X-Men 4K UHD

Blu-ray Review

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20th Century Fox, 22.10.2018

OT: X-Men

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Der Start von Allem

Ohne den ersten X-Men kein MCU.

Inhalt

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Sabretooth will Wolverine an die Wäsche

Marie ist Schülerin, als sie entdeckt, dass sie über gewisse Kräfte verfügt. Kräfte, die dazu in der Lage sind, die Energie und Eigenschaften anderer für einen kurzen Zeitraum zu übernehmen. Weil das allerdings das entsprechende Gegenüber in Lebensgefahr bringt, flieht sie aus Verzweiflung nach Kanada. Dort trifft sie auf einen Typen namens Logan. Logan, dessen Knochen aus dem unzerstörbaren Adamantium bestehen, verfügt nicht nur über große Kräfte, sein Körper heilt auch von selbst. Als die zwei in eine brenzlige Situation geraten, werden sie von zwei weiteren Mutanten gerettet: Storm und Cyclops. Die beiden nehmen Marie/Rogue und Logan/Wolverine mit in das von Professor Charles Xavier geleitete Institut für begabte Jugendliche. Xavier ist es ein Anliegen, das Gute in den übermenschlichen Fähigkeiten seiner Schüler zu kanalisieren und ihnen so ein akzeptiertes Leben unter Nicht-Mutanten zu ermöglichen. Denn es sind schwere Zeiten für die Menschen geworden, die von der Norm abweichen. Ein reaktionärer US-Senator will die Mutanten am liebsten samt und sonders registrieren oder besser noch verbannen lassen. Eine Sichtweise, die auch Erik Lensherr/Magneto nicht begrüßt. Allerdings sind die Motive des ehemaligen Weggefährten von Charles Xavier andere und seine Methoden unterscheiden sich gewaltig. Magneto, der sämtliche Metalle kontrollieren kann, schwebt es vor, die relevanten Führungspolitiker mit einem Mutationsvirus zu infizieren, auf dass diese eine Gleichberechtigungs-Charta auf den Weg bringen. Und dieses Ziel verfolgt Lensherr notfalls auch mit Gewalt …

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Krallen haben sie beide

Als Bryan Singer im Jahre 2000 mit den X-Men einen hierzulande eher weniger bekannten Comic aus dem Hause Marvel fürs Kino adaptierte, konnte wohl keiner ahnen, dass er damit eine beispiellose Welle an Folgefilmen (basierend auf Comics) lostreten würde. Sieht man von vereinzelten Filmen wie Men in Black ab, die in den 90ern das Licht der Welt erblickten, gelang mit X-Men der Startschuss, der ein MCU ab 2008 erst ermöglichte. Auch die Spider-Man-Adaptionen von Sam Raimi hätte es wohl nicht gegeben. Mit ein Grund für den Erfolg schon des ersten Teils über die Marvel-Mutanten war neben der spektakulären Action vor allem die Figuren- und Storytiefe, die man ansonsten bei Action-/Fantasyfilmen nicht oft geboten bekommt. Singer schaffte es scheinbar mühelos, in knappen 105 Minuten elf wichtige Charaktere (davon zehn Mutanten) zu etablieren und mit genug Eigenheiten und Wiedererkennungswert zu versehen, dass man jedem von ihnen mühelos folgen und sie entweder lieben oder verachten konnte.
Wobei: Hier kommt der dritte wirklich herausragende Faktor der X-Filme, der auch den Erstling schon ausmachte. Denn wo es anderen Filmen genügt, ein simples Schwarz/Weiß-Szenario zu entfalten, macht es sich X-Men alles andere als leicht.

