
4K Blu-ray Review

OT: Mark of the Devil II ⭐ IMDb 5.0





Exploitation unter dem Galgenkreuz
Adrian Hoven wollte es noch ein zweites Mal wissen. Was dabei herauskam … ist Geschmacksache.
Inhalt

Als der zufällig in der Kutsche vorbeifahrende Graf Salmenau sich entschließt, einer angeblichen Hexe das Leben zu retten, wird er von Natas, einem skrupellosen Handlanger des berüchtigten Hexenkommissars Balthasar von Ross, ermordet. Dieser Mord katapultiert die Gräfin und ihren Sohn in das unbarmherzige Visier eines besessenen Hexenjägers, dessen fanatische Verfolgung sie bis an den Rand der Verzweiflung treibt. Der Hexenkommissar, von seinem sadistischen Drang getrieben, kennt keine Gnade und stellt die beiden vor einen grausamen Albtraum. Doch inmitten von Verhaftung und Folter ergibt sich ein unerwartetes Bündnis: Die Gräfin findet in Clementine, einer Nonne, der das gleiche grausame Schicksal droht, und einem verbitterten Folterknecht, der sich gegen seine eigenen Dämonen zu stellen beginnt, eine Hilfe, die aus der Dunkelheit der Verzweiflung aufblitzt. Ein ungewolltes, zerbrechliches Bündnis, das zwischen Leben und Tod nur einen schmalen Grat kennt …

Etwas ungewöhnlich, aber mit Mut zur Abwechslung gibt es dieses Mal keine Filmkritik, sondern eine kleine Zusammenfassung zur Veröffentlichungshistorie des Films und der Verbindung zu seinem Vorgänger. Filmisch gibt es sicherlich genug Fans dieses Werks, das man heute allerdings vor allem im Hinblick auf seine filmhistorische Verortung goutieren wird, denn aufgrund der inszenatorischen oder gar schauspielerischen Stärke. Hexen geschändet und zu Tode gequält wurde zunächst im Februar 1982 in die Liste der jugendgefährdenden Medien aufgenommen und indiziert. In der Begründung dazu heißt es, dass “… der Videofilm im Wesentlichen eine Aneinanderreihung von grausamen und brutalen Gewalt- und Folterszenen darstelle, wobei vor allem die Vergewaltigung der Nonne und ihre spätere Verbrennung, die Enthauptung des Priesters und die Folterung der Gräfin im Beisein ihres Kindes erwähnt wurden”. Im Jahr 2007 gab es eine Folgeindizierung, die damit begründet wurde, “… dass der Film zum großen Teil aus Szenen bestehe, in denen sexuelle Handlungen in Verbindung mit Gewalttätigkeiten dargestellt seien. In diesen Szenen werde der Eindruck erweckt, gerade die Gewalt steigere den Lustgewinn. Die Verknüpfung von Sexualität und Gewalt gegenüber Frauen, die in dem Videofilm durchgehend präsentiert würde, sei im höchsten Maße jugendgefährdend anzusehen.”

