Blu-ray Review

OT: Bridge on the River Kwai

Drei-Fronten-Krieg
Mit David Leans Die Brücke am Kwai erscheint ein absoluter Klassiker auf UHD.
Inhalt

Das Jahr 1943: An der Grenze zwischen Thailand und Birma will der japanische Oberst Saito eine strategisch wichtige Brücke über den Fluss Mae Nam Khwae Yai errichten. Um das Vorhaben möglichst zügig umzusetzen, sollen die britischen Kriegsgefangenen bei dem Bauvorhaben helfen. Auch die Offiziere rund um Oberst Nicholson sollen ranklotzen. Doch der kann sich erfolgreich wehren, sodass die englischen Offiziere in “Führungspositionen” beim Bau arbeiten dürfen. Nicholson entwickelt daraufhin einen gewissen Ehrgeiz, mit seinen Soldaten eine noch aufwändigere Brücke in noch kürzerer Zeit zu errichten. Als ihm dies gelingt, droht ein Trupp Alliierter das Bauwerk wieder zu zerstören …

Von all den bekannten Kriegsfilmen der letzten 60 Jahre nimmt Die Brücke am Kwai bis heute eine Sonderstellung ein. Zum einen weil es weniger ein kriegsaktiver Film ist und zum anderen weil der über zweieinhalb Stunden lange Film auch heute noch unglaublich fesselnd ist.
Regisseur David Lean, abonniert auf die großen Epen der Nachkriegszeit (Lawrence von Arabien, Doktor Schiwago), nahm sich des Romans von Pierre Boulle an, der neun Jahre nach der großen Kriegsgeschichte auch noch die Buchvorlage für Planet der Affen schrieb. Herausgekommen ist ein Kraftakt an Film für den auch in Sri Lanka gedreht wurde. Die titelgebende (und real existierende) Brücke wurde über den Kelani nachgebaut und bestand aus über 1000 Bambusrohren. Insgesamt war sie 130 Meter lang und 35 Meter hoch – und wurde tatsächlich für das explosive Finale gesprengt.
Die Brücke am Kwai ist aber nicht nur ein fesselndes und atmosphärisches Kriegsdrama, sondern vor allem eine intensive Charakterstudie. Sir Alec Guinness, vorher schon bekannt, wurde im Nachgang zum absoluten Weltstar und die Academy zeichnete Leans Werk mit ganzen sieben Oscars aus (unter anderem jene für den besten Film, die beste Regie, den besten Hauptdarsteller und die beste Buchvorlage). Ganz nebenbei sorgte der “Colonel Boogey March”, der im Film nur gepfiffen wurde, um einer möglichen Zensur des Textes zu entgehen, für einen Hit. Im Nachgang wurde die Medley-Version, in der der River Kwai Marsch über den Colonel Boogey March gelegt wurde, zum Verkaufsschlager und gleichsam für zahlreiche Werbespots genutzt.

Aber zurück zum Film:
Die 162 Minuten Laufzeit teilen sich auf in drei Bereiche. Der erste, etwa 60-minütige Teil konzentriert sich auf das faszinierende Duell zwischen Saito und Nicholson. Beide haben viel zu verlieren. Denn nicht nur der Brite könnte seinen Starrsinns mit dem Leben bezahlen. Auch Saito wäre gezwungen, in bester Manier Harakiri zu begehen, sollte sein Auftrag, die Brücke zu bauen, scheitern. Während der eine also auf Prinzipien pocht (Nicholson, der mit der Genfer Konvention wedelt), geht es dem anderen (Saito) um Ehre. Ehre, die er in den Briten nicht erkennen kann.
Dieser erste Teil endet mit der Freilassung aus dem “Ofen” und geht über in Phase II: Planung und Bau der Brücke durch die gemeinsame Arbeit japanischer und britischer Offiziere. Gleichzeitig folgt der Film im parallelen Handlungsstrang dem geflohene US-Amerikaner Shears. Der genießt sein Leben in Freiheit, muss aber doch noch mal zurück in den Dschungel, da die Britische Armee die Brücke unbedingt zerstören will und nur er sich vor Ort auskennt.
