Blu-ray Review


OT: Avatar: The Way of Water



Rückkehr der Himmelsmenschen
13 Jahre hat’s gedauert. Nun ist er da, der zweite Teil von Avatar.
Inhalt

Über eine Dekade später: Die Na’vi haben haben sich mit ihrem menschlichen Freund Jake Sully nach der Invasion durch die RDA beruhigen können. Sully hat nun den Rang als Häuptling des Omatikaya-Clans unter den Na’vi und erzieht mit Neytiri fünf (Adoptiv)Kinder. Es könnte friedlich zugehen, wenn nicht plötzlich ein helles Licht am Himmel davon zeugen würde, dass die RDA erneut auftaucht. Da die Erde im Sterben liegt, will man Pandora kolonialisieren und bedient sich dabei den sogenannten Rekombinanten. Damit sind geklonte Na’vi-Avatare gemeint, denen die Erinnerungen menschlicher Soldaten eingepflanzt wurden. Ihr Anführer ist kein Geringer als der getötete Miles Quaritch. Ein Jahr später besteht der Alltag aus immer wieder durchgeführten Kämpfen zwischen den Na’vi und den von Quaritch angeführten RDA-Söldnern. Irgendwann gelingt es Quaritch, die Kinder von Sully und Neytiri zu entführen. Sully kann alle bis auf Spider wieder befreien. Und Spider ist ein ganz besonderer Junge, denn er ist der auf Pandora geborene menschliche Sohn von Quaritch. Für Jake und seine Familie könnte das zur Gefahr werden. Denn sollte Quaritch Spider auf seine Seite ziehen, wüsste der leibliche Vater auch bald den Aufenthaltsort seines Erzfeindes …

Man kann von James Cameron halten, was man will. Man kann seine Filme mögen oder sie belanglos finden. Was man aber nicht kann, ist, ihm abzusprechen, dass er mehrfach eine Art Nerv beim Publikum trifft. Wer mit lediglich neun „echten“ abendfüllenden Spielfilmen praktisch nur Legenden inszeniert hat, der muss etwas richtig gemacht haben. Angefangen bei Terminator, rüber zu Aliens und The Abyss bis zu Terminator 2, True Lies und Titanic und letztlich den beiden Avatar-Filmen. Insgesamt stehen 8,7 Mrd. Dollar alleine durch diese acht Filme auf dem Einspielkonto. Das sind summa summarum im Schnitt mehr als eine Mrd. Dollar pro Film. Eine unglaubliche Summe, die man eigentlich nur noch als Phänomen anerkennen kann. Man könnte ihm natürlich vorwerfen, dass er (ausgenommen Titanic) stets im sicheren Fahrwasser des SciFi-/Action-Films geblieben ist, seine Komfortzone also eigentlich nur einmal wirklich verlassen hat. Aber warum sollte man das tun, wenn doch alles, was er angefasst hat, zu Gold geworden ist. Und selbst wenn mal ein Film nicht überperformt hat (Abyss), so hat er in der Folge doch eine unglaublich große Anhängerschaft gewonnen (die im Übrigen schon ewig auf eine zeitgemäße physische Heimkinoauswertung wartet). Nach Avatar war früh klar, dass der Regisseur Ideen für eine ganze Reihe von Fortsetzungen in der Schublade hatte. Sogar schon Jahre vor dem Start des Erstlings sprach Cameron von einer Trilogie, die er gerne verwirklichen würde. Mittlerweile scheint gesichert, dass es insgesamt fünf Filme sein sollen. Avatar: The Way of Water bildet nun den Anfang der Fortsetzungen. Und auch wenn diese nicht ganz den Anschluss ans Original schaffte und auch Avengers: Endgame nicht überholen konnte, so sind 2,32 Mrd. Dollar Einspiel “halbwegs” zufriedenstellend.

