Blu-ray Review / Disney+

OT: Luca

Phantomflossler
Pixars jüngster Film nimmt uns auf eine Zeitreise ins Italien der 50er Jahre.
Inhalt

Die italienische Riviera am Ende der 50er Jahre: Luca ist ein kleiner Junge aus dem Meer. Ein Seeungeheuer, wie man ihn vielleicht nennen würde. Seine Eltern erziehen ihn in dem Glauben, dass er besser nicht an die Oberfläche des Meeres taucht, um von den Menschen nicht entdeckt zu werden. Immerhin würden diese ihn bestimmt jagen. Das allerdings hält Luca nicht davon ab, sich immer wieder an die Oberfläche zu träumen. Dass das dann jedoch schneller passiert als er denkt, liegt am ungestümen Alberto. Der ist ein Unterwasserwesen wie Luca auch. Aber eher so der draufgängerische Typ. Und Alberto weiß: Wenn die Meereskreaturen an Land gehen, werden sie äußerlich zu einem ganz gewöhnlichen Menschen. Keine Schuppen mehr, keine Kiemen und kein Schwanz. Keine Dinge, die von den Menschen als abnormal erkannt würden. Zumindest solange es nicht regnet. Aber wann soll es schon regnen, an der italienischen Riviera? Kaum an Land überredet Alberto Luca, gemeinsam die Welt zu bereisen. Doch dafür braucht’s ein Fortbewegungsmittel. Eine Vespa zum Beispiel. Die könnte man bezahlen, wenn man beim lokalen Portorosso Triathlon gewinnt. Der allerdings wird beherrscht vom fiesen Ercole, der das Rennen schon fünfmal gewonnen hat. Gut, dass die Zwei auf Giulia treffen, ein aufgewecktes Mädchen, das Ercole schon lange mal eine Lektion erteilen wollte. Als Trio wird man zu besten Freunden und ist sich sicher, dass man den Wettbewerb gemeinsam gewinnen kann …

Pixar ist wirklich nicht zu beneiden – jedenfalls nicht in den letzten zwei Jahren. Da das Animationsstudio stets mit einem Film pro Jahr plant und das prinzipiell auch nicht verschieben kann, um keinen internen Stau zu verursachen, war man gezwungen, bereits Onward – Keine halben Sachen kurz nach dem Beginn der Covid-19-Pandemie zu starten. Das Resultat: Lediglich 100 Mio. Dollar weltweiter Umsatz aufgrund der reduzierten Kinoauswertung standen am Ende unter dem Strich. Und das lag nicht am Film, denn Onward gehört wahrlich nicht zu den schwächeren Pixars. Soul, der ein Jahr später ausgewertet wurde, startete dann bereits bei Disney+ und nur in solchen Ländern im Kino, die nicht über Disneys Streamingplattform zugreifen können. Das vermied zwar einen finanziellen Reinfall weitgehend, aber gerade dieser, sehr cineastische Film hätte flächendeckend ins Kino gehört. Was besonders schade ist: Es fehlte den Filmen an Präsenz, an Marketing und damit an der Diskussion in der Öffentlichkeit. Früher warfen Pixar-Filme ihre Schatten weit voraus. Die Kinofans konnten sich lange freuen auf die Animationsfilme des Studios. Und Werken wie Wall:E, Up oder die Monster-AG fieberte man wirklich noch entgegen. Heute kommt plötzlich ein Luca auf Blu-ray heraus und man reibt sich ungläubig die Augen: Ist der wirklich von Pixar? War der im Kino? Wo kommt der auf einmal her? Ja, Luca ist von Pixar. Und vielleicht einer der luftigsten und lockersten Filme des Studios überhaupt. Regie führte hier Enrico Casarosa, der bei Pixar bereits 2012 eine Oscarnominierung einheimsen konnte – und zwar für den Kurzfilm La Luna. Dort wurde auf fantasievolle Art erzählt, wie ein Trio aus Arbeitern dafür sorgte, dass aus dem Vollmond ein Sichelmond wurde. Seitdem wissen wir also alle, wie genau das funktioniert. Man lernt ja nie aus. Casarosa, der selbst an der italienischen Riviera aufwuchs, lässt in seinen beiden Hauptfiguren sehr enge Bezüge zu seiner eigenen Autobiografie einfließen. So basiert die Hauptfigur Luca tatsächlich auf Casarosa selbst und dessen Freund Alberto auf Casarosas bestem Freund aus Jugendtagen, Alberto Surace. Der Regisseur hatte Alberto seinerzeit kennen gelernt, als er selbst eher schüchtern war und sich von dem draufgängerischen und extrovertierten Alberto angezogen fühlte. In Luca verarbeitet er die eigene Kindheit und Jugend als Coming-of-Age-Story vor malerischem Hintergrund und mit überbordender Fantasie. Innerhalb der Coming-of-Age-Geschichte geht es um Freundschaft und um die Akzeptanz der Andersartigkeit. Während das im Film die Akzeptanz der Meereskreaturen ist, steht das in der Realität natürlich für all jene Menschen, die ein bisschen aus dem Rahmen fallen und die abseits ihrer Andersartigkeit doch liebenswerte Wesen sind. Klingt simpel und ein bisschen abgegriffen? Mag sein. Aber es ist eine Botschaft, die ebenso verständlich ist, wie sie überall verstanden wird. Abseits der universellen Botschaft ist Luca natürlich aber auch höchst unterhaltsam und streut immer wieder tolle Gags sein. Beispielsweise, wenn Alberto Luca die Harpune zuwirft und bittet, sie mal kurz zu halten. Was oberhalb des Wassers hätte ins Auge gehen können, wird unter der Meeresoberfläche plötzlich zu einem coolen Zeitlupeneffekt im Stile der Matrix-Filme. Auch die ersten Gehversuche (im wahrsten Sinne des Wortes) an Land werden super witzig und mit einer Spur Slapstick umgesetzt. Großartig auch, wenn Lucas Eltern an Land gehen und erstmalig feststellen, dass sie ein menschliches Äußeres annehmen. Zwar ist die Gagdichte nicht so hoch wie bei anderen Pixars, aber dafür gibt’s eine Menge italienisches Flair. Die italienische Küste bildet den Hintergrund für die Liebe zu Pasta, Vespa & Co. Die belebten Plätze der typischen Küstenstädtchen, die walrossartigen Schnäuzer der Herren und die engen Gassen mit Kopfsteinpflaster – visuell ist das wirklich klasse. Da verzeiht man dann auch, dass das Freundschaftsmotiv am Ende etwas pathetisch daherkommt. Übrigens: Luca ist nicht nur in den Kinos von Covid-19 betroffen gewesen, sondern auch in der Produktion selbst. Denn er ist der erste Pixar-Film, der größtenteils im Home-Office entstand. Notwendigerweise, denn das Pixar-Hauptquartier war während der Pandemie lange Zeit geschlossen. Insofern hat Pixar dann doch wieder Glück im Unglück. Denn ein Real-Live-Action-Film ist im Home-Office nur sehr schwer vorstellbar.