Das Hin- und Herspringen zwischen diesen Ebenen bricht mitunter bewusst den Ton des Films. Denn die Playboy-Erlebnisse Shears stehen in harschem Kontrast (übrigens auch deutlich gemacht durch die musikalische Untermalung) zu Nicholsons Brückenbau-Mission.
Im finalen dritten Teil geht es dann dem Höhepunkt zu. Wir werden Zeuge, wie der eigentliche Held der ersten anderthalb Stunden sich mehr und mehr zum Negativen entwickelt und seine Männer mehr und mehr für seine eigenen Beweggründe missbraucht – bis ihm das Ganze dann final buchstäblich um die Ohren fliegt.
Die Brücke am Kwai, das ist auch 2018 noch klar, gehört zu den epischen Filmen der Historie – ein zeitloses Meisterwerk, für das es sich lohnt, mal wieder alte (gemütlichere) Sehgewohnheiten zu entwickeln.
Bild- und Tonqualität UHD

Die Brücke am Kwai wurde seinerzeit natürlich analog gefilmt – und zwar auf 35mm-Material. Ausgehend von diesem wurde bereits 2011 für die Blu-ray ein neues 4K-Master im ursprünglichen Bildformat von 2,55:1 erstellt, das aller Wahrscheinlichkeit nach auch die Vorlage für diese UHD lieferte. Natürlich wurde das Color Grading entsprechend bearbeitet/verändert, denn auch diese UHD liefert eine höhere Bilddynamik (HDR10) und einen im Rahmen von Rec.2020 erweiterten Farbraum.
Da Anbieter Sony Pictures in Deutschland bei den Katalog-Titeln in der Regel keine Blu-ray des Films beilegt und mir die damalige BD nicht vorlag, lässt sich leider kein direkter Vergleich vornehmen. Die Bewertung findet also ausschließlich isoliert für die UHD statt.
Zunächst einmal eine Warnung an die Fans moderner und digitaler Filmlooks:
Hier gibt’s Korn – und zwar durchgängig. Und als wolle der Film diejenigen abschrecken, die wuselige Unruhe nicht mögen, ist das Eröffnungsbild mit dem fliegenden Adler und der Vogelperspektive über die bewaldeten Hügel dermaßen körnig, dass selbst Freunde analoger Technik mal kurz ungläubig die Augenbraue lupfen. Doch für Letztere gibt es dann postwendend eine ENT-Warnung. Denn so heftig bleibt es nicht. Sobald die Kamera ins Gefangenenlager wechselt und die Darsteller in voller Größe zu sehen sind, nimmt das Korn deutlich ab und sinkt auf ein übliches Niveau für Filme aus der Zeit.
Dann ist man auch in der Lage, die Arbeit der UHD zu bewundern – und das fast durchweg.

Es ist schon beachtlich, was die 4K-Fassung aus dem mittlerweile über 60 Jahre alten Material herausgeholt hat. Angefangen bei der praktisch völligen Defektfreiheit, die nur bei extrem genauer Betrachtung mal einen Blitzer zeigt, über die veränderte und im Kontrast gesteigerte Bilddynamik bis hin zur Auflösung werden hier Werte erzielt, die in Anbetracht des Alters des Materials mehr als respektabel sind. Bei entsprechend ruhigen und mit hochwertigen Kameras aufgenommenen Szenen sind Detailtiefe und umfassende Randschärfe wirklich prächtig – so lassen sich auch noch Gesichter in der fünften Reihe erkennen (11’48). Close-ups sind ohnehin wirklich fein und detailliert, werden auch nicht vom Korn beeinflusst, sondern zeigen bis hin zu Schmutzpartikeln auf den Gesichtern alle Einzelheiten. Sicherlich gibt es gewisse Einstellungen, die weniger gelungen sind. Hier sieht man aber dann, dass es durchaus am Ausgangsmaterial und entsprechend schwächerer Kamera-Qualität liegt. So kann man durchweg erkennen, welche Szenen mit guten Objektiven/Linsen aufgenommen und welche nicht. Außerdem fallen die weniger guten Szenen deutlicher auf – und aus dem sonst sehr guten Rahmen. Denn wenn man bereits in der Urfassung zu starkes Korn hatte, wird dies per 4K-Wiedergabe natürlich nicht weniger. Und da man (zum Glück) auf Rauschfilter verzichtete, fällt das hier deutlich stärker auf.