Jetzt war es bei Avatar schon so, dass sich das Publikum in zwei Lager teilte. Jene, die sich völlig in der (virtuellen) Welt verlieren konnten, sich vom 3D-Effekt mitreißen ließen und zweieinhalb Stunden perfekte Unterhaltung genossen. Und jene, die (teils aus Prinzip, teils aus Überzeugung) dem Hype nicht folgten und Cameron Ideenklau bei zahlreichen Vorbildern vorwarfen. Man hörte und las nicht nur einmal, dass es doch „bloß eine blaue Pocahontas-Version“ mit White-Savior-Syndrom wäre, die klischeehaft Raubbau-Eigenschaften der Menschen kritisierte und mit allzu simpler Ökobotschaft daherkam. Ob Cameron sich diese Kritiken zu Herzen nahm? Abseits vom Inhaltlichen sollte Avatar: The Way of Water natürlich wieder mit bahnbrechender Technik aufwarten. Dass erneut in 3D gedreht würde, war klar. Dass der Film noch weit mehr in der virtuellen Welt (und damit per Motion Capturing realisiert) spielen würde, schien logisch. Doch ein Hauptgrund für die lange Produktionszeit der Fortsetzung war Camerons Ambition, die Unterwasseraufnahmen (und von denen gibt’s reichlich) ebenfalls im Motion Capturing Verfahren zu realisieren. Etwas, das bisher noch nicht gemacht wurde und wofür Kameras und Technik erst einmal aufgerüstet werden mussten. Wenn aber Motion Capturing unter Wasser performt werden sollte, dann musste auch unter Wasser gedreht werden. Und zwar mit den echten Darstellern hinter der blauen CGI-Maske. Kein Wunder, dass man schon im Vorfeld von einem neuen Tauchrekord während eines Filmdrehs erfuhr. Hatte Tom Cruise diesen bisher noch für die Szene in Mission: Impossible – Rogue Nationgehalten (knapp sechs Minuten), überbot ihn nun Kate Winslet (in ihrer Rolle als Ronal) mit sage und schreibe sieben Minuten und 15 Sekunden (manche schrieben sogar von 7:45) – Zeiten, die sonst nur wenige professionelle Freitaucher schaffen.

Der Lohn für diesen Aufwand sind absolut spektakuläre Bilder. Wirklich spektakuläre Bilder. Was The Way of Water uns nach etwa einer Stunde erstmalig zeigt, ist eine ganz neue Welt. Eine, die ebenso farbig und bunt strahlt wie die Wälder Pandoras und eine, die Wesen beherbergt, die einerseits furchterregend und andererseits wunderschön sind. Das sind die Momente, in denen man wirklich (und im wahrsten Sinne des Wortes) in den Film eintauchen kann. Man wähnt sich im nächsten Tauchurlaub auf den Malediven und wünscht sich diese fantastischen Riffe in der Realität. Abgesehen von dieser visuellen Opulenz und Schönheit, macht die Geschichte zunächst eine Menge Fässer auf. So viele Fässer, dass man schnell den Überblick darüber zu verlieren droht. Was Cameron hier an Motiven integriert, reicht ansonsten auch mal für fünf Filme. Von Vertrauen, Liebe und Familie über Verantwortung, Coming of Age, Respekt für die Natur bis hin zu Rache, Gier und Macht. Das wirkt – gerade zu Beginn – überfrachtet. Doch der Film nimmt sich dafür Zeit und je länger er andauert, desto tiefer dringt man in die Motive ein. Und das kann Cameron eben auch besser als (fast) jeder andere Unterhaltungsfilm-Regisseur. Man fiebert gerade bei den Coming-of-Age-Szenen der Sprösslinge immer wieder mit und kann sogar die Flirts zwischen den Heranwachsenden nachempfinden – sieht man vom albernen Jugendsprech ab, das wirklich deplatziert wirkt. Davon ab stolpert The Way of Water eben auch (erneut) über fragwürdige Uraltprobleme. Nutzte der Vorgänger ungeniert das antiquierte White-Savior-Motiv, nach welchem es eines Menschen bedurfte, um die in sich uneinigen und unentschlossenen Na’vi zu einen und zum Sieg zu führen, bleibt die Fortsetzung in einigen Punkten genauso altbacken bis konservativ-traditionell. Da dürfen die Männer auf keinen Fall Schwäche zeigen, sind zum Krieg führen da