Blu-ray Review

OT: C’era una volta il West

Es war einmal im Wilden Westen
Sergio Leones Kultwestern erscheint als 4K-Disk, die einen mehr als zwiespältigen Eindruck hinterlässt.
UPDATE bzgl. der falsch beigelegten (alten) Blu-ray, die noch ohne das versprochene Bonusmaterial kam. Hier die offizielle Aussage von Paramount:
Wir bedanken uns für eure Meldung, die auf die veraltete Blu-ray-Version von „Spiel mir das Lied vom Tod“ hingewiesen hat. In der Tat wurde der von Ihnen erworbenen Collector’s-Edition eine falsche Blu-ray-Disc beigelegt, wofür wir uns hiermit bei Ihnen entschuldigen wollen. Selbstverständlich werden wir euch umgehend eine korrekte Blu-ray-Disc zusenden. Bitte schickt dazu eine E-Mail mit angehängtem Scan des Kaufbelegs an: info@universal-pictures.de Für die Zusendung der korrekten Disc vergiss bitte nicht, Deine Postadresse in der E-Mail zu erwähnen. Sobald verfügbar, wird eine neue Disc zugesandt. Wir bedauern die Unannehmlichkeiten.
Inhalt

Jill hat in New Orleans als Prostituierte gearbeitet und möchte ein neues Leben anfangen. Vor einigen Wochen hatte sie den verwitweten Farmer McBain geheiratet, auf dessen Farm sie nun reist. Da man sie am Bahnhof von Flagstone nicht abholt, lässt sie sich zur Sweetwater-Farm bringen. Nur um festzustellen, dass man McBain und dessen drei Kinder aus erster Ehe ermordet hat. Hinweise deuten darauf, dass ein lokaler Outlaw namens Cheyenne die vier getötet hat, während die Farm nun an Alleinerbin Jill geht. Doch an der Farm hat auch Eisenbahn-Mogul Morton Interesse, da er seine Linie zum Pazifik genau über das Gelände von Sweetwater legen muss. Morton lässt den Killer Frank für sich arbeiten und beauftragt ihn damit, Jill einzuschüchtern. Doch die Männer, die Frank zur Farm schickt, werden von einem Namenlosen mit Mundharmonika abgewehrt. Hat Jill einen heimlichen Schutzpatron …?

„In den Mänteln waren drei Männer und in den Männern waren drei Kugeln“ – es sind Sätze wie diese, die nur ikonische Figuren in ikonischen Western abgeben können. Und wenn ein Film zu den ikonischsten Vertretern des Westernkinos gehört, dann wohl Sergio Leones Spiel mir das Lied vom Tod. Dabei wollte der in Rom geborene Filmemacher nach der Dollar-Trilogie doch kategorisch nicht mehr ins Genre zurückkehren. Er habe alles gesagt und alles erzählt, was er zu erzählen habe. Hollywood sah das aber anders und bot dem Regisseur nach den Clint-Eastwood-Spaghetti-Western nur weitere Western-Stories an. Unter anderem sollte er für United Artists und mit Charlton Heston, Kirk Douglas und Rock Hudson arbeiten, was Leone aber ablehnte. Ihm stand mehr der Sinn nach einer Geschichte über einen jüdischen Gangster zur Zeit der Prohibition. Doch das, was er 1984 unter dem Titel Es war einmal in Amerika … verfilmen sollte, musste noch warten. Denn als Paramount mit einem größeren Budget lockte und Leone damit der Zugang zu Henry Fonda möglich war, knickte Leone ein. Mit dem blauäugigen Star wollte er schon lange drehen. Außerdem konnte er bei Paramount durchsetzen, Charles Bronson als Hauptdarsteller zu besetzen. Entsprechend kehrte der Filmemacher noch einmal zurück. Und was ein Glück, dass er es tat.

