil durchaus mögen.
Typisch für Fox kommt auch diese Kombo-Disk mit Blu-ray und UHD mit einem deutschen dts-5.1-Ton, während die BD dts-HD-Master fürs Original liefert und die UHD den O-Ton sogar in Dolby Atmos präsentiert. Man kann darüber klagen oder aber sich im Falle von Widows auch wieder abregen. Denn der Film ist grundsätzlich so dialogzentriert, dass man weder eine besonders hochauflösende Tonspur noch die Höhenkanäle wirklich vermisst. Selbst wenn es um den Tiefbass geht, werden nur wenige Sequenzen überhaupt vom Subwoofer aktiv unterstützt (Schüsse zu Beginn, auf der Range oder 112’30). Dialoge kommen meist sauber aus dem Center – sieht man vom (offensichtlich) absichtlich übersteuert-verzerrten Prediger nach knapp 40 Minuten ab – absichtlich deshalb, weil er im englischen Original auch brutal zerrt.
Außerdem bleibt das auch die einzige, derart überbetonte Szene. Hervorragend dynamisch klingt dann der finale Coup, bei dem die Musik betont laut einsteigt und auch das Atmen durch die Masken sehr deutlich wiedergegeben wird. Ganz zu schweigen vom wuchtigen Autounfall kurz darauf.

Bild- und Tonqualität UHD

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Alice darf die „Drecksarbeit“ machen

Widows wurde mit den beiden Analogkameras Arricam LT und ST auf 35mm Film aufgenommen. Von diesem analogen Material wurde ein echter 4K-Scan vorgenommen, sodass wir es bei der UHD mit einer nativen 4K-Scheibe zu tun haben. Hinzu kommt der im Rahmen von Rec.2020 erweiterte Farbraum sowie die höhere Bilddynamik nach HDR10 und HDR10+. Wie schon bei Bad Times at the El Royale zeigt sich das dynamische Format allerdings auf einer hochwertigeren Panasonic-Kette ohne Wirkung. Soll heißen: Man sieht keinen Unterschied zwischen HDR10 und HDR10+. Da beide Titel in den USA praktisch zum gleichen Zeitpunkt produziert wurden, macht es den Anschein, als sei der Algorithmus von HDR10+ noch nicht ausgereift genug, um einen ähnlichen Effekt zu erzielen wie Dolby Vision – oder aber man nutzt die gegebenen Möglichkeiten noch nicht aus. Demnach beziehen sich nachfolgende Aussagen auf den regulären HDR10-Modus, denn mit dem kann jeder Nutzer mit einer HDR-fähigen Kette etwas anfangen.
Trotz der nativen 4K-Auflösung ist es zunächst einmal sehr schwierig, einen echten Auflösungsvorsprung auszumachen. Denn beim vorhandenen Korn und der teils deutlich stilisierten Optik des Films fällt es schwer, überhaupt richtig detaillierte Momente zu erhaschen. Das wird vor allem dann deutlich, wenn man mal etwas näher an den wiedergebenden TV heran rückt. Positiv allerdings: Die Körnung wird über die UHD wesentlich feiner reproduziert und fällt dadurch weniger stark auf als über die BD. Weniger gut ist gleichzeitig aber überraschenderweise die Bilddynamik. Wo die Blu-ray noch relativ weit ins Schwarz herabreicht, stellt die UHD absolutes Schwarz teils sichtbar grauer dar (14’14/113’00). Ein Dynamikvorsprung wird bei der UHD eher zugunsten eines etwas homogeneren Looks untergeordnet. Hautfarben sind noch etwas natürlicher und brauner, wo die BD den Teint der weißen Darsteller vielleicht etwas rosiger darstellt. Die etwas dunklere Abstimmung sorgt dann für eine noch etwas bessere Durchzeichnung auf hellen Flächen. Auch das rote Gewand, das Veronica zur Mitte des Films trägt, kommt kräftiger rüber. Dennoch kann sich die UHD hier kaum von der Blu-ray absetzen. In Sachen Dynamikumfang ist sie gar schwächer und die afroamerikanischen Darsteller leiden auch an mangelnder Durchzeichnung bei weniger hellen Innenraumszenen.

Blu-ray (36’07): (Slider ganz nach rechts): Gut sichtbar auf den hellen Flächen: Das Korn des analog gefilmten „Widows“. Auch erkennbar: Die etwas orangefarbenen Gesichter.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD liefert wärmere Hauttöne und lässt das Korn feiner, weniger auffällig erscheinen.

Blu-ray (36’18): (Slider ganz nach rechts): Während die Blu-ray noch etwas mehr Punch hat…

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … sumpft die UHD relativ deutlich ab. In den dunkleren Szenen ist das leider noch stärker sichtbar.

Blu-ray (86’28): (Slider ganz nach rechts): Auch hier liefert die Blu-ray mehr Dynamik, wenngleich die Farben etwas stärker übertrieben wirken.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD wirkt farblich natürlicher, flacht den Kontrast aber ab. Im laufenden Film ist das noch deutlicher als die Screenshots festmachen können.