Wirklich wunderbar gelungen ist das neue Color-Grading. Zu keiner Zeit übertrieb man es hier mit der Bilddynamik und neuen Farbigkeit, sondern setzte auf Natürlichkeit und im Rahmen von sengender Hitze entsprechender Anhebung der Hauttöne. Diese bleiben durchweg authentisch, bekommen aber einen noch goldgelberen Teint. Das passt prima zur Atmosphäre und führt auch nur ganz selten bei hellen Bereichen auf Gesichtern mal zu ganz leichter Überkontrastierung. Da Die Brücke am Kwai durchweg von Braun- und Ockertönen dominiert wird, gelangen diese nun noch etwas erdiger zum Betrachter. Sieht man den grünen Urwald und entsprechende Palmwedel, gelangen aber auch diese noch etwas grüner und kräftiger zum Auge – ebenso wie das rote Kreuz auf dem Schild vor dem Lazareth. Das natürlich nicht grüner, sondern roter – versteht sich.
Richtig gut sind auch die Schwarzwerte. Sie sind kräftig und dennoch hervorragend durchzeichnet. Hier sumpft nichts ab und geht nichts verloren. Die für die damalige Zeit typischen “Day-for-Night”-Szenen, in denen Filter und Abblendungen genutzt wurden, um Nacht zu simulieren, wo eigentlich noch Tag war, sind zwar ein wenig gräulicher, aber immer noch besser als bei zahlreichen Blu-rays von Filmen aus der Zeit. Offenbar hat man es hier geschafft, einen möglichst guten Kompromiss aus zeitgemäßer Technik und Bewahrung des Originals zu erzielen, denn besser hat man Die Brücke am Kwai noch nie gesehen. Unter den UHDs, die nachträglich von sehr altem analogen Material aufbereitet wurden, gehört diese zu den absoluten Highlights.
(Im Folgenden sechs formatfüllende Screenshots, die – im Gegensatz zu den matschigen offiziellen Pressebildern oben und weiter unten – direkt von der UHD genommen wurden)







Für die 4K-Scheibe auf Ultra-HD veränderte man aber nicht nur das Bild, sondern fügte auch neue Tonspuren hinzu. Hier ging man schlicht in die Vollen und integrierte eine Dolby-Atmos-Version für die Originalfassung. Leider blieb fürs Deutsche nur der bekannte 5.1-Sound in Dolby Digital.
Letztere grummelt dann auch nur ein bisschen während des Gewitters, wo die Atmos-Spur bedrohlicher und wesentlich unmittelbarer klingt (15’50). Auch der Dschungel hat durchweg mehr Eigenleben. Zikaden zirpen, Frösche quaken im Hintergrund und weitere Tiergeräusche füllen den Raum während der Abend-Szenen.
Die typisch dünnen, manchmal spitzen und etwas übersteuerten Dialoge der deutschen Version sind hier zwar nicht so drastisch wie manch anderem Film aus der Zeit, doch gegenüber der Originalfassung sind sie dennoch im Hintertreffen. Und das, obwohl auch dort Oberst Saito stets etwas komprimiert klingt.
Insgesamt, so ehrlich muss man im Zeitalter von Dynamik- oder Effektmonster sein, gehört die Dolby-Digital-Spur von Die Brücke am Kwai zu den besten entsprechender Filme aus der Zeit. Sie liefert immerhin eine gewisse Räumlichkeit und viele Geräusche aus allen Lautsprechern. Auch schwankt sie zu keiner Zeit und bleibt homogen.