Denn die Filmwelt wäre ohne Spiel mir das Lied vom Tod nicht nur um eine der berühmtesten Filmmelodien, sondern auch um einen Klassiker ärmer, der sich seinerseits sehr an den Klassikern des Genres orientierte. Dabei ging Leone ganz anders an die Umsetzung heran als noch bei den Dollar-Filmen. Waren letztere eher temporeich und schneller, lebt der im Englischen viel treffender Once Upon a Time in the West betitelte Streifen von seinen langen und konzentrierten Einstellungen. Bereits die Eröffnungssequenz ist heute legendär. Minutenlang passiert hier wenig bis nichts. Drei Pistolenhelden warten auf einen Zug. Dialoge? Bis auf ein paar gestammelte Worte des Bahnhofsvorstehers Fehlanzeige. Kultische Momente wie jene des „Kampfes“ mit der Fliege beeindrucken noch heute. Großartige Kameraeinstellungen, langes Verweilen auf Close-ups – nein, mit heutigen Sehgewohnheiten hat das nicht viel zu tun. Und vermutlich wird man das unter den Filmfreunden, die mit MCU & Co. aufgewachsen sind, auch nicht wirklich Begeisterung entfachen. Aber was bitte schön gelingen Leone hier für grandiose Bildkomposition; was für unglaubliche Blicke auf die Blicke der Darsteller? Wenn Fonda dem rothaarigen Jungen gegenübersteht, die Kamera mehrfach sekundenlang (gefühlte Minuten) auf den Gesichtern verweilt und die winzigsten Regungen aufzeichnet, dann wird fast schmerzhaft spürbar, was dem McBain-Sohn für ein Schicksal droht. Dass es ausgerechnet Henry Fonda ist, der hier den Bösewicht spielt, war zunächst noch gar nicht sicher. Ursprünglich war Fonda zögerlich und sagte erst nach einem persönlichen Treffen mit Leone sowie einem Gespräch mit Schauspielkollege Eli Wallach (der mit Leone während der Dollar-Filme zusammenarbeitete) zu. Als er am Set auftauchte, kam er dann mit braunen Kontaktlinsen und Bart. Das wiederum war dem italienischen Regisseur viel zu klischeehaft, weshalb er umgehend Anweisung gab, die Linsen und das Gesichtsgestrüpp zu entfernen – eine gute Entscheidung. Denn die Close-ups wirken umso furchterregender, weil man in Fondas blaue Augen und sein schönes Gesicht schaut. Diesem hübschen Mann diese Taten unterzujubeln ist der größte Coup von Spiel mir das Lied vom Tod.
Interessante Randnotiz: Leone wollte ursprünglich, dass Eastwood (nachdem er jene des Munharmonikaspielers abgelehnte hatte), Wallach und Van Cleef die Rollen der drei Männer zu Beginn des Films übernehmen sollten, um auch visuell und symbolisch mit der Dollar-Trilogie abzuschließen. Doch während Wallach (und wohl auch Cleef) bereit waren, hatte Eastwood kein Interesse – was wiederum zu einem Riss im Verhältnis zwischen dem Darsteller und seinem Dollar-Regisseur führte. Man stelle sich vor, dieser Schachzug wäre Leone auch noch gelungen …

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- Limitierte Collector's Edition
Bild- und Tonqualität BD

Die letzte „alte“ Blu-ray, die es von Spiel mir das Lied vom Tod war von 2019 – ein Digibook, das jedoch die gleiche Blu-ray enthielt, die man 2011 bereits im Keep Case erstehen konnte. Eben jene KC-Fassung bietet die Grundlage für die folgenden Zeilen über die bisherige Blu-ray: Zunächst hat man hier die Wahl zwischen der Kino- und der restaurierten Fassung. Wir wählen natürlich Letztere – und freuen uns. Denn diese präsentiert sich nach der Anwahl erstaunlich filmisch. Die Körnung ist beständig sichtbar und wirkt filmisch. Sie passt zum Film, sie ist im Original vorhanden und man hat sie entsprechend eingefangen. Auch aufgrund der speziellen Techniscope-Technik (lest zum Thema des Filmprozesses bitte mehr im nächsten Kapitel “Bild- und Tonqualität UHD”) ist der Film allerdings oft weniger scharf als erhofft und die Körnung ist grober, als man es bisweilen gewohnt ist. Da wuselt es schon sehr sichtbar, was gerade auf Hintergründen auffällig wird. Close-ups und Vordergründe sind weniger unruhig, bleiben aber ebenfalls stets filmisch und sogar ansprechend scharf. Sieht man davon ab, dass man längst nicht alles Schmutzpartikel getilgt hat, ist die Blu-ray trotzdem keine Ausgeburt an Blitzern oder schwarzen Schmutzpartikeln/Streifen. Wirklich gut gelungen sind die Kontraste. Schwarz ist kräftig, Hautfarben wirken gebräunt. Zudem ist die Bilddynamik gut. Helle Flächen im Himmel reißen nur selten einmal etwas aus, während man oft noch die Wolken erkennen kann. Das weiße Kleid bei Minute 20’45 bleibt ebenfalls relativ gut durchzeichnet. Da hat man schon schlimmere Kontrastprobleme erlebt. Einzig diskussionswürdig ist die recht kühle, farblich reduzierte Abstimmung des Materials, denn insgesamt wirkt das Geschehen eher neutral und nicht unbedingt sonnendurchflutet warm. Das dürfte so nicht der originale Filmlook sein und war bisher der größte Kritikpunkt der alten Blu-ray. Die Schärfe, wie zuvor besprochen, variiert. Während Close-ups (bspw. von Bronson nach 13 Minuten) zum Teil knackig sind, lässt es ab Halbtotalen sichtbar nach. Das ist jedoch dem Filmmaterial anzulasten, nicht der Blu-ray, denn die bietet selbst nach 13 Jahren noch sehr anschauliche Werte.