Im Oktober 2023 wurde der Film nach Antragstellung vom Index gestrichen. Aufgrund der veränderten Sehgewohnheiten schloss man sich der Argumentation des Antragsstellers an, dass der Film sehr genau zwischen Gut und Böse differenziere, nach heutigen technischen Maßstäben zu jeder Zeit die rudimentären Maskeneffekte und die Nutzung von Puppen offenbare und dass direkte Gewalttaten nur selten zu sehen seien. Die Darstellung von sexualisierter Gewalt wäre zu keiner Zeit “anreizend”, sondern stets “abstoßend” und damit nicht nachahmenswert. Die Tatsache, dass im “Disclaimer” des Films bereits darauf hingewiesen wurde, die Untaten in der Zeit zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert in Deutschland aufzuzeigen, wurde ebenfalls einbezogen.
War Hexen geschändet und zu Tode gefoltert in Deutschland bis zur jetzigen Neuveröffentlichung legal auf VHS erhältlich und wurde nie ins HD-Zeitalter geführt, ist Turbine nach der De-Indizierung nun in die Vollen gegangen und hat das Werk von Adrian Hoven gleich ins 4K-Zeitalter geführt. Hoven setzte mit dem im Englischen Mark of the Devil II benannten Film also zumindest für die deutschen Behörden einen streitwürdigen Film abgeliefert, den er vom Titel (sowohl vom englischen als auch vom deutschen) bewusst nahe an den drei Jahre zuvor gedrehten Hexen bis aufs Blut gequält angelegt hat. Den hatte Hoven zunächst als Produzent begleitet, dann aber nach einem Drittel des abgedrehten Materials auch die Regie von Michael Armstrong übernommen, der wohl aufgrund seines Drogenkonsums zunehmend unzuverlässig agierte. Allerdings ist Hexen geschändet und zu Tode gefoltert keine inhaltliche Fortsetzung, sondern einfach nur eine neue Geschichte aus dem Bereich der (S)Exploitationfilme, die sich ums Thema Hexenverfolgung drehen. Dennoch gibt es ein Wiedersehen mit dem Hexenjäger-Darsteller Reggie Nalder, der zwar hier einen komplett anderen Charakter spielt, aber aufgrund seines speziellen Aussehens wohl Hovens erste Wahl war. Was dabei rausgekommen ist, hat seine Fans – auch wenn’s wirklich ziemlicher Trash ist.
Bild- und Tonqualität BD

Wenn man eins über Turbine-Titel sagen darf, dann, dass sich das Münsteraner Label stets die größte Mühe mit seinen Titeln gibt. Und sobald man die Blu-ray einlegt, wird das erneut deutlich. Ich habe weder eine VHS noch irgendeine Import-Scheibe von Hexen geschändet und zu Tode gequält gesehen und kann rein gar nichts darüber sagen, wie ehemalige Veröffentlichtungen ausgesehen haben. Aber das, was wir hier zu sehen bekommen, ist nicht das, was man im Kopf hat, wenn man an die typischen Horrorfilme der 70er-Jahre denkt, die meist über abgenudelte VHS-Kopien zum Betrachter gelangten. Das, was wir hier sehen, ist kontrastreich, scharf, wunderbar filmisch und mit derart kräftigen Farben gemastert worden, dass man sich augenblicklich in das Bild verliebt. Der Samtmantel der Gräfin, der direkt zu Beginn zu sehen ist und sich vor dem weißen Schnee dreidimensional abhebt, ist eine Wonne. Die Hautfarben (gerade jene von Reggie Nalder) sind richtig kräftig und das Blut fließt in diesem typisch unrealistischen, dicken Kirschrot, das man vor allem aus den Giallo-Streifen des Jahrzehnts kennt. In den roten Farben ist dann etwas stärker sichtbar, was man der BD etwas anlasten kann: Die Farbauflösung könnte etwas besser sein. Auch das Encoding kommt nicht ganz ohne etws softere Bereiche aus. Ansonsten ist das Bild bereits hier ein Augenschmaus. Beim Ton integrierte Turbine für beide Sprachfassungen je eine 2.0-Mono-Tonspur in DTS-HD-Master kodiert. Und beide klingen im Angesicht des Filmalters und der eher günstigen Produktion wirklich gut. Während die kurze Musik während des Cinerama-Logos noch kurz die kratzige Atmosphäre einer ungereinigten Vinylplatte verströmt, gibt sich der Ton danach wenig Blöße. Die gedoppelte Mono-Tonspur klingt ausgewogen und kommt ohne Gleichlaufschwankungen aus. Sie rauscht ein wenig, was aber auch zeigt, dass hier nicht gefiltert wurde. Der englische Ton bleibt etwas rauschärmer, aber gefühlt auch akustisch enger. Ihm fehlen überdies gewisse Geräusche (bspw. das Zirpen der Grillen in der Anfangsszene). Die deutschen Dialoge klingen, wie nicht selten bei Genrewerken der damaligen Zeit, aufgeregt und bisweilen hysterisch. Das gilt insbesondere für die Frauen- und die Kinderstimme (klassischerweise seinerzeit auch von Frauen eingesprochen). Wie der Vorgänger war auch Hexen, geschändet und zu Tode gequält auf Englisch produziert worden, wobei zumindest die Außenszenen ebenfalls nachsynchronisiert erscheinen.
Bild- und Tonqualität UHD

