Blu-ray Review

OT:

Ins Netz gegangen
Nicht in allem, was nach Mad Max aussieht, ist auch Mad Max drin.
Inhalt
Die nicht allzu ferne Zukunft. Weite Teile der Menschheit wurden von einem Virus namens The Black Lung ausgelöscht, nachdem sie zuvor ziemlich degenerierten. Während die Städte von einem Zusammenschluss bestimmter Minenfirmen beherrscht wird, warten außerhalb der Mauern marodierende Banden und Terroristen – genannt Schakale. Dennoch müssen gewisse Versorgungs- und Schmuggelstrecken aufrecht erhalten werden. Deke hat lange für Gangster Lazlo gearbeitet, doch die letzte Fahrt durch das Ödland, das von allen nur The Grid genannt wird, ging schief. Und weil Lazlo unbedingt eine gewisse Fracht transportiert haben möchte – welche das ist, ist natürlich streng geheim – muss sich Deke seinen widerwilligen Bruder Jesse schnappen und die Fuhre antreten. Kaum aus den Mauern raus, gibt’s die erste tödliche Begegnung. Und dabei soll es nicht bleiben …
In Zeiten eines Coronavirus schaffen es sogar günstig produzierte Filme wie Supergrid – Road to Death, einen gewissen real-beängstigenden Hintergrund zu erzeugen. Ganz offensichtlich von Filmen wie Mad Max inspiriert, versucht der kanadische Filmemacher Lowell Dean (WolfCop) ein Endzeitszenario zu entwickeln, dessen abgewirtschaftete Umgebung zunächst aber schlicht aussieht wie ein x-beliebiger Schrottplatz.
Die Dauer-Lautsprecherdurchsagen wollen ein bisschen SciFi-Flair verströmen, während die vordergründige Story eine Art Ein ausgekochtes Schlitzohr vor apokalyptischem Hintergrund ist. An sich bestimmt keine schlechte Idee, wenn da nicht das unfassbar hölzerne Schauspiel, die dilettantische Regie und die ungelenk inszenierten Actionszenen wären. Da sieht man förmlich, wie die Protagonisten in den Nebenrollen nur darauf warten, “tot” umzufallen. Wer immer hier im Schneideraum saß: Das war nichts.
Dazu gibt’s Dialoge aus der dunkelsten Dunkelkammer der 80er-Jahre-Action-B-Movies und zwei Helden, die so sympathisch sind wie Sackläuse. Deren Schicksal ist dem Zuschauer durchweg schnurzpiepegal, was es ihm einfacher macht, sich auf die skurrilen Nebenfiguren zu konzentrieren. Da gibt’s immerhin einen bösewichtigen Schurken-Auftraggeber, der aussieht wie Michael Wendler vor dem morgendlichen Fönen seiner Haare. Außerdem eine asiatische Punker-Göre, die mehr Eier in der Hose hat als alle Gangster zusammen und agiert als wolle sie Grace Jones im grimmig Dreinschauen übertrumpfen.
Den Outlaws geht’s allerdings auch nicht großartig anders. Da darf eine melonengesichtige Matschbirne vor dem überreifen Zerplatzen mit einem Jutesack über dem Kopf auf einem Motorrad durch die Gegend fahren und so tun, als führe sie mit wahnsinniger Geschwindigkeit. Für den Zuschauer sieht’s eher nach Kriechgeschwindigkeit auf einem Mofa aus. Und das ist noch der charismatischste Widersacher im Grid.
Immerhin gibt es zünftigen Splatter – hier und da sogar handgemacht. Oft jedoch auch leider per CGI realisiert, was ebenso billig aussieht wie die reinkopierten Explosionen und die Sets.
Hatte ich schon von den Dialogen aus der hintersten 80er-Jahre-Schmuddelecke gesprochen? Kostprobe gefällig?
“Es kommen immer weniger von euch Fickern hier vorbei”
Oder auch:
“Hey, Augen auf die Straße”
“Ich döse nur etwas”
“Ja, ist aber kein Wellness-Wochenende” – Gääääähn. Das war ungefähr 1982 mal witzig. Zumal Supergrid sich durchaus ernst nimmt.
Bei so viel testosterongeschwängerter Atmosphäre ist es dann auch kaum verwunderlich, dass die Kerle alle so breitbeinig rumlaufen als wären sie John Waynes Cousins.
Wenn es wirklich einen geckigen Typen gibt, dann ist es Owl. Dessen Rolle ist angenehm überzeichnet. Vielleicht sollte Regisseur Dean mal einen Film nur über ihn drehen. Vielleicht wäre das dann auch überraschender als der Storytwist, den jeder Genrefan schon zum Start der Mission errät.
Bild- und Tonqualität
Supergrid fällt durch sein sehr ruhiges und stabiles Bild auf, das zweifelsohne digitaler Herkunft ist. Allerdings leiden Bewegungen unter deutlichen Unschärfeeffekten und Close-ups sind nur selten wirklich scharf. Recht passend geraten die Farben, die das apokalyptische Szenario in gelb-braune Töne hüllen. Der Kontrastumfang passt in den helleren Szenen. Sobald es dunkler wird, fehlt es an knackigem Schwarz.
Akustisch ist Supergrid leider vor allem in der deutschen Synchro nicht gelungen. Das liegt zum einen an den wenig professionellen Sprechern, vor allem aber an der teils nicht synchronen Vertonung von Action-Elementen. Die ersten Schüsse nach etwas über 20 Minuten liegen völlig daneben. Zwar besser sich das später, echte Dynamik will dennoch nicht aufkommen. Wechselt man auf die Originalspur, gibt’s wenigstens punktgenaue Schüsse und besser klingende Dialoge. Letztere sind aber zu leise eingepegelt und echte Dynamik hört man hier ebenfalls nicht.
Bonusmaterial
Supergrid kommt ohne echtes Bonusmaterial aus. Vorhanden sind nur die Originaltrailer und einige Programmtipps.
Fazit
Wo ist Mad Max, wenn man ihn braucht? Supergrid – Road to Death klaut schamlos bei zahlreichen Genrevertretern und erschafft daraus weder etwas Eigenes, noch eine originelle Abwandlung der Vorbilder. Die Figuren sind durchweg unsympathisch, das Setting lässt erkennen, wie billig gefilmt werden musste und Regisseur Lowell Dean sollte sich in puncto Action noch mal Nachhilfe nehmen.
Timo Wolters
Bewertung
Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 50%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 10%
Film: 40%
Anbieter: Tiberius Film
Land/Jahr: Kanada 2018
Regie: Lowell Dean
Darsteller: Leo Fafard, Marshall Williams, Natalie Krill, Jonathan Cherry, Amy Matysio, Tinsel Korey, Fei Ren, Daniel Maslany, Jay Reso
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 82
Codec: AVC
FSK: 16
(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Tiberius Film)
Trailer zu Supergrid – Road to Death