Und aufgrund dessen darf man sich fast fragen, was die neue Blu-ray da noch besser machen sollte – selbst wenn sie auf einem 4K-Master und einem neuen Grading beruht. Und „besser“ ist hier vielleicht auch nicht das richtige Adjektiv. Ersetzen wir es doch lieber durch ein Adverb namens: anders. Denn das Bild der neuen Blu-ray ist wahrlich „anders“. Schon vom ersten Moment an stechen zwei Dinge massiv ins Auge: Das wesentlich andere Color Grading, das einem im Vergleich fast die Augen zukneifen lässt und das nahezu völlige Fehlen von Filmkörnung. Gehen wir zunächst auf das Filmkorn ein. Es ist nicht komplett entfernt worden, auf dass gar keine Regung im Hintergrund mehr sichtbar ist, doch Spiel mir das Lied vom Tod reiht sich ein bei den Titeln der letzten Monate, die allesamt stark prozessiert wurden. Die neue Blu-ray lässt das Filmkorn nur mehr erahnen, was oft in einem unschön moskitoschwarmartigen Look endet, der auch stehende Rauschmuster enthält. Das wirkt gerade im laufenden Film mitunter ablenkender als die organische und deutliche Körnung der alten Blu-ray. Wer nun auf möglichst glatte und moderne Bilder steht, wird hier sicherlich glücklich. Ob das bei einem klassischen Western, der seine Anhänger vorwiegend bei Fans des traditionelleren Kinos haben wird, aber goutiert wird, sei mal dahingestellt. Im Bewegtbild fällt das leider oft noch gravierender auf, als es bei Standbildern der Fall ist. Läuft Claudia Cardinale nach knapp 27 Minuten über den Bahnsteig, wirkt ihr Antlitz arg maskenhaft. Auch im Close-up scheint die Zeichnung verlorenzugehen, obwohl hier vom Ursprung mehr Auflösung vorliegen sollte. Und das ist ja durchaus der Fall. Schaut man sich das Gesicht und den Hut von Cardinale bei 27’17, bzw. 27’00 neue BD an, so wirkt ihr Antlitz softer und weniger scharf (Zeichnung auf den Lippen, Hautschattierungen etc.), während gleichzeitig die Details am Hutband deutlich besser zu erkennen sind – eine sehr zwiespältige Angelegenheit, die den Fans einer authentischen Reproduktion des Filmmaterials vermutlich erneut ein “es wäre so viel mehr drin gewesen” entlocken wird. Vor allem Hintergründe wirken jetzt sehr oft gemalt, aquarellig, was dem Film die Weite und das Natürliche nimmt. Das ist mal weniger schlimm, mal furchtbar. So sieht die Szene bei 135’36/135’19 nun wirklich aus wie ein Aquarellbild. Auch Holzplanken von Pferdeanhängern sind nun bisweilen zu glatt. Die Oberflächenstruktur, die Holz nun mal hat und die man bei der alten Blu-ray erkennen kann, macht unmissverständlich klar: Fährt man mit der blanken Hand darüber, ist es durchaus möglich, sich mal einen Splitter in die Finger zu ziehen. Ebendiese Holzoberflächen wirken nun bis auf 1000er-Feinschliff angeglichen und so sanft, dass man obiger Gefahr auf jeden Fall entgehen würde. Aber ist das wirklich noch authentisch?
Kommen wir zur Farbgebung, so sieht man hier primär folgende neue Nuancen: gelb und orange. War eine Wagenplane bei Lichteinfall in einer Scheune über die alte Blu-ray schmutzig grau-weiß, so ist sie nun gelblich betont, mit einem Hang zum Orange (33’13 alte BD, 32’56 neue BD). Auch Hautfarben erscheinen nun orangebetonter. Da die neue Blu-ray aber szenenabhängig zusätzlich sehr stark aufhellt, wirkt das immer wieder unglücklich (110’21 neue BD). Szenen eines IB-Prints legen nahe, dass die jetzt wärmere Fassung, bzw. das neue Grading sehr viel näher am Originallok ist, die Unterschiede sind mitunter so extrem, dass all jene, die von der alten BD kommen, zunächst irritiert sein dürften. Neben einer teils starken Aufhellung von Gesichtern hat die Steigerung der Bilddynamik allerdings auch zur Folge, dass helle Oberflächen sichtbarer ausreißen als über die alte Blu-ray (weißes Kleid bei 20’33).
In der Folge einige Screenshotvergleiche, die ich nicht allesamt kommentiere, die aber einen guten Eindruck der Unterschiede vermitteln. Die Timecodes muss ich leider nachliefern.


