Master and Commander – Bis ans Ende der Welt 4K UHD

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Beitragsbewertung

4K Blu-ray Review

20th Century Fox, 19.09.2025

OT: Master and Commander: The Far Side of the World IMDb 7.5

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Breitseite fürs Heimkino

Peter Weirs episches Seefahrer-Abenteuer sticht erneut in See – dieses Mal hochaufgelöst. Danke an Leser Didi fürs Zurverfügungstellen der 4K-Disk.

Inhalt

Willst du nicht sehen …

Anfang des 19. Jahrhunderts, die Zeit der Napoleonischen Kriege: Die britische Fregatte Surprise steht unter dem Kommando von Kapitän Jack Aubrey. Als das Schiff aus dem Nebel von der französischen Acheron angegriffen und schwer beschädigt wird, weigert sich Aubrey für die Reparaturen an Land zurückzukehren. Er besteht darauf, das Schiff auf See reparieren zu lassen. Doch dann taucht die Acheron erneut auf und Aubrey kann die Surprise nur durch eine List retten. Daraufhin ist dessen Ehre angestachelt und um gleichzeitig zu verhindern, dass die Acheron die britische Walfangflotte abfängt, folgt er dem französischen Freibeuter bis zu den Galapagosinseln – sehr zum Leidwesen seines Schiffsarztes Maturin …

Willst du nicht spüren …

Manche Filme, die auf dem Meer spielen, haben weniger von salziger Gischt, sondern mehr vom Mief eines überchlorten Studio-Aquariums: schal, dumpf und ohne jede Brise. Peter Weirs Master & Commander: Bis ans Ende der Welt hingegen riecht nach Salz und Holz, nach Schießpulver und Wind – ein Film, der den Zuschauer vom ersten Moment an mitten ins Geschehen zieht. Denn schon in den ersten Minuten ist man voll dabei: Kanonendonner, splitterndes Holz, das Heulen des Windes. Und mittendrin Kapitän Jack Aubrey, der sich mit seiner Crew auf einem scheinbar aussichtslosen Katz-und-Maus-Spiel durch das Meer manövriert. Die Romanvorlage von Patrick O’Brian, genauer gesagt gleich mehrere Bände der berühmten Aubrey-Maturin-Reihe, diente als Fundament. Doch Weir und sein Team gingen frei mit dem Stoff um. Statt einer eins-zu-eins-Adaption entschieden sie sich für eine Mischung: Der titelgebende Feind, die Acheron, ist im Buch eine amerikanische Fregatte, im Film jedoch ein französisches Schiff. Der Grund mag darin gelegen haben, dass es sich historisch besser einbetten ließ. Immerhin war zur Zeit der napoleonischen Kriege Frankreich der natürliche Gegenspieler. So wurde aus dem literarischen Vorbild eine verdichtete, filmische Dramaturgie, die sich freier anfühlte, ohne den Geist der Vorlage zu verraten. Damit dieses Abenteuer nicht nur glaubwürdig, sondern körperlich spürbar wurde, mussten die Darsteller mehr lernen als nur Dialoge. Russell Crowe und seine Kollegen erhielten eine intensive Ausbildung in Waffenbeherrschung und Habitus der Seemänner. Säbel, Pistolen, Kanonen, Knoten und Befehle sollten so routiniert wirken, als hätten die Männer ihr Leben lang nichts anderes getan. Die Darsteller übten Drill und Seemannschaft, damit selbst kleinste Bewegungen selbstverständlich aussahen. Gerade in den Gefechtsszenen zahlt sich das aus: Niemand wirkt wie ein Schauspieler, der eine Pose hält, sondern wie ein Mann, der ums Überleben kämpft.