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Jean verdreht Logan den Kopf

Erik Lensherr alias Magneto ist alles andere als ein simpler Bösewicht. Seine Motivation rührt aus dem Misstrauen den Menschen gegenüber, das er schon als junges Kind aufgebaut hat, als man seine jüdischen Eltern ins KZ Auschwitz brachte. Für ihn sind nicht die Mutanten die Gefahr, sondern eben die „normalen“ Menschen. Das Gegenüberstellen von Lensherrs Vergangenheit mit der Gegenwart, in der die Menschen/Regierung erneut über Deportationen nachdenkt, macht X-Men zu einem ungewöhnlich tiefgründigen Fantasyfilm. Man darf und soll durchaus mal nachdenken, wie man in der Gesellschaft mit dem Andersartigen umgeht. Xavier, der für die kooperativen X-Men steht, ist ein Mann der Toleranz. Einer, der gute Gründe für ein friedliches Miteinander liefert und davon spricht, dass man sich gegenseitig bereichern kann. Gleichzeitig positioniert Singer ganz bewusst Rogue als Schlüsselfigur. Da sie nicht in der Lage ist, andere Menschen zu berühren, ohne ihnen Schaden zuzufügen, kann sie als Symbol für die Entfremdung der andersartigen Menschen in einer Umgebung gelten, die nicht auf sie vorbereitet ist.
Doch bevor wir uns missverstehen: X-Men ist natürlich kein Sozialdrama, sondern ein durchweg unterhaltsames, spannendes und (für die damalige Zeit) tricktechnisch beeindruckendes Actionwerk. Und noch dazu ein famos besetztes. Bis heute kann es als Coup angesehen werden, dass Singer und sein Team es schafften, verdiente Mimen wie Patrick Stewart, Ian McKellen, Bruce Davison oder auch Famke Janssen für den Film zu gewinnen. Von vielen Kritikern seinerzeit naserümpfend wahrgenommen (es sei ihnen verziehen, dass sie sich schwer irrten), ist/war das eben nicht „Perlen vor die Säue“. Und weil Stewart und McKellen noch für weitere Filme des Franchise vor die Kamera traten, scheinen sie die Filme durchaus mit Stolz zu betrachten.

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Charles kann mit Cerebro die anderen Mutanten orten

Stolz darf das Casting-Team von X-Men auch über die Besetzung des Australiers Hugh Jackman sein. Der hatte auf seiner Vita bis dato lediglich ein paar Auftritte in Serien und in zwei australischen Produktionen zu bieten. Dass er mit seiner Rolle als Wolverine zur Ikone und zum Sex-Symbol wurde – damit hätte er vielleicht selbst nicht gerechnet. Die Figur des kernigen Adamantium-Krallen-Typs ist ihm allerdings auch perfekt auf den muskulösen Körper geschrieben. Man stelle sich vor, ein Babyface wie Edward Norton hätte … nein, besser nicht. Jackman war am Ende eine Empfehlung seines Freundes Russell Crowe, der den Part zunächst angeboten bekam. Sein „Ersatz“ machte seine Sache aber so gut, die Figur so populär, dass es auch noch Spin-offs mit ihm gab.
Vielleicht war es gerade auch das Spröde an seinem miesgelaunten Charakter, dieses raubeinige Macho-Trucker-mit-weichem-Herz-Image, das für eine Bindung an Wolverine sorgte. Demgegenüber gibt Patrick Stewart den entspannten, zuversichtlichen Optimisten mit weichen Charakter-Zügen – eine vorzügliche Kombination.
Neben den Grundthemen Toleranz, Vorurteilen und Einsamkeit, die in X-Men behandelt werden; neben den tollen Darstellern und den erstaunlich guten Tricks gibt es außerdem noch rasante Action-Elemente wie den Kampf zwischen Wolverine und Sabretooth oder die Flugsequenz mit dem Jet der X-Men (basierend auf einer Lockheed SR-71). All diese Elemente lassen den Ursprung der Marvel-Mutanten im (Heim)Kino zu einer der besten aller bisherigen Comicverfilmungen werden.

