Blu-ray Review


OT: Die Hard


Yippee-ki-yay, motherfucker!
Einer DER Actionklassiker der 80er erscheint mit neuem Master auf Ultra-HD.
Inhalt

Los Angeles am Heiligabend: John McClane, Polizist aus New York, ist extra von der Ost- zur Westküste der USA gereist, um sich mit seiner Frau Holly zu versöhnen. Kaum ist er in dem Wolkenkratzer-Bürogebäude angekommen, in dem Holly arbeitet, stürmen einige Dutzend schwerbewaffnete Bösewichte den Konzern, um dessen Wertpapiere zu erzwingen. Sämtliche noch im Gebäude befindlichen Angestellten gehören sind von dem Moment an Geiseln – mit Ausnahme von McClane, mit dem keiner gerechnet hatte und der sich vor den Schergen des Obergangsters Hans Gruber versteckt halten kann. Als er über den Streifenpolizisten Al Powell Kontakt zur Außenwelt bekommt, findet er in diesem einen Freund. Das hinzugekommene FBI macht jedoch falsch, was man nur falsch machen kann und richtet nur Chaos an. Es ist also an McClane, die Gangster im Alleingang auszuschalten und seine Frau aus der Geiselhaft zu befreien …

Was John McTiernan, der zuvor schon für den legendären ersten Predator verantwortlich zeichnete, mit dem 1988 produzierten Stirb Langsam – Die Hard fabrizieren sollte, konnte zu dem Zeitpunkt wohl noch keiner ahnen. Mit einem weltweiten Einspiel von gut 140 Mio. Dollar ist das (selbst inflationsbereinigt) kein gigantischer Erfolg. Was der Film aber gerade im Nachgang über die Videoauswertung erzielen konnte, lässt sich nicht auf das bloße Kino-Einspiel reduzieren.
Der Film wurde zum Kult, John McClane zur Kultfigur und Bruce Willis avancierte zum höchst dotieren Schauspieler und absolutem Superstar. Vier Fortsetzungen folgten und das im Titel verwendete Zitat ist bis heute eines der berühmtesten und meist verwendeten der Filmhistorie überhaupt.
Unzählig gar sind die Kopien und Nachahmer, die auf Stirb Langsam folgten und die Formel auf unzählige andere Schauplätze übertrugen – man denke nur an Ein-Gesichtsausdruck-Schauspieler Steven Seagal in Alarmstufe: Rot.
Dem in den 80ern vor allem von Stallone und Schwarzenegger dominierten Action-Kino, das vornehmlich von Muskelprotzen geprägt war, setzte McTiernan damit einen hemdsärmeligen Typen gegenüber, der vielmehr durch eine große Portion Selbstironie auffiel, denn durch Testosteron-Überschuss in den Adern.

Dass man diesen Weg ging, liegt aber gerade an Willis. Denn eigentlich sollte es ja alles anders kommen. McTiernan sollte die Fortsetzung zu Schwarzeneggers Phantom-Kommando inszenieren. Dann jedoch hatte der Österreicher darauf keine Lust, weshalb das Projekt Stirb Langsam in Angriff genommen wurde. Auch hier sollte Schwarzenegger die Hauptrolle spielen, sagte jedoch ab. Willis, der zuvor vor allem als Serien-Sidekick von Cybill Shepherd in Das Model und der Schnüffler aufgefallen war, war nach Kollegen wie Harrison Ford, Mel Gibson oder sogar Stallone gar nur die sechste! Wahl für die Hauptrolle.
Dass man sich manchmal mit seinen eigentlichen Plänen irren kann, zeigt der fertige Film dann eindrucksvoll. Gerade das Frische an der Besetzung mit Willis (alle Alternativ-Kandidaten kannte man aus ähnlichen Filmen ja schon) sorgte am Ende für den Witz und die emotionale Bindung an die Figur des McClane. Wir hatten es nicht mit einem unverwundbaren Held zu tun, der praktisch ohne Kratzer als Einmann-Kampfmaschine durch den Film wütet, sondern mit einem verwundbaren und sogar sensiblen Charakter, der sich durch das Szenario blutet, schwitzt und flucht. Das war nicht nur frisch, sondern anders und schlicht unglaublich unterhaltsam. Das führt dann dazu, dass (mal abgesehen von der Mode) der Film auch heute noch hervorragend funktioniert und wirklich zupackt.
Bild- und Tonqualität BD

