Martyrs – Ultimate Horror Moview US Remake

Blu-ray Review

Tiberius Film, 05.11.2016

OT: Martyrs

 


Mit doppeltem Boden

Kann ein US-Remake des französischen Kulthorrorstreifens schlechthin überhaupt funktionieren?

Inhalt

Lucie und Anna – Der Beginn einer Freundschaft durch gute und schlechte Zeiten

Einen Monat, nachdem das junge Mädchen Lucie angeblich einem Gewalttäter entkommen ist, wurde der immer noch nicht gefunden und Lucie träumt seither stetig die bösesten Träume. Im St. Marys Weisenhaus freundet sich die etwa gleichaltrige Anna mit dem traumatisierten Mädchen an, das immer wieder von bösen Monstern spricht. Jahre später sind beide zu jungen Frauen herangewachsen und Anna erhält eines Morgens einen Anruf von Lucie. Die vermeldet, dass sie ihren Peiniger gefunden habe. Als Anna vor Ort eintrifft, liegen vier übel zugerichtete Leichen vor ihren Augen, die Lucie allesamt mit der Schrotflinte erledigt hat. Doch selbst nach diesem Akt der Vergeltung wird Anna ihre Dämonen nicht los. Bei Anna verhärtet sich der Eindruck, dass ihre Freundin tatsächlich doch wahnsinnig ist und sich die Verletzungen selbst zufügt. Doch was ist, wenn sie sich irrt ..?

Anna versucht, das kleine Mädchen aus dem Kerker zu retten

Das US-Remake des bitterbösen französischen Originals von Martyrs durften Kevin & Michael Goetz (Scenic Route) inszenieren. Sieht man mal vom Kultstatus der Vorlage ab, die schon alleine aufgrund ihrer damaligen Konsequenz und des extremen Spannungsfaktors praktisch unangetastet bleiben muss, haben die Brüder erstaunlich gute Arbeit abgeliefert. Gerade in Sachen Atmosphäre und Thrill sind schon die ersten zehn Minuten im Waisenhaus von hohem Schauerfaktor. Zu den atmosphärischen Bildern gesellen sich hier die effektiv genutzten Soundeffekte sowie die sehr stimmungsvolle Filmmusik. Gerade der Subwoofer liefert durch sein beständiges Grummeln die perfekte Unterstützung für den subtilen Horror, der von der Story und ihren düsteren Bildern ausgeht. Ebenfalls trägt zum Gelingen der Geschichte bei, dass es nur selten Zeit für Entspannung gibt und der Blut- und Schockfaktor erstaunlich hoch bleibt – und das trotz der Tatsache, dass die hier vorliegende FSK-18-Version nicht ungeschoren durch die Prüfung der FSK. Insgesamt fehlt knapp eine Minute, was allerdings nur bedingt auffällt, da die Schnitte größtenteils sauber gesetzt wurden. Ebenfalls funktioniert die Charakterentwicklung hervorragend. Schon während der Szenen in der Vergangenheit, dem Kennenlernen von Lucie und Anna, nimmt sich Martyrs Zeit und setzt sich hier schon von üblichen Horrorfilmen ab. Auch im späteren Verlauf bleibt der Fokus stets auf den zwei Freundinnen, nimmt melancholische Züge an und stimmt ein auf die Szenen, in denen sie beide noch mal extreme Erfahrungen machen müssen. Dass die Foltersequenzen im Remake weit weniger brutal ausfallen und zumeist im Off stattfinden, schadet dem Film ganz und gar nicht. Es reicht auch, wenn man vom Nachbarzimmer aus hört, wie die jeweils andere gepeinigt wird – eigentlich erreicht der Film über diese subtilen Momente sogar eine vergleichbare Wirkung, da die Bilder sich im Kopf abspielen. Natürlich geht man hier zugunsten von Tempo und Rasanz einen etwas mainstreamigeren Weg und es wird auch ein bisschen viel erklärt, wo das Original nur angedeutet hat. Immerhin muss Martyrs vornehmlich für das US-Publikum funktionieren und das hat es nun mal gerne in appetitlichen Häppchen. Dennoch und auch weil das Ende deutlich variiert wurde, findet das Remake seinen ganz eigenen, durchaus fesselnden Weg.

Unerwarteter Besuch bringt die beiden Mädchen zu Fall

Bild- und Tonqualität

Was hat man mit Lucie vor?

Erlesene, vielleicht etwas zu saubere Aufnahmen, denen etwas Körnung oder Farbfilterung für den Authentizitätseffekt noch mehr gebracht hätte, eröffnen das Bild von Martyrs. Gerade in den Rückblicken hätte man sich etwas mehr Stilisierung gewünscht. Dafür gibt’s massive Farbabstufungen auf uniformen Hintergründen, die wahrlich nicht schön aussehen (ab 4’30). Die Braunfilterung, die ab Kapitel zwei vorherrscht weicht stark vom Look des Originals ab, passt aber zur üblichen Art von US-Horrorfilmen, die irgendwo auf dem Land spielen. Bildruhe und Schärfe sind gut und homoegen über das gesamte Bild verteilt.
Akustisch nimmt der Filmscore am meisten Raum ein, während die nicht immer ganz gelungene deutsche Synchro gut verständlich aus dem Center ans Ohr dringt.
Die Schüsse aus der Schrotflinte klingen arg dünn und hätte deutlich mehr Wucht verdient (13’00).  Schön sphärisch und räumlich gelingt hingegen der außergewöhnlich gute Filmscore, der sich sanft über sämtliche Lautsprecher legt. Ein paar Jumpscares, die mehr Dynamik vertragen hätten, gibt’s noch obendrauf.

Bonusmaterial

Wird Anna entkommen können?

Im Bonusmaterial von Martyrs wurde neben den beiden Originaltrailern auch noch das Feature „Inside the Creature“ abgelegt. Hierin darf Melissa Tracy (Monster) für „Moviecops“ erklären, warum das Remake eine gute Sache ist und gerade das US-Publikum auf dieses gewartet habe.

Fazit

Man kann von Remakes halten, was man will, die US-Version von Martyrs hier gehört definitiv zu den gelungeneren Vertretern, sodass sogar die eisenharten Fans des Originals mal einen Blick riskieren sollten. Wer’s Uncut braucht, der muss sich vermutlich noch etwas gedulden und ins Nachbarland schielen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 65%
Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 65%
Bonusmaterial: 20%
Film: 70%

Anbieter: Tiberius Film
Land/Jahr: USA 2015
Regie: Kevin & Michael Goetz
Darsteller: Troian Avery Bellisario, Bailey Noble, Kate Burton, Caitlin Carmichael, Melissa Tracy, Romy Rosemont
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 85
Codec: AVC
FSK: 18 (geschnitten)

Trailer zu Martyrs

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