Willst du nicht als Gegner haben …

Authentizität auch bei der Musik: Weir entschied sich für einen klugen Kontrast: Kanonendonner auf der einen Seite, Bach und Mozart auf der anderen. Crowe und Paul Bettany, die als Aubrey und Maturin nicht nur Freunde, sondern auch Musikpartner sind, studierten tatsächlich die Stücke ein, um ihre Szenen griffsynchron zu spielen. Cello und Violine werden hier zum intimen Gegenpol der Schlachten. Inmitten der Härte des Kriegs entsteht so etwas wie stille, menschliche Größe. Die Musik ist nicht nur Beiwerk, sondern Teil des Charakters dieser Männer. Dies auch deshalb, weil man hier auf das Stilmittel setzte, dass die im Film gespielte Musik zunächst innerhalb der Filmwelt geschieht und dann fließend ins klassische Äußere eines typischen Scores mündet. Technisch beeindruckt Master & Commander bis heute. In einer Zeit, in der CGI oft die Bühne dominierte, setzte Weir auf eine raffinierte Kombination: Originalschiffe, detailgetreue Modelle und digitale Effekte wurden so nahtlos verbunden, dass die Grenzen verschwimmen. Die Surprise (das Herzstück des Films) hörte einst auf den Namen The Rose und war einst das größte Segelschulschiff der Vereinigten Staaten. Für den Film wurde es gekauft und eigens umgebaut. Viele der dramatischen Szenen wurden tatsächlich auf hoher See auf diesem Schiff gedreht. Für Sturm- und Schlachtszenen wurde eine zweite HMS Surprise gebaut, ein 60 Tonnen schweres Tankschiff, das völlig neu konstruiert und auf einem hydraulischen Kardangelenk in dem 6,5 Acre großen Tank der Fox Studios Baja platziert wurde. Heute liegt die Surprise als Museumsschiff in San Diego. Für komplexe Szenen nutzte man Miniaturen im Maßstab 1:6, während CGI das Meer, Wetter und die Acheron vervollständigte. Die Verschmelzung von realen Aufnahmen und CGI bilden hier eine visuelle Authentizität, die auch 20 Jahre später kaum Patina angesetzt hat. Eher im Gegenteil, da wir in ein Zeitalter zu rutschen beginnen, in dem CGI schlechter und schlechter zu werden scheint.

Wo ist der Feind?

Abseits der filmischen Authentizität sorgten aber auch die Darsteller für besondere Umstände. So bestand Russell Crowe darauf, dass seine Truppe tatsächlich auf engstem Raum lebte, um das Gefühl der Enge eines Schiffes nachzuempfinden. Gleichzeitig sorgte er am Set immer wieder für gute Laune. Immerhin wurden Tausende Liter Salzwasser über die Darsteller geschüttet, während Windmaschinen, Düsentriebwerke und Feuerwehrschläuche auf die Schauspieler und die Crew gerichtet waren. Selbst wenn er nicht im Bild zu sehen war, war Russell Crowe mittendrin. Er gab sich alle Mühe, Spaß dabei zu haben und brüllte manchmal zwischen den durchnässten Aufnahmen die Jungs von den Spezialeffekten an, ob das alles sei, was sie könnten, man würde noch mehr vertragen (Quelle). Am Ende mag Master & Commander nicht das klassische Popcorn-Spektakel sein, sondern eher ein Film, der Atem und Geduld fordert. Er erzählt von Ehre und Freundschaft, von Wissenschaft und Krieg, und er tut es mit einer filmischen Dichte, die heutzutage fast exotisch wirkt. In einer Zeit, in der Blockbuster oft an Effektschlachten ersticken, steht Peter Weirs Werk da wie ein altes Segelschiff im Hafen: mächtig, ehrwürdig und voller Geschichten. Etwas, das ihn fast zeitlos wirken lässt.

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Studio: LEONINE
Format: Blu-ray
Erscheinungstermin: Fri, 19 Sep 2025
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Bild- und Tonqualität BD

Die Zähne fehlen, aber die Moral stimmt

Master & Commander gehört nicht unbedingt zu den Sternstunden der Blu-ray-Ära. Dazu ist das Bild am Ende zu (bewusst) trüb und kontrastarm sowie in vielen Totalen/Halbtotalen zu unscharf. Die Filmkörnung wird in den oft neblig-trüben Einstellungen arg grob eingefangen und immer wieder gibt es auch wabernde vertikale Streifen im Bild (14’40). Close-ups und gut fokussierte Shots sehen recht ordentlich aus, während helle Teilbereiche leider immer etwas überstrahlen. Erstaunlich, dass gerade Paul Bettany und James D’Arcy oft unfokussiert aufgenommen wurden, während Einstellungen von Crowe in der Regel besser erscheinen. Der Schwarzwert ist nicht wirklich satt, was aber auch mit den komplizierten Bedingungen zu tun haben könnte. Viele Innenaufnahmen der Besprechungen auf dem Schiff sehen nicht sonderlich ausgiebig beleuchtet aus. Insgesamt ein Film mit visueller Luft nach oben.

