Blu-ray Review

OT: True Lies

“Sorry”
Die vielleicht schlechteste 4K-UHD-Blu-ray des Jahres?
ACHTUNG: Die Rezension basiert auf der US-Disk. Eine Bewertung der deutschen Tonspur folgt. Vielen Dank an Leser Jannis, der mir die Scheibe zum Review zur Verfügung gestellt hat.
Inhalt

Harry Tasker ist Vertreter für Software und meist auf Geschäftsreisen. Ein gähnend langweiliger Job für einen gähnend langweiligen Kerl. Das jedenfalls denkt sich Helen, seine Frau, die zunehmend frustriert ist und sich auf heimliche Treffen mit einem Typen namens Simon einlässt. Der gibt sich als Geheimagent aus, ist aber eigentlich Gebrauchtwagenverkäufer. Was Helen nicht weiß: Tatsächlich ist Harry Geheimagent für eine streng geheime US-Agentur zur Terrorismusbekämpfung und kein schnöder Vertreter. Als solcher infiltrierte er soeben eine Party, die von einem gewissen Jamal Khaled veranstaltet wurde und auf der er Juno Skinner traf. Juno ist Mittelsfrau einer von Salim Abu Aziz angeführten Dschihad-Terrorgruppe. Während er versucht, deren nächste Anschläge zu verhindern, muss er gleichzeitig seine Wogen retten und inszeniert deshalb eine gefakte Undercover-Aktion, die Helen durchziehen soll. Das allerdings geht gehörig schief …

Ich erinnere mich noch gut an die eine oder andere Schlagzeile, die 1994 zu lesen war, als James Cameron mit True Lies in die Kinos kam. Der damals teuerste Film aller Zeiten brach als erste Kinoproduktion (nach offizieller Aussage) überhaupt die Schallmauer von 100 Mio. Dollar. Cameron kam allerdings mit den Vorschusslorbeeren aus dem Megaerfolg Terminator II, der bei etwas unter 100 Mio. Dollar das Fünffache einspielen konnte, was ihm für die Budgetverhandlungen zu True Lies sicherlich geholfen haben dürfte. Die bahnbrechende Tricktechnik und das starke Marketing hatten Cameron mit T-II jedenfalls schlagartig in den Regie-Olymp katapultiert. Und was sollte schon schiefgehen, wenn man erneut mit dem damaligen Megastar Arnold Schwarzenegger kooperieren würde? Tatsächlich praktisch nichts. Denn auch True Lies war mit seinem weltweiten Einspiel von rund 380 Mio. Euro ein Erfolg. Nicht in dem Maße, wie die Folgefilme Camerons, aber eben doch einträglich fürs Studio. Die Idee kam dieses Mal aber nicht von Cameron selbst, sondern von seinem Star Arnold Schwarzenegger. Dieser machte seinen Haus- und Hofregisseur auf die französische Komödie La Totale! aufmerksam. Und wenn man diese kennt, dann gleichen sich die beiden tatsächlich sehr. Cameron tauschte den Waffenschmuggler gegen arabische Terroristen aus (was ihm nicht ganz unberechtigt ziemlich Kritik einbrachte), blieb ansonsten aber bis auf kleinste Details sehr nahe am französischen Original. Kleiner Fun-Fact am Rande: Ursprünglich hatte Cameron damals eine Neuverfilmung von Spider-Man geplant, die er aber aus technischen Gründen für noch nicht realisierbar hielt.

Was er stattdessen realisierte, war eine atemlos-rasante Agentenkomödie mit doppeltem Boden, die geschickt die Waage zwischen Action, Comedy und Romantik hielt. Und wer zunächst dachte, dass ein Leinwandpaar aus Muskelprotz Schwarzenegger und der bis dato eher in spröden Frauenrollen zu sehenden Jamie Lee Curtis nicht funktionieren würde, sah sich getäuscht. Nicht nur bewies die Schauspielerin eine Menge Selbstironie und Stärke in ihrer eigentlich reduzierten Rolle, sondern strahlte sie extrem selbstbewusste Erotik aus. Wer erinnert sich nicht an die Striptease-Einlage, die sie in der Annahme, es wäre ein anderer im Raum, für ihren Mann zum Besten gab? Ihr Wandel von der gelangweilten Ehefrau, die sich in ein Abenteuer stürzt und später selbst zur wehrhaften Agentenfrau wird, bietet Lee Curtis die Möglichkeit für eine sehr variantenreiche Performance. Schwarzenegger bewies indes, dass er auch witzig sein kann und dabei nicht Schiffbruch erleidet (wie es bei Twins oder Kindergarten Cop der Fall gewesen war). Was True Lies indes in die Parade fährt, ist seine arg klischeehafte Darstellung arabischstämmiger Menschen, die durchaus Ressentiments schürt. Dem gegenüber steht die Tatsache, dass es sich bei True Lies eher um eine Agenten-/James-Bond-Parodie handelt und die Charaktere ohnehin überzeichnet sind. Dennoch ist nachvollziehbar, dass sich arabisch-muslimische Gemeinschaften nicht sonderlich glücklich repräsentiert sahen.