und müssen den Kids (vor allem den Jungens) entsprechende Härte beibringen. Sully lässt sich von seinen beiden Söhnen mit „Ja, Sir“ anreden und faselt was von „das ist mein Job“ auf Neytiris Vorwurf, dass er zu hart zu ihnen wäre – war er da nicht im ersten Teil schon weiter? Um es komplett zu machen, dürfen die Frauen den Job der Familiemütter übernehmen und sind für die emotionale Komponente verantwortlich – so weit, so konservativ. Da passt es, dass sich die Jungs um die Gunst von Mädchen prügeln. Inhaltlich schiebt Cameron den Na’vi zwar schon seit dem ersten Film die Rolle des friedlichen und „weisen“ Naturvolks zu. Doch innerhalb ihres Stammes sind die Strukturen alles andere als fortschrittlich. Und im zweiten Teil kommt noch die Unlogik hinzu, dass das neu hinzugekommene Metkayinavolk zunächst als kompromisslos pazifistisch dargestellt wird, gleichzeitig aber die Neuankömmlinge auf fast rassistische Art und Weise mobbt. So weise und moralisch hoch entwickelt scheinen diese Naturwesen dann doch nicht zu sein, wenn man andere aufgrund der Schwanzgröße (sorry, aber so passiert’s im Film) oder der dünnen Arme hänselt. Man stelle sich für den Moment vor, dass die Na’vi nicht industriell so unterentwickelt wären und schon taucht die Frage auf, ob sie so viel besser wären als die Menschen selbst. Zumal auch das Riffvolk bald nichts mehr von seinem Pazifismus (den es im Falle eines ausgestoßenen Wales noch so drastisch verfolgt hatte) wissen will, als die Bedrohung der Menschen am Horizont auftaucht und alle aufgepeitscht zu den Waffen greifen.

Strukturell und erzählerisch macht Avatar: The Way of Water hingegen auch einiges richtig. Der Kniff, nach der Ankunft der Himmelsmenschen erst einmal ein Jahr verstreichen zu lassen, mag zunächst seltsam wirken, eröffnet aber die Möglichkeit, die Konflikte zwischen den Na’vi und den Menschen mit weltlichen Bezügen zu gestalten. So wirken die vereinzelten Angriffe der Na’vi wie Guerilla-Maßnahmen – schmerzhafte Nadelstiche gegen einen ansonsten technologisch und militärisch übermächtigen Gegner. Was zudem einen gewissen Reiz ausmacht, ist das Verhältnis zwischen Miles und Sprössling Spider. Quaritch ist auch zu Beginn des zweiten Teils und im Na’vi-Kostüm der absolute Kriegstreiber. Für ihn ist die zweite Ankunft auf Pandora auch eher Grund, eine persönliche Rechnung zu begleichen (wofür ihn seine Vorgesetzten im Sinne eines größeren Ziels eigentlich irgendwann maßregeln müssten). Gleichzeitig ist Spider zunächst ein widerspenstiger Gefangener. Geprägt durch das Aufwachsen mit den Na’vi und so gar nicht gewillt, die Rolle eines Sohnes anzunehmen. Doch mit der Zeit entwickeln sich in dieser Beziehung Dynamiken, die für beide Charaktere starke Veränderungen bringen. Stark verändert ist leider auch die Wichtigkeit von Neytiri. War sie im ersten Teil zentrale Figur und strenggenommen wichtiger als Sully, wird sie in der Fortsetzung dermaßen stiefmütterlich behandelt und ins Abseits gestellt, dass man darüber nur verärgert sein kann. Klar ist, dass sich der Fokus vermutlich auch in den weiteren Fortsetzungen auf die Kinder verschieben wird. Warum aber in The Way of Water zwar Sully weiterhin eine große Hauptfigur bleibt, man Neytiri aber fast völlig aufs Abstellgleis schiebt, muss man nicht verstehen. Ebenso wenig, dass mit Cameron hin und wieder die Pferde durchgehen. Wenn nach knapp zweieinhalb Stunden ein abgetrennter Arm durch die Luft fliegt, ist das tricktechnisch nur semiüberzeugend und passt vom Ton her nur bedingt zum Film. Was am Ende bleibt, ist ein dreistündiges, extrem opulentes und optisch mehr als faszinierendes Kriegsepos, das Familienwerte hochhält, mitunter aber ärgerlich schlampig mit den Figuren umgeht.