Die im Set enthaltene Blu-ray von Stirb Langsam entspricht jener bekannten BD, die zuletzt 2013 das Licht der Welt erblickte.
Diese hat zwar ein annehmbares, aber wahrlich kein herausragendes Bild. Die Schärfe ist gerade in Halbtotalen oder Totalen nur mäßig, liefert oft nur sehr weiche Einstellungen (14’05). Selbst Close-ups sind schon mal ziemlich durchschnittlich (16’01). Andere wiederum sehen wirklich knackig aus (Rickman: 20’10). Hier ist also leider eine gewisse Inkonsistenz zu vermelden, die auch vor Randunschärfen nicht Halt macht (25’13). Von der Kontrastierung her schlägt sich der Titel jedoch sehr gut und gerade Schwarzwerte kommen recht knackig rüber. Das vorhandene Korn wirkt authentisch und nimmt eigentlich nie Überhand. Die Farbgebung ist durchweg warm gehalten und hangelt sich an einer Braunpalette entlang. Gesichtstöne wirken dadurch besonders angenehm, aber auch etwas zu kräftig gelbgold. Bei den krassen Farbverlaufsfiltern reproduziert die Blu-ray das zwar adäquat – schön ist das deshalb nicht und aus heutiger Sicht ein echter Anachronismus.
Ein großes Problem der BD war seinerzeit auch die Tatsache, dass das Bildformat stets zu gequetscht wirkte. Gerade Willis’ Charakterschädel wirkte beständig zu schmal und simpsonesk. Ob dies nun behoben ist, lest ihr weiter unten im Abschnitt über die Bildqualität der UHD.

Auch beim Sound muss man leider massive Abstriche machen, was die deutsche Fassung von Stirb Langsam angeht – und das liegt nicht mal an der Standard-dts-Spur, die einer dts-HD-Master-Fassung fürs Original gegenübersteht.
Das Hauptproblem ist der dumpfe und dröhnige Sound der hiesigen Abmischung. Dialoge sind schon mal etwas muffig und in Grenzen dynamische Szenen werden mit dumpf-grollendem Teppich zugematscht. Besonders gut schon nach knapp einer Viertelstunde zu hören, wenn der Laster mit den Gangstern um die Ecke biegt. Was im Original vielleicht etwas zu frontlastig vertont ist, aber homogen daher kommt, klingt über die deutsche Version zwar räumlicher, aber furchtbar brummelig und damit unnatürlich (ab 14’08). Auch sämtliche anderen Actionmomente sind ärgerlicherweise um ihre höherfrequenten Anteile beschnitten. Wenn Karl seine erste kleine Bombe ablegt und danach noch zwei Schüsse aus der schallgedämpften Waffe abfeuert, hört sich das im Deutschen zwar druckvoller an, aber eben auch so muffig, als hätte man eine Decke über die Mikrofone gelegt. Gänzlich ungelungen ist auch die Situation, wenn er die Rohre mit der Kettensäge kappt. Wo die Originalfassung einen realistischen Chainsaw-Sound integriert, brabbelt in der hiesigen Version der Subwoofer, wo es überhaupt keiner tieffrequenten Informationen bedarf. Es ist ja schön, wenn man es druckvoller machen möchte. Aber das Gegenteil von Gut ist nun mal gut gemeint.
Die Stimmen kommen im Gegensatz zum Original zwar unmittelbarer und eigentlich verständlicher zum Gehör, zischeln aber etwas bei S-Lauten und gehen im Gebrabbel der Action durchaus mal unter.
Gleichzeitig darf man dennoch über den Original-Sound meckern. Denn der ist zwar ausgewogener und überhaupt nicht dumpf, aber praktisch frei von Surround-Effekten. Das Geschehen bleibt auf die Front beschränkt und wird nur ganz dezent mal auf die rückwärtigen Speaker geöffnet.
Bild- und Tonqualität UHD