Was die Action angeht, schöpfte Cameron damals aus dem Vollen – und das nicht nur aufgrund überzeugender visueller Effekte. Vor allem die Szenen mit dem 1:1-Modell des Harrier-Kampfjets sind atemberaubend. Um das Cockpit mit Schwarzenegger vor dem Hochhaus fliegend darzustellen, wurde das lebensgroße Modell auf eine bewegliche und große Plattform auf dem Dach eines Hochhauses geschnallt und im Nachgang auch an Seilen hängend frei in der Luft fotografiert – fast schon ein Wunder, dass Cameron mit 100 Mio. Dollar Budget ausgekommen ist. Diese und die Szenen auf der Brücke gehen auch heute noch als Herzschlagaction durch, die sich mit aktuellen Titeln messen kann. Dazu gehört auch die Szene, in der Schwarzenegger hoch zu Ross durch die Szenerie galoppiert. True Lies sorgt in puncto Action damals tatsächlich für innovative und frische Ideen. Und dann muss man am Ende doch noch einmal auf eine der ikonischsten Szenen der 90er zurückkommen. Denn für ihre zuerst ungelenke und dann durchaus professionelle Tanzperformance und ihren Mut, das gegenüber Filmpartner Schwarzenegger quasi ungeprobt und improvisiert zum Besten zu geben, gebührt Curtis der allerhöchste Respekt. Auch heute noch eine ebenso witzige wie erotische Szene.


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Bild- und Tonqualität BD

Das Bild der Kinowelt-DVD (abgelegt im Format 2,21:1), deren genaues Veröffentlichungsdatum ich nicht mal mehr beziffern kann, ist nicht so gruselig wie jenes von The Abyss. Zum einen ist es anamorph abgelegt, zum anderen wirkt es nicht ganz so grauschleierig wie das des Tiefsee-SciFi-Films. Was allerdings kaum rüberkommt, ist irgendeine Art von Auflösung. Die Einstellung vom Kapitol in Washington ist matschig und ohne jede Schärfe. Dass man die US-Flagge erkennt, liegt eher an den beiden Farben, denn daran, dass hier Streifen oder Sterne zu sehen sind. Dazu ruckelt es beim Schwenk auf die Straße, dass man fürchtet, seekrank zu werden. Close-ups gehen manchmal in Ordnung, doch auch hier stören Probleme wie bisweilen auftretende Treppenartefakte. Außerdem sind Hautfarben mitunter dermaßen überkocht, dass man fürchtet, Tom Arnold wäre soeben aus einem 24-Stunden-Schlaf unter voller Sonneinstrahlung aufgewacht. Heute ist das eigentlich fast ungenießbar, war aber bisher absolut alternativlos (wenn man nicht auf einen inoffiziellen Bootleg aus Spanien zurückgriff).