Kameramann Ernst W. Kalinke hatte zu seinen Lebzeiten eine durchaus bewegte Vita. So war er Director of Photography bei Winnetou I, II und III, aber auch bei Filmperlen wie Die liebestollen Apothekerstöchter, Der Ostfriesen-Report: O mei, haben die Ostfriesen Riesen oder … auch Ninotschka zieht ihr Höschen aus. Und wenn man ganz pedantisch hinschaut, dann war Hexen, bis aufs Blut gequält ein wenig Kalinkes Einstand in den deutschen Trash-Abgrund. Davon abgesehen filmte er Hexen, geschändet und zu Tode gequält mit klassischem 35-mm-Filmmaterial und im damals häufiger gesehenen Format von 1,66:1. Turbine hat nach der De-Indizierung keine Mühen gescheut und den Film vom Original-Negativ in 4K-Auflösung scannen lassen, um ihn nun inklusive HDR10 und Dolby Vision, inklusive eines im Rahmen von Rec.2020 erweiterten Farbraum zu graden. Im laufenden Bild sind die Unterschiede zur bereits sehr guten Blu-ray zwar nicht exorbitant, aber an feinen Stellen erkennbar. Die Falten rund um Reggie Nalders Mundpartie sind noch etwas tiefer und genauer umrissen, seine Hautfarben noch etwas brauner und kräftiger. Auch das ketchuprote Blut ist noch eine Spur dunkler und der rote Samtmantel von Nalder ebenfalls. Während das Encoding hier und da immer noch ganz vereinzelt softere Bereiche erkennen lässt, ist es in Summe noch feiner als bei der Blu-ray und lässt den Film in Gänze noch etwas plastischer wirken.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … grundsätzlich nicht allzu groß. Tatsächlich sieht man im laufenden Bild, dass die HDR-Disk die Kontraste intensiviert und einen leichten Schleier vom Bild löst.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die 4K-Disk zeigt die feinere Körnung und bietet schon dadurch etwas mehr Auflösung.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … erscheinen etws kräftiger.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … heben sich etwas besser ab.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Das durch einen Brandunfall gezeichnete Gesicht Nalders ist plastischer.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die Schrift oberhalb der Orgel ist schärfer.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … erscheint detailreicher.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD BD offenbart die Sonne – im Gegensatz zur BD.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die Struktur in der Mauer erscheint sichtbar besser aufgelöst.
Bonusmaterial