Stirb Langsam wurde 1988 selbstverständlich noch vollständig analog gefilmt – und zwar mit den Panavision Panaflex Gold auf 35mm. Laut Aussage des Anbieters wurde von diesem Original-Filmmaterial ein komplett neuer Scan in 4K angefertigt, der dann über ein 4K Digital Intermediate auch auf der UHD landete. Zum 30. Jubiläum gibt’s deshalb die bisher bestmögliche Umsetzung dieses absoluten Action-Klassikers.
Und besser ist sie in der Tat in vielen Bereichen. Der Auflösung sieht man ihre höhere Pixelanzahl durchaus an. Selbst im laufenden Bild wirken Texturen und bspw. die typsichen 80er-Jahre-Computerschriften klarer. Auch die Close-ups haben noch mehr Plastizität. Feine Details im Hintergrund wie Jalousien sind klarer definiert und besser erkennbar.
Durch die Integration von HDR10 und einem im Rahmen von Rec.2020 erweiterten Farbraum gibt’s mehr Kontrastumfang und eine etwas andere Farbgebung. Während Rot- und Orangetöne deutlich kräftiger erscheinen (siehe Bildvergleiche), erhalten Hauttöne mehr Rotanteil, wirken deshalb nicht mehr so extrem goldbraun. Das führt zu einer wesentlicher natürlicheren Hautdarstellung. Da die 4K-Scheibe etwas dunkler abgestimmt ist, muss man bei schwächeren Fernsehern schon mal das Restlicht etwas minimieren. Insgesamt gehen aber keine Details verloren und Schwarz ist noch mal eine Spur satter.
Und das Wichtigste zum Schluss: Das leicht verzerrte Bildformat der BD ist nun Geschichte. Die UHD zeigt ein im mittleren Bereich etwas gestreckteres Bild, das die Köpfe nun sichtbar ent-eiert. Alleine dafür lohnt sich die UHD schon – selbst wenn ihr deshalb am linken Bildrand ein paar Informationen abhanden gekommen sind.










Bonusmaterial

Das Bonusmaterial von Stirb Langsam fällt nicht sonderlich üppig aus. Das einzige Featurette ist das “Berichterstattungs”-Feature, das die TV-Reportage in voller Länge zeigt. Dazu gibt es einige Trailer und TV-Spots sowie eine Bildergalerie.
Das Meiste an Information muss man sich deshalb aus den beiden Audiokommentaren holen, die zum einen von McTiernan und Produktionsdesigner De Govia sowie von Richard Edlund, dem Produzenten der visuellen Effekte eingesprochen wurden. Letzterer ist szenenspezifisch, dafür aber gerade aus technischer Sicht sehr informativ. Gerade weil Edlund auf die damaligen Beginne der digitalen Projetion in Kinos eingeht.
Fazit
Stirb Langsam ist auch heute noch ein echtes Filmerlebnis mit hochspannender Inszenierung und tollen Darbietungen von Willis und Rickman. Die UHD räumt nun mit einem Bildproblem der BD auf und liefert die angenehmeren Farben sowie den dynamischeren Kontrast. Leider ist der Ton noch der Gleiche geblieben, was weniger schön ist.
Timo Wolters
Bewertung
Bildqualität BD: 65%
Bildqualität UHD: 75%
Tonqualität BD/UHD (dt. Fassung): 60%
Tonqualität BD/UHD (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 50%
Film: 90%
Anbieter: 20th Century Fox Home Entertainment
Land/Jahr: USA 1988
Regie: John McTiernan
Darsteller: Bruce Willis, Bonnie Bedelia, Reginald VelJohnson, Alan Rickman, Alexander Godunow, Paul Gleason
Tonformate BD/UHD: dts-HD-Master 5.1: en // dts 5.1: de
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 132
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Real 4K: Ja (4K DI)
High Dynamic Range: HDR10
FSK: 16
(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots liegt bei Anbieter: 20th Century Fox)