Die nun erstmals erhältliche Blu-ray, die dem Set beiliegt, ist durch den gleichen Prozess gegangen wie Abyss und Aliens zuvor. Die technische Basis lieferte ein 4K-Scan, der ebenfalls im Zuge der Lowry-Prozessierung nach 2011 vorgenommen wurde. Wie man lesen konnte, war True Lies aber wohl jener Film, der als Erstes durch die AI von Park Road geschickt wurde. Und das sieht man leider auch. Die Lernkurve des Algorithmus scheint seinerzeit noch jungfräulich gewesen zu sein. Denn von allen drei Filmen, die jetzt veröffentlicht wurden, ist der Actioner mit Abstand der softeste und nicht selten arg wachsigste. Es gab vorab schon ein paar Screenshots, die durch die sozialen Medien geisterten, auf denen Gesichter ähnlich gruselig weich aussahen wie seinerzeit bei der berüchtigten Predator-Blu-ray. Es sei gesagt, dass nicht alle Einstellungen derart mies ausgefallen sind. Aber durchaus einige. Schaut man sich die Außenwand sowie die anschließende schneebedeckte Balkonbrüstung und Arnolds Hände ab 6’40 an, fragt man sich, ob wir es mit einem Cartoon zu tun haben. Die Körnung des Originalmaterials ist weitgehend getilgt und praktisch nicht mehr vorhanden. Ein ganz dezentes Wuseln kann man auf Hintergründen noch erkennen, aber Camerons Wunsch nach möglichst glatten und kornfreien Bildern hat hier sehr deutlich zugeschlagen. Arnolds Frisur sieht mitunter ein wenig aus wie die strukturlose Plastikmähne von Cowboy Woody aus Toy Story und bereits ursächlich schlecht fokussierte Shots sehen nun noch weicher aus. Unbestreitbar ist dennoch der Fortschritt in puncto Auflösung gegenüber der DVD. Das Kapitol liefert nun einzeln abgegrenzte Säulen und Bauteile. Das Dach ist auch beim entfernteren Bauwerk hervorragend zu erkennen und die Fenster werden klar umrissen abgebildet. Dazu kommt eine US-Flagge, die man nun nicht mehr nur anhand ihrer Farben erkennt. Den sich an diese Einstellung anschließenden Schwenk hat man offenbar etwas geglättet, denn er ruckelt nicht mehr derart massiv, dass einem übel wird. Erkennbar ist das “neue” Bildformat, das jetzt in 2,39:1 vorliegt. Aufgrund des 4K-Scans ist der Bildinhalt etwas anders. Sehr oft sieht man am rechten Bildrand deutlich mehr (siehe Screenshot-Vergleich). Auffällig ist auch, dass die Hauttöne nicht mehr so überkocht sind. Allerdings weisen sie eine etwas ungewohnte Graubraun-Tönung auf, die hin und wieder auch ins Gelbliche tendiert. Das mag zum einen auch an der AI-Bearbeitung liegen, deren Weichheit Farbdifferenzierungen nicht mehr zulässt. Aber irgendwie sehen die Hautfarben nicht wirklich schön aus. Was gegenüber der sehr düsteren und verschleierte DVD besser gelungen ist, ist die Helligkeit und Durchzeichnung. Die Kontrastierung ist harmonischer und satter. Allerdings sind helle Bereiche nicht selten überstrahlt. Auch das ist gut am Kapitel erkennbar, das deutlich mehr Dreidimensionalität auf den Säulen haben dürfte.
Wie bei den anderen beiden Reviews folgen hier eine stattliche Anzahl an Vergleichen, sodass nicht alle von mir kommentiert werden.


Blu-ray (Slider ganz nach links): Schon hier sieht man die leicht wachsigen, sehr glatten Gesichter und durch den Algorithmus stark hervortretenden Fältchen.


Blu-ray (Slider ganz nach links): …. fällt beides noch deutlich auf. Auch die Tatsache, dass die Hauttöne nicht sonderlich natürlich wirken.


Blu-ray (Slider ganz nach links): … hat die neue Blu-ray ein weniger magentalastiges Grading während der Explosionen.


Blu-ray (Slider ganz nach links): … wie deutlich der Auflösungsvorsprung trotz der angewendeten KI der neuen BD ist.


Blu-ray (Slider ganz nach links): Die Blu-ray kann Nachweis darüber liefern, dass hier nicht alles schlecht ist. Allerdings sieht man auch hier schon das mangelhafte Encoding im Himmel, das immer wieder matschige Teilbereiche der Restkörnung aufweist.


Blu-ray (Slider ganz nach links): Apropos Wachsgesichter und seltsame Hauttöne…


Blu-ray (Slider ganz nach links): Das sieht wirklich nicht sehr schön aus.


Blu-ray (Slider ganz nach links): … übertreibt es die BD des Öfteren mit der Helligkeit.


Blu-ray (Slider ganz nach links): Erneut ein Wachsgesicht.


Blu-ray (Slider ganz nach links): Hier wird es wirklich sehr deutlich, wie wachssoft die Gesichter dargestellt werden. Hier fehlt sogar Zeichnung in der Lippe.


Blu-ray (Slider ganz nach links): Es gibt auch ein paar gute Einstellungen, wie diese hier.


Blu-ray (Slider ganz nach links): Auch im Close-up sieht man die leicht ledrige Hautoberfläche. Dennoch sieht das hier angenehm gut aufgelöst aus.


Blu-ray (Slider ganz nach links): Hier wurde auch nicht arg aggressiv nachprozessiert.


Blu-ray (Slider ganz nach links): Die Blu-ray zeigt alles sehr klar und deutlich.