- limitiert
Bild- und Tonqualität BD

Eins vorweg: Die Blu-ray von Avatar: The Way of Water muss mit 192 Minuten Film sowie fünf Sprachfassungen (eine davon verlustfrei komprimiert) dealen. Das ist eine Menge Holz und zwangsläufig kann hier nicht die volle Datenrate genutzt werden. Das zeigt sich direkt zu Beginn, wenn es (ähnlich wie im Stream auf Disney+) ein paar Banding-Artefakte gibt. Die Blu-ray zeigt sie allerdings nicht im Nebel, sondern bei Abblenden bei 0’46. Das Encoding dürfte mit dem Rauschen zu Beginn auch noch etwas souveräner umgehen. Denn bisweilen geht es dort etwas gröber zu. Wechselt es nach dem Nebel in die grüne Welt der Lüfte von Pandora, hätte man sich noch etwas mehr Detailtiefe gewünscht. So richtig wunderbar toll schauen die kleineren gerenderten Anteile und Flugtiere nicht aus. Allerdings ändert sich das, sobald Objekte im Vordergrund und dort im Fokus stehen. Neytiris Gesicht erscheint klar und scharf. Die Dreadlocks, die sich Sully hat wachsen lassen, sehen schon beeindruckend aus. Farblich sieht die Disk grundsätzlich wirklich klasse aus – zumindest bei den gedeckten blauen, grünen und türkisen Farben. Sobald aber starke Helligkeitsunterschiede im Spiel sind, schiebt die BD schon mal ein unnatürliches Rauschmuster vor den Lichtquellen her (6’21). In Bewegungen wirken manche Animationen übrigens nicht ganz finalisiert. Da haben Gesichter schon mal keine Augen, Nasen oder Münder (28’27). Das sieht man zwar nur in Einzelbildfortschaltung, aber für DEN Vorzeige-VFX-Film dennoch ein kleiner Wehrmutstropfen.

Wer jetzt dachte, Disney setzt bei Avatar: The Way of Water wie üblich auf eine Dolby-Digital-Plus-Spur, der sieht sich getäuscht. Es gibt (wie beim D+-Stream) lediglich Dolby Digital ohne Plus. Der O-Ton darf mit unkomprimiertem DTS HD-Master an den Start gehen. Schon beim Review zum Film auf Disney+ kam aber heraus, dass die deutsche Fassung wirklich gut geworden ist und die Vergleiche mit den Marvel-Abmischungen locker gewinnt. Und das tut sie auch über die Dolby-Digital-Version der Blu-ray. Wenn man es ganz konkret vergleicht, klingt die DD-Spur sogar noch einen Hauch dynamischer und druckvoller als ihr Pendant auf Disney+. Wenn die Antriebe der Raumschiffe bei 6’38 ihren Betrieb einstellen, hört man das fetzige Geräusch richtig satt. Auch der Landeanflug sowie die Feuerwelle geraten richtig fett – wohlgemerkt für eine DD-Spur. Das ist weit entfernt von den zu Tode komprimierten Tonspuren, die der Mauskonzern sonst seinen Titeln angedeihen lässt. Und es ist eine Erleichterung für alle, die vom Schlimmsten ausgegangen sind. Natürlich darf man bemängeln, dass man kein Atmos bekommt (auch nicht über die 4K-Disk), aber dem Codec kann man dieses Mal keinen Vorwurf machen. Und auch nicht der Abmischung an sich. Die kann in der Tat auch die feinen Geräusche authentisch und sauber wiedergeben. Auf diese Weise lebt der Urwald immer wieder wunderbar auf (26’38). Hinzu kommt die wirklich tolle Räumlichkeit der Geräuschkulisse. Egal, ob die Kamera durchs Wasser oder eben durch den Dschungel fährt; egal, ob’s im Kampfgetümmel entsprechende Geräusche sind: Die Rundumkulisse ist beeindruckend. Der englische DTS-Mix kann das noch etwas dynamischer und ist auch lauter eingepegelt. Dennoch: für eine DD-Fassung ist das wirklich gut, was The Way of Water abliefert.


