Blu-ray Review

OT: The Patriot

Für die Unabhängigkeit, für die Familie
Emmerichs bald 20 Jahre altes Schlachten-Epos erscheint auf Ultra-HD Blu-ray.
Inhalt

1776 auf dem Land in South Carolina: Benjamin Martin hat sich seine Kriegssporen bereits verdient und gegen Franzosen und Indianer gekämpft. Nun lebt er zurückgezogen mit seiner großen Familie auf einer Farm und hat der Gewalt abgeschworen. Dass die britischen Rotröcke seit einem Jahr in der neuen Welt wüten, kümmert ihn nicht. Obschon hoch geachtet, kann man ihn nicht dazu bewegen, als Stratege in den Krieg gegen die Kolonialherren zu ziehen. Dann jedoch wird einer seiner jüngeren Söhne vor seinen Augen von William Tavington, einem britischen Colonel, erschossen. Und das nur, weil der Junge seinen älteren Bruder vor dem Zugriff der Rotröcke schützen wollte. Außerdem brennen die Briten Martins Farm ab und machen seine Familie zu Obdachlosen. Nun handelt Benjamin. Gemeinsam mit zwei weiteren Söhnen befreien sie den Ältesten aus der britischen Gefangenschaft und rekrutieren nach und nach Freischärler. Ihre Strategie ist es, der Mann-gegen-Mann-Taktik des George Washington den Rücken zu kehren und einen zermürbenden Guerillakrieg zu verfolgen. Sein Ziel: Die Vertreibung der Engländer und die Rache an Tavington …

Roland Emmerich, deutsche Regie-Kind aus Stuttgart, hatte sich seit 1985 seine Sporen in Hollywood verdient und vier Jahre vor diesem Kriegsgemälde mit Independence Day einen der erfolgreichsten Filme der damaligen Zeit überhaupt abgeliefert. Dass er immer schon tief in die Pathos-Kiste griff und mindestens so patriotisch filmt wie ein Michael Bay – das wusste man nicht erst seit albernen Einzeilern wie “Er ist für sein Land gestorben”. Auch die Tatsache, dass er den Präsidenten höchstselbst in einen Kampfjet steckte, sorgte in seiner alten Heimat eher für Belustigung.
Aber was soll’s. Denn den Amerikaner scheint es zu gefallen, dass ein Deutscher deren Star-Spangled-Banner hisst und Alien per Arschtritt zurück ins All befördert. Zur Jahrtausendwende klotzte der Stuttgarter dann aber richtig ran. Nicht weniger als eine Episode des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs wollte er inszenieren und engagierte dafür gleich mal Mr. “ich habe ein schweres Gewaltproblem” Mel Gibson als Hauptdarsteller. Dass der irischstämmige Amerikaner bis auf wenige Ausnahmen fast ausnahmslos in brutalen oder wahlweise blutigen Filmen vor und hinter der Kamera auftritt, prädestinierte ihn geradezu für die Rolle des nach Rache suchenden Familienvaters, der mal eben den Unabhängigkeitskrieg im Alleingang zu entscheiden sucht.

Und weil Gibson in Der Patriot ohnehin seine Rolle als William Wallace in Braveheart nur variieren und den Kilt ausziehen musste, wähnt man sich immer wieder auf schottischen Hügeln und nicht auf den Ebenen der amerikanischen Südstaaten.
Doch man sollte Braveheart nicht allzu viel Böses, denn die Klasse des fünffach oscarprämierten Historien-Dramas erreicht Emmerichs Hurra-Patriotismus-Film zu keiner Zeit. Nicht nur kümmert sich der Stuttgarter nicht um historische Fakte, sondern vermischt das Ganze gleich mit fiktiven Rachemotiven. Der amerikanische Unabhängigkeitskrieg dient Der Patriot nur als Hintergrund für eine etwas an den Haaren herbeigezogene Story. Und die füllt Emmerich auch noch mit zahlreichen Subplots, die den Film gerade im Extended Cut (der NICHT Bestandteil der UHD ist) bisweilen arg in die Länge ziehen. So ist die Love-Story zwischen Ledgers Gabriel und seiner Anne reißt immer wieder ins Kitschige aus und die Dialoge – naja …
Da hält man sich dann lieber an die famosen Auseinandersetzungen auf dem Feld, die aus heutiger Sicht natürlich viel Verwunderung bewirken – warum um alles in der Welt stellte man sich in einer Reihe auf und wartete auf den Schießbefehl, um dann Auge in Auge aufeinander zu feuern?
Aber so war es nun mal. Und Emmerichs Gigantismus funktioniert bei den Szenen auf dem Feld wirklich gut. Hier darf er mal ganz viel Übersicht beweisen und die beiden Parteien in Reih und Glied marschieren lassen. Diese epischen Momente retten Der Patriot am Ende und machen zumindest diese Szenen zu spannender Unterhaltung. Hätte man das Ganze auf 120 Minuten gekürzt und zumindest ein paar der belanglosen Dialoge weggelassen, wär’s aber noch schöner gewesen.
Bild- und Tonqualität BD