Blu-ray (Slider ganz nach links): Zwar relativiert die Blu-ray das, aber die Hauttöne sind dennoch seltsam.


Blu-ray (Slider ganz nach links): Man beachte vor allem das unnatürliche Hervorheben von Arnolds Unterlippe. Schwarzenegger sieht dagegen seltsam grau aus.


Blu-ray (Slider ganz nach links): Die Farbgebung in der Tanzszene wirkt über die Blu-ray deutlich akkurater und stimmiger.


Blu-ray (Slider ganz nach links):

Die DVD von True Lies kam seinerzeit zum einen mit der üblichen Dolby-Digital-Tonspur sowie mit einer DTS-Fassung, die mit 0.3 Mpbs höherer Datenrate läuft. Bereits die DD-Fassung klingt allerdings mehr als annehmbar. Tatsächlich schwankt hier der Score zu keiner Zeit und kommt dynamisch rüber. Auch die feinen Geräusche während der Ankunftszene zu Beginnt geraten sauber und ohne Probleme zum Ohr. Wechselt die Szenerie unter Wasser, blubbert es räumlich und auch Schritte im Schnee kommen authentisch rüber. Lediglich die deutsche Synchro tönt etwas dünn. Dafür immerhin nicht dumpf oder muffig. Die DTS-Fassung steht dem kaum nach und klingt vielleicht noch einen Hauch dynamischer. Allerdings muss man dafür sehr oft hin- und herwechseln, um den Unterschied auszumachen. Insgesamt klingt das aber wirklich sehr gut. Die Blu-ray und UHD Blu-ray liefern nun deutschen Ton in DTS-HD-High-Resolution. Und soweit man das beurteilen kann, dürfte das exakt die gleiche Mischung sein. Allerdings hat man sie rund 5 dB leiser eingepegelt. Hebt man den Receiver um diesen Pegel an, klingt das sehr sehr ähnlich, wenn nicht identisch. Eine Dynamikkomprimierung (wie beim englischen Atmos-Sound – siehe nächstes Kapitel des Reviews) kann ich hier nicht raushören. Eher klingt die DTS-HD-HR-Variente hier und da etwas offener und freier, vielleicht sogar einen Hauch dynamischer, wenn der Harrier Jet nach 127 Minuten auf die Glasfassade ballert. Das mag aber durchaus auch Einbildung sein. Unabhängig davon ist die Tonspur auch heute noch wirklich klasse.


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Bild- und Tonqualität UHD

True Lies wurde mit unterschiedlichen Kameras analog gefilmt. Zum Einsatz kamen diverse Typen der Arriflex 35. Dazu gesellten sich auch die Beaumont VistaVision Camera, die Bell & Howell Eyemo und die Moviecam Compact. Zum Teil sind diese äußerst kompakt und wurden für Actionszenen eingesetzt, bei denen die größeren Arriflex-Geräte eher unpraktisch gewesen wären. Ausgehend von dem 35-mm-Material hatte man (wie oben bereits zu lesen) im Zuge der Lowry-Prozessierung irgendwann nach 2011 eine 4K-Abtastung angefertigt, die hier – trotz aller Probleme der Scheibe – tatsächlich auch sichtbar/nativ zum Einsatz gekommen sein muss. Wir haben es also mit einer nativen 4K-Scheibe zu tun. Cameron ließ auch hier mit HDR10 und Dolby Vision innerhalb eines erweiterten Farbraums graden und mastern – allerdings auch hier nach einer AI-Prozessierung durch die “Künstler” von Park Road. Das Wort “Künstler” steht hier bewusst in Anführungszeichen, da es zum einen einen gewissen Sarkasmus nicht verleugnen soll und der Prozess zum anderen wortwörtlich zu einem sehr – wirklich SEHR – künstlichen Look geführt hat. Was in der Blu-ray oben bereits beschrieben wurde, ist auch bei der UHD Blu-ray deutlich sichtbar: Die Entfernung nahezu jeglicher Körnung sowie die nachträgliche Schärfung führen hier zum digitalsten, videohaftesten und artifiziellsten Look der drei zeitgleich veröffentlichten Filme. Vor allem Hautoberflächen wirken unglaublich künstlich, haben oft wachsige Anmutung, weisen durch die Kontrast-/Schärfeanhebung aber hervorgehobene Fältchen auf, über die keine(r) der Darsteller(innen) glücklich sein dürfte. Einkopierte Spezialeffekte (wie bei 128’29) fallen durch die Nachbearbeitung ebenfalls deutlicher auf und helle Bereiche überstrahlen leider immer noch. Es macht tatsächlich Sinn, wenn man den Angaben Glauben schenkt (und sich den halbwegs gelungenen Abyss anschaut, der erst später durch den Prozess ging), dass man die Nachbearbeitung der drei Titel mit True Lies begonnen hatte und die KI von Film zu Film mehr dazulernte. Man hat es also quasi mit einer Beta-Version einer Nachbearbeitung zu tun, die man hier dem Kunden unterjubeln möchte. Während Videospiele, die zunächst noch nicht perfekt sind, jedoch mit Updates versorgt werden, ist das bei statischen Filmdatenträgern schlecht möglich. Man muss also schlucken, was Cameron / Park Road hier abgeliefert haben.