Der Schiffsarzt legt die Spuren für Charles Darwin

Es gibt keinen Zweifel: Sowohl die deutsche DTS-, als auch die englische DTS-HD-Master-Tonspur von Master & Commander sind bis heute praktisch Referenztitel. Nur wenige Filme schafften es im Nachgang, ein so realistisches Klangbild und ähnliche Dynamik zu erzeugen. Selbst solche aus der jüngeren Godzilla-Reihe halten dem Vergleich mit diesem Sounddesign und seiner Vertonung auf der Blu-ray nicht stand. Und das liegt vorwiegend daran, dass die Godzilla-Filme vornehmlich auf Wucht, Druck und Lautstärke setzen. Master & Commander kann das ebenfalls. Wer beispielsweise beim Einschlagen der Kanonenkugeln seine potente Heimkinoanlage nicht aus Furcht vor dem Bersten der Treiber etwas runterregelt, pinkelt auch bei Sturm gegen den Wind. Diese Unerschrockenen der Heimkino-Szene freuen sich aber nicht nur am satten Fundament, sondern vor allem an der grundsätzlichen Dynamik zwischen leisen und atmosphärischen Geräuschen und den brachialen Kampfszenen. Denn genau das macht das Sounddesign des Films aus. Wenn man unter oder auf Deck mit den Protagonisten unterwegs und quasi mittendrin ist; wenn man hier ein sich windendes Tau oder ein flatterndes Segel und dort die knarzenden Holzplanken hört – dann hat man sich noch nie derart realistisch 200 Jahre in die Vergangenheit und mitten auf ein Schiff begeben. Die Szenen, in denen man mit dem Captain unter Deck ist, während oben die Crew hektisch wird, gehören bis heute zum größten Gänsehautfaktor der akustischen Heimkinogeschichte. Und ja: Wenn dann die ersten Kanonen der Gegner in die Reling einschlagen und splitterndes Holz in Richtung Kamera fliegt, bleibt einem beim Schauen förmlich die Spucke weg. Die kompletten ersten 20 Minuten sind in all ihrer Varianz, Dynamik und dem innovativen Sounddesign ein Anspieltipp für jede Demonstration im Heimkino. Jetzt muss man zumindest der Vollständigkeit halber erwähnen, dass die deutsche Tonspur vor allem im Surroundbereich einen etwas anderen Mix nutzt als die englische Fassung. Zudem hat sie ein paar “Macken”, die man im Frequenzschrieb sehen kann (Danke an Leser Klaus für diesen Hinweis). Den Frequenzschrieb könnt ihr weiter unten im Vergleich mit der DD-Tonspur der UHD Blu-ray sehen. Trotz der Tatsache, dass die englische Fassung auf den Rears mitunter noch aktiver ist; trotz der kleinen Macken, zücke ich für den DTS-Ton hier die Maximalwertung. Einfach, weil er mehr Spaß macht als 99 % der anderen Filmtonmixe. Das Gleiche gilt natürlich für den englischen Ton. Dessen “Vorzüge” kann man sich anhand der kleinen “Probleme” der deutschen Synchro selbst erklären.

