Vampyres – Lust auf Blut

Blu-ray Review

Vampyres - Lust auf Blut Blu-ray Review Cover
AL!VE/Donau Film, 17.02.2017

OT: Vampyres

 


Ein Toast auf die Nacht!

Blutiges Remake des 70er-Jahre-Horror-Flicks Vampyres – Lust auf Blut.

Inhalt

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Männer haben Fran und Miriam zum Fressen gerne

Fran und die jüngere Miriam wohnen auf einem klassischen und prunkvollen Anwesen. Die beiden leben allerdings nicht nur zusammen, sondern teilen sich auch Männer und Frauen gleichermaßen – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die zwei sind ein lesbisches Vampirpaar, das vorbeiziehende Männer und Frauen kidnappt, foltert und sich von deren Blut ernährt. Die glücklicheren Männer unter den Opfern bekommen zuvor noch eine leidenschaftliche Nacht spendiert und landen am nächsten Tag auf der Speisekarte. So geht es beispielsweise auch Ted, der Fran im Wald aufgabelt und nicht ahnt, dass er bald als Sex- und Blutsklave der Vampirin dienen muss. Gleichzeitig campt die junge Harriet mit zwei weiteren Freunden in der Gegend und findet das Buch „Die liebende Tote“. Fasziniert von den blutigen Schilderungen in dem Werk und angetrieben von mysteriösen Erscheinungen auf den Fotos, die sie macht, stellt sie Nachforschungen an. Doch als sie auf Fran und Miriam trifft, wünscht sie sich, sie hätte ihre Nase nicht in deren Angelegenheiten gesteckt …

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Ted scheint eine Ausnahme für Fran zu sein

1974, in einer Zeit, als der lesbische Vampirfilm seine Höhephase erreichte, inszenierte José Ramón Larraz mit Vampyres das glechnamige Original zu diesem Remake von Víctor Matellano. Beiden diente die Geschichte der ungarischen Gräfin Elizabeth Báthory, die 1611 als Serienmörderin verurteilt wurde und deshalb bis heute den Titel der „Blutgräfin“ trägt, als Vorlage. Als Pendant zu Vlad III. Drăculea dürfte Báthory verantwortlich dafür sein, dass weibliche Vampire in der Legende und im Film eine lange Tradition haben. Der Blutgräfin sagt man nach, dass sie das Blut ihrer Opfer trank und darin badete, sie teilweise auch verspeiste. Die Fran in Vampyres – Lust auf Blut ist die filmische Entsprechung der Báthory und Matellano nutzt trotz des geringen Budgets alle Stilelemente, die auch die spanischen oder britischen Genre-Pendants der 70er ausmachten: Vom altehrwürdigen Gemäuer über die Vampire in langen Kapuzenmänteln bis hin zum verwünschten Wald. Hauptelement neben dem Vampirismus ist auch in Vampyres – Lust auf Blut die Homoerotik der beiden Hauptfiguren. Die Spätsechziger waren die Zeit der Gleichberechtigung – da erscheint es nur logisch, dass Frauen sich nehmen, was sie brauchen – und das tun Fran und Miriam. Sie gehen sogar noch einen Schritt weiter und halten sich ihre Männer wie Lustsklaven. Denn dem Vampirismus wohnt eben auch immer das erotische Moment inne. Und wenn die zwei Hausherinnen in ihrer hübschen Badewanne von oben mit dem Lebenssaft eines kopfüber hängenden Opfers beträufelt werden und dabei intensive Körperlichkeiten austauschen, trifft Vampyres – Lust auf Blut genau den erotischen Ton, den Coppolas Dracula gerne gehabt hätte.

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Sie legt gerne die Fotos von Toten zu einem Puzzle zusammen