- tbc
Bild- und Tonqualität UHD

Entgegen eines Großteils der Filmemacher, die zu (gefühlt) 80 % auf Kameras von ARRI und 15 % auf REDs setzen, hält Cameron Sony die Treue. Für Avatar: Aufbruch nach Pandora nutzte er seinerzeit bereits individuell auf die 3D-Aufnahmen zugeschnittene Sony F950 Kameras. In der Fortsetzung kam nun hauptsächlich die Sony CineAlta Venice Rialto zum Einsatz, die von Sony speziell für die Arbeit an Avatar: The Way of Water und die Aufnahmen in 3D sowie unter Wasser modifiziert wurden. Cameron schätzt die Sonys, die für ihn perfekte Farben einfangen und maximale Dynamik erlauben. Welchen Aufwand man betrieb, um spezielle Rigs für die 3D-Aufnahmen einzufangen, wird hier ganz anschaulich dargestellt. Das Ausgangsmaterial wurde dann über ein 4K-DI gemastert und wie man es von Disney gewohnt ist, gibt’s für die Disks lediglich HDR10 als Grading, während Dolby Vision dem Stream auf Disney+ vorbehalten bleibt. Ein im Rahmen von Rec.2020 erweiterter Farbraum ist natürlich trotzdem an Bord. Schauen wir uns das Bild in der Praxis an, so ist die Introszene direkt schon wesentlich souveräner. Das Encoding lässt das leichte digitale Rauschmuster wesentlich homogener und gleichmäßiger erscheinen und es gibt kein Banding beim Abblenden nach 0’46. Das sieht auch noch mal deutlich besser aus als beim Stream von Disney+. Auch ansonsten sind die Farben sichtbar mehr Herr über die Lage. Die bei der Blu-ray angemerkten Probleme mit Hellen Teilbereichen vor farbigen Hintergründen löst die HDR-Disk sauber und ohne unschöne Rauschmuster auf (6’21). Der Schwarzwert ist zudem satter als bei der Blu-ray und lässt die All-Szenen mit echter Brillanz erstrahlen. Die Sterne könnten vielleicht noch etwas heller funkeln, doch dafür sind die rot glühenden Antriebe der Raumschiffe wunderbar kräftig. Das gibt ihnen bei 15’39 noch mal ein wesentlich satteres und dynamischeres Äußeres als über die im Vergleich nicht ganz so starke Blu-ray. Eine Pflanze wie die Magentafarbene bei 26’35 wirkt dermaßen prächtig, dass man sie sich am liebsten direkt auf den Balkon stellen würde. Die hellen Teilbereiche werden durch die über die UHD Blu-ray bessere Durchzeichnung in auf hellen Flächen klarer und abgegrenzter wiedergegeben. Die leuchtenden Weiden des Baums der Seelen bleiben konturierter als über die Blu-ray (48’13). Spitzlichter sind dennoch etwas kräftiger, was auch damit zu tun hat, dass es rundherum etwas dunkler ist und sie deshalb stärker hervorstechen. Sie sind aber auch etwas heller und strahlender als über die Blu-ray. Die grundsätzliche Abdunklung ist (im Vergleich zu Titeln anderer Anbieter) eher zu vernachlässigen. Die UHD Blu-ray ist zu keiner Zeit in irgendeiner Form zu dunkel. Auch wenn sie ebenfalls den einen oder anderen etwas soft geratenen visuellen Effekt nicht entscheidend griffiger zeigt, ist sie schon alleine aufgrund der größeren Souveränität im Sinne des Encodings und der dynamischeren Farben die deutlich bessere Wahl. Und: Sie sieht auch besser aus als der Disney+-Stream. HFR (wie in manchen Kinovorstellungen des Films) ist nicht mit an Bord.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD Blu-ray löst die Farben rund um den Lichtschein viel besser auf.
UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Allerdings kann die HDR-Scheibe das noch eindrucksvoller und wirkt farbkontrastlich einfach noch plastischer.
UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Man sieht es in der Totalen über den kleinen Screenshot nur bedingt. Auf einem TV aber sehr wohl. Die 4K-Disk löst noch Details in den Gesichtern auf. Deutlich wird’s im Zoom auf dem nächsten Bild.
UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Wenngleich die 4K-Disk das nicht zu hundert Prozent hinbekommt (auch hier zeigt sich, dass offenbar schon in der ursprünglichen Animation die Details eher verwaschen), offenbart sie dennoch Schatten von Augen, Nase und Mund, wo die BD schlicht nichts zeigt.
UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD Blu-ray holt hier etwas mehr Dynamik aus dem Bild
UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die HDR-Scheibe kann die Farben kräftiger abbilden. Im laufenden Bild ist gut zu sehen, dass die Spitzlichter auch etwas mehr strahlen.
UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Über die UHD Blu-ray wirken Kontraste einfach satter und plastischer.
UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Zwar liegen hier keine Welten zwischen beiden Scheiben, aber das Netz, die Taue, der Traumfänger – all das wird etwas klarer dargestellt.

Während die Blu-ray noch mit dem stärker komprimierten Dolby Digital auskommen musste, geht Disney bei der UHD Blu-ray wieder den bekannten und üblichen Weg, Dolby Digital Plus für die Synchro zu liefern. Die DD-Spur auf der Blu-ray war für sich genommen ja bereits ungewohnt. Ob man nun aber DD oder DD+ bevorzugt, das soll hier kurz geklärt sein, bevor’s zur englischen Atmos-Fassung geht. Die Plus-Variante hat dem DD-Ton noch einen Hauch mehr Präsenz und Kraft voraus. Allerdings liegt das schon eher im gefühlten Bereich. Selbst wenn man die Möglichkeit hat, mit zwei Wiedergabegeräten die DD- und die DD+-Spur schnell hintereinander zu schalten, bleiben Unterschiede marginal. Nach wie vor also ein guter Sound, nur leider eben kein Atmos fürs hiesige Publikum. Die Upmixer der Receiver werden helfen. Und da der Kern wirklich gelungen ist, könnte man auch mit einem Upmix gute Ergebnisse erzielen.
Gegenüber dem D+-Stream war es spannend, ob The Way of Water in der Original-Atmos-Fassung qualitativ besser sein würde. Immer wieder fällt plattformübergreifend auf, dass die Heights oft mit nicht sauberen Signalen beliefert werden. Das war bei Netflix’ Im Westen nichts Neues oder Extraction 2 bereits so und auch Disney+ bekommt es im Stream nicht ohne schwankende und leicht verrauschte Musik hin. Tatsächlich kann die Disk das hörbar besser. Während die reguläre Ebene noch sehr ähnlich tönt wie im Stream, hebt sich die Höhen-Ebene qualitativ deutlich drüber. Streicherarrangements wie bei 7’08, die kurz vor dem vehementen 3D-Sound der Raketenantriebe zu hören sind, schwanken und rausche nun nicht mehr. Sie klingen nicht mehr wie ein schwach komprimiertes mp3-File, sondern so wie es sein soll. Gerade in diesem Bereich haben Streaminganbieter hörbar das Nachsehen und es gibt einen guten Grund, sich noch physisches Disks zu kaufen. Ansonsten gilt für die UHD Blu-ray das Gleiche wie für den Stream – in Sachen Quantität, versteht sich. Die gesetzten 3D-Tonsignale sind identisch mit dem, was man auf Disney+ zu hören bekommt. So werden Helikopter, Gewittergeräusche oder der Dschungel mit all seinen Tieren immer wieder wunderbar auf die Höhe abgelegt. Auch die Stimmen bei 9’06 gelangen von oben zum Ohr und wenn’s auf die großen Blätter des Urwalds regnet, prasselt es authentisch von oben. Natürlich gibt es auch während der Kämpfe ausreichend Geräusche von oben. Das betrifft die abgefeuerten Geschosse ebenso wie einige Szenen, in denen die Tulkuns ins Geschehen eingreifen (140’42, 147’35). Es mag nicht pausenlos etwas los sein, da oben. Aber wenn es Signale gibt, sind diese korrekt und oft sehr dynamisch gesetzt.


