Blu-ray Review


OT: Gisaengchung


Aus Zitronen Limonade machen
Hier kommt der frischgebackene vierfache Oscargewinner.
Update: 01.05.2020: Nachdem bei meinem Review damals auffiel, dass PARASITE zunächst ohne HDR auf die Disk gelangte, wurden bald Austauschdisks ins Aussicht gestellt. Diese wurden mittlerweile längst verschickt.
Deshalb gibt’s in meinem Review auch ein Update mit Screenshots für den Vergleich zwischen BD und UHD – nun MIT HDR.
Inhalt

Familie Kim lebt bescheiden. Naja, eher runtergekommen. Irgendwo in einem schummrigen Souterrain in der großen Stadt müssen Aushilfsjobs herhalten, um überhaupt über die Runden zu kommen – und wenn es das Falten von Pizzakartons ist. Als wäre das alles noch nicht schlimm genug, hat nun auch noch die Nachbarin über ihnen das zuvor offene WLAN passwortgeschützt. Einen Funken Restempfang eines öffentlichen WLANs findet Sohn Ki-woo noch – direkt neben dem winzigen Klo.
Aufwärts scheint es zu gehen, als er außerdem einen Job als Nachhilfelehrer der reichen Schülerin Da-hye Park annimmt. Wie es der Zufall will, suchen die Parks auch noch eine Kunst-Unterstützerin für den begabten kleinen Sohn Da-song. Und wie es der Zufall will, ist Ki-woos Schwester Ki-jung ziemlich gut in kreativer Kunst. Nach und nach schafft Ki-woo es, seine ganze Familie bei den Parks einzuschleusen. Und die Kims werden immer unersetzlicher für die Parks. Doch dann geschieht etwas, mit dem auch die Kims nicht gerechnet haben …
(Mediabook A, UHD, Blu-ray, Bonus-Blu-ray)

Parasite ist schon ein kleines Phänomen: Goldene Palme von Venedig, Golden Globe für den besten fremdsprachigen Film und je ein Oscar© für den besten Film und den besten nicht englischsprachigen Film (was für sich genommen schon eine bisher einmalige Sensation ist) – nimmt man die bisher rund 200 Preise, die Parasite gewonnen hat, dürfte man annehmen, dass Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Bong Joon Ho gerne so langsam mal wieder einen faulen Abend auf der Couch verbringen würde. Denn zwischendurch dürften die Termine zu Preisverleihungen und Festivals des Öfteren miteinander in Kollision gestanden haben.
Selbst wenn der Lohn von sensationellen 204 Mio. Dollar weltweitem Einspiel (Stand Ende Februar 2020) üppig ausfiel, gehen einem die immer gleichen Fragen von Journalisten sicherlich irgendwann auf die Nerven.
Es ist aber auch unheimlich, wenn man bedenkt, dass Parasite auf einzelnen Filmbewertungs-Plattformen derzeit sogar Der Pate von der Spitzenposition verdrängen konnte (Quelle).
Bong Joon Ho kam die Idee zu seinem Drehbuch 2013 während der Dreharbeiten zu Snowpiercer. Ursprünglich wollte er die Erfahrungen, die er als Nachhilfelehrer für einen Jungen aus gutem Haus gesammelt hatte, in ein Bühnenstück verarbeiten.
Im Laufe der Zeit (und mit dem Zutun von Co-Autor Jin Won Han) formte sich aber immer mehr eine filmische Geschichte heraus. Eine Geschichte, die Bong Joon Ho vom südkoreanischen Genreklassiker Hanjo – Das Hausmädchen beeinflusst sieht. Im 1960er Film führt die Anstellung eines Haus- und Kindermädchens zur Zerstörung einer Familie, nachdem der Hausheer eine Affäre mit der jungen Frau beginnt.

