Referenz-Setup Ton

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So testet blu-ray-rezensionen.net
die Tonqualität

Referenz-Setup im Testkino von blu-ray-rezensionen.net

Referenz-Geräte

Zwei Canton 12 R Subs sorgen für ausreichend Fundament im Testkino

Um die Tonqualität, akustische Dynamik und tonale Ausgewogenheit der unterschiedlichen Tonformate und -spuren von Blu-rays oder Ultra-HD-Blu-rays zu testen, bedarf es zumindest halbwegs angemessener Elektronik und Lautsprechertechnik.
Die Vielfalt unterschiedlicher Lautsprecher- und AV-Receiver-Hersteller ist allerdings groß. Und viele Mütter haben schöne Töchter. Hier eine Aussage bezüglich “optimaler” Wiedergabeketten zu geben, wäre vermessen und unsinnig. Jeder Heimkino-Freund hat einen anderen Geschmack für Tonfarbe, Frequenzgänge und Dynamik. Und so kann für den einen Hersteller X und für den anderen Hersteller Y das Ideale sein.
Um möglichst aufeinander abgestimmt zu sein, habe ich mich schon vor Jahren für ein System der Firma Canton aus dem hessischen Weilrod entschieden.
Mir sagen akustische Klangfarbe und Design zu, sodass sich mein Setup hier allmählich entsprechend entwickelt hat.
Eingesetzt wird für die Reviews eine 5.2.4-Konfiguration im Dolby-Atmos-Layout, das wahlweise von einem Pioneer- oder einem Denon-Receiver befeuert wird. Die beiden Subwoofer werden zusätzlich über einen Mini-DSP angesteuert, um diese bestmöglich in den akustischen Raum zu setzen.
Im Folgenden eine kurze Auflistung der Hardware.

Auf dem Weg zum guten Ton: Raumoptimierung

Lange war es angekündigt und doch gab es eine gewisse Hürde bei der Aufführung des Setups für die Tontests. Während ein Bericht über das Referenz-Setup fürs Bild bereits seit langer Zeit über den Blog zu finden ist, fehlte jenes für den Ton.
Der Grund war letztlich simpel. Das bisherige Heimkino war eine Wohnrauminstallation. Diese war zwar akustisch optimiert und eingemessen und dementsprechend repräsentativ, hätte aber in jeder Darstellungsform zu viel aus dem Privatleben preisgegeben.
Doch vor Kurzem fand ein Umzug statt und mit dem Umzug ergab sich die Möglichkeit, ein dediziertes Heimkino einzurichten.
Die Voraussetzungen waren ähnlich wie bei zahlreichen Heimkino-Fans. Denn es handelt sich um einen Kellerraum. Mit den Maßen 423 x 301 cm und entsprechend 12 qm zwar relativ klein, aber dafür auch mit verhältnismäßig wenig Aufwand zu realisieren.

Der Raum im nackten Vorher-Zustand
Die andere Seite

Aus dem vollkommen nackten Raum mit Fliesen, zwei Außen- und zwei relativ dicken Innenwänden sollte in kurzer Zeit ein heimkino- und testtauglicher Raum werden, der nicht nur für Bild- sondern vor allem auch für die Tontests möglichst optimal eingerichtet sein sollte.
Aller Anfang ist natürlich Farbe an der Wand und ein Teppich auf dem Boden. Dort finden sich bei nackten Fliesen natürlich Erstreflexionspunkte, die ein Teppich bereits weitgehend eliminieren kann. Außerdem ist’s nicht so kalt an den Füßen und mindert Streulicht.
Gestrichen wurde in neutralem Grau, der Teppich (leider keine Fotos) wurde in kuscheligem Weinrot gelegt.

Grau auf Gelb streichen ist bei stark strukturiertem Putz an der Wand auch kein Spaß
So weit, so grau