- limitiert
Bonusmaterial
Um die Blu-ray von The Way of Water möglichst nicht weiter zu belasten, hat man das Bonusmaterial komplett auf einer weiteren Blu-ray ausgelagert. Dort finden sich drei übergeordnete Bereiche: “Büchse der Pandora wird geöffnet”, “Büchse der Pandora wird weiter geöffnet” und “Marketing-Material”. Letzteres liefert Trailer und ein Musikvideo. In “… wird weiter geöffnet” warten vier Featurettes zu den Stunts, dem Casting, den VFX und dem Ensemble an sich. Insgesamt rund 28 Minuten wird man hier unterhalten. Weitaus mehr gibt’s im ersten Bereich, in dem 14 Featurettes untergebracht sind. Gut zweieinhalb Stunden bekommt man Einblicke ins Motion Capturing, die Realisierung der visuellen Effekte oder die Herausforderungen, die durch die Unterwasserszenen gemeistert werden mussten. Auch ein Featurette über den einzigen als Menschen agierenden Jungschauspieler ist an Bord: Jack Champion als Spider. Der Beitrag über das Performance Capturing beeindruckt allerdings am meisten. Es ist schon unglaublich, wie viel Aufwand betrieben wird und wie Cameron über all dem Ganzen “so tun als ob” den Überblick bewahrt. Im letzten Featurette gibt’s dann eine Huldigung an Neuseeland und die unglaubliche Handwerkskraft der Neuseeländer.
Fazit
Avatar: The Way of Water ist das geworden, was sich Cameron gewünscht hat. Die Befürchtungen, 13 Jahre nach dem Vorgänger würde die Fortsetzung zum Rohrkrepierer werden, haben sich nicht bewahrheitet. Inhaltlich hätte man sich allerdings etwas mehr gewünscht als die gleiche Geschichte noch mal zu sehen – nur eben jetzt mit dem Fokus auf Familie und Kinder. Dass einige Aspekte ärgerlich geraten, wird nicht jeden stören. Und es ist auch absolut keine Schande, sich von der visuellen Opulenz berauschen zu lassen, während man den Inhalt mehr wahrnimmt, als ihn kritisch zu hinterfragen. Optisch ist die Fortsetzung ohne Zweifel ein großer Wurf. Und das liefert die 4K UHD Blu-ray mit eben jener Bildqualität, die der D+-Stream (noch) nicht liefern und die Blu-ray auch nicht leisten konnte. Beim Ton schlagen die deutschen Dolby-Digital- und Dolby-Digital-Plus-Spuren jene des D+-Streams und liefern im Rahmen ihrer Codecs wirklich ab. Der englische Atmos-Sound ist noch mal wuchtiger und nun auch endlich mit qualitativ hochwertigem 3D-Sound versehen. Wer fürchtete, dass es hier nach typischer Disney-Totkomprimier-Manier zugehen würde, der darf sich glücklicherweise getäuscht sehen.