Blu-ray (59’05): (Slider ganz nach rechts): Aufgrund der teils deutlichen Körnung lässt sich ein sichtbarer Detailauflösungs-Fortschritt nicht wirklich ausmachen. Die Buchstaben wirken etwas weniger konturiert.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Durch die dunklere Abstimmung wirken die Buchstaben auf der Visitenkarte zwar deutlicher, aber der reine Auflösungsvorsprung fällt durch die Körnung nur bedingt auf.

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Zur Veranschaulichung der Größe des Zooms im Bildvergleich vorher, kommt hier einmal das Bild mit vollem Inhalt
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Schmierige Rolle: Colin Farrell

Während der deutsche Ton über die UHD nach wie vor in dts vorliegt, gibt’s für die englische Fassung ein Upgrade auf Dolby Atmos. Während der sich auf der regulären Ebene sehr ähnlich anhört wie das dts-HD-MA-Pendant, gesellt sich natürlich die Höhen-Ebene hinzu.
Das erste Mal aktiv werden die Heights, wenn Robert Duvall in der großen Aula seine Ansprache hält und seine Stimme von überall her widerhallt. Der gleiche Effekt wird dann während der Predigt in der Kirche nach etwa elf sowie nach knapp 40 Minuten genutzt. Witzigerweise hört man bis zur 24. Minute zu keiner Zeit den Score aus der Höhe, nur um die Heights dann in einer Szene genau dafür zu nutzen und den Song überraschend laut von oben darzustellen. Ähnliches passiert noch zwei/drei Mal. Der erste echte 3D-Soundeffekt kommt nach 84’10, wenn die Hochbahn über die Kamera hinwegrauscht. Und das war’s dann im Grunde auch schon. Für die genutzten Höhen-Effekte reichen also zwei Hände aus – nicht gerade viel. Aber auch einfach kein Film dafür.

Bonusmaterial

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Grandioser Gastauftritt: Robert Duvall

Das Bonusmaterial von Widows enthält neben einer Galerie und den Trailern noch ein dreiteiliges Making-of, das sich in Hintergrundberichte zur Story, der Produktion sowie den Locations aufteilt. Insgesamt fast eine Stunde läuft das Making-of, das wesentlich gehaltvoller gerät als viele Featurettes anderer Filme. So kommt die Autorin der Story ausgiebig zu Wort und man gibt bereitwillig Auskunft über die durchaus anspruchsvolle Produktion mit all ihren Drehorten und unterschiedlichen Figuren.

Fazit

Widows ist leider mitunter arg zäh geworden und enthält einige, ziemlich obsolete Momente, bevor er in der letzten halben Stunde endlich kräftig zupackt. Dennoch verständlich, wenn es einige Zuschauer bis dorthin nicht schaffen. Immerhin ist’s darstellerisch durchweg auf hohem Niveau und der beinharte Realismus grenzt die Story wohltuend von seichten Genre-Kollegen wie Ocean’s 8/11/12/13 ab.
Die UHD gehört zu den ersten ihrer Zunft, die in der Summe ihrer Eigenschaften schwächer ist als die Blu-ray – lohnenswert nur für solche, die unbedingt einen (unterforderten) Atmos-Soundtrack fürs Englische haben wollen. Für hiesige Zuschauer langt die Blu-ray allemal.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD: 70%
Bildqualität UHD: 65%

Tonqualität BD/UHD (dt. Fassung): 75%

Tonqualität BD/UHD 2D-Soundebene (Originalversion): 75%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Quantität (Originalversion): 30%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Qualität (Originalversion): 60%

Bonusmaterial: 60%
Film: 60%

Anbieter: 20th Century Fox
Land/Jahr: USA/GB 2018
Regie: Steve McQueen
Darsteller: Viola Davis, Michelle Rodriguez, Elizabeth Debicki, Robert Duvall, Liam Neeson, Cynthia Erivo, Colin Farrell
Tonformate BD: dts-HD-Master 7.1: de // dts 5.1: de
Tonformate UHD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): en // dts 5.1: de
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 130
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD-66/BD-100
Real 4K: Ja (4K DI)
High Dynamic Range: HDR10, HDR10+
Maximale Lichtstärke: Keine Angabe
FSK: 16

(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots liegt bei Anbieter: 20th Century Fox)

Trailer zu Widows

Widows – Tödliche Witwen | Offizieller Trailer 2 | Deutsch HD German (2018)

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One thought on “Widows – Tödliche Witwen 4K UHD

  1. Avatar Rüdiger Petersen

    Habe den Streifen schon im Kino gesehen und war sowas von enttäuscht. Langatmig und langweilig und völlig vorhersagbar. Und die Technik-Werte müssten anhand der neuen Produktion deutlich besser sein. Wird nicht gekauft.

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