Und wenn man sich die Erklärungen von Dan Best (Geschäftsführer von Park Road Post) nund Geoff Burdick (Lightstorm Entertainment) anhört, kommt man sich als Fan von originalgetreuen Restaurierungen durchaus nicht ernst genommen vor (danke an Leser Hans-Ingo für die Quelle). Best erzählt zunächst noch nachvollziehbar, dass Technologie sich verändere und Menschen sich heute Dinge mit höherer Auflösung anschauen, weshalb Filme für diese neuen Plattformen aufbereitet werden, während herkömmliche Heimvideo-Veröffentlichungen für die Zeit der Röhrenfernseher und 1080p-Videos ausreichend waren. Aber in der Ära von OLED-Bildschirmen und 4K-Smart-TVs müssen die Restaurierungen etwas mehr leisten, um die immer höheren Standards zu erfüllen.
So weit, so richtig. Genau für solche höheren Auflösungen sind aber 4K-Scans mit anschließender authentischer Restaurierung der analogen Quelle gedacht. Und wer zahlreiche, vorzüglich umgesetzte 4K-Neuveröffentlichungen von älteren analogen Filmen kennt, weiß, wie gut das aussehen kann.
Weiterhin sagt Best, dass diese Art der KI-Hochskalierung “definitiv nicht dasselbe” sei wie die Art der generativen KI, die in Apps wie Midjourney oder ChatGPT verwendet wird. Generative KI ist eine Art von maschinellem Lernmodell, das Informationen, einschließlich Bilder und Videos, aus den Eingaben der Nutzer erstellt. Die KI-Hochskalierung ist subtiler und weniger aufdringlich und nutzt maschinelles Lernen, um ein Bild zu verfeinern, ohne neues Material von Grund auf zu erfinden. Generative KI könnte z. B. mehr Aliens zu “Aliens” hinzufügen. Die KI-Hochskalieriung fügt hingegen einfach mehr Pixel hinzu und poliert die bereits vorhandenen Bilder auf.