Da die Blu-ray von Der Patriot hier nicht enthalten ist und nur die Ultra-HD geliefert wird, muss die Bild- und Tonbewertung der BD an dieser Stelle entfallen.
Allerdings attestierten viele Rezensenten der Silberscheibe seinerzeit vor gut zehn Jahren Referenzcharakter. Dass man das heute anders sehen sollte und sogar muss, zeigt der Vergleich zur UHD im nächsten Kapitel.
Bild- und Tonqualität UHD

Der Patriot stammt aus dem Jahr 2000. Selbstredend hatte Roland Emmerich seinerzeit analog gefilmt – und zwar mit Panavision-Kameras auf 35mm Film. Davon wurde ein 4K Scan angefertigt und über ein 4K Digital Intermediate auf die UHD gebannt. Es handelt sich also (vermutete VFX, die in 2K gerendert wurden ausgenommen) um eine native 4K-Scheibe.
Die Blu-ray ist, wie oben erwähnt, nicht im Set enthalten, was für Back-Katalog-Titel von Sony nicht verwunderlich ist (siehe: The Amazing Spider-Man: Rise of Electro). Dennoch lieferte diese seinerzeit angeblich Referenzwerte und wurde als Vergleich auch an dieser Stelle herangezogen.
Der UHD spendierte man natürlich auch einen im Rahmen von Rec.2020 erweiterten Farbraum sowie die höhere Bilddynamik – hier nach dem regulären HDR10-Standard.
Im Bild zeigt sich, dass die Blu-ray nach heutigen Maßstäben furchtbar aussieht. Mit massiv überzogenen Farben, brutaler Überkontrastierung und drastischen Überschärfungen ging sie seinerzeit auf Kundenfang und lullte offenbar auch viele Kritiker ein, die sie wirklich gut bewerteten.
Schon der erste Wechsel zur UHD macht aber klar, wie gut Der Patriot wirklich aussehen kann. Das neue Color Grading passt wesentlich besser zur Szenerie und reduziert die gelb übertünchten Wiesen und Bäume, macht sie wieder grün. Noch stärker fiel diese gruselige Überhöhung sämtlicher Parameter bei Gesichtern auf, die allesamt Gelbsucht zu haben scheinen. Die Ultra-HD bietet nun natürliche Gesichtsfarben und nähert sich deutlich dem ursprünglichen Filmlook.
Der Kontrastumfang ist aufgrund der dramatischen Stimmung der Blu-ray nur schwer vergleichbar. Subjektiv hat die UHD eher eine geringere Dynamik – aber das heißt im Angesicht solcher Bilder der Blu-ray (unten) ja gar nichts. Ingesamt gesehen wirkt die UHD sehr harmonisch und homogen. Sie ist im laufenden Bild bei hellen Szenen die um Welten bessere Alternative. Lediglich in dunklen Sequenzen sumpft sie etwas ab und nicht jede Einstellung von Halbtotalen ist auch knackig scharf. Das liegt letztlich aber eher am Ausgangsmaterial, bei dem der Fokus ab und an nicht perfekt ist. Die ursprüngliche Filmkörnung wurde konserviert und zeigt sich durchaus deutlich – gerade Hintergründe wie der blaue Himmel zeugen davon. Glattgebügelt sähe das aber auch nicht schön aus, weswegen das so schon passt.
Gegenüber der Blu-ray ist vor allem das massive Überschärfen behoben worden. Die UHD wirkt subjektiv sogar weniger knackig, was aber ein Trugschluss ist. Denn alles, was die BD scheinbar so plastisch darstellt, resultiert aus Überschärfungen und Überkontrastierungen – inklusive entsprechender Artefakte.
Mit gutem Gewissen kann man sagen, dass die UHD ihr Geld absolut wert ist und der Blu-ray in allen Belangen überlegen.