Blu-ray neu (Slider ganz nach links): Beim Grading der Blu-ray fallen einem allerdings erst einmal die Augen aus der Höhle. Das mag näher am Original sein, sieht über die Blu-ray aber schon sehr orangelastig aus.


Blu-ray neu (Slider ganz nach links): Die neue Blu-ray scheint die Körnung praktisch komplett getilgt zu haben. Die Details im Steppengras werden außerdem matschiger. Schaut man sehr genau auf die Körnung, so sieht diese im Muster immer noch identisch aus, wirkt aber viel weiter im Hintergrund.


Blu-ray neu (Slider ganz nach links):


Blu-ray neu (Slider ganz nach links): Close-ups sehen tatsächlich softer aus. Man sieht weniger Hautunebenheiten und feine Fältchen. Der Bartschatten ist weicher. Sollte die alte Blu-ray nicht nachgeschärft sein (wonach sie nicht aussieht), ist die neue BD hier nicht besser.


Blu-ray neu (Slider ganz nach links):


Blu-ray neu (Slider ganz nach links):


Blu-ray neu (Slider ganz nach links): Die neue Blu-ray ist hier viel zu hell, die Hautfarben schweinchenrosa und die Haut wirkt arg soft.


Blu-ray neu (Slider ganz nach links): Durch die Aufhellung und die Prozessierung ist die neue Blu-ray hier sehr gewöhnungsbedürftig.


Blu-ray neu (Slider ganz nach links): … gut zu sehen hier bei den Wolken, die von der alten Blu-ray noch neutralweiß geliefert wurden.


Blu-ray neu (Slider ganz nach links): Farblich ist in diesem Shot von Claudia Cardinale die neue Blu-ray noch nicht komplett im Orange.


Blu-ray neu (Slider ganz nach links): Das kann die neue BD sichtlich besser. Aber: Es bleibt eines der wenigen Elemente, wo man ernsthaft mehr Auflösung erkennen kann.


Blu-ray neu (Slider ganz nach links): …


Blu-ray neu (Slider ganz nach links): Der Auflösungsvorsprung ist extrem gering. Man sieht ein kleines bisschen definiertere Muster auf dem Stuhl. Aber schon im Kerzenständer und beim Kronleuchter mag man kaum Differenzen erkennen.


Blu-ray neu (Slider ganz nach links): Die neue BD ist hier nicht definierter. Zudem überzeichnet sie etwas mehr.


Blu-ray neu (Slider ganz nach links): … fällt auf, dass Körnung dann eben doch Bildinhalt ist. Denn die alte Blu-ray wirkt hier nicht nur authentischer, sondern auch weniger matschig.