Nimmt man diese Aussage, so nehmen die Filmfans, denen authentische Reproduktion eines analogen Films wichtig ist, seiner Meinung nach also an, dass die verwendete KI so “simpel” und vorhersehbar sei, wie jene von ChatGPT und Konsorten. Das gilt aber zumindest für mich in keinem Fall. Ich kann mir sehr wohl vorstellen, dass hier kompliziertere Algorithmen am Werk sind. Das ändert aber nichts an der eigentlichen! Kritik dieser Verfahren – und zwar, dass man anstelle einer authentischen Reproduktion in maximal möglicher Auflösung durch unangetastete 4K-Scans lieber eine künstliche Intelligenz für “mehr Pixel” verwendet. Geoff Burdick geht noch weiter und behauptet, dass die Leute deshalb so negativ reagierten, weil “Aliens”, “True Lies” und “The Abyss” nicht mehr so aussehen wie zu VHS- oder DVD-Zeiten. Bei allem Respekt (und hier werde ich kurz mal emotional): Das ist wirklich absoluter Unsinn. Bei keinem der wirklich gut und authentisch umgesetzten 4K-Restaurierungen von älteren Filmen hatte ich jemals das Gefühl, verärgert darüber zu sein, dass das Ding nicht mehr aussieht wie auf VHS oder DVD. Die Zeiten von matschigen, abgenudelten oder verblockartefakteten Bildern sind selbstredend vorbei. Und ich bin mir sicher: Keiner von uns wünscht sie sich zurück. Wenn er dann weiter ausführt, dass es weniger gute Aufnahmen bereits produktionsseitig gegeben hat, bei denen der Fokus-Puller ein bisschen daneben war, sie also ein bisschen weich waren, dann ist das erst einmal unstrittig. Dann jedoch sagt er: Jetzt gibt es die Möglichkeit, die Aufnahme zu verbessern. Die künstliche Intelligenz kann ein unscharfes Bild künstlich neu fokussieren und auch andere kreative Änderungen vornehmen. Man will den Regler nicht bis zum Anschlag aufdrehen, weil es dann wie Müll aussieht. Aber wenn wir es ein bisschen besser aussehen lassen können, ist das auch gut so.
Und das schlägt dem Fass im Falle von True Lies den Boden aus. Denn wenn man die Regler hier noch weiter aufgedreht hätte, wäre nichts anderes als zeichnungslose Matsche übrig geblieben. Wenn man wirklich nur die produktionsseitig schlechter fokussierten Shots anfassen würde, könnte man über das Ergebnis sicherlich noch einmal reden. Aber wenn man sich True Lies jetzt anschaut, scheint jede einzelne Einstellung schon bei der Aufnahme mit schlechtem Fokus oder ähnlichen Problemen aufgenommen worden zu sein, sodass man überall eingreifen und es “besser aussehen” lassen musste. Denn das Endergebnis ist ein Film, bei dem die Regler der künstlichen Nachbearbeitung dauerhaft auf Vollanschlag zu stehen scheinen.
Um diesen Abschnitt aber mit etwas Positivem enden zu lassen: Die UHD Blu-ray ist erneut deutlich besser im Encoding als die Blu-ray und zeigt in den weniger prozessierten Momenten sichtbar bessere Detailauflösung. Das gilt für Schriften auf Kennzeichen ebenso wie für das eine oder andere, wirklich gelungene Close-up (121’26). Hier ist für mich auch unstrittig, ob ein 4K-Scan zugrunde lag.
In der Folge insgesamt 24 Screenshotvergleiche, in denen zum Tragen kommt, dass die UHD Blu-ray insgesamt noch etwas mehr Korn aufweist und im Encoding besser ist. Außerdem sind Farben etwas kräftiger. Die Hauptunterschiede sind in der Auflösung zu finden. Allerdings sind hier exklusiv (gegenüber dem Vergleich DVD vs. BD) auch noch ein paar weitere Screenshots enthalten, in denen die Wachsigkeit der Gesichter zum Tragen kommt.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): In einigen Einstellungen weist die UHD Blu-ray tatsächlich noch etwas Körnung auf.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die 4K-Disk zeigt doch deutlich mehr Detailauflösung. Auch im Verhältnis BD zu 4K-BD mehr als bei Abyss der Fall.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … ist es über die UHD Blu-ray immer noch.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … ist das über die 4K-Disk noch etwas mehr.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Egal, über welche Disk man das schaut.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Für solche Einstellungen sollte man Cameron und Park Road auf die Finger klopfen.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD-BD enthält mehr Details und sieht nach nativem 4K aus.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Man beachte die Zornesfalte, die über die Maßen unnatürlich hervor tritt.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): An ihrer Stelle würde ich die Verantwortlichen für diese Nachbearbeitung auf Schadensersatz verklagen. Während die Stirn botoxmäßig glatt ist, treten die Zornesfalten hervor, als säße eine doppelt so alte Frau vor Bill Paxton. Die UHD Blu-ray zeigt zwar ein wenig Körnung, lässt dafür die Falten noch stärker betont erscheinen – absolut nicht schmeichelhaft.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD Blu-ray ist im Schwarz noch etwas knackiger.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Wie eine Figur aus Madame Tussauds.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Über die HDR-Scheibe sieht das auch nicht gut aus.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):