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Bild- und Tonqualität UHD

Haben sich die Finger wund geübt: Crowe und Bettany

Master & Commander wurde 2003 analog gefilmt. Insgesamt fünf unterschiedliche Kameras kamen zum Einsatz. Von der Arriflex 35 über die 435 bis hin zu drei unterschiedlichen Panavision-Panaflex-Geräten. Tatsächlich wurde damals (analog bspw. zu Königreich der Himmel) bereits ein 2K-DI für die Szenen mit visuellen Effekten angefertigt. Was man bei Königreich allerdings (trotz vollmundiger Ankündigungen) nicht gemacht hat, ist ein Neuscan des Filmmaterials mit anschließender Integration der CGI-Anteile. Genau das soll aber für die 4K-Disk von Master & Commander gemacht worden sein. Und anhand des Bildeindrucks lässt sich das bestätigen. Schon alleine der deutlich andere Bildausschnitt lässt hier Rückschlüsse zu, dass man keineswegs das vorhandene DI genutzt hat. Aber das ist ja nur ein eher nebensächliches Indiz. Was vielmehr deutlich besser gerät, ist die Auflösung. Und das sowohl in Close-ups als auch bei Totalen und in Halbtotalen. Unfokussierte Shots mögen immer noch nicht knackscharf sein, aber alles, was gut im Fokus war, ist nun bedeutend besser aufgelöst. Das sieht man an den Gesichtern und Details auf der Haut, das sieht man an der Takelage des Schiffs und das sieht man an Details auf den Flaggen der Holzboote in der Ferne. Zudem wurde das Überstrahlen revidiert. Sämtliche hellen Elemente weisen nun eine bessere Durchzeichnung auf, während dunkle Szenen nicht an Zeichnung verlieren. Das arg Milchig-Trübe wurde ebenso zugunsten eines dynamischeren Kontrasts revidiert. Nun ist es zwar immer noch neblig, aber nicht mehr so kontrastschwach. Hautfarben erhalten nun mehr Kraft und Farbdifferenzierung, was die Darsteller plastischer erscheinen lässt. Allerdings ist nicht ALLES Gold, was glänzt. Hier und da (bspw. bei den Schiffszenen nach acht Minuten) wurde das Korn gefiltert, während es an den allermeisten Stellen besser und feiner encodiert ist als bei der Blu-ray. Die Filterung ist allerdings nur in wenigen Momenten zu erkennen. Dennoch wurde ab und an prozessiert. Schaut man sich den Screenshotvergleich bei Minute 123’39 an, so sind deutlich die Verbesserungen in der Tiefe und der Durchzeichnung zu sehen. So erkennt man bspw. endlich, was für ein Zeichen auf der roten Flagge abgebildet ist. Gleichzeitig hat man allerdings den (wie ich vermute) Vogel als Schmutzpartikel erkannt und entfernt. Vielleicht war’s aber auch ein Schmutzpartikel, wer weiß. Trotz der ab und an erkennbaren Filterung bietet die 4K-Disk das in allen anderen Belangen sichtbar bessere Bild.

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Blu-ray (18’13): (Slider ganz nach rechts):
UHD HDR10 (Slider ganz nach links):

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Blu-ray: (Slider ganz nach rechts): Man sieht schon sehr deutlich …
UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … dass die 4K-Disk besser auflöst und die Körnung schöner aufbereitet.

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Blu-ray (20’22): (Slider ganz nach rechts): Gut zu sehen auch …
UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … dass das Grading etwas wärmer geworden ist. Von eher grünlich ins Bräunlich-Rote.

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Blu-ray: (Slider ganz nach rechts): Auch die Auflösung im Close-up ist sichtbar besser. Die Blu-ray ist in den Falten nicht so deutlich.
UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die 4K-Disk kann das feiner und plastischer.

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Blu-ray (64’38): (Slider ganz nach rechts): Gut zu sehen, dass auch die Kontrastgebung bei der BD schwächer ist.
UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die HDR-Scheibe ist durchweg kontrastreicher.

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Blu-ray: (Slider ganz nach rechts): Bei der Auflösung gibt es keine zwei Meinungen. Die Blu-ray ist regelrecht unscharf dagegen.
UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Viel besser: Die 4K-Disk.

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Blu-ray (71’55): (Slider ganz nach rechts): Die Überstrahlung auf den hellen Bereichen der BD ist sichtbar.
UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die HDR-Scheibe zeichnet besser durch.

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Blu-ray: (Slider ganz nach rechts):
UHD HDR10 (Slider ganz nach links):

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Blu-ray (104’33): (Slider ganz nach rechts):
UHD HDR10 (Slider ganz nach links):

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Blu-ray: (Slider ganz nach rechts):
UHD HDR10 (Slider ganz nach links):

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Blu-ray (123’39): (Slider ganz nach rechts): Ja, der Himmel wirkt hier weniger blau.
UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Das ist aber auch der HDR-SDR-Konvertierung des Screenshots geschuldet. Die deutliche Verbesserung steckt im Detail …

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Blu-ray: (Slider ganz nach rechts): Was hier an Unterschied in der Tiefe zu sehen ist …
UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … ist eklatant. Keine zweite Meinung, dass die 4K-Scheibe hier wesentlich besser auflöst.