Diese Grundidee mixt der Regisseur mit einigen realen Geschehnissen und verdichtet sie in seinem Parasite zu einem atmosphärisch packenden Mix aus so unterschiedlichen Genres wie Drama, schwarze Komödie, Thriller und Home Invasion. Die unterliegenden Hauptthemen Klassenunterschied und soziales Ungleichgewicht werden an der Oberfläche schon deutlich, wenn man sich die Inhaltsangabe durchliest. Aber auch visuell und inszenatorisch macht der Film klar, welche Klasse wo (die Armen im Souterrain/Keller, die Reichen in prunkvollen Häusern) lebt und welche Wohnumstände dort jeweils herrschen. Geld siegt hier eindeutig über Sicherheit und gesundheitsgefährdende Lebensumstände. Die Kritik am Kapitalismus ist dabei allgemeingültig, selbst wenn der Film in Korea noch spezifischere Jugendthemen anspricht und noch dazu eine unverhohlene Kritik am Lifestyle der USA, bzw. der Hörigkeit der Südkoreaner gegenüber dem US-Konsum.
Sensationell gut ist dabei die Verwebung von Setdesign und Kameraarbeit. Man weiß von der ersten Minute an, dass die Kims in einem Drecksloch leben. Das Klo auf einer halben Etage höher gelegt kann man nur in gebückter Haltung erklimmen, die Habseligkeiten haben kaum Platz in der klaustrophobisch engen Wohnung und die Tatsache, dass ständig Betrunkene in die offenen Fenster der Halbkeller-Wohnung urinieren, verdeutlicht den sozialen Stand der Kims.
Ganz anders die Parks. Sie leben etwas höher gelegen innerhalb von dicken Mauern und Toren, abgesichert durch Kameras in einer kleinen Oase mitten in der Stadt. Ihr Garten gleicht einer kleinen Wohlfühloase und im Wohnzimmer könnte man auch Fußball spielen.
Das ist aber nur der visuelle Aspekt. Inhaltlich spielt sich das Arm gegen Reich und Reich gegen Arm über den Geruch ab. In einer Schlüsselszene bekommt Vater Kim mit, wie Vater Park ganz offen den Gestank kritisiert, der angeblich von Kim ausgeht. Einen Geruch, das weiß Kim, den er nie wird ablegen können. Einen Geruch, der die Kluft zwischen ihm und Park offenbart und der so eklatant zu sein scheint, dass Park – so respektvoll wie er Kim zunächst gegenüber tritt – sich in einem Moment der Ehrlichkeit darüber beschwert.