UHD (Slider ganz nach links): Die UHD reduziert auch hier und neutralisiert die Hauttöne sichtbar. Zwar ist sie im Vergleich eine Spur zu dunkel, doch insgesamt ist das das wesentlich angenehmere Bild.


UHD (Slider ganz nach links): Das gleiche Bild wie im Screenshot zuvor: Die 4K-Scheibe beseitigt alle überzogenen Anteile durch das komplett neue Color Grading.


UHD (Slider ganz nach links): Die UHD lässt die Uniformen in einem kräftigeren, aber nicht überstrahlenden Rot erscheinen. Sie wirkt schlicht natürlicher in den Farben, ist aber auch hier einen Hauch zu dunkel.


UHD (Slider ganz nach links): Die UHD reduziert sämtliche Überkontrastierungen, liefert satteres, aber nicht überzogenes Rot und verliert nur dezent Detailtiefe in den dunklen Bereichen.


UHD (Slider ganz nach links): Homogener und vor allem knackig-schwarz in der Schrift – die UHD wirkt zwar auf den ersten Blick und im direkten Vergleich weicher, liefert aber in der Tat mehr Details und Detailtreue als die Blu-ray.

Typisch für Anbieter Sony Pictures in Deutschland ist leider auch die Politik, bei den älteren Titeln des Hauses, die weltweite UHD-Scheibe ohne verlustfreien deutschen Ton beizulegen. Zwar gab es von Der Patriot auch auf Blu-ray keine dts-HD-Fassung, jedoch eine losless PCM-5.1-Variante. Für die UHD blieb dann nur die auch von der Blu-ray bekannte Dolby-Digital-Spur übrig.
Allerdings schlägt sich diese für eine DD-Fassung durchaus respektabel. Gerade auf dem Schlachtfeld geht die Post ab, wenn der deutsche Sound im Rahmen einer Dolby-Digital-Bewertung nahezu mustergültig dynamisch und effektvoll ist.
Wer noch mehr vom Sound haben möchte, der wechselt aber auf die englische Fassung, für die man dem Film nachträglich (neben der enbefalls enthaltenen dts-HD-MA-Spur) einen Atmos-Mix gegönnt hat. Der kommt mit einer True-HD-Kodierung daher und beginnt sehr lebhaft aus der oberen Ebene mitzuspielen. Ein bisschen zu lebhaft, wenn man die anfängliche Filmmusik nimmt, die beinahe genauso laut aus der Höhe herabschallt, wie sie auf der regulären Ebene unterwegs ist. Außerdem fragt sich, was genau die Hühner- und Pferdegeräusche da “oben” zu suchen haben, wenn Benjamin seinen Schaukelstuhl ausprobiert. Korrekt allerdings sitzen die Stimmen während des traditonellen Fests nach zehn Minuten, da diese von den oberen Balkonen kommen (10’04). Während der Sitzung, die über Krieg und Frieden entscheidet, hört man etwas Stimm-Wirrwarr aus den Höhenlautsprechern, was dem Hall des großen Raumes geschuldet sein könnte, kurz darauf knallen dann die Gewehre hörbar in der Luft (15’50. 17’28). Klasse ist das in der Ferne zu hörende Donnergrollen der Kanonen, die davon künden, dass der Krieg praktisch vor der Haustür stattfindet (ab 22’00). Und als der NOCH näher kommt, ist nicht nur über die reguläre Ebene die Hölle los, sondern auch rundherum – ein tolles, immersives Kriegs-Schauspiel akustischer Natur (ab 24’30). Wobei es bei den Kamera-Naheinstellungen dann zu dick wird. Denn während man die Musketen frontal sieht, sollte deren Knallgeräusch nicht aus der Höhe kommen. – genauso wenig, wie das Durchschreiten der Mais-Pflanzen. Hier hat man es mit dem “nach oben mischen” etwas zu gut gemeint.
Sehr natürlich und präsent sind die Geräusche der Vögel im Wald, die für Naturatmosphäre sorgen (34’20) und zeigen, dass auch dezente 3D-Sounds wirksam sein können.
Der sich daran anschließende Schusswechsel ist zwar erneut sehr präsent aus der Höhe, hat dort aber visuell eigentlich auch nichts verloren.
Wenn’s das erste Mal aufs echte Schlachtfeld wechselt, hätte man das Querflöten-Marschkapellen-Gedudel zwar nicht an die Decke mischen müssen, aber die ständig umhersausenden Kanonen klingen dort schon klasse und erweitern das Soundfeld wirklich prächtig.
Bis zum Schluss ändert sich dann nicht mehr viel. Immer wenn die Action regiert, gibt’s von oben Unterstützung und das reguläre Surroundfeld lässt dazu kaum eine Chance ungenutzt, das Heimkino mit direktionalen Effekten und dickem Bass zu unterstützen.
Bonusmaterial