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Bild- und Tonqualität

Trotz Home-Office-Produktion hat man Luca in 4K-Auflösung gerendert. Die Datenmengen, die da teilweise hin- und hergeschickt werden mussten, waren sicherlich nicht gering. Schade allerdings, dass man bei den Pixar-Titeln zuletzt (und auch hier) auf eine UHD Blu-ray-Veröffentlichung in Deutschland verzichtet, während das Ausland hier teilweise mit 4K-Scheiben bedacht wird. Knöpfen wir uns also “nur” die Blu-ray vor. Und obwohl Luca unter Wasser beginnt und man dem Film deshalb einen ganz leichten Weichzeichner verpasst hat, damit die von Plankton und Tiefenunschärfen dominierte Landschaft authentisch wirkt, ist man direkt erfreut über die Farbenpracht. Luca selbst ist mit seinem grünen Gesicht und den blauen Haaren bereits prächtig kontrastiert. An Land bestimmen dann warme Rot- und Orangetöne das Geschehen. Das sieht so toll aus, dass augenblickliches Urlaubsfeeling hergestellt wird. Das Grün der Blätter und Wiesen ist so saftig, dass man sofort mit nackten Füßen im Gras versinken möchte und das Blau des Himmels ist so tief, dass man sich darin verliert. Wenn in Traumsequenzen ein gelblicher 50er-Jahre-Postkarten-Stil dazu kommt, passt das perfekt in die Zeit und sieht aus wie Fotoaufnahmen aus dieser Zeit heute manchmal erscheinen. Möglicherweise hat man sich das auch gedacht, als man dem Bild grundsätzlich eine leichte Körnung verpasste. Der typisch glatte Look anderer Pixarfilme wird hier ein wenig verändert. Allerdings nie in einer störenden Art und Weise. Zumal trotz des leichten Analog-Looks die farbliche Brillanz des Films nicht verloren geht. Dennoch: Eine 4K-Scheibe mit HDR und erweitertem Farbraum wäre toll gewesen. Auch bei der Filmmusik trifft Luca immer den richtigen den Ton. Beginnend mit einem italienischen Folkloresong aus den 50ern wechselt die Stimmung unter Wasser auf melancholischere, aber nicht weniger reizvolle Klänge, die in der Akustikgitarre dennoch das italienische Flair nicht vermissen lassen. Dort, also unter Wasser, klingen die Dialoge zunächst etwas bedämpft, was natürlich auch für Geräuscheffekte gilt, die authentisch kurz angebunden sind – beispielsweise, wenn Luca mit einem Stein auf einen großen Stein ritzt. Sobald das Geschehen an die Meeresoberfläche wechselt, sind Geräusche und Stimmen so klar wie sie sein müssen. Disney-typisch geht’s hier allerdings nicht sonderlich dynamisch zu. Vornehmlich während der Musikstücke gibt’s mal etwas Basseinsatz und wirkliche Dynamik ist eher ein Fremdwort. Hier und da werden mal ein paar Surroundeffekte eingestreut – beispielsweise ein vorbeifahrendes Fahrrad, das leise anbrandende Meerwasser oder der Regen im Finale. Allerdings ist in Summe erstaunlich wenig los, auf den Surrounds und das maßgebliche Geschehen spielt sich ausschließlich auf der Front ab. Man muss leider auch hier sagen, dass Disney sich immer wieder dem familienfreundlichen Ton ohne große Dynamik zu verschreiben scheint.