Wie schon bei Aliens und Abyss hat man auch für True Lies eine neue Abmischung exklusiv für die UHD Blu-ray im Angebot – ausschließlich für den O-Ton, versteht sich. Die Dolby-Atmos-Fassung, die man hier nun geliefert bekommt, klingt auf der regulären Ebene allerdings nicht nur hörbar leiser als die DTS-HD-Master-Fassung auf der Blu-ray, sondern auch wesentlich weniger dynamisch. Nimmt man die unfassbar stark vertonte Szene, wenn der Harrier Jet in Kapitel 40 auf die Glasfassade des Gebäudes ballert, so klingt das im direkten Vergleich über die DTS-HD-MA-Version deutlich knackiger, offener und druckvoller. Es fetzt einfach viel mehr und macht wesentlich mehr Spaß. Schade, dass man hier erneut dynamikbegrenzt zu haben scheint, wenn es um eine Atmos-Neuabmischung geht, wie es bei Disney nicht selten zu hören ist. Vor allem deshalb, weil wenn nicht für True Lies, für welchen der drei Titel macht(e) es Sinn, ihn um eine Höhen-Dimension zu erweitern. Immerhin gibt’s hier Action satt und zahlreiche Szenen, in denen relevante Bilder auch über Kopf geliefert werden. Sieht man davon ab, dass schon der Score zu Beginn (und regelmäßig auch immer wieder zwischendurch) aus den Heights hinzugefügt wurde, gibt’s die ersten 3D-Toninformationen bei der Unterwasserszene zu Beginn. Das Rauschen, das man hier hört, um das gluckernde im-Wasser-Gefühl zu vermitteln, ist entsprechend auch von oben zu hören. Noch mal zurück zum Score/Soundtrack: Nicht jede akustische Beimischung der Filmmusik ist perfekt gelungen. So klingt der Walzer nach fünf Minuten etwas verschwommen aus den Heights. Auch die Geigen bei 9’06 tönen alles andere als “glücklich”. Im Verbund mit den restlichen Speakern fällt das nicht so auf, isoliert würde ich es aber als “Jaulerei” bezeichnen. Der erste echte 3D-Sound wird dann durch Anteile der Explosion bei 11’45 gesetzt, wo’s kurzzeitig auch aus den Höhenspeakern klirrt. Kurze Zeit später fegen Querschläger der Munition über die Köpfe und bei 17’50 zwitschern Vögel aus den Bäumen. Wird in leicht hallenden Innenräumen gesprochen, hört man die Stimmen ebenfalls dezent von oben. Querschläger gibt’s auch wieder bei der Schießerei in der Toilette nach 30’50 und der Sprung ins Wasser nach 39 Minuten sowie der Regen nach 40’50 liefern ebenfalls Höhen-Signale. Richtig heftig und dynamisch wird’s bei 48’45, wenn das Gewitter kurz die Heights belagert und auch der Regen kurz darauf kommt wieder satt von oben. Nach einer Stunde hört man außerdem erstmals einen Helikopter aus den Höhenspeakern. Nach 64 Minuten kreist er in äußerst räumlicher Art und Weise erneut. Fast erschreckend heftig ist dann die verzerrte Stimme während Helens Verhör ab 65’40. Selten hat man ähnliches derart laut und voluminös von den Heights gehört. Ab 105’11 geht’s dann actionmäßig rund und es beginnt mit einer satten Explosion, die Signale von oben liefert. In der Folge hört man immer wieder Querschläger und bei 108’20 reißt eine Explosion die Heights förmlich von der Decke. Während des Showdowns auf, über und an der Brücke hört man dann immer wieder den Hubschrauber oder auch mal eine vorbeizischende Rakete aus dem Kampfflugzeug. Landet Letzteres bei 59’15, nutzt man die Heights erneut und lässt auch den Tiefbass ordentlich brummen, startet es bei 122’50, windet es ziemlich luftig von oben und Staub wirbelt akustisch authentisch auf. Schade, dass der Gesamtsound in der Dynamik nicht mit der DTS-HD-Master-Fassung mithalten kann.


