Wolverine – Weg des Kriegers 3D

Blu-ray Review

Wolverine Weg des Kriegers 3D Blu-ray Review Cover
20th Century Fox, seit 29.11.2013

OT: The Wolverine

 


Das Ende der Unsterblichkeit

Wolverine, Klappe die Zweite.

Inhalt

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Logan überlebt die Atombombe von Nagasaki

Logan hat sich gerade so schön an seine selbst gewählte Isolation gewöhnt, als eine rothaarige Japanerin aufkreuzt und den zotteligen Adamantiumwirt ohne Sack und Pack nach Japan mitnimmt. Dort will ihn der japanische Großindustrielle Yashida sehen, dem Logan seinerzeit beim Fall der Atombombe auf Nagasaki das Leben rettete. Doch Yashida will nicht nur noch einmal „Danke“ sagen, sondern bietet Logan etwas an, wonach der sich schon lange zu sehnen scheint: Die Sterblichkeit. Im Gegenzug soll Logan auf seine Familie und vor allem auf Enkelin Mariko achten, denn der Patriarch fürchtet, dass die Yakuza hinter ihr her ist. Allerdings gibt es auch interne Feinde, denn Yashidas Sohn Shingen soll nicht der Erbe des Imperiums werden, was dem machtgierigen Typ gar nicht gefällt. Und dann ist da noch eine Mutantin namens Viper, die ihr ganz eigenes giftiges Spiel treibt …

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Wolverine kümmert sich um Mariko, Enkelin eines alten Freundes

Im Gegensatz zum mäßig gelungenen Wolverine vertraut Wolverine – Weg des Kriegers wieder deutlich stärker auf die Tugenden von Logans Figur. Mit süffisantem und lakonisch-sarkastischem Humor kommentiert Hugh Jackman die fremden Eindrücke und sorgt für beständiges Schmunzeln. Ebenfalls gelingt es Regisseur Mangold sehr gut, die persönliche Dramatik rund um die Schuldgefühle an Jeans Tod zu integrieren und seinen Helden als gebrochene Figur darzustellen, der sich durchaus nach dem Tod oder der Sterblichkeit sehnt. Dass er dann ausgerechnet für eine bisher unbekannte japanische Frau erneut Hals und Klingen riskiert, mag nicht ganz logisch sein, leitet aber höchst beeindruckende Schauwerte ein. Die Kampf- und Actionszenen in Wolverine – Weg des Kriegers sind entsprechend glänzend gelungen. Alleine Logans Fight mit drei Bösewichten auf dem Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen hätte anderen Filmen für den Showdown gereicht. Ebenfalls eine Augenweide ist der Schauplatz Japan, der in teils bunten und überbordenden Farben, teils in kühlen und verschneiten Szenarien eingefangen wird. Die Architektur Japans, seine Mythologie der Samurai und die Integration der Yakuza-Thematik weht einen Hauch fernöstliche Kultur in die Serie, in der es immer auch um das Fremde und um die Akzeptanz der Andersartigkeit geht. Ein Manko mag sein, dass außer Hugh Jackman (und in wenigen Szenen Famke Janssen) keine bekannten X-Men-Gesichter auftauchen und lediglich ein weiterer Mutant Einzug ins Universum hält, doch der Australier schultert den Film auch problemlos alleine und darf sich hier zwischendurch von seiner sensiblen Seite zeigen.

Unterschiede zwischen Kinofassung und Extended Cut

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Eine Sequenz, die nur im Extended Cut zu sehen ist: Der Kampf mit den schwarzen Kriegern

Der um 12 Minuten verlängerte Extended Cut von Wolverine – Weg des Kriegers zeigt zum Teil nicht nur bisher unbekannte Szenen, sondern auch alternative Varianten. Regisseur Mangold berichtet davon im Audiokommentar sehr ausführlich und beschreibt, warum die längere Fassung eher seinen Vorstellungen entspricht. Die in der Kinoversion fehlenden Minuten werden in der Tat um ganze Sequenzen ergänzt, wie beispielsweise Logans Kampf mit den schwarzen Kriegern im schneeverschneiten Dorf, sowie den dazugehörigen Bluteffekten, die durch die Schneefräse verursacht werden – hier addieren sich ganze drei Minuten und zehn Sekunden dazu. Auch bei der Tötung des Bärs zu Beginn sind ein, zwei kurze erweiterte Einstellungen zu sehen. Dazu fehlen fast alle Rückblenden zu Logan und Yashida im Loch nach der Atombombenexplosion, sowie der Hintergrund, dass der Zuschauer zunächst nicht erfährt, warum Shingen so eine Wut auf seine Tochter und Logan entwickelt. Alles in allem sind das nicht nur kleinere Ergänzungen, sondern schlicht wissenswerte Fakten. Der Extended Cut ist deshalb die bessere Wahl.