Von Beginn an war klar, dass ein Teil der Decke (reguläre Höhe 250 cm) um acht Zentimeter abgehängt werden sollte. Zum einen, um die Raumakustik an der Decke bereits zu verbessern, zum anderen, um einen Lichtschacht an den Seiten zu lassen, der mit indirekten LED-Stripes versehen werden sollte.
Die abgehängte Decke wurde mit fachmännischer und im besten Sinne penibler Hilfe innerhalb von zwei Tagen installiert.
Der Aufbau besteht aus einer doppelten Lattung, deren zweite Ebene alle 20 cm gesetzt wurde, um so wenig wie möglich an Dachlatten-Eigenschwingung zu verursachen. In die Zwischenräume beider Ebenen wurde Akustikdämmwolle eingebracht. In Ermangelung an Steinwolle (Lieferprobleme) war es zwar leider Glaswolle – und zwar die Isover Akustic SSP 2 30 mm 1250 x 600 mm Schallschutzplatte. “Leider” erklärt sich für jeden, der mal mit Glaswolle arbeiten musste, von selbst. Die Unwissenden (so wie ich zuvor) husten dann halt einfach mal ein paar Tage lang.
Als Abschluss kamen keine Rigips-Platten zum Einsatz, sondern etwas Massiveres. In längeren Vorgesprächen mit meinem fachkundigen Helfer entschieden wir uns für die Clickboards von Parador in der 1200er Länge. Der Grund: Weniger Dreck, weniger Arbeit im Nachhinein (kein Spachteln und Schleifen nötig) und das insgesamt auch akustisch stabilere Resultat. Natürlich wurden zuvor noch alle Kabel verlegt (was im Falle des HDMI-Kabels für den Beamer fast zum Fail führte) und es wurde noch eine Verstärkung für die Beamerhalterung angebracht. Am dritten Tag folgte dann der graue Anstrich auch dieser abgehängten Decke, um das Ganze optisch anzugleichen.

Die erste Ebene der Lattung liegt
Die zweite Reihe Lattung beginnt. Die erste Ebene ist bereits gedämmt
Die zweite Lattung im Abstand von 20 cm
Die Verstärkung für die Beamer-Halterung
Dämmung der zweiten Ebene sitzt, die Parador-Clickboards werden nach und nach verarbeitet
Endergebnis von zwei Tagen Arbeit
Grau gestrichen und mit installiertem Beamer

Akustische Optimierung

Die größeren baulichen Maßnahmen waren damit beendet. Eine eingezogene Podest-Wand auf der Frontseite für eine eingelassene Leinwand kam nicht in Frage, da die Bildtests hauptsächlich auf OLED-TVs vorgenommen werden und dieser dann vor der Leinwand stehen würde. Es wird also in naher Zukunft eine Rollo-Leinwand Einzug halten, die sich vor dem TV herablässt.
Es war entsprechend soweit, dass das Equipment Einzug halten konnte. Die abgehängte Decke hatte akustisch eine Menge gegen den zuvor massiven Nachhall getan, doch das war natürlich noch nicht genug.
Um den Raum bestmöglich auf das Equipment abzustimmen, mussten selbstverständlich noch entsprechende Absorber errechnet und integriert werden.
Etwas einfacher machte es die Tatsache, dass das Kino ein Ein-Mann-Kino ist und bleibt. Zum einen erlaubt die Raumgröße kaum mehr, zum anderen ist der Hauptsitzplatz schlicht die unabänderbare Referenz. Es würde sich also alles auf diesen ausrichten.
Für die akustische Optimierung holte ich mir Hilfe vom lieben Alexander Leewe von Lexxicon Acoustic Consulting, der sich schon seit Jahren nebenher intensiv mit der Berechnung und Optimierung von Heimkinos befasst. Ich lieferte ihm die Raummaße und Standorte von abgehängter Decke, TV und Referenzplatz und er schmiss das entsprechende Programm an. Heraus kam die entsprechende Aufstellung im Bild unten.
Auf dem Bild fehlen die Decken-Segel-Elemente, die natürlich noch dazu kamen. Auf der Tür selbst ist kein Element geplant, da dort ein komplettes, selbstklebendes Tür-Dämmset von AixFOAM zum Einsatz kommt, das die Erstreflexions-“Vernichtung” übernimmt, die eigentlich der zweite 242 Absorber dort hätte übernehmen sollen.
Berechnung des Raums mit den Akustik-Elementen. Die Deckensegel sind in dieser Zeichnung noch nicht mit drin, wurden aber eingeplant

Absorber und Bassfallen vom Profi

Eine der beiden Bassfallen hinter den Surroundspeakern in der rückwärtigen Ecke des Kinos