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Versammelte Mutanten-Kräfte

Bild- und Tonqualität BD

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Mystique: Die aparteste Erscheinung im Universum der Bösen

Die im Set enthaltene Blu-ray entspricht der bekannten BD, die man bis zuletzt solo erhielt. Aus heutiger Sicht hält der 2000er Film allerdings keinem gehobenen Standard mehr stand. Die Schärfe ist durchweg nur mittelmäßig, das Korn dafür deutlich sichtbar und die Farbgebung gehört zu den schwächsten der großen Filme aus der Zeit. Je nachdem, welche Beleuchtung in den Räumen genutzt wurde, sind Farben übersatturiert und reißen aus. Zudem gibt es nur wenig Differenzierung. Gerade bei Szenen mit stark dominantem roten Licht, wirkt alles furchtbar matschig. Aber auch Hautfarben sind unnatürlich orange-gelb. Stewarts Kahlschädel leidet besonders unter dieser wenig schmeichelhaften Tönung. Noch schlimmer sind aber die deutlich blaustichigen Szenen in der verschneiten Gegend zu Beginn. Auch hier lassen sich kaum andere Farben ausmachen, weil alles von diesem kühlen und unnatürlichen Look übermalt wird.
Im Gegensatz zum Bild der Blu-ray hält der Sound von X-Men auch heute noch kritischen Ohren stand. Obwohl wir es fürs Deutsche „nur“ mit regulärem dts zu tun haben (was im Falle von Anbieter Fox aber auch bei aktuellen Titeln noch Usus ist), ist der Sound hinlänglich effektvoll und liefert zahlreiche direktionale Sounds auf den Rears ab. Beispielsweise wenn Xavier durch Cerebro ein Feedback erhält und zusammenbricht. Ebenfalls cool sind die Sounds, die das Ausfahren von Wolverines Klingen begleiten. Und wenn Toad seine meterlange Zunge ausfährt rauscht die schon mal überraschend präsent aus dem rückwärtigen Raum am Zuschauer vorbei. Storms stürmische Auftritte beleben dann ebenfalls sämtliche Speaker. Zwar sind die Actionszenen nicht durchweg dynamisch, doch einige Auftritte Magnetos werden von einem tieffrequenten Brummen begleitet, das den Subwoofer durchaus mal fordert (54’12).

Bild- und Tonqualität UHD

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Was war er da noch jung, der Hugh

X-Men wurde seinerzeit mit Panaflex Panavision Kameras analog auf 35mm Film aufgenommen. Von diesem Material wurde ein echter 4K-Scan angefertigt und per 4K-Digital-Intermediate auf die UHD gebracht. Neben der Tatsache einer nativen 4K-Disk wurde natürlich auch ein erweiterter Farbraum sowie die größere Bilddynamik (hier HDR10) integriert.
In der Praxis sind dann vor allem (und das sehr deutlich) zwei Verbesserungen ersichtlich: Zum einen ist die Auflösung in jeder Einstellung besser. Gerade die Detailtiefe schlägt die Blu-ray um Längen. Aber auch in Close-ups sieht man sofort (und ohne mit der Nase am Screen zu kleben) den Vorsprung. Es schälen sich viel mehr Details heraus. Und wo die BD schlichtweg soft ist, gelingen der UHD bisweilen tatsächlich knackige Aufnahmen.
Dazu neutralisiert die UHD in fast jeder Szene die Farben auf ein natürliches Niveau. Der Schnee in den ersten Szenen mit Wolverine ist nun nicht mehr so blau und Hauttöne erhalten ihre Authentizität zurück. Orange-Gelb ist nun nichts mehr und Patrick Stewart sieht richtig gesund aus. Dazu ist vor allem die Farbdifferenzierung wesentlich besser. Wo die BD zuvor oft kaum Unterschiede zeigte, kann man nun viel mehr Nuance erkennen. Zwar ist auch die UHD noch nicht auf einem Level mit aktuellen Produktionen, gegenüber der BD aber ein absolut lohnenswertes Upgrade.