Blu-ray neu (Slider ganz nach links): … ist gut erkennbar, dass die neu BD glatter und digitaler wirkt.


Blu-ray neu (Slider ganz nach links): Sehr deutlich unterschiedlich ist’s über die neue BD.


Blu-ray neu (Slider ganz nach links):


Blu-ray neu (Slider ganz nach links): Nee, irgendwie nicht.


Blu-ray neu (Slider ganz nach links): Dieses Bild könnte man sich gut an die Wand hängen und für gemalt halten.


Blu-ray neu (Slider ganz nach links): Aquarelloptik pur.


Blu-ray neu (Slider ganz nach links):


Blu-ray neu (Slider ganz nach links): Die neue Blu-ray verschweigt beides zwar nicht komplett, aber doch deutlich erkennbar.

Der deutsche Ton der bisherigen Blu-ray von Spiel mir das Lied vom Tod ist auch der deutsche Ton der neuen Blu-ray (und der 4K UHD Blu-ray). Und der liegt in Dolby Digital Mono vor, das auf die beiden Mainspeaker gedoppelt wurde. Für sich genommen ist der Mono-Sound erstaunlich gut gealtert. Man hört (außer während einer kurzen etwas dumpferen Sequenz) keine großen tonalen Schwankungen. Vor allem nicht im Soundtrack, was man vorrangig bei den Mundharmonikatönen schmerzlich erfahren würde und unangenehmes Rauschen fällt ebenso nicht auf. Einzig hochfrequente Sounds sind bisweilen anstrengend. Der nach neun Minuten einfahrende Zug pfeift schon sehr unangenehm spitz. Vergleicht man das mit der (neuen) in Mono restaurierten Originalfassung, bleibt diese dort ausgeglichener und angenehmer. Allerdings leidet diese unter einem hörbaren Mangel an Dynamik. Demgegenüber bietet die deutsche Version erstaunlich viel Pfund bei den Schüssen aus den Pistolen – für eine Mono-Tonspur ohne LFE-Kodierung wird hier ordentlich Druck erzeugt. Die Dialoge der herausragenden Synchro sind allzeit gut verständlich, leiden mitunter aber unter einem hörbaren Zischeln (ab 15’57). Insgesamt eine gut hörbare Tonspur, wenngleich es natürlich immer besser gegangen wäre.

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- Dieser Artikel hat Deutsche Sprache und Untertitel.
Bild- und Tonqualität UHD

Spiel mir das Lied vom Tod wurde von Kameramann Tonino Delli Colli mit Arriflex 35 und wohl auch mit Mitchell BNC Kameras auf 35-mm-Film aufgenommen. Allerdings gibt es eine Besonderheit, denn gedreht wurde in Techniscope, einer „Variante“ des Superscope-Formats. Entwickelt wurde das Verfahren von der italienischen Abteilung von Technicolor. Techniscope nutzt im Gegensatz zu anderen Verfahren nur die Hälfte des Filmnegativs und belegt dadurch auf der Bildhöhe nur zwei anstelle der sonst üblichen vier Perforationslöcher. Entsprechend sparsam konnte man mit dem Filmmaterial umgehen. Ein weiterer Vorteil: Man konnte herkömmliche Objektive verwenden und musste keine teuren anamorphotischen Optiken mieten. Im Kopierprozess wurde das Bild dann auf die normale Größe vergrößert und erst dort anamorphotisch verzerrt, sodass die Vorführkopie wie eine CinemaScope-Kopie durch den Projektor laufen konnte. Aufgrund der Verwendung von normalen Optiken galten Techniscope-Aufnamen trotz der kleineren Ausgangs-Bildfüllung als schärfentiefer und zeichnungsreicher als CinemaScope-Aufnahmen. Das liegt darin begründet, dass für den gleichen horizontalen Blickwinkel bei anamorphotischer Aufnahme die doppelte Brennweite wie bei Techniscope erforderlich ist, was die Schärfentiefe verringert. Für den 4K-Prozess bedeutete das allerdings auch, dass weniger Bilddichte für den 4K-Scan vorlag, als es bei herkömmlichem 4-Perforations-Filmmaterial der Fall ist. Entsprechend (und das zeigt sich in der Praxis tatsächlich) dürften Auflösungsunterschiede gegenüber der auf dem gleichen Scan basierenden neuen Blu-ray gering ausfallen. Ein weiterer Fakt kommt hinzu: Ausgehend vom Negativ wurden Vorführkopien per Technicolor DYE-Transfer erstellt. Das spezielle Verfahren bediente sich entsprechender Farbfilter, um Farbmatrizen zu erstellen. Dieses Verfahren resultierte tatsächlich in einer Reduzierung des Filmkorns, das ursprünglich auf dem Negativ war. Möglich, dass man diesen Look imitieren wollte, was die starke Rauschminderung zum Teil erklären könnte.
Paramount scannte 2018 in 4K vom Original-Techniscope-Material und gradete die Disk mit HDR10 und Dolby Vision sowie einem im Rahmen von Rec.2020 erweiterten Farbraum. Dies geschah in Kooperation mit L’Immagine Ritrovata und der Film Foundation.

