Blu-ray Review


OT: 21 Bridges


Lockdown
Chadwick Boseman jagt Verbrecher auf Manhattan Island.
Inhalt
Andre Davis hat in neun Jahren Dienst für die Polizei bereits acht Killer getötet. Ein Grund, warum er mal wieder zum Rapport vor die Ermittler der Internen gerufen wird. Er habe stets in Notwehr gehandelt, sagt er. Die Interne scheint das anzuzweifeln. Doch das ist nun ohnehin erst einmal nebensächlich. Denn Davis wird zu einem Tatort gerufen. Offenbar hat ein kriminelles Duo einen Laden überfallen, in dem eine Menge Koks abgestellt war. Während des Überfalls wurden sie offenbar von Cops überrascht, was zu einem blutigen Shootout führte. Am Ende der Schießerei ist ein halbes Dutzend Polizisten tot und die Täter sind auf der Flucht. Da die beiden Killer nicht unbedingt mit der Lage gerechnet zu haben scheinen, vermutet Andre, dass sie sich noch in der Nähe befinden, um die Drogen loszuwerden. Davis weiß: Je schneller er handelt, desto eher die Wahrscheinlichkeit, die Jungs noch zu schnappen. Und weil der einzige wahrscheinliche Ort, die Drogen zu verticken, Manhattan ist, lässt Davis die Insel abriegeln. Alle 21 Brücken aus dem Stadtteil heraus werden geschlossen. Das FBI gibt Andre dafür aber nur ein paar Stunden Zeit, bevor für den morgendlichen Berufsverkehr wieder alles geöffnet sein muss …
In Zeiten von Corona weiß praktisch jeder, was ein Lockdown ist. New York hat’s vor einigen Wochen am eigenen Leib erfahren. 21 Bridges wirkt da fast prophetisch, wenn dessen Protagonist – freilich aus anderen Gründen – Manhattan abriegelt. Mittendrin: Chadwick Boseman, der ein paar deutliche Kilos abgenommen hat, seit er als König von Wakanda für marvel’sche Ordnung sorgte. Zwar hat er die Hungerkur (noch) nicht für die Rolle als zielstrebiger Cop in 21 Bridges hinter sich gebracht, doch es passt auch zu diesem Andre Davis, der wie ein Getriebener vorwärts marschiert, um die Killer möglichst früh zu schnappen. Mit klarem Verstand macht Boseman von Beginn an klar, dass er ein integerer und unbestechlicher Typ ist. Einer, der zwar angeblich schon mal schießt, bevor er fragt, der sich aber auch gerne mal mit den weniger korrekten Kollegen anlegt – mithin also einer, der bei der versammelten Kollegenschaft nicht allzu beliebt ist. Für den Zuschauer ist Davis der emotionale und gleichzeitig pragmatische Anker der Story – kein Zweifel kann aufkommen, dass er der richtige Mann für die Ermittlungen ist. Doch selbst wenn man annehmen könnte, dass das Prinzip Hoffnung durch ihn personifiziert wird, sollte man sich nicht auf eine falsche, positivistische Fährte locken lassen.
Denn 21 Bridges ist ein düsterer Film geworden. Einer, der ausschließlich in der Nacht spielt und dessen reduzierter, an den Film Noir erinnernder Score, so grimmig wirkt, wie die Figuren ernst bleiben. Funkdurchsagen zu Beginn vermitteln die Panik der Polizei. Sowohl Andre als auch seine ihm zugeteilte Partnerin bleiben bierernst und Auflockerungen sind wahrlich nicht das Ding des Films. Humor? Fehlanzeige.
Dass Regisseur Brian Kirk und sein Autor Adam Mervix nicht ohne Klischees auskommen, kann man bemängeln – zumal die Fronten zwischen Gut und Böse ohne große Überraschungen auskommen. Man weiß also stets, wer auf welcher Seite steht.
Innovation in Sachen Storytwists sollte man hier also nicht erwarten. Der Zuschauer muss zu keinem Zeitpunk großartig rätseln, warum Dinge sind wie sie sind und welcher Cop hier eventuell ein doppeltes Spiel spielt. Das Verhalten jeder einzelnen Figur ist wenig mysteriös oder dazu angetan, Rätseleien zu verursachen.