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Bonusmaterial
Das Bonusmaterial kümmert sich zunächst um die italienische Inspiration(en) für den Film. Wir hören, wie der Regisseur von seiner Kindheit erzählt und sehen, wie einige der beteiligten Pixar-Mitarbeiter mehrfach nach Italien reisten, um dort die Atmosphäre aufzusaugen. “Seeungeheuer im Verborgenen” erzählt dann von den Problemen, vor die man sich gestellt sah, den Wechsel von Mensch zu Seeungeheuer und zurück zu vollziehen. “Beste Freunde” nimmt dann noch mal Bezug auf die Motive, die Regisseur Casarosa aus seiner eigenen Kindheit einfließen ließ. Hier kommen dann auch die Original-Synchronsprecher zum Einsatz und man fragt die Filmbeteiligten, ob sie eher ein Luca, ein Alberto oder eine Giulia wären. Sieben entfernte Szenen runden das Material ab.
Fazit
Luca mag nicht die erzählerische Tiefe anderer Pixars haben und ein wenig konventionell von Freundschaft und Akzeptanz des Andersartigen erzählen, doch das tut er in wunderschönen Bildern mit liebenswerten Charakteren. Die Blu-ray bietet dazu ein wirklich prächtiges Bild, das zwar ein leichtes Rauschen offenbart, was aber zur Atmosphäre beiträgt. Alleine der Ton ist (erneut) etwas schwachbrüstig.
Timo Wolters
Bewertung
Bildqualität: 95%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 60%
Film: 80%
Anbieter: Walt Disney Studios
Land/Jahr: USA, Italien 2020
Regie: Enrico Casarosa
Sprecher: Francisco Palma Galisch, Oskar Hansch, Marie Düe, Giovanni Zarrella, Ranja Bonalana
Tonformate: dts HD-Master 7.1: de // Dolby Digital Plus 7.1: de
Bildformat: 1,85:1
Laufzeit: 95
Codec: AVC
FSK: 0
(Copyright der Cover und Szenenbilder: © 2019 Disney/Pixar. All Rights Reserved.)
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Trailer zu Luca
So testet Blu-ray-rezensionen.net
Die Grundlage für die Bild- und Tonbewertung von Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays bildet sich aus der jahrelangen Expertise im Bereich von Rezensionen zu DVDs, Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays sowie Tests im Bereich der Hardware von Unterhaltungselektronik-Komponenten. Gut zehn Jahre lang beschäftigte ich mich professionell mit den technischen Aspekten von Heimkino-Projektoren, Blu-ray-Playern und TVs als Redakteur für die Magazine HEIMKINO, HIFI TEST TV VIDEO, PLAYER oder BLU-RAY-WELT. Während dieser Zeit partizipierte ich an Lehrgängen zum Thema professioneller Bildkalibrierung mit Color Facts und erlangte ein Zertifikat in ISF-Kalibrierung. Wer mehr über meinen Werdegang lesen möchte, kann dies hier tun —> Klick.
Die technische Expertise ist aber lediglich eine Seite der Medaille. Um stets auf der Basis von aktuellem technischen Wiedergabegerät zu bleiben, wird das Testequipment regelmäßig auf dem aktuellen Stand gehalten – sowohl in puncto Hardware (also der Neuanschaffung von TV-Displays, Playern oder ähnlichem, wenn es der technische Fortschritt verlangt) als auch in puncto Firmware-Updates. Dazu werden die Tests stets im komplett verdunkelbaren, dedizierten Heimkino angefertigt. Den Aufbau des Heimkinos könnt ihr hier nachlesen —> Klick.
Dort findet ihr auch das aktuelle Referenz-Gerät für die Bewertung der Tonqualität, das aus folgenden Geräten besteht:
- Mainspeaker: 2 x Canton Reference 5.2 DC
- Center: Canton Vento 858.2
- Surroundspeaker: 2 x Canton Vento 890.2 DC
- Subwoofer: 2 x Canton Sub 12 R
- Heights: 4 x Canton Plus X.3
- AV-Receiver: Denon AVR-X4500H
- AV-Receiver: Pioneer SC-LX59
- Mini-DSP 2x4HD Boxed
Das Referenz-Equipment fürs Bild findet ihr wiederum hier aufgelistet. Dort steht auch, wie die Bildgeräte auf Norm kalibriert wurden. Denn selbstverständlich finden die Bildbewertungen ausschließlich mit möglichst perfekt kalibriertem Gerät statt, um den Eindruck nicht durch falsche Farbtemperaturen, -intensitäten oder irrigerweise aktivierten Bild”verbesserern” zu verfälschen.
- Panasonic DMP-UB900
- Panasonic DP-UB824EGK
- Panasonic TX-55GZW954
- LG OLED55CX9LA
- Epson EH-TW9400
- HDMI-Kabel: Audioquest Forest-Serie