Timo Wolters
Bewertung
Bildqualität BD: 80%
Bildqualität UHD: 90%
Tonqualität BD (dt. Fassung): 85%
Tonqualität UHD (dt. Fassung): 85%
Tonqualität BD (Originalversion): 85%
Tonqualität UHD 2D-Soundebene (Originalversion): 90%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Quantität (Originalversion): 70%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Qualität (Originalversion): 85%
Bonusmaterial: 90%
Film: 70%
Anbieter: 20th Century Studios
Land/Jahr: USA 2022
Regie: James Cameron
Darsteller: Sam Worthington, Zoe Saldaña, Sigourney Weaver, Stephen Lang, Cliff Curtis und Kate Winslet, Britain Dalton, Jamie Flatters, Trinity Jo-Li Bliss, Bailey Bass, Jack Champion
Tonformate BD: DTS HD-Master 7.1: en // Dolby Digital: de
Tonformate UHD: Dolby Atmos (DD+-Kern): en // Dolby Digital Plus 7.1: de
Untertitel: de, en
Bildformat: 1,85:1
Laufzeit: 193
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD-100
Real 4K: Ja
HDR: HDR10
Maximale Lichtstärke: keine Angabe
Altersfreigabe: 12
(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots: © 2022 20th Century Studios. All Rights Reserved)
Trailer zu Avatar: The Way of Water
So testet Blu-ray-rezensionen.net
Die Grundlage für die Bild- und Tonbewertung von Streams, BDs und UHD-BDs bildet sich aus der jahrelangen Expertise im Bereich von Rezensionen zu DVDs, Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays sowie Tests im Bereich der Hardware von Unterhaltungselektronik-Komponenten. Gut zehn Jahre lang beschäftigte ich mich professionell mit den technischen Aspekten von Heimkino-Projektoren, Blu-ray-Playern und TVs als Redakteur für die Magazine HEIMKINO, HIFI TEST TV VIDEO, PLAYER oder BLU-RAY-WELT. Während dieser Zeit partizipierte ich an Lehrgängen zum Thema professioneller Bildkalibrierung mit Color Facts und erlangte ein Zertifikat in ISF-Kalibrierung. Wer mehr über meinen Werdegang lesen möchte, kann dies hier tun —> Klick.
Die technische Expertise ist aber lediglich eine Seite der Medaille. Um stets auf der Basis von aktuellem technischen Wiedergabegerät zu bleiben, wird das Testequipment regelmäßig auf dem aktuellen Stand gehalten – sowohl in puncto Hardware (also der Neuanschaffung von TV-Displays, Playern oder ähnlichem, wenn es der technische Fortschritt verlangt) als auch in puncto Firmware-Updates. Dazu werden die Tests stets im komplett verdunkelbaren, dedizierten Heimkino angefertigt. Den Aufbau des Heimkinos könnt ihr hier nachlesen —> Klick.
Dort findet ihr auch das aktuelle Referenz-Gerät für die Bewertung der Tonqualität, das aus folgenden Geräten besteht:
- Mainspeaker: 2 x Canton Reference 5.2 DC
- Center: Canton Vento 858.2
- Surroundspeaker: 2 x Canton Vento 890.2 DC
- Subwoofer: 2 x Canton Sub 12 R
- Heights: 4 x Canton Plus X.3
- AV-Receiver: Denon AVR-X4500H
- AV-Receiver: Pioneer SC-LX59
- Mini-DSP 2x4HD Boxed
Das Referenz-Equipment fürs Bild findet ihr wiederum hier aufgelistet. Dort steht auch, wie die Bildgeräte auf Norm kalibriert wurden. Denn selbstverständlich finden die Bildbewertungen ausschließlich mit möglichst perfekt kalibriertem Gerät statt, um den Eindruck nicht durch falsche Farbtemperaturen, -intensitäten oder irrigerweise aktivierten Bild”verbesserern” zu verfälschen. Streaming-Filme werden zudem über mehrere unterschiedliche Apps Kontrolle geschaut, um etwaige deutliche Differenzen auszumachen.
- Panasonic DMP-UB900
- Panasonic DP-UB824EGK
- Panasonic TX-55GZW954
- LG OLED55CX9LA
- Epson EH-TW9400
- HDMI-Kabel: Audioquest Forest-Serie