Dass der Film trotz dieser wenig originellen Figuren dennoch durchweg unterhält, liegt an der Art, wie er gefilmt ist. Die Kompression der Geschehnisse auf ein paar wenige, noch dazu nächtliche Stunden bewirkt ein durchweg hohes Tempo. Aufgrund der Laufzeit von effektiv 95 Minuten (ohne Abspann) wurde überflüssiger Ballast entweder entfernt oder gar nicht erst gefilmt. Die straffe Inszenierung sorgt für ein beständig hohes Tempo, das groß angelegte Actionszenen gar nicht benötigt, um Rasanz zu erzeugen. Es reichen ein paar Schusswechsel, die meist sogar eher statisch bleiben sowie eine Verfolgungsjagd zu Fuß, um für packende Momente zu sorgen. Dazu gibt’s einen ziemlich fesselnden Höhepunkt, der vom fiebrigen Aufeinandertreffen der drei Hauptfiguren in einer sehr angespannten Situation lebt.
Zu diesem Zeitpunkt hat man sich dann auch an die Tatsache gewöhnt, dass hier (mal wieder) jemand beim Casting geschlafen hat. Manchmal ist es dem Zuschauer doch ein Rätsel, warum man zwei Darsteller auf Seiten der Protagonisten und Antagonisten wählt, die sich (zumindest anfangs) mehr als nur ähnlich sehen.
Klar, man weiß bald, um wen es sich hüben und drüben handelt. Aber die ersten Momente beim Wechsel auf die beiden Kriminellen sorgen für Stirnrunzeln. Zumal man direkt zuvor erfahren hat, dass Davis bei der Internen verhört wurde und möglicherweise ein Gewaltproblem hat. Da kann man schon mal für eine Sekunde glauben, dass dieser Andre nun plötzlich im Auto der Gangster sitzt.
Sieht man davon ab, schlägt sich auch Stephan James (also derjenige, der Boseman zunächst arg ähnlich sieht) als Michael ziemlich gut. Zwar gibt man ihm nicht den tiefgründigsten Background, aber doch immerhin so viel, dass man seine innere Zerrissenheit nachvollziehen kann.
An dessen Seite gibt Taylor Kitsch den eiskalten und bald ziemlich nervösen Killer mit einer Fiebrigkeit, die in den besten Momenten (auch optisch) an Sam Rockwell erinnert. Sienna Miller als Kurzzeit-Kollegin von Andre bleibt dagegen reichlich blass – zumal ihre Rolle so richtig notwendig ohnehin nicht scheint.
Vielleicht wäre es für die Story sogar spannender gewesen, auf lediglich den einen Ermittler zu setzen, der als “Lone Wolf” gegen das gesamte Kollegium (und das FBI) agiert.
Regelrecht unglücklich ist, dass 21 Bridges am Ende noch versucht, eine sozialkritische Komponente in der Korruption der Cops unterzubringen. Das mag zwar reale Hintergründe haben, wirkt aber letztlich etwas bemüht und aufgesetzt – vor allem, da es zuvor überhaupt nicht thematisiert wurde.
Bild- und Tonqualität BD
21 Bridges hat visuell eine Herausforderung zu meistern: Er spielt praktisch ausnahmslos in der Nacht oder in maximal halbwegs gut ausgeleuchteten Wohnräumen. Diesen Anspruch erfüllt die Blu-ray allerdings mit einem sehr stimmigen und vor allem filmischen Look. Obwohl der Film digital aufgezeichnet wurde, fügte man dem Geschehen eine gewisse Körnung hinzu. Zwar geschah das nachträglich, was nicht jedermanns Sache ist, doch immerhin gelingt dieses Stilmittel revgt authentisch. Oftmals hat man fast das Gefühl, es mit einem echten analogen Film zu tun zu haben (Manhattan, 3’30). Solche, die Körnung allerdings verurteilen, werden hier nicht glücklich.
Hinzu kommt indes eine in den Close-ups wirklich gut gelungene Schärfe und Auflösung. Die Kontrastierung gelingt zudem hervorragend und hat keinerlei Probleme mit der Durchzeichnung in den dunklen Szenen. Die Farbgebung bleibt jederzeit natürlich und liefert angenehme Hautfarben.
Beim Sound von 21 Bridges sollte man keine Effektwunder erwarten. Über weite Strecken dominieren Dialoge und atmosphärische Geräusche der nächtlichen Szenerie. Letzteres kommt über die dts-HD-Master-Spuren dafür sehr authentisch und echt rüber. Die Stimmen bleiben meist sehr gut verständlich und wurden professionell synchronisiert. Dazu kommen atmosphärische und authentisch wirkende Momente, in denen beispielsweise der Zug quietschend durchs Bild fährt oder die Funkdurchsagen nach 7’20 äußerst griffig durch den Raum wandern.
Und natürlich gibt’s ja einige Schusswechsel. Während dieser dürfen die Tonspuren dann durchaus mal zeigen, was sie können. So tönen bspw. die Schüsse aus Rays Waffe nach 13’30 richtig wuchtig und fett. Auch die Querschläger und abfetzenden Mauerteile eine Minute später scheinen im Kino zu landen. Hervorragend klingen auch die Helikopter, die zwischenzeitlich über Manhattan donnern, um nach den Flüchtigen zu suchen.