Die englische Atmos-Fassung (Filmpuristen mag der inflationäre Nutzen von derart vielen Tonspuren stören) kann es aber eben noch besser. Selbst wenn auch hier nur moderate LFE-Anteile hör-, bzw, spürbar sind und die finale Explosion der Brücke nicht mit heutigen Bombastwerken zu vergleichen ist, gibt sie dem Score von Malcolm Arnold doch den nötigen Raum und lässt die Naturkulisse noch deutlicher aufleben.

Im Bezug auf die Höhenebene nutzt Die Brücke am Kwai diese zwar dezent, aber durchweg logisch. Immer wieder werden die Heights vor allem für atmosphärische Dschungelgeräusche genutzt: Die zahlreichen Insekten und Amphibien der Umgebung sind zwar nicht direkt hörbar, da relativ leise eingebunden. Doch schaltet man die Höhenspeaker aus, merkt man, dass Atmosphäre und immersives Soundgefühl verloren geht. Auch der Score wird dezent mit nach oben gemischt, was die Dramatik steigert. Und natürlich hört man auch Blitz und Donner aus der Höhe, was für einen griffigen und plakativen Effekt sorgt.
Dass man sich durchaus Mühe gegeben hat, sogar ganz isolierte und dedizierte Geräusche auf den 3D-Speaker abzulegen, hört man ganz leise im Büro von Oberst Saito. Der luftfächernde Wedel an der Decke ist durch ein ganz dezentes Geräusch auch von oben zu vernehmen (38’00). Wesentlich lauter und direkter aus der Höhe kreischt dann der Greifvogel, der über Commander Shears kreist (45’05).
Später gibt’s dann sogar noch ein perfekt ortbares Flugzeug und immer mal wieder Regen. Der fällt aber hier nicht offensiv und im luftleeren Raum (Regen auf offener Flur hört man ja nicht über sich), sondern auf Palmwedel und Blätter, was ein gewisses Rauschen erzeugt, das durchaus oberhalb der Kamera positioniert sein darf.
Fast schon grandios gut umgesetzt sind die Schritte, die man auf der Holzbrücke hört, während unten im Fluss die Britischen Soldaten Sprengsätze anbringen – hier hat man wirklich das Gefühl, im Wasser zu sein und zu bangen, ob der Wachmann einen von oben entdeckt (141’08).
Bonusmaterial
Da keine Blu-ray enthalten ist, fehlt auch entsprechendes Bonusmaterial – Außer einer Info-Tafel mit Darstellern und der Crew gibt’s hier nichts zu finden.
Fazit
Filmisch auch heute noch ein Meisterwerk strahlt Die Brücke am Kwai über die UHD nun in den bestmöglichen Farben mit den bestmöglichen Kontrasten – besser sah der Film noch nie aus. Und (wenn man die englische Fassung nimmt) besser klang er auch noch nie. Schön, dass man es hier mit den 3D-Effekten nicht übertrieb und dem 60 Jahre alten Film somit kein unpassend-modernes Gewand übergestülpt hat. Vielmehr ergänzt die Höhenebene eine ohnehin schön räumliche Spur mit realistischen Sounds und nicht mit undifferenziertem Klangbrei.
Timo Wolters
Bewertung
Bildqualität UHD: 75%
Tonqualität UHD (dt. Fassung): 60%
Tonqualität UHD 2D-Soundebene (Originalversion): 70%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Quantität (Originalversion): 50%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Qualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 5%
Film: 100%
Anbieter: Sony Pictures Entertainment
Land/Jahr: GB 1957
Regie: David Lean
Darsteller: Sir Alec Guinness, William Holden, Jack Hawkins, Sessue Hayakawa, James Donald, Geoffrey Horne, André Morell
Tonformate UHD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): en // dts-HD-Master 5.1: en // Dolby Digital: de
Bildformat: 2,55:1
Laufzeit: 161
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Real 4K: Ja (4K DI)
High Dynamic Range: HDR10
FSK: 12
(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots: © 1957, renewed 1985 Columbia Pictures Industries, Inc. All Rights Reserved.)