Die Absorber und Bassfallen hätte man mit dem entsprechenden Geschick sicherlich selbst bauen können. Ich wollte es aber aus einem Guss und von den Profis machen lassen. Die Wahl fiel hier auf GIK Acoustics, die in der Branche einen hervorragenden Ruf genießen. Nach der Empfehlung von Alexander für die entsprechenden Teile folgte ein Telefonat mit dem super netten Lukas Rimbach, der meine Bestellung entsprechend mit mir durchsprach und dann in die Auftragsbücher geschrieben hat. Nur rund 14 Tage später trafen die Pakete dann ein. Wer einen großen Heimkinoraum mit vielen Absorbern versehen muss, der sollte einplanen, eine große Lieferung Altpapier zur Deponie bringen zu müssen. Denn sämtliche Teile werden sorgfältig in Folien und dann in robuste Kartons verpackt. Alleine das Auspacken der insgesamt 13 Elemente war ein Akt für sich.
Vor mir standen also vier Soffit Bassfallen in angepasster Maßung, drei 242 Akustik Absorber in 60×120 cm, zwei 244 Bassfallen mit Range Limiter in 60×120 cm und vier 242 Akustik Absorber in 60×60 cm für das Deckensegel.
Die Anbringung war indes wieder easy und erfolgte unter nochmaliger Rücksprache mit Alexander, der mir die Berechnungen erstellt hatte. Per Spiegel-Methode wurden die Plätze an der Decke für die Deckensegel gefunden (die oben in der Zeichnung noch nicht enthalten sind) und ein paar Tage später war alles an seinem Platz.
Da ich die Bespannung der Absorber und Bassfallen in Weinrot bestellt hatte, bekam das bisher sehr in Grau gehaltene Kino ein wenig mehr optische Lebendigkeit und passt sehr gut zum Teppich. Das Auge isst ja auch mit. Insgesamt sah das dann so aus:

Die beiden 244 Bassfallen mit Range Limiter hinter den Mainspeakern
Die beiden 242 Akustik Absorber auf der rechten Seite des Kinos
Die vier 242 Akustik Absorber, die als Deckensegel fungieren

Einmessung und Justierung

Eine weitere akustische Maßnahme war im Übrigen das Anbringen eines doppelten Vorhangs vor dem rückwärtigen Fenster. Zum Einsatz kam hier ein schwerer Molton-Bühnen-Stoff (Backdrop Schwarz Hohlsaum) mit 300 g/m2, der in zwei Bahnen hintereinander angebracht wurde und noch mal für eine Verbesserung der Akustik sorgen konnte.
Im Nachgang an die Anbringung der Absorber und Bassfallen wurden die beiden Subwoofer noch mit einem DSP versorgt, der extrem zügig von Variant Hifi verschickt wurde. Genutzt werden sollte er, um wie ein Mini-DBA den hinteren Sub zur aktiven Auslöschung im tieffrequenten Bassbereich zu nutzen.
Das so aufgebaute System, das im (relativ) klassischen Dolby-Atmos-Setup (Elevationswinkel ~42°) aufgestellt ist, wurde dann von Alexander per Umic-1-Mikrofon und über den Room EQ Wizard eingemessen und in puncto Abstände, Frequenzgang, Lautstärke und Subwoofer-Harmonie eingepegelt. Knapp fünf Stunden Fernwartungs-Arbeit später sah es so aus, dass Raum und Speaker weitgehend aufeinander optimiert erschienen. Eine kleine Raummode bei 40 Hz sowie eine leichte Anhebung im Center bei ca. 200 Hz blieben übrig, lassen sich aber ganz gut im laufenden als solche erkennen und entsprechend aus der Wertung der Filmton-Qualität heraus halten. In Diagrammen schaut das nun so aus:
Wasserfall VOR der Einmessung und Justierung

 

Wasserfall NACH der Einmessung und Justierung mit kleiner Mode bei 40 Hz
Als kleines Beispiel noch der Frequenzgang des linken Main-Speakers

Fazit

Es ist schon immer wieder erstaunlich, was akustisch heraus zu holen ist, wenn man Raum und Anlage aufeinander optimiert. Die Absorber- und Bassfallen taten bereits ohne die Einmessung immens viel, um vorhandenen Nachhall und unerwünschte Resonanzen zu eliminieren. Die abschließende Einmessung war (obwohl mit relativ geringen Mitteln in puncto Hardware vollzogen) aber die Krönung auf dem Gesamt-Sound. Die Präzision und Klarheit, mit der die Subs sich nun gegenseitig ergänzen und im Gesamtbild mit der regulären Ebene spielen, ist fantastisch. Auf diese Weise kann selbst ein verhältnismäßig preisgünstiger AV-Receiver in einem derart kleinen Raum für ausreichend Druck und Dynamik bei gleichzeitig hoher Klarheit und Definition sorgen. Mein Dank geht an Alexander für die ganze Arbeit in der Beratung und Einmessung sowie an alle Hersteller, die mich ebenso gut beraten und zügig beliefert haben. Der Aufwand hat sich mehr als gelohnt und der Spaß sitzt bei jedem Film im breiten Grinsen in den Backen.
Timo Wolters


(Copyright des Produktbilds liegt bei Canton)

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