Das Szenario selbst filmt Kameramann Kyung-pyo Hong so smart, dass es visuell ein echter Genuss ist. Ob das die tollen Bildkompositionen sind, in denen das Innere des Hauses der Parks fast geometrisch dargestellt wird oder die teils aus der Vogelperspektive geschilderten Bilder im Finale.
Aber auch die Kameraeinstellungen der Figuren nehmen das Thema des Films auf. Bisweilen sieht man den jeweils anderen aus der Hinter-der-Kopf-Position seines Gegenübers. Allerdings nicht vollumfänglich, sondern nur im Anschnitt – so als würden die Figuren zu verschmelzen beginnen und ihre Positionen tauschen – eine glänzende Arbeit von Kyung-pyo, der schon in Snowpiercer mit Bong Joon Ho zusammengearbeitet hatte (und dort ebenfalls fantastische Arbeit ablieferte).
Das Besondere an Parasite ist aber neben dem Setting auch seine unglaublich gekonnte Mixtur aus Drama, Thriller und Humor. Besonders zu Beginn gibt’s immer wieder witzige Situationen. Ob es die offenen Fenster während der Schädlingsbekämpfungs-Dämpfe sind oder die fast schon slapstickartigen Ungeschicklichkeiten von Vater Kim. Erstaunlich westlich ist diese Art von Humor, während die brüsken Kommandos von Mutter Kim eher den fernöstlichen Witz übermitteln.
Schwarz und schwärzer wird der Humor dann, wenn Bong Joon Ho uns nach gut einer Stunde die erste faustdicke Überraschung präsentiert. Von da an zieht gleichzeitig die Spannungskurve an und lenkt den Film in eine ganz andere Richtung. Gleichermaßen bleibt man aber am Geschehen und möchte unbedingt wissen, wie es denn jetzt mit den Kims und den Parks weitergeht. Schwierig steht’s um Parasite nur dann, wenn man ihm Fragen bezüglich des Realismus stellt – und das gar nicht darauf bezogen, dass es so einfach scheint, sich in die reiche Familie einzuschleusen. Vielmehr fällt es schwer, wirklich zu glauben, dass dieses Quartett, das sich zunächst nicht gerade vornehm und organisiert darstellt, den Haushalt der Parks ebenso perfekt schmeißt wie die langjährigen Vorgänger. Das ist ein Punkt, an dem Parasite sicherlich einige Zuschauer verliert. Gleichsam droht ein anderes Problem für eine Zweiteilung der Zuschauer in Pro und Contra. Denn während man anfänglich durchaus auf der Seite der Kims stand und ihnen schon gönnte, auch ein wenig von den Früchten der Reichen zu essen, steht der Film vor dem letzten Drittel schon mal kurz vor der Schwelle, den Kontakt zu den Hauptfiguren zu verlieren. Auch mit dem überraschenden Finale wird das nicht unbedingt besser. Und es wird auch Kritiker geben, denen das Schicksal der vier Kims am Ende etwas absurd wirkt. Doch wer Parasite mal sacken lässt. Wer ihm mal einen Tag des Wirkens gönnt. Und wer ihm dann noch mal nachspürt. Der wird merken, dass es gerade diese absurden Momente sind, die den Übergang der so unterschiedlichen Genres am Ende so gelungen werden lassen.
Bild- und Tonqualität BD

Parasite zeigt sich im Bild auf internationalem Top-Niveau. Seine volldigitale und hochaufgelöste Herkunft (siehe nächstes Kapitel) kann der Oscar-Gewinner kaum verleugnen. Vor allem Close-ups sowie nächtliche Szenen liefern eine tolle Schärfe und Auflösung in der Tiefe (Anfang Kapitel zwei). Dort kann sich auch der Kontrastumfang wirklich sehen lassen. Schwarz ist knackig, helle Bereiche bleiben definiert und es säuft praktisch nichts ab. Das dezente Korn, das man hinzugefügt hat, lässt den Film etwas schmuddeliger, gleichzeitig authentischer erscheinen. Zumal es sich sehr im Rahmen hält und auf zwei Meter Entfernung schon kaum mehr auffällt. Ein paar Minuten weiter im Film sehen wir eine kleinen asphaltierten Hügel – einmal von oben nach unten gefilmt, einmal anders herum. Beide Einstellungen bieten eine dermaßen gut aufgelöste Tiefe, dass man hier schon fast die UHD vermutet (12’20). Eine phänomenale Schärfe gibt’s dann beim Filmen des Lehrbuches nach 15’50. Jedes einzelne Wort, das im Fokus der Kamera liegt, lässt sich perfekt ablesen. Die Farbgebung in der Souterrain-Wohnung ist ein wenig gelbgrünlich, was zum Ambiente der armen Familie und ihrer Lebenssituation gut passt. Im Haus der Parks wird das Geschehen neutraler dargestellt, gut zu erkennen an den kalten, grauen Betonwänden. Parasite kommt mit dts-HD-Master-Spuren in 5.1 für beide Sprachen. Vorzüglich gelingt dessen Räumlichkeit und Aufgelöstheit beim kongenialen Score. Gerade die sanfteren Instrumente wie Glöckchen werden fein und detailliert wiedergegeben. Gleichermaßen wird Schlagwerk im Raum verteilt. Aber auch Umgebungsgeräusche passen. Wenn des Nachts ein Bus hinter Ki-woo entlangfährt, braust dieser perfekt ortbar über die Surrounds. Sogar der Subwoofer wird bisweilen aktiviert. Erstmals, wenn nach 13 Minuten das Anwesen der Parks betreten wird. Aber auch nach gut einer Dreiviertelstunde, wenn ein Gewitter grollend vom kommenden Regen verkündet. Gleichzeitig kommen immer wieder Stimmen sehr griffig aus den unterschiedlichen Speakern.
Highlight ist sicherlich der heftige Regenfall nach etwas über 90 Minuten, der das Heimkino mal so richtig flutet. Die Dynamik hingegen entsteht meist aus dem Score, der in den dramatischen Szenen sehr stark aufbrandet und die Schere aus lauten und leisen Passagen maßgeblich öffnet.