Bild- und Tonqualität

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Bei der Beerdigung von Yashida muss Logan seine Krallen zeigen

Wie bei den X-Men-Filmen und vor allem auch bei X-Men Origins: Wolverine verpasst Mangold seiner Vision des Franchise einen warmen Look. Braunfilter färben das Bild angenehm, ein ganz dezentes Korn ist sichtbar und lässt Weg des Kriegers schön filmisch erscheinen. Die Schärfe ist grundsätzlich gut, vor allem in Nahaufnahmen werden viele Details offenbart. Allerdings leidet der Transfer etwas unter Wischeffekten bei ganz leichten Bewegungen. Vor allem auf Gesichtern ist dies abzulesen. Der Schwarzwert ist in dunklen Momenten sehr gut, der Kontrastumfang hoch.
Akustisch holt insbesondere die englische Spur von Weg des Kriegers fast alles aus sich heraus. Sie liegt im 7.1-dts-HD-Master-Format vor und ist der deutschen Fassung, die mit regulärem dts in 5.1 auskommen muss, überlegen. Allerdings nicht haushoch. So klingt schon die Atombombenexplosion zu Beginn genau so, wie man sie sich vorstellt: Dumpf und eher wie eine Implosion, deren Druckwelle erst kurz danach über das Land rollt. Das kommt schon in der deutschen dts-Fassung beeindruckend wuchtig und vom Subwoofer vehement unterstützt rüber (3’35). Die Originalversion tönt noch ein Quäntchen differenzierter, ist aber erstaunlicherweise nicht, wie so oft, deutlich lauter abgemischt. Ebenfalls immer auf der akustischen Höhe ist die Filmmusik, die beispielsweise während der Flucht von Yashidas Beerdigung fiebrig aus allen Lautsprechern dringt. Einen weiteren Nachweis für die Dynamik des Tons bietet die Explosion des Schneeräumers (Ext. Cut 106’08) und vor allem der Kampf mit dem Adamantium-Krieger, der sämtliche Lautsprecher an ihre Grenzen bringt (113’00).
Ein hörbares kleines Manko des Extended Cut: Wenn Logan den Justizminister besucht, sind ein paar Szenen etwas umgeschnitten, was zu einer kurzen Neuvertonung führte (so sagt Logan in der längeren Fassung zum Beispiel, dass er ihn aus dem VERDAMMTEN Fenster schmeißt, während der Fluch in der Kinofassung fehlt). Diese Neu- oder Umvertonung ist tonal mitten im Fluss unterschiedlich. Man hört deutlich, dass die Stimme in dem Moment, da Logan sagt: „… willst, dass deine Verlobte von der Yakuza getötet wird.“, dünner wird. Deshalb ein kleiner Abzug bei der Bewertung der deutschen Tonspur.

3D-Effekt

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Viper ist eine neue Mutantin im X-Men-Universum und hat ihre ganz eigenen Pläne mit Mariko …

Dem nachträglich konvertierten Weg des Kriegers kann man in Sachen 3D-Darstellung nur wenig vorwerfen. In den Kampfszenen gibt es immer wieder schöne Tiefenstaffelungen und gröbere Fehler bleiben aus. Hin und wieder gibt es auch Pop-Out-Effekte (Abschuss der Pfeile 35’32), doch genau hier ist eine Stelle, die in 3D etwas künstlich wirkt. Die bereits in 2D erkennbare Green-Screen-Aufnahme des Akteurs auf dem Dach wirkt in dreidimensionaler Darstellung noch fremdartiger. Auch Personen, die sich massiv im Vordergrund bewegen wirken wie artifiziell hineinkopiert (Poison ab 52’44). Besonders ruhigere Bilder profitieren dagegen vom 3D-Effekt wie die Szenen im inneren des Zuges (42’50) oder der Anblick des Anwesens (79’32).

Bonusmaterial

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… und Wolverine

Da mir zu Rezensionszwecken nur die 3D-Blu-ray ohne Extras, sowie die Extended Fassung des Films, die mit einem Audiokommentar und der Handy-App ausgestattet ist, zur Verfügung stand, muss die Bewertung über das Bonusmaterial an dieser Stelle entfallen. Gesammelte Featurettes befinden sich auf der 2D-Blu-ray der 3-Disk-Box.

Fazit

Wolverine – Weg des Kriegers erreicht noch nicht die Qualität eines X-Men 2, ist aber um Welten besser als sein Vorgänger X-Men Origins: Wolverine. Die Konzentration auf wichtige Charaktere und die konsequente Verfolgung einer Geschichte, sowie der Brückenschlag in Logans Vergangenheit wissen ebenso zu unterhalten, wie die beeindruckenden Actionsequenzen.
So wird die Spannung auf X-Men: Zukunft ist Vergangenheit zur reinen Vorfreude.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 80%
Tonqualität (dt. Fassung): 85%
Tonqualität (Originalversion): 90%
Bonusmaterial: siehe Text
Film: 70%
3D-Effekt: 70%

Anbieter: 20th Century Fox HE
Land/Jahr: USA 2013
Regie: James Mangold
Darsteller: Hugh Jackman, Tao Okamoto, Rila Fukushima, Hiroyuki Sanada, Famke Janssen, Swetlana Khodchenkowa
Tonformate: dts HD-Master 7.1: en // dts 5.1: de
Bildformat: 2,35:1
Real 3D: Nein (konvertiert)
Laufzeit: 126/138
Codec: AVC/MVC
FSK: 12

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