Zunächst noch einmal das Wichtigste: Der Extended Cut ist entgegen anders lautender Vorabinformationen auf der Ultra-HD NICHT enthalten. Lediglich die Kinofassung wurde integriert.
Dafür kommt die UHD aber mit dem bekannten Bonusmaterial daher: Angefangen mit sechs entfernten Szenen, die auch über einen Begleitkommentar verfügen über den Audiokommentar mit Emmerich und Produzent Dean Devlin bis hin zu zwei Featurettes und einem VFX-Vergleich. In “Die Kunst des Krieges” gibt’s einen Mix aus der Erklärung der damaligen Kriegsführung und der Umsetzung dessen im Film. “Die wahren Patrioten” kümmert sich noch etwas mehr um die historischen Hintergründe, stellt aber auch die Arbeit an den Kostümen und dem Make-up noch etwas vor – beide Featurettes laufen etwa zehn Minuten.
Fazit
Der Patriot ist Emmerichs unverhohlenes Bekenntnis an das Land, das er mehr zu ehren scheint als jenes aus dem er stammt. Mit Inbrunst wedelt er mit der US-Flagge und tränkt seinen Film dazu mit Lagerfeuer-Romantik. Das muss man inhaltlich schon mögen, wenn man sich nicht nur auf die teils wirklich tollen Bilder konzentrieren möchte. Die Schlachten indes sind wirklich sehenswert und werden über die UHD nun auch mit einem Bild belohnt, das dem der Blu-ray so deutlich überlegen ist, wie bisher kaum eine andere 4K-Scheibe ihrem BD-Vorgänger.
Der englische Atmos-Sound schöpft schon auf der regulären Ebene aus dem Vollen und langt auch von den Height-Speakern aus ordentlich zu. Das ist zwar nicht immer korrekt verortet, liefert aber abseits des bloßen “Hochmischens” wesentlich mehr dedizierte und spektakuläre Effekte als Spielbergs Soldat James Ryan.
Timo Wolters
Bewertung
Bildqualität BD: 60% (BD nicht enthalten. Wertung bezieht sich auf die noch verfügbare BD des Ext. Cut)
Bildqualität UHD: 80%
Tonqualität UHD (dt. Fassung): 85% (im Rahmen einer Dolby-Digital-Wertung)
Tonqualität BD/UHD 2D-Soundebene (Originalversion): 90%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Quantität (Originalversion): 80%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Qualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 50%
Film: 60%
Anbieter: Sony Pictures Entertainment
Land/Jahr: USA 2000
Regie: Roland Emmerich
Darsteller: Mel Gibson, Heath Ledger, Joely Richardson, Jason Isaacs, Chris Cooper, Tchéky Karyo, Rene Auberjonois, Tom Wilkinson, Adam Baldwin
Tonformate UHD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): en // dts-HD-Master 5.1: en // DD 5.1: de
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 165
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Real 4K: Ja (4K DI)
High Dynamic Range: HDR10
FSK: 16
(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots liegt bei: © 2000 Global Entertainment Productions GmbH & Co. Movie KG. All Rights Reserved.)