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- Dieser Artikel hat Deutsche Sprache und Untertitel.
Bild- und Tonqualität UHD
WICHTIGE INFO:
Wie von mir einleitend zunächst beschrieben, kam die UHD ohne HDR und Rec.2020.
Dies war ein Fehler seitens des Masterings. Die Anbietern Koch Films und Capelight Pictures bieten aber eine Austauschdisk an, die ab sofort bereits zum Versand bereit ist. Solltet ihr also noch über eine UHD verfügen, die ohne HDR gemastert wurde, könnt ihr euch nach wie vor an parasite@kochfilms.de wenden, um einen Austausch in Gang zu bringen. Dafür sendet bitte ein Foto eures Kaufbelegs und eure Adresse per Mail an obige Adresse.

Wie oben bereits beschrieben, basiert Parasite auf volldigitalen Aufnahmen aus einer ARRI-Alexa-65-Kamera. Diese zeichnet in 6.5K auf, was glücklicherweise über ein 4K DI gemastert und so auch auf die UHD kam. Um die teils engen Räumlichkeiten formatfüllend zu filmen, kamen bisweilen Weitwinkel-Objektive zum Einsatz, die allerdings glücklicherweise keine Randunschärfen verursachten.
Wie während des Reviews (siehe oben) auffiel, musste die Erstauflage der UHD aufgrund eines Fehlers beim Mastering ohne einen im Rahmen von Rec.2020 erweiterten Farbraum und ohne eine höhere Kontrastdynamik auskommen. Jetzt allerdings werden nur noch die neuen Fassungen mit HDR10 Rec.2020 ausgeliefert. Für den deutschen Markt teilen sich hierbei Capelight Pictures und Koch Films die Auswertungsrechte mit je einem Mediabook in unterschiedlichen Covern. Nun ist also nicht mehr “nur” die Auflösung sichtbar besser sondern auch der Kontrasteindruck. Zwar liefert die Blu-ray bei der Auflösung schon sehr gute Werte, kommt aber mit der Feinauflösung in Details und bei Totalen nicht mit. Die UHD liefert hier absolute Referenzwerte, was feine Linien, Feinheiten bei Schriften und Darstellung von Details auf Gesichtern und in den Haaren angeht. Zudem ist die Körnung sichtbar feiner, was das Bild in Summe ruhiger und noch rauschärmer darstellt. Aufgrund der um ca. 2/3 höheren Datenrate gegenüber der Blu-ray bleibt diese Qualität dauerhaft erhalten. Aktuell ist das in Sachen Auflösung das Maß an dem sich andere Filme messen lassen müssen. Nun kommt natürlich noch HDR hinzu, was im Falle von Parasite zu weiteren positiven Parametern führt. So fallen Gesichter nun natürlicher, wärmer und etwas brauner aus, weniger gelblich. Farben bekommen bei Mischhelligkeiten etwas mehr Kraft, was grünem Blattwerk zu mehr Strahlkraft verhilft. Herausragend ist das Mastering bei dunklen Bildanteilen. Hier zeichnet die UHD besser durch als die Blu-ray, was für sichtbar mehr Details sorgt, ohne dass Schwarz unangenehm aufgehellt würde. Gerade in den Kellerszenen sorgt das für mehr sichtbare Bildanteile. Obendrauf gibt es genau in diesen Sequenzen mehr Detail-Definition in den Lampen. Man sieht deren Streben besser, ohne dass das Licht alles überstrahlt. Dennoch ist die punktuelle Helligkeit höher und prägnanter. Spitzlichter sorgen für mehr Punch und auch Reflexionen auf den blutigen Gesichtern im Finale kommen einprägsamer rüber.