- Dieser Artikel hat Deutsche Sprache und Untertitel.
Bonusmaterial
Das Bonusmaterial von True Lies liegt auf der Blu-ray vor. Dort findet sich das noch relativ junge “Angst zählt für mich nicht”. Das gut 45-minütige Making-of gibt vor allem tiefe Einblicke in die Stunts und man sieht noch einmal beeindruckend, wie viel davon praktisch und mit den echten Darstellern realisiert wurde. Vor allem Jamie Lee Curtis gebührt hier Respekt für ihren Einsatz. Außerdem auf der Disk: Bilder aus dem Archiv, inklusive Trailern, Storyboards und dem Original-Drehbuch.
Fazit
True Lies nutzt in der Tat ein arg stereotypisches und plattes Feindbild-Klischee, funktioniert aber vor allem aufgrund der Dynamik zwischen Arnold Schwarzenegger und Jamie Lee Curtis. Was vorher niemand dachte (dass die beiden zusammen harmonieren würden), macht im fertigen Film erstaunlich viel Spaß. Und der Actionshowdown lässt sich auch 30 Jahre später noch ziemlich gut ansehen. Wirklich gar nicht gut ansehen lassen sich die neue Blu-ray und die 4K-Blu-ray. Beide leiden unter der drastisch applizierten AI-Nachbehandlung, die für eine fast vollständige Entfernung des Ursprungskorns und damit für teils wachsweiche Gesichter sorgt. Dazu ist das Color Grading nicht wirklich glücklich und die Grundabstimmung zu hell. Immerhin liefert die 4K-Disk in einigen Einstellungen die sichtbar bessere Detailtiefe und das deutlich bessere Encoding. Dafür kann die Atmos-Fassung der 4K-Disk wiederum nicht mit der DTS-HD-Master-Version des O-Tons der Blu-ray mithalten. Im Making-of spricht der Interviewer Cameron darauf an, dass das häufigste Wort, das Schwarzenegger im Film spricht, “Sorry” ist. Cameron antwortet darauf, dass er Kanadier ist und seine Kinder sich über seine ständigen “Sorrys” schon lustig machen. Im Falle der 4K-Blu-ray von True Lies wäre ein “Sorry” an all die Fans von authentischer Filmrestaurierung durchaus angebracht.
Timo Wolters
Bewertung
Bildqualität DVD: 50%
Bildqualität BD: 50%
Bildqualität UHD: 55%
Tonqualität DVD (dt. Fassung): 85%
Tonqualität BD/UHD (dt. Fassung): 85%
Tonqualität BD (Originalversion): 95%
Tonqualität UHD 2D-Soundebene (Originalversion): 75%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Quantität (Originalversion): 70%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Qualität (Originalversion): 75%
Bonusmaterial: 60%
Film: 70%
Anbieter: Walt Disney Studios
Land/Jahr: USA 1994
Regie: James Cameron
Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Jamie Lee Curtis, Tom Arnold, Tia Carrere, Eliza Dushku, Bill Paxton
Tonformate BD: dts-HD-Master 5.1: en // dts HD-High-Resolution 5.1: de
Tonformate UHD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): en // dts HD-High-Resolution 5.1: de
Untertitel: de, en
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 141
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD-100
Real 4K: Ja (4K-DI)
High Dynamic Range: HDR10, Dolby Vision
Maximale Lichtstärke: keine Angabe
FSK: 16
(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots liegt bei Anbieter: Walt Disney Studios)
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So testet Blu-ray-rezensionen.net
Die Grundlage für die Bild- und Tonbewertung von Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays bildet sich aus der jahrelangen Expertise im Bereich von Rezensionen zu DVDs, Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays sowie Tests im Bereich der Hardware von Unterhaltungselektronik-Komponenten. Gut zehn Jahre lang beschäftigte ich mich professionell mit den technischen Aspekten von Heimkino-Projektoren, Blu-ray-Playern und TVs als Redakteur für die Magazine HEIMKINO, HIFI TEST TV VIDEO, PLAYER oder BLU-RAY-WELT. Während dieser Zeit partizipierte ich an Lehrgängen zum Thema professioneller Bildkalibrierung mit Color Facts und erlangte ein Zertifikat in ISF-Kalibrierung. Wer mehr über meinen Werdegang lesen möchte, kann dies hier tun —> Klick.
Die technische Expertise ist aber lediglich eine Seite der Medaille. Um stets auf der Basis von aktuellem technischen Wiedergabegerät zu bleiben, wird das Testequipment regelmäßig auf dem aktuellen Stand gehalten – sowohl in puncto Hardware (also der Neuanschaffung von TV-Displays, Playern oder ähnlichem, wenn es der technische Fortschritt verlangt) als auch in puncto Firmware-Updates. Dazu werden die Tests stets im komplett verdunkelbaren, dedizierten Heimkino angefertigt. Den Aufbau des Heimkinos könnt ihr hier nachlesen —> Klick.
Dort findet ihr auch das aktuelle Referenz-Gerät für die Bewertung der Tonqualität, das aus folgenden Geräten besteht:
- Mainspeaker: 2 x Canton Reference 5.2 DC
- Center: Canton Vento 858.2
- Surroundspeaker: 2 x Canton Vento 890.2 DC
- Subwoofer: 2 x Canton Sub 12 R
- Heights: 4 x Canton Plus X.3
- AV-Receiver: Denon AVR-X4500H
- AV-Receiver: Pioneer SC-LX59
- Mini-DSP 2x4HD Boxed
Das Referenz-Equipment fürs Bild findet ihr wiederum hier aufgelistet. Dort steht auch, wie die Bildgeräte auf Norm kalibriert wurden. Denn selbstverständlich finden die Bildbewertungen ausschließlich mit möglichst perfekt kalibriertem Gerät statt, um den Eindruck nicht durch falsche Farbtemperaturen, -intensitäten oder irrigerweise aktivierten Bild”verbesserern” zu verfälschen.