So wenig Resonanz zu DIESEM Film? … der zu den besten aller Zeiten gehört!? Es interessiert zwar niemanden, aber auf meiner Lieblingsliste steht er immer noch auf Platz 1. Gestern zum x-ten mal gesehen, nach VHS, DVD, BD nun als 4K in der zweifellos besten Fassung in meinem Bestand – Anfangskörnung hin- oder her … was für ein atemberaubend packendes Epos! (Auch der Lieblingsfilm meines alten Herrn) Und zur Farbrestaurierung: Hier schillert nach dem Finale das austretende Öl von der Lokomotive in allen Regenbogenfarben auf der Wasseroberfläche. Der Film ist ein Meisterwerk – Buch, Drehbuch, Dramaturgie, Spannung, Lokation, Schauspiel … ein Meisterwerk ! Für mich auf Augenhöhe mit Lawrence von Arabien und Ben Hur. Wer den nicht kennt … –> eine Empfehlung der Eliteliga.
Ich würde mal vorschlagen, dass Statler hinzukommt. Dann gibt’s auch ein paar mehr Kommentare unter der Brücke 😉
Ich bin deiner Meinung, was den Film angeht. Habe mir gerade noch mal das Review durchgelesen. Würde den fast heute noch mal neu bewerten wollen – ist ja schon acht! Jahre her. Beim Teutates, wie die Zeit vergeht.
Es wurde nach mir geschickt? ;o)
Also, ich gebe zu, dass mir der Film natürlich geläufig ist, aber ich habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Er lief mal in HD auf Arte, aber ich mag kein Fernsehen, außer für Nachrichten o.ä.
Aber, und das ist selbstredend der Grund, wenn mein Bruda Waldorf und Sir Timo rufen, dann bin ich zur Stelle.
Und, das soll hier nicht unterschlagen werden, Sir Alex Guinness ist jeden Eintritt wert.
Ich habe ja keine Hitliste, das ist meinem Hirn nicht möglich, aber ich habe trotzdem eine handelsübliche Bewertungsskala – ähnlich Timo’s in Prozenten und damit sind alle 90% Filme gleich gut – abhängig von der Tagesform. An dieser Stelle werde ich jetzt aber nicht mein Equipment nennen (verzeihlicher Seitenhieb), aber mich als analog Fan outen – und das, obwohl ich bereits 1988 mit leichter Informatik begann.
So, und jetzt zum Film – ich habe mir flux das Steel auf Amazon bestellt. Es war 10 € günstiger als die normale Version, zusätzlich mit meinem geliebten Dolby Vision und kommt bereits im Januar 2026.
Ich freue mich ;o)
Und ihr so?
PS: Es steht noch meine (dann aber) Kurz-Rezi aus für Master & Commander – Timo sollte sich jetzt mal am fester in den Sattel krallen….
… ich kralle …
Warum stehe ich auf diesen Film?
Bild und Ton könnte ich wegen fehlendem fachspezifischem Tiefenwissen nur schwer beurteilen, also lasse ich es, denn beides interessiert mich bei diesem Jahrhundertwerk auch nicht.
Denn bei diesem Epos registriere ich nach 10 Minuten nichts mehr als nur den Inhalt selbst – 156 Minuten vergehen wie im Flug – er lässt mich abtauchen in die Story wie nur wenige sonst.
Und … ich musste so oft lachen, wie sonst nur bei sehr guten Komödien.
Das bei einem brachialen Kriegsdrama !? Wie das?
Weil es eigentlich um das psycho-Duell zweier Männer im gleichen Rang geht,
dem Zyniker Saito vs den Sarkast Nicholson.
Saito ist der gebildete, gescheiterte Offizier auf einem Abschiebeposten, also Karriereende.
Ihn hatte man sich ursprünglich in der Personalplanung sicherlich als Divisionsgeneral oder höherem gesehen, denn er wurde ja, im Sinne von Sun Zu, zum Studium nach England geschickt. Aber er wurde ggfs. nur als bedingt förderungsfähig beurteilt, denn für weitere Karriere hätte er ein Frontkommando erhalten müssen. Er muss den Auftrag des Brückenbaus zum 13.Mai erfüllen – ein Truppendienstgerichtsurteil bei Versagen kann er seiner Ehre wegen nicht zulassen – und Seppuku war sicher nicht sein Lebensziel.