UHD (Slider ganz nach links): … zwischen BD und UHD zeigten, …


UHD (Slider ganz nach links): Die UHD bietet mehr Differenzierung im Himmel und reduziert einen etwas gelblichen Anteil.


UHD (Slider ganz nach links): Das Laub hat mehr Kraft, die Differenzierung der beiden hellen Wandfarben hinten kommt besser raus und der Zaun im oberen Bereich ist satter und farbiger, ohne übertrieben zu strahlen.


UHD (Slider ganz nach links): Dennoch ist es erstaunlich, wie gut die UHD hier auflöst und wie ruhig die Leitungen im Vergleich stehen.


UHD (Slider ganz nach links): Die UHD liefert das neutralere Weiß auf dem Papier, arbeitet das Heft dreidimensionaler heraus und hat das kräftigere Braun des Tisches.


UHD (Slider ganz nach links): Die UHD ist hier klar, definiert und die Linien sind ohne jede Problematik.


UHD (Slider ganz nach links): Der UHD sind diese Treppenstufen unbekannt.


UHD (Slider ganz nach links): Zumindest im direkten Vergleich mit der UHD, die sich wärmer und natürlicher präsentiert.


UHD (Slider ganz nach links): Hier aber schlägt die UHD mit besserer Durchzeichnung zu Buche, ohne im Schwarz an Dynamik zu verlieren.
Beim Ton der UHD ändert sich nichts. Hier bleiben die beiden dts-HD-Master-Spuren der Blu-ray erhalten. Eine Dolby-Atmos-Version gibt’s nicht. Ein Hoch auf Leser Anton! Während meines Nach-Tests zur Bildqualität mit HDR fiel die Konzentration aufs Bild. Zumal weder die neue Disk in meinen Händen einen Verweis auf Dolby Atmos aufweist, noch es im Menü dargestellt wird. Man muss die koreanische Tonspur anwählen, um zu merken, dass sie mit 3D-Sound kommt. Die deutsche Tonspur bleibt identisch bei dts-HD-Master. Wer also des koreanischen mächtig ist oder aber gerne jede Art von Film im Original mit Untertiteln schaut, hat nun noch eine weitere Ebene mit Tonsignalen am Start. Jetzt wird man sich fragen, was ein derart dialogkonzentrierter Film mit der Höhen-Ebene anfängt? Zunächst einmal liefert er den einfühlsamen Score dezent und angenehm mit von den Decken-Speakern. Wenn der Betrunkene draußen rum krakeelt, gibt’s dann authentische Geräusche von ihm – immerhin lebt die Familie im Souterrain, also unterhalb seiner Bekundungen. Nach dreizehn Minuten gibt’s dann etwas Wind und Vogelgeräusche von oben. Bei 31’44 wird die Marsch-Filmmusik dann urplötzlich äußerst vehement eingesetzt, was für ein kurzes “Hallo wach” sorgt. Nach 46’18 donnert dann mal kurz ein Gewitter vorbei und bei 60’21 wird’s gar richtig gewittrig und rumpelig. Sobald es nach 66 Minuten eine Ebene tiefer geht, hört man dann authentisch gedämpftes und verhallendes Geschrei. In der Folge kommen zudem immer mal wieder dedizierte Stimmen von oben, was die Atmosphäre insgesamt durchaus steigert. Das mag am Ende in Summe nicht viel sein, wirkt aber authentisch und nachvollziehbar gemacht.