War das limitierte, im August erschienene Mediabook von Vampyres – Lust auf Blut noch ungeprüft, hat man für die Single-Blu-ray-Auswertung nun die FSK bemüht und ist ungeschoren mit einem 18er-Siegel davongekommen. Aktuell scheint die Freiwillige Selbstkontrolle moderat eingestellt zu sein. Denn zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Zeilen haben es auch zahlreiche Horror-Kulthits der 70er und 80er vom Index geschafft. Die Gewalt im Film wirkt aufgrund ihrer kunstvollen Schilderung und der Untermalung mit klassischer Musik oft wie ein Gemälde, das glatt aus der Zeit der echten Báthory stammen könnte. In diesen Szenen laufen die beiden Hauptdarstellerinnen auch zu Höchstform auf, während nicht alle Schauspieler beständig überzeugen können. Gerade Verónica Polo als Harriet wirkt arg hölzern. Solche kleineren Mankos machen aber die durchaus authentisch gefilmten Sexszenen wieder wett. Ist die erste Bettgeschichte zwischen Fran und Ted noch etwas hektisch, wird im späteren Verlauf vor dem Austausch echter Speichelflüssigkeiten nicht halt gemacht – das hat man auch schon gekünstelter gesehen. Was Vampyres – Lust auf Blut trotz des geringen Budgets sehenswert macht, sind aber nicht alleine die freizügigen und blutigen Szenen, sondern vor allem die Atmosphäre. Diese schwankt, wie erwähnt, zwischen grafischer Kunst und schmuddeliger Kellerszenerie, verfehlt beide Male aber ihre Wirkung nicht. Übrigens hat Horror-Ikone Caroline Munro (Maniac, Die Todesparty) ebenso einen Gastauftritt, wie einige andere Größen der 60er- und 70er-Jahre-Horrorfilme, was bei Genrefans für feuchte Augen sorgen wird.

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Schöner und künstlerischer als in „Hostel 2“

Bild- und Tonqualität

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Im Keller gehen die beiden Vampirdamen zu Werk

Vampyres – Lust auf Blut unterscheidet sich technisch nicht von der Blu-ray, die im Mediabook vom August 2016 enthalten war. Die Disk hat ein recht helles und eher konstrastarmes Bild, dessen Farben deshalb ausgewaschen und auf ihre Art und Weise „used“ wirken. Die Schärfe ist eher schwach, allerdings kann die Bildruhe überzeugen. Das Geschehen bleibt selbst in dunklen Szenen frei von Körnung und Rauschen. Außerdem versumpfen Details nicht im Schwarz. Obwohl die Farben eher schwach ausgeprägt sind, darf wenigstens das rote Blut knallig hervorstechen.
Beim deutschen Ton darf man einerseits überrascht sein, wie effektvoll und voller direktionaler Sounds Vampyres – Lust auf Blut für einen kleinen Independentfilm geraten ist. Die Musik und mancher Effekt sind allerdings im Verhältnis zu laut eingebettet. Das wird vor allem deutlich, wenn man so einpegelt, dass man die Schauspieler gut versteht, dann aber zwischendurch vom aufbrandenden Score weggepustet wird. Dennoch machen Stimmeffekte und Geräuschsamples im Wald wirklich Spaß und so ein glatter Schnitt durch eine Männerkehle wurde auch schon mal unspektakulärer vertont.

Bonusmaterial

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Harriet hatte sich den Fotoausflug anders vorgestellt

Das Bonusmaterial von Vampyres – Lust auf Blut enthält neben Teasern und Trailern ein dreizehnminütiges Making-of, das untertitelbar ist. Es schildert die Ursprünge des Films und zeigt, wie nahe man bisweilen mit einzelnen Bildern am Original von 1974 ist. Auch wird betont, wie europäisch die Produktion gewesen ist, wenngleich er offiziell als spanischer Film gilt. So waren Mitarbeiter aus Großbritannien, Frankreich, Rumänien und Deutschland ebenso beschäftigt wie Spanier. Gelungene Szenen aus der Hinter-der-Kamera-Position runden das Making-of ebenso ab, wie die Arbeit von Masken- und Effektspezialist Colin Arthur, der schon für die Hammer Studios arbeitete.

Fazit

Vampyres – Lust auf Blut ist in positivster Weise oldschool-Vampir-Horror mit bluttriefenden Szenen und homoerotischen Elementen – nicht für jedermanns Feinschmeckerzunge geeignet, aber gerade für Fans des Lesbo-Vampir-Slasher-Subgenres Pflicht! Schön, dass die Single-Disk-Blu-ray ebenso ungeschnitten bleibt wie das ungeprüfte Mediabook.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 65%
Bonusmaterial: 40%
Film: 60%

Anbieter: AL!VE/Donau Film
Land/Jahr: Spanien 2015
Regie: Víctor Matellano
Darsteller: Caroline Munro, Verónica Polo, Anthony Rotsa, Víctor Vidal, Fele Martínez, Marta Flich
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 79
Codec: AVC
FSK: 18 (uncut)

Trailer zu Vampyres

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