Den unterschiedlichen Mediabooks (es gibt fünf) liegt jeweils noch eine dritte Disk als Bonus Blu-ray bei, während auf den beiden Filmscheiben nur ein alternativer Vorspann zu sehen ist. Die dritte BD liefert dann die 94-minütige Doku “Hexenjagd in Mauterndorf” über die Dreharbeiten der Hexen-Filme. Hier kommen auch Anwohner der Gegend zu Wort, die seinerzeit als Schauplatz gewählt wurde. Vermutlich hätten einige der lokalen Statisten auch nicht mitgespielt, wenn sie vermutet hätten, in was für einem Film sie da mitwirken. In “Geheimnisvolles Österreich” gibt es dann einen Blick auf das sagenumwobene Schloss Moosham, in dem während des 16. Jahrhunderts von den Erzbischöfen Salzburgs eine regelrechte Hexenjagd vollzogen wurde. “Die Hexen und der Bub” ist der Titel für ein 25-minütiges Interview mit Alexander-Darsteller (und späterem Fernsehmoderator) Percy Hoven und seiner Mutter Joyce. Weiterhin gibt es noch eine 17-minütige Location-Tour und das 36-seitige Booklet zu den Hintergründen und der Entstehungsgeschichte des Films – verfasst von Andreas Ehrenreich.
Fazit
“Lediglich erwachsene Anhänger von Horrorfilmen der 1970er Jahre werden an diesem Werk womöglich aus Nostalgiegründen noch Gefallen finden können” – das ist das Schlusswort der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz zur Neueinstufung von Hexen geschändet und zu Tode gequält. Und besser kann man fast nicht beschreiben, unter welcher Prämisse die meisten den Film heute wohl sehen werden. Wer hier mit objektivem Maßstab ans Schauspiel oder die Inszenierung geht, der kann (oft) nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Wer sich aber einfach über die Möglichkeit freut, den Film in der bestmöglichen Qualität zu archivieren, der greift hier definitiv zu. Zumal die Qualität von Bild und Ton einem Quantensprung gleicht, wenn man es mit vorherigen Möglichkeiten vergleicht, den Film zu schauen.
Timo Wolters
Bewertung
Bildqualität BD: 80%
Bildqualität UHD: 80%
Tonqualität BD/UHD (dt. Fassung): 70%
Tonqualität BD/UHD (Originalversion): 65%
Bonusmaterial: 90%
Film: 40%
Anbieter: Turbine Medien
Land/Jahr: D 1973
Regie: Adrian Hoven
Darsteller: Erica Blanc, Anton Diffring, Reggie Nalder, Percy Hoven, Lukas Ammann, Jean Pierre Zola
Tonformate BD/UHD: dts-HD-Master 2.0 (Mono): de, en
Untertitel: de, en
Bildformat: 1,66:1
Laufzeit: 90
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD-66
Real 4K: Ja (4K DI)
High Dynamic Range: HDR10, Dolby Vision
Maximale Lichtstärke: 921 Nit
FSK: 16
(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots liegt bei Anbieter: Turbine Medien)
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So testet Blu-ray-rezensionen.net
Die Grundlage für die Bild- und Tonbewertung von Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays bildet sich aus der jahrelangen Expertise im Bereich von Rezensionen zu DVDs, Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays sowie Tests im Bereich der Hardware von Unterhaltungselektronik-Komponenten. Gut zehn Jahre lang beschäftigte ich mich professionell mit den technischen Aspekten von Heimkino-Projektoren, Blu-ray-Playern und TVs als Redakteur für die Magazine HEIMKINO, HIFI TEST TV VIDEO, PLAYER oder BLU-RAY-WELT. Während dieser Zeit partizipierte ich an Lehrgängen zum Thema professioneller Bildkalibrierung mit Color Facts und erlangte ein Zertifikat in ISF-Kalibrierung. Wer mehr über meinen Werdegang lesen möchte, kann dies hier tun —> Klick.
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- Center: Canton Vento 858.2
- Surroundspeaker: 2 x Canton Vento 890.2 DC
- Subwoofer: 2 x Canton Sub 12 R
- Heights: 4 x Canton Plus X.3
- AV-Receiver: Denon AVR-X4500H
- AV-Receiver: Pioneer SC-LX59
- Mini-DSP 2x4HD Boxed
Das Referenz-Equipment fürs Bild findet ihr wiederum hier aufgelistet. Dort steht auch, wie die Bildgeräte auf Norm kalibriert wurden. Denn selbstverständlich finden die Bildbewertungen ausschließlich mit möglichst perfekt kalibriertem Gerät statt, um den Eindruck nicht durch falsche Farbtemperaturen, -intensitäten oder irrigerweise aktivierten Bild”verbesserern” zu verfälschen.
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