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Bildqualität UHD
21 Bridges wurde vollständig digital aufgenommen. Zum Einsatz kamen Kameras vom Typ Arri Alexa XT sowie Sonys CineAlta Venice. Von deren Auflösung in 3.4K sowie 6K wurde allerdings lediglich ein 2K Digital Intermediate gezogen, was für die UHD wieder hochskaliert wurde. Die Ultra-HD ist also keine native 4K-Scheibe. Immerhin kommt sie aber mit erweitertem Kontrast in Form von HDR10 sowie einem im Rahmen von Rec.2020 erweiterten Farbraum.
In der Praxis muss die UHD natürlich genauso souverän mit den dunklen Bildinhalten umgehen können wie die Blu-ray, bzw. idealerweise noch besser. Und das tut sie. Denn im Schwarz kommt ein bisschen mehr Zeichnung durch als über die Blu-ray in den entsprechenden Szenen. Gleichzeitig sind Spitzlichter prägnanter: Reflexionen in den Augen kommen eindrucksvoller, Funken sprühen definierter und klarer umrandet, wirken deshalb dreidimensionaler.
Die grundsätzliche Farbgebung bleibt sehr ähnlich und unterscheidet sich nur dadurch, dass die wenigen, wirklich deutlichen Farben, etwas kräftiger erscheinen. Vornehmlich sind das Rot und Blau. Neutrale Oberflächen bleiben gleichermaßen neutral und verändern sich nicht. Die Körnung wirkt insgesamt etwas feiner, das Bild erscheint deshalb etwas runder und homogener.
Insgesamt sind die Differenzen zur Blu-ray allerdings nicht exorbitant groß. Sie macht alles eine Spur besser, setzt sich aber nirgends dramatisch ab.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD präsentiert die Farben noch etwas wärmer und geht mehr in Richtung Goldbraun.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD ist hier durch prägnantere Spitzlichter plastischer und dreidimensionaler.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD leuchtet auf den Displays stärker.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD ist im Blau und Rot satter.




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Bonusmaterial
Das Bonusmaterial von 21 Bridges fällt nicht sonderlich üppig aus. Die Blu-ray und UHD enthalten jeweils den Audiokommentar mit Regisseur Brian Kirk und Tim Murrell, dem Mensch, der für den Schnitt zuständig war. Dazu gibt’s auf der BD noch drei entfernte Szenen mit einer Laufzeit von knapp drei Minuten sowie gut sechs Minuten Interview-Material mit Brian Kirk, J.K. Simmons, Chadwick Boseman und Sienna Miller. Ergänzt wird das Ganze durch eine dreiminütige B’Roll und dem Trailer zum Film.
Leider ist das komplette Bonusmaterial nicht untertitelt.
Fazit
21 Bridges liefert kurzweilige oldschool-Thrillerkost, die aufgrund des begrenzten Settings und der kurzen Laufzeit durchweg unterhaltsam und spannend bleibt. Mangelnde Groß-Action kompensiert man mit punktgenau inszenierten Shootouts und starken Charakteren. Dass die Story klischeebeladen ist, muss man ein wenig ausblenden.
Die UHD kommt gegenüber der BD in allen einzelnen Punkten etwas harmonischer und stärker rüber. Allerdings auf eher moderatem Verbesserungsniveau. Vor allem ist ihre Körnung feiner, während die Blu-ray derzeit bei Vielen unter massiver Kritik leidet. Man muss das Stilmittel der Körnung hier schon mögen. Der dts-HD-Master-Sound bleibt bei BD und UHD unverändert und klingt über beide Sprachfassungen räumlich und (wenn nötig) dynamisch.
Timo Wolters
Bewertung
Bildqualität BD: 80%
Bildqualität UHD: 80%
Tonqualität BD/UHD (dt. Fassung): 85%
Tonqualität BD/UHD (Originalversion): 85%
Bonusmaterial: 30%
Film: 75%
Anbieter: Concorde Home Entertainment GmbH
Land/Jahr: USA 2019
Regie: Brian Kirk
Darsteller: Chadwick Boseman, Sienna Miller, J.K. Simmons, Stephan James, Taylor Kitsch, Keith David, Alexander Siddig
Tonformate BD/UHD: dts-HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 99
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD-66
Real 4K: Nein (2K DI)
High Dynamic Range: HDR10
Maximale Lichtstärke: 766 Nit
FSK: 16
(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots liegt bei Anbieter: Concorde Home Entertainment GmbH)