- Nach dem Gewinn der Goldenen Palme in Cannes ist PARASITE der bestbesprochene Film 2019 und klarer Oscar-Favorit
- 1,5 Millionen Zuschauer in Frankreich, der beste Pro-Leinwand-Schnitt eines Films in den USA, Kinotstart in Deutschland im Oktober 2019
- Unglaubliche 99% bei Rottentomatoes und 100% Audience Score, 8.5 bei Imdb.com
Bonusmaterial
Während die Single-Blu-ray bis auf zahlreiche Trailer und Teaser kein Bonusmaterial enthält, kommen die beiden Mediabooks mit einer Bonus-Blu-ray sowie einem 24-seitigen Booklet im Gepäck. Diese liefert einige Interviews, elf Minuten an entfernten Szenen, Grüße von den Darstellern und ein kurzes Making-of sowie ein noch kürzeres Hinter den Kulissen, bei dem etwas über das Setting des Films berichtet wird. “Keine Spoiler” ist ein Aufruf der Darsteller, die Handys während der Vorstellung auszuschalten und niemandem, der den Film noch nicht gesehen hat, etwas von den Wendungen zu verraten.
Während das erste Interview in einem Studio noch etwas steif daher kommt, ist das Q&A nach einer Vorstellung beim Filmfest München viel entspannter. Bong Joon Ho wechselt fließend von englisch nach koreanisch und erzählt freizügig wirklich witzige Anekdoten aus seinem Leben. Ein weiteres Q&A gibt’s beim TIFF (Toronto International Film Festival), das gut 16 Minuten läuft und neben Bong Joon Ho auch noch ein paar der Darsteller zu Wort kommen lässt. In “Expect the Unexpected, das Bong ebenfalls während des TIFF gegeben hat, referiert er selbst über sich und seine Arbeiten. Ebenfalls vom TIFF ist “Master Class”, das in gut einer Stunde retrospektiv über Bongs Filme referiert.
Das Booklet wurde von Kulturwissenschaftler Marco Heiter mit einem Text über die “Parasitologie” gefüllt – ein lesenswerter Beitrag!
Parasite erscheint neben der regulären Blu-ray, wie oben beschrieben, in zwei verschiedenen Mediabooks. Eines (Motiv A) kommt ebenso wie die herkömmliche Blu-ray über Koch Films, das zweite (Motiv B) wird von Anbieter Capelight Pictures vertrieben.
Fazit
Parasite ist nicht perfekt. Zwischenzeitlich ist er sogar etwas nachlässig.
Aber: Parasite ist vielschichtig, glänzend gespielt, erlesen fotografiert und unglaublich elegant inszeniert. Als Kommentar auf den Kapitalismus der westlichen Welt und als Gesellschaftssatire auf die Kluft zwischen arm und reich funktioniert Bong Joon Hos Film überdies hervorragend – selbst wenn das nicht für jeden (Mainstream)Fan unterhaltsam sein wird.
Während die Blu-ray bereits ein ganz vorzügliches und sehr scharfes Bild hat, krönt die UHD das mit sichtbar mehr Kontrastdynamik, ausgewogeneren Farben und einem nativen 4K-Bild, das in Sachen Detailauflösung als Referenz gelten darf.
Timo Wolters
Bewertung
Bildqualität BD: 90%
Bildqualität UHD: 95%
Tonqualität BD/UHD (dt. Fassung): 85%
Tonqualität BD (Originalversion): 85%
Tonqualität UHD 2D-Soundebene (Originalversion): 85%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Quantität (Originalversion): 20%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Qualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial (Mediabook): 70%
Film: 90%
Anbieter: Koch Films / Capelight Pictures
Land/Jahr: Südkorea 2019
Regie: Bong Joon Ho
Darsteller: Kang-ho Song, Sun-kyun Lee, Yeo-jeong Jo, Woo-sik Choi, So-dam Park, Jeong-eun Lee, Hye-jin Jang
Tonformate BD/UHD: dts-HD-Master 5.1: de, kor
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit:132
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD-66
Real 4K: Ja (4K DI)
High Dynamic Range: HDR10
Maximale Lichtstärke: 10.000
FSK: 16
(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots liegt bei Anbieter: Koch Films & Capelight Pictures)