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Neutral sind anders aus: Stewarts Charakter-Kopf wirkt eher gelblich orange als neutral.
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Obschon die UHD das Korn etwas stärker betont: Farbgebung und Kontrastierung sind deutlich besser.
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Wolverines Fight gegen Mystique findet unter starkem Rotlicht statt. Die BD überstrahlt, matscht und ist komplett undifferenziert
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Die UHD nimmt die Übersättigung zurück und zeigt den hinteren Bereich der Betonplatten sogar wieder ins Graue tendierend. Bei der BD ist der Boden durchweg rot. Auch der Anzug vom Krallen-Mann bleibt schwarz, wo er schwarz sein soll.
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Thema Farbneutralität: Das durchsichtige bis matt-weiße Kristall-Schachspiel wirkt über die BD deutlich sichtbar rötlich. Außerdem ist es nicht sonderlich gut aufgelöst und wirkt etwas diffus
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Die UHD präsentiert das Spiel wesentlich neutraler, tendiert nur ganz dezent ins Grünliche. Dazu sind die Figuren viel dreidimensionaler und klarer.
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Thema Detailtiefe. Schon aus regulärem Sitzabstand vor dem TV lässt sich erkennen, wie viel schwächer die Details auf dem Haus und den Fenstern im Hintergrund sind.
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Tausche Matsch gegen Definiertheit – die UHD ist sichtbar besser aufgelöst.
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Auch hier fällt der leicht orangefarbene Hautton auf. Zudem ist die Schärfe eher mittel, wenn man in Betracht zieht, dass es sich hier um ein sehr ruhig gefilmtes Close-up handelt.
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Die Neutralität in Person: Stewart über die UHD, die noch dazu viel mehr Schattierungen und Details liefert. Erst Recht im Bildausschnitt (unten).
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Die Nahaufnahme macht’s dann noch deutlicher. Wer auf der Blu-ray scharfe Details findet, möge die Hand heben.
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Die 4K-Fassung zeigt dann, was in Patrick Stewarts Gesicht an Leben vorhanden ist.
Keine Änderung beim Ton: dts-HD-Master fürs Englische und dts fürs Deutsche – exakt wie es bei der Blu-ray der Fall ist.

Bonusmaterial

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Kein Entkommen für Magneto, oder?

Das Bonusmaterial von X-Men liefert auf der UHD lediglich den bekannten Audiokommentar mit Singer und Brian Peck. Die Blu-ray ist die bisher bekannte mit In-Movie-Featurettes, entfallenen Szenen, Interviews, Storyboards und einigen Featurettes. Neues Bonusmaterial gibt’s nicht.

Fazit

X-Men hat einem ganzen Genre den Weg geebnet und erst möglich gemacht, was zuletzt in Avengers: Infinity War gipfelte. Schon alleine dafür muss man diesen Film lieben. Dass er nun auf UHD auch noch mit einem deutlich verbesserten Bild daherkommt, macht die Anschaffung/das Upgrade zur Pflicht.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD: 65%
Bildqualität UHD: 80%

Tonqualität BD/UHD (dt. Fassung): 85%
Tonqualität BD/UHD (Originalversion): 85%

Bonusmaterial: 60%
Film: 90%

Anbieter: 20th Century Fox
Land/Jahr: USA 2000
Regie: Bryan Singer
Darsteller: Hugh Jackman, Sir Patrick Stewart, Sir Ian McKellen, Famke Janssen, Jack Marsden, Halle Berry, Anna Paquin, Tyler Mane, Ray Park, Rebecca Romijn
Tonformate BD/UHD: dts 5.1: de // dts-HD-Master 5.1: en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 105
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Real 4K: Ja (4K DI)
High Dynamic Range: HDR10
FSK: 12

(Copyright der Cover, Szenenbilder und Screenshots von BD und UHD liegt bei Anbieter 20th Century Fox)

Trailer zu X-Men

X-Men: Trailer 1 (2000)

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