Im laufenden Bild zeigt sich die 4K-Fassung gegenüber der neuen Blu-ray in einem Punkt klar im Vorteil: Der sehr gelb-orange betonte Look der Blu-ray ist zugunsten einer wieder etwas bräunlicheren Stimmung gewichen. Wenn man ein neues Color Grading gegenüber der alten Blu-ray gut finden möchte, dann jenes der HDR-Scheibe. Denn sie wirkt auf Oberflächen wie dem staubigen Boden differenzierter, knallt nicht so orangelastig und erscheint viel natürlicher. Gleichzeitig ist auch sie dennoch intensiver als die neutral gestaltete, farblich entsättigte alte Blu-ray. Von der Reduktion des Orange/Gelb profitieren auch Gesichter, die nun wieder natürlicher, gleichzeitig aber kräftiger gebräunt erscheinen als über die bisherige BD. Genauso hatten sich viele Fans den Film vom Grading her gewünscht. Außerdem zeichnet die UHD Blu-ray aufgrund des etwas dunkleren Masterings besser durch. Überstrahlungen vermeidet sie weitestgehend und sie holt auch arg misslungene Shots der neuen Blu-ray (wie das Gesicht bei 110’21) wieder auf den Boden der genießbaren Tatsachen zurück. Dass hier mehr Auflösung zugrunde liegt und nativ genutzt werden kann, sieht man allerdings nur bei sehr genauem Hinschauen. Oft fällt der höhere Detailgrad dem Techniscope-Verfahren zum Opfer und liefert in Cardinales Hutband nur erkennbaren Vorsprung, wenn man seine Adleraugen aktiviert. Die 4K-Disk zeigt sich aber in einem anderem Punkt eher im Nachteil. Und das könnte der Tatsache geschuldet sein, dass man die 165 Minuten Film auf einen 66-GB-Rohling gepresst hat. Entsprechend rutscht die Datenrate des Bildstroms schon mal auf 17 Mbps ab und bleibt im Schnitt mit 25 – 35 Mbps eher auf dem Niveau einer durchschnittlichen Blu-ray. Der HEVC-Codec mag effizienter sein, aber auch ihm sind Grenzen gesetzt. Und das wirkt sich gelegentlich aufs Encoding aus. Die ursprüngliche Filmkörnung ist unterdrückt und minimiert nach wie vor im Hintergrund erkennbar und sieht auch hier sehr oft identisch aus wie jene der alten Blu-ray. Auch die UHD Blu-ray offenbart aber ungleichmäßige und moskitoschwarmartige, stehende Rauschmuster wie schon die neue Blu-ray. Allerdings gesellen sich gegenüber der Blu-ray vereinzelt auch noch clusterhafte Ansammlungen weicher Anteile dazwischen. Nur selten einmal hat der Himmel das gleichmäßigere Encoding erwischt und wirkt homogener über die Fläche als über die Blu-ray. Allerdings sieht man die Körnung aufgrund der dunkleren Abstimmung wieder etwas deutlicher, was dem filmischen Eindruck eher entgegenkommt. Dennoch: Wenn man Wert auf eine authentische Reproduktion der analogen Körnung legt, zieht auch die 4K-Disk gegenüber der alten BD den Kürzeren. Denn immer wieder sehen Einstellungen schmierig und aquarellig aus, was einen dann kurzfristig aus dem Filmgenuss holt. Es bleibt ein sehr ambivalenter Eindruck, der das kräftigere, passendere und schönere Grading hat, aber im nachträglichen Management der Körnung bisweilen zu weit geht.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … bringt die UHD Blu-ray wieder Braun und Differenzierung zurück. Sie sieht vom Grading her deutlich stimmiger aus.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Tatsächlich sieht man die Körnungsreste bei der Blu-ray vor allem aufgrund der hohen Helligkeit nicht so sehr. Reduziert man die Sättigung und den Kontrast, sieht das, was hier an Körnung übrig ist, eigentlich sehr ähnlich aus. Gegenüber der alten Blu-ray aber gedämpfter, weiter im Hintergrund.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … weit angenehmer aus als über die neue Blu-ray.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … ist die UHD Blu-ray allerdings nicht detailreicher als die Blu-ray.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … reduziert die UHD Blu-ray das Rosa wieder und erscheint gelungener.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … liefert sie aber auch nicht.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … bei der HDR-Scheibe deutlich minimiert.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … sieht man, dass die Punkte und Striche sowie das Muster auf der Krempe ETWAS definierter sind. Aber viel Unterschied ist das wirklich nicht.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … der UHD Blu-ray gegenüber der regulären Blu-ray.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … zeichnet die 4K-Disk besser durch.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … ist die UHD Blu-ray auf der Plane plastischer und weniger orangebetont.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … sieht man hier ganz dezente Auflösungsvorteile auf den Ziegeln.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):