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Blu-ray: (Slider ganz nach rechts): Ob Vogel oder Schmutzpartikel?
UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die 4K-Disk zeigt ihn nicht mehr.

Immer auf der Flucht?

Kommen wir zur großen Zitterpartie des Films: seinem Ton. Als klar wurde, dass Disney hier die Tonspuren beisteuert, gab es selbstredend Vorbehalte. Würde aus dem so wunderbar dynamischen Master & Commander ein Sturm im Wasserglas werden? Würde man, als feststand, dass nun nicht mehr in DTS, sondern in Dolby Digital kodiert wird, damit leben müssen, dass hier erneut eine familienfreundliche Abmischung angefertigt wurde? Die Antwort ist ganz klar: Nein. Ja, es ist nun eine Dolby-Digital-Kodierung, aber glücklicherweise keine totkomprimierte Familienfassung. Ganz im Gegenteil. Diese Dolby-Digital-Tonspur gehört locker zu den Top Five, die jemals unter dieser Kodierungsflagge gesegelt sind. Der praktisch einzige Unterschied zur DTS-Fassung ist eine um ca. 3-4 dB leisere Einpegelung. Passt man die Lautstärke an (wobei die alte DTS-Version bei Referenzpegel eigentlich fast zu laut ist), so ist die DD-Version praktisch identisch. All jenen, die entsprechende Zweifel hatten, darf ich damit eine Entwarnung mitgeben. Nach wie vor ist der Sound von Master & Commander ein absoluter Ohrenschmaus. Besser noch: Es handelt sich auf jeden Fall nicht mehr um die DTS-Fassung im Kern, sondern möglicherweise eher um den DVD-Ton. Warum? Die teilweise vorhandenen “Macken” an bestimmten Stellen fallen jetzt schwächer ausgeprägt aus. Die DD-Fassung ist entsprechend genauso dynamisch, aber “ganzer” als die bekannte DTS-Version (siehe Bildvergleiche unten). Und jetzt kommt der ganz große Storytwist: Der deutsche Dolby-Digital-Sound ist besser als die neue (englische) Atmos-Fassung. Was natürlich schade für die O-Ton-Hörer ist. Aber wenn man sich exemplarisch den Moment nach knapp acht Minuten nimmt, wenn die erste Kanonenkugel einschlägt, so fehlt hier nicht nur gegenüber der bisherigen DTS-HD-Master-Fassung Wucht und Druck und Dynamik, sondern auch (deutlich) gegenüber der deutschen Fassung. Die Einschläge und das splitternde Holz, das über die alte DTS-HD-MA-Variante und über den deutschen Ton so wunderbar differenziert, ortbar und detailliert klingt, werden hier (man muss es so klar sagen) fast breiig. Die Differenzierung der einzelnen Geräusche ist hörbar schwächer, das Gesamtgeschehen bedämpfter und auch im Tiefbass spürbar kastriert. Gerade beim LFE ist die deutsche Dolby-Digital-Version dem Atmos-Sound überlegen. Selbst bei den Rearspeaker-Effekten geht es zaghafter zu, wenngleich der Film nach wie vor ein Surroundfeuerwerk ist. Schade drum, aber hier hat der disney’sche Familienmix leider ganze Arbeit geleistet. Das mag im Verhältnis zu aktuellen und noch viel matter klingenden Filmen des Labels immer noch ein toller Ton sein, aber die Lobeshymnen, die in den USA darauf gesungen wurden, sind mir schleierhaft.