Seine Soldaten fürchten ihn, verkrümeln sich wo es nur geht.
Aber er ist kein Führer, das ist das Dilemma – das beweist sich, als er die Bauaufsicht übernimmt und feudal scheitert.
Ganz gegensätzlich der englische Nicholson. Soldat seit 28 Jahren, im kämpfenden Einsatz im 1. Weltkrieg, wahrscheinlich auch Indien und letztlich auch Birma. Die Soldaten lieben ihn, nennen ihn Niki – er kennt jeden beim Namen, lebt unter ihnen, führt von vorne – der ideale Truppenführer.
Was bringt mich nun amüsiert mehrfach zum Lachen?
Seine sarkastischen Aussagen z.B. “Sind wir dann mit der Besprechung am Ende, meine Herren? Also dann besprechen wir das mit Saito … und machen ihn fertig!” oder z.B.
Saito: “Kann die Brücke bis zum 13.fertig sein?” Nicholson: “Natürlich nicht, denn wir haben unnütz 6 Wochen verplempert an dem ich nicht schuld bin!” und viele andere Beispiele, wie er, immer ernst gemeint, seine Widersacher in den Senkel stellt, auch seinen Stabsarzt.
Auch die Dialoge auf dem Spreng-Ausbildungsgelände zwischen Major Warden und dem Amerikaner Shears sind köstlich: “Wir würden Sie bei dem Kommandounternehmen fürchterlich gerne dabei haben – Ihren Rang dürften Sie behalten, wir sind da bei unserer Spezialeinheit 759 nicht so kleinlich, ja?!”.
Und zum Aufwand der Produktion … unfassbar! Wer kann das heute nachmachen, ohne digital-synthetische Unterstützung … die beim Betrachter diese nachhaltigen Spuren hinterlassen?!
Wenn Ihr mehr spannendes Hintergrundwissen zu der dortigen Kriegs- und Kriegsgefangenensituation haben wollt, dann
Wikipedia: Thailand-Burma-Eisenbahn
So. Der Film ist bereits da. Da sag mal einer, Amazon ist nicht fix zu Weihnachten.
Ich wollte, neben allen anderer Gefangenenlager/Gefängsnisfilm-Genre noch einen hinzufügen, den ich immer sehr beeindruckend fand.
Furyo – Merry Christmas Mr. Lawrence.
Neben dem sensationellen David Bowie war der Film nicht nur durch seine schauspielerische Klasse herausragend, sondern auch die Thematik passte sehr zu Lawrence von Arabien. Nicht so subtil, aber echt klasse. Die tolle Musik summe ich heute noch ab und an….
Man merkt, lieber Ralph, da geht Dir das Herz auf.
Film kann so viel sein, vergessen wir bei all dem Negativen nicht die guten Dinge.
Wie erwähnt, ich habe ihn bestellt und siehe da – Vorgestern nicht mal drüber nachgedacht und 1-2 Kommentare später und die Rezi von Timo im Blick – schwupps, schon im Einkaufswagen. So geht influencen! ;o)
Ich freu mich drauf. Mein Frau sagte schon:” Aha”, was soviel heißt wie:”Den guckst’e mal schön alleine”…. So ist sie, die Beste eben.
Also mir war der „grieselige“ Gesamteindruck ein wenig to much. Teilweise sehr unruhige Hintergründe, lenkt mich vom eigentlichen Film ab. Ein wenig Rauschfilter hätte dem ganzen doch gut getan. Mag sein das die BluRay nicht ganz den Detailreichtum besitzt, aber diese hat weit weniger Korn, ist für mich deutlich angenehmer anzusehen.
Mich würde der Bildvergleich zur neuen 4K im Steelbook interessieren, die im Gegensatz zur ersten VÖ jetzt Dolby Vision an Bord hat. 😉
Das gilt auch für LAWRENCE VON ARABIEN.
Öhm… Lawrence hat DV auf der ersten Auflage….
Nur RK nicht..