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- Limitierte Collector's Edition
Bonusmaterial

UPDATE: Wie soeben bei den ersten Besitzern der Collector’s Edition bekannt wurde, liegt dieser nicht die neue, remasterte Blu-ray bei, die ich hier noch als Pressemuster zum Review bekam. Da auf der Rückseite der Box aber neue Extras angekündigt sind, die nun, da die alte Blu-ray beigelegt wurde, nicht mehr verfügbar sind, muss es sich um einen Bestückungsfehler handeln.
Das Bonusmaterial liegt komplett auf der neuen Blu-ray vor. Die 4K-Disk enthält nicht mal die Audiokommentare – von denen es zwei gibt. Einen bestreiten die Moderatoren des Spaghetti-Western-Podcasts, der Zweite liefert unter anderem Kommentare von John Carpenter, John Milius oder dem Filmhistoriker Sir Christopher Frayling. Beide Kommentarspuren kommen ohne deutsche Untertitel. Die fünf/sechs Featurettes, die sich ebenfalls im Bonusmaterial befinden, sind untertitelbar, bieten bis auf das neu produzierte Erste aber “nur” bekannte Einblicke in die lange Historie und die profunde Bedeutung des Films im Genre. Zu Wort kommen hier vor allem Darsteller des Films (unter anderem Claudia Cardinale).
Fazit
Spiel mir das Lied vom Tod gehört zu den Western, die man gesehen haben muss. Selbst, wenn man kein Fan des Genres ist. Künstlerisch stimmt hier dermaßen viel, dass man oft aus dem Staunen nicht herauskommt, wenn man das Werk beim Schauen etwas reflektiert. Kameraarbeit, Filmscore, Regie – das hier ist schon hohe Filmkunst. Da verzeiht man es, dass die Story eigentlich ein bisschen „von der Stange“ ist. Während die neue, vom HDR auf SDR konvertierte Blu-ray aufgrund zu krasser Orangefärbung keine gute Wahl ist, hinterlässt die 4K UHD Blu-ray einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits liefert sie ein tolles Grading, das den Film in einer Weise zeigt, wie man ihn vermutlich zuletzt mit guten Kopien im Kino gesehen hat. Und hier hat sie der neuen Blu-ray wirklich einiges voraus. Auf der anderen Seite ist das Management der Körnung über weite Strecken zu aggressiv geraten und hinterlässt gerade bei Hintergründen oft einen schmierigen, arg weichen und leblosen Eindruck, während Close-ups nicht relevant schärfer sind als bei der alten Blu-ray (was vermutlich am Techniscope-Ausgangsmaterial liegt). Gesichter werden zwar insgesamt nicht so wachsig wie zuletzt bei True Lies, aber filmisch-authentisch sieht leider anders aus.
Timo Wolters
Bewertung
Bildqualität BD (alt): 70%
Bildqualität BD (neu): 60%
Bildqualität UHD: 70%
Tonqualität BD/UHD (dt. Fassung): 65%
Tonqualität BD/UHD (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 80%
Film: 100%
Anbieter: Paramount Home Entertainment
Land/Jahr: Italien/USA 1968
Regie: Sergio Leone
Darsteller: Charles Bronson, Claudia Cardinale, Henry Fonda, Jason Robards, Frank Wolff, Gabriele Ferzetti, Keenan Wynn, Jack Elam,