Hier im Bild die beiden deutschen Tonspuren. Die Dolby-Digital-Fassung ist in rot oben, die dts-Version in blau unten. Man sieht, dass die DD-Version in der Lautstärke geringer ausfällt. Dass sie ansonsten gleich ist, sieht man auf dem nächsten Bild.
Hier sehen wir die identischen Messschriebe, nachdem die Dolby-Digital-Spur um ca. 3,5 dB angehoben wurde. Beide Tonspuren zeigen sich praktisch identisch
… tatsächlich ist die Dolby-Digital-Spur aber rein messtechnisch sogar besser. Im Bild zu sehen sind die teils vorhandenen “Macken” im deutschen Ton. Diese fielen auf der DTS-Tonspur noch deutlicher aus als bei der DD-Fassung, die nun auf der UHD Blu-ray integriert wurde.
Zwischendurch ist Zeit für Schönheit

Kann das Geschehen denn wenigstens auf den Heights überzeugen und eine immersive 3D-Soundkulisse erzeugen? Immerhin gäbe es hier unglaublich viele Möglichkeiten, das Geschehen auf Deck über die Höhenspeaker zu vertonen, während die Kamera unter Deck verweilt. Leise und atmosphärische Knarz- und Knacksounds gibt es bereits nach gut drei Minuten. Zwei Minuten später hören wir die Rufe aus dem Ausguck von oben. Doch nach 6’30 geht es dann unter Deck und wir hören von oben: genau nichts. Jene Szene, die bereits über die bisherigen Tonspuren eine famose Rundumkulisse aufgebaut hat, lässt keine Signale von oben ertönen – sehr schade. Dass es während des Beschusses dann für einige Minuten zur Sache geht, ist immerhin ein Trostpflaster. Aber was wäre das für ein Fest gewesen, wenn man unter Deck gewesen wäre und das laute Getrampel direkt über dem Kopf gehört hätte? Durchaus klasse dagegen das Flattern der Segel bei Minute 10, und auch danach gibt es noch einmal ein paar 3D-Sounds während der Attacken. Dennoch: Als die ersten Atmos-Tonspuren seinerzeit erschienen, kam mir sofort Master & Commander in den Sinn und seine famosen Momente, die auf “zwei Etagen” spielen und Geräusche erzeugen. Dass dies hier während der ersten halben Stunde nur eingeschränkt für die 3D-Klangkulisse berücksichtigt wurde, ist eine Schande. Doch es soll sich im Verlauf bessern: Nachdem es zwischendurch 15 Minuten ruhig ist, bricht nach 37 Minuten mit dem Score und den herabfallenden Segeln richtig Dynamik von oben auf den Zuhörer ein. Nach 46 Minuten kreischen dann Wind und Gischt um die Wette aus den Heights. Bei Minute 54 tropft es dann eindrucksvoll von oben und kurz darauf donnert ein Gewitter über die Höhenspeaker, das sich gewaschen hat. Hier punktet die Atmos-Tonspur endlich mal mit immersiver Ausnutzung der Möglichkeiten. Nach etwas über einer Stunde bekommt man dann mal diese atmosphärische Unterstützung durch leises Knacksen und Knarren, wenn sich Aubry und Maturin unter Deck unterhalten. Und nach 69’50 kommt dann genau das, was ich mir erhofft hatte: Getrampel von Deck, das unter Deck zu hören ist. Auch die Schüsse nach 71 Minuten werden äußerst präsent auf die Heights gelegt – endlich, so möchte man sagen, werden die Höhenspeaker dafür genutzt, was bereits in der ersten halben Stunde hätte für Gänsehaut sorgen dürfen. Etwas weniger schön klingt der Regen nach 85’50 – und das nicht (nur), weil ich kein Freund von expliziten Regengeräuschen auf den Heights bin, sondern weil er etwas phasenverschoben und flangerartig tönt. Ganz und gar nicht komisch klingt der wuchtige Beschuss bei 109’24, der wie ein Kampfjet über die Köpfe donnert. Sehr gut ortbar kommt die Stimme des Franzosen kurz darauf wechselnd aus allen Höhenspeakern. Und in der Folge spricht dann erneut das Kampfgeschehen, bis hin zu einem effektvoll berstenden Mast.

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Format: Blu-ray
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Bonusmaterial

Das Bonusmaterial ist mit jenem der alten Blu-ray identisch. Entsprechend gibt’s Infos zur Geschichte und Geographie sowie ein paar nicht verwendete Szenen.

Fazit

Master & Commander ist ein Kinoabenteuer epischer Breite. Peter Weir gelingt es, Historie, Spannung und Kameradschaft so organisch zu verweben, dass man das Salz fast auf den Lippen schmeckt. Kein glattgebügelter Blockbuster, sondern ein detailverliebtes Epos über Pflicht, Freundschaft und das Überleben auf hoher See. Wer sich auf den Film einlässt, entdeckt ein selten gewordenes Stück großes Erzählkino, das auch nach 20 Jahren nichts von seiner Wucht verloren hat. Eher im Gegenteil: Denn mit der 4K-Disk liegt der Film nun in seiner bisher bestmöglichen Qualität vor. Zwar gibt es hier und da ein paar Makel, doch gegenüber der alten Blu-ray ist das hier ein massiver Qualitätszugewinn. Beim Ton darf Entwarnung gegeben werden, denn die deutsche Dolby-Digital-Spur ist quasi identisch mit der DTS-Fassung – streng genommen ist sie sogar besser, wie im Review zu lesen ist.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD: 60%
Bildqualität UHD: 75%

Tonqualität BD (dt. Fassung): 100%
Tonqualität UHD (dt. Fassung): 100%

Tonqualität BD (Originalversion): 100%
Tonqualität BD/UHD 2D-Soundebene (Originalversion): 75%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Quantität (Originalversion): 80%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Qualität (Originalversion): 80%

Bonusmaterial: 40%
Film: 85%

IMDb 7.5

Anbieter: 20th Century Studios / Walt Disney Studios
Land/Jahr: ECU/MEX/USA 2003
Regie: Peter Weir
Darsteller: Russell Crowe, Paul Bettany, Billy Boyd, Ian Mercer, James D’Arcy
Tonformate BD: dts-HD-Master 5.1: en // dts 5.1: de
Tonformate UHD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): en // Dolby Digital 5.1: de
Untertitel: de, en
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 138
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD-66
Real 4K: Ja (4K DI)
High Dynamic Range: HDR10, Dolby Vision
Maximale Lichtstärke:
FSK: 12

(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots liegt bei Anbieter: 20th Century Studios)
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Die Grundlage für die Bild- und Tonbewertung von Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays bildet sich aus der jahrelangen Expertise im Bereich von Rezensionen zu DVDs, Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays sowie Tests im Bereich der Hardware von Unterhaltungselektronik-Komponenten. Gut zehn Jahre lang beschäftigte ich mich professionell mit den technischen Aspekten von Heimkino-Projektoren, Blu-ray-Playern und TVs als Redakteur für die Magazine HEIMKINO, HIFI TEST TV VIDEO, PLAYER oder BLU-RAY-WELT. Während dieser Zeit partizipierte ich an Lehrgängen zum Thema professioneller Bildkalibrierung mit Color Facts und erlangte ein Zertifikat in ISF-Kalibrierung. Wer mehr über meinen Werdegang lesen möchte, kann dies hier tun —> Klick.
Die technische Expertise ist aber lediglich eine Seite der Medaille. Um stets auf der Basis von aktuellem technischen Wiedergabegerät zu bleiben, wird das Testequipment regelmäßig auf dem aktuellen Stand gehalten – sowohl in puncto Hardware (also der Neuanschaffung von TV-Displays, Playern oder ähnlichem, wenn es der technische Fortschritt verlangt) als auch in puncto Firmware-Updates. Dazu werden die Tests stets im komplett verdunkelbaren, dedizierten Heimkino angefertigt. Den Aufbau des Heimkinos könnt ihr hier nachlesen —> Klick.

Dort findet ihr auch das aktuelle Referenz-Gerät für die Bewertung der Tonqualität, das aus folgenden Geräten besteht:

Das Referenz-Equipment fürs Bild findet ihr wiederum hier aufgelistet. Dort steht auch, wie die Bildgeräte auf Norm kalibriert wurden. Denn selbstverständlich finden die Bildbewertungen ausschließlich mit möglichst perfekt kalibriertem Gerät statt, um den Eindruck nicht durch falsche Farbtemperaturen, -intensitäten oder irrigerweise aktivierten Bild”verbesserern” zu verfälschen.


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