Tonformate BD alt: dts-HD-Master 5.1: en // Dolby Digital 2.0 (Mono): de
Tonformate BD neu/UHD: dts-HD-Master 5.1: en // Dolby Digital 2.0 (Mono): de
Untertitel: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 165
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD-66
Real 4K: Ja (4K DI)
High Dynamic Range: HDR10, Dolby Vision
Maximale Lichtstärke: keine Angabe
FSK: 16
(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots liegt bei Anbieter: Paramount Pictures)
*Affiliate-Links sind mit * gekennzeichnet. Für Einkäufe über diese Affiliate-Links erhalten wir eine Provision. Für den Käufer entstehen keine Mehrkosten. Infos zum Datenschutz findet ihr hier.
So testet Blu-ray-rezensionen.net
Die Grundlage für die Bild- und Tonbewertung von Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays bildet sich aus der jahrelangen Expertise im Bereich von Rezensionen zu DVDs, Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays sowie Tests im Bereich der Hardware von Unterhaltungselektronik-Komponenten. Gut zehn Jahre lang beschäftigte ich mich professionell mit den technischen Aspekten von Heimkino-Projektoren, Blu-ray-Playern und TVs als Redakteur für die Magazine HEIMKINO, HIFI TEST TV VIDEO, PLAYER oder BLU-RAY-WELT. Während dieser Zeit partizipierte ich an Lehrgängen zum Thema professioneller Bildkalibrierung mit Color Facts und erlangte ein Zertifikat in ISF-Kalibrierung. Wer mehr über meinen Werdegang lesen möchte, kann dies hier tun —> Klick.
Die technische Expertise ist aber lediglich eine Seite der Medaille. Um stets auf der Basis von aktuellem technischen Wiedergabegerät zu bleiben, wird das Testequipment regelmäßig auf dem aktuellen Stand gehalten – sowohl in puncto Hardware (also der Neuanschaffung von TV-Displays, Playern oder ähnlichem, wenn es der technische Fortschritt verlangt) als auch in puncto Firmware-Updates. Dazu werden die Tests stets im komplett verdunkelbaren, dedizierten Heimkino angefertigt. Den Aufbau des Heimkinos könnt ihr hier nachlesen —> Klick.
Dort findet ihr auch das aktuelle Referenz-Gerät für die Bewertung der Tonqualität, das aus folgenden Geräten besteht:
- Mainspeaker: 2 x Canton Reference 5.2 DC
- Center: Canton Vento 858.2
- Surroundspeaker: 2 x Canton Vento 890.2 DC
- Subwoofer: 2 x Canton Sub 12 R
- Heights: 4 x Canton Plus X.3
- AV-Receiver: Denon AVR-X4500H
- AV-Receiver: Pioneer SC-LX59
- Mini-DSP 2x4HD Boxed
Das Referenz-Equipment fürs Bild findet ihr wiederum hier aufgelistet. Dort steht auch, wie die Bildgeräte auf Norm kalibriert wurden. Denn selbstverständlich finden die Bildbewertungen ausschließlich mit möglichst perfekt kalibriertem Gerät statt, um den Eindruck nicht durch falsche Farbtemperaturen, -intensitäten oder irrigerweise aktivierten Bild”verbesserern” zu verfälschen.
- Panasonic DMP-UB900
- Panasonic DP-UB824EGK
- Panasonic TX-55GZW954
- Apple 4K TV
- LG 65G39LA
- Epson EH-TW9400
- HDMI-Kabel: Audioquest Forest-Serie