Blu-ray Review


OT: Aquaman


Größer als ein König
Der Comic-Held aus dem DC-Universum geht auf Tauchstation.
Inhalt

Arthur ist ein Halbblut. Geboren als Sohn eines gewöhnlichen Leuchtturmwärters und einer Königin des legendären Atlantis hat er royales Blut in den Adern. Allerdings würde er in der Unterwasserwelt nur bedingt akzeptiert – so glaubt er. Und da er ohnehin in der Oberwelt aufwuchs, nachdem seine Mutter Atlanna wieder ins Wasser zurückging, hat er auch nicht sonderlich viel Interesse daran, den Thron von Atlantis in Anspruch zu nehmen. Auf dem hat derweil Arthurs reinblütiger Halbbruder Orm Platz genommen. Und zwar vor allem deshalb, weil man Atlanna wegen des Verrats, sich von einem Weltlichen geschwängert zu haben, den brutalen Trench zum Fraß vorwarf. Orm sinnt derweil schon lange darauf, einen Krieg gegen die Menschen zu beginnen – immerhin gehen die mit den Weltmeeren höchst verantwortungslos um. Zu diesem Zweck muss er allerdings vier der sieben Königreiche von Atlantis hinter sich bekommen. Mit einer List und der Hilfe eines skrupellosen (Menschen)Piraten gelingt es ihm, König Nereus auf seine Seite zu ziehen. Dessen Tochter Mera, die Orm als Frau versprochen ist, findet das allerdings überhaupt nicht cool. Gemeinsam mit Nuidis Vulko, der seit langem der Wesir der Könige von Atlantis ist und der im Geheimen die Ausbildung Arthurs zum Krieger an Land durchgeführt hatte, will sie das Halbblut endlich davon überzeugen, einzugreifen. Doch selbst wenn das gelingen würde (was bei dem störrischen “Bastard” leichter gesagt ist als getan) müsste dieser erst den legendären Dreizack von König Atlan finden und erobern. Ansonsten würde er den Respekt des atlantanischen Volkes kaum erhalten. Dumm, dass dieser Dreizack vom größten Seeungeheuer aller Zeiten bewacht wird …

Da ist er nun, der bisher hellste, bunteste und positivste Film des DC-Universums: Aquaman. Hatte man die Figur mit Jason Momoa in Batman v Superman und Justice League bereits packend eingeführt, beschloss man schon 2014, also noch vor dem Kino-Release von BvS, dass der Halb-Atlanter sein eigenes Abenteuer bekommen sollte. Neben Momoa in der Titelrolle hatte man schnell auch Amber Heard als wiederkehrende Figur Mera mit an Bord. Hinzu gesellten sich dann Patrick Wilson als Antagonist Orm, Willem Dafoe als Vulko und … ähm … Dolph Lundgren als Meras Vater Nereus. Auf dem Regiestuhl nahm James Wan Platz, der 2004 mit SAW groß wurde, mittlerweile aber aus der Horror-Ecke rausgekommen war.
Die coole Hauptfigur, der noch coolere Momoa und das Unterwasser-Setting – das versprach ein großer Spaß zu werden. Herausgekommen ist aber eher der teuerste Trashfilm seit Kevin Costners Waterworld – Wasser scheint generell kein gutes Element für Big-Budget-Produktionen zu sein.
Schon die Geschichte, die manchmal etwas ungelenk Motive aus Tomb Raider/Indiana Jones (unter Beimengung von Game-Elementen aus dem Assassin’s-Creed-Universum) mit ein bisschen Arielle, die Meerjungfrau und einem großen Bisschen der König-Arthus-Saga vermischt, ist nicht sonderlich originell.
Was insgesamt nicht so schlimm wäre, wenn Aquaman nicht unter zahlreichen “Oh-Gott”- und “nicht-wirklich,-oder?”-Momenten leiden würde.

Das fängt bei der Wahl Patrick Wilsons als Bad Guy an. Jetzt mal ehrlich: Dessen Besetzung kann nur daher rühren, dass er und Regisseur James Wan durch die vierfache Zusammenarbeit in den Insidious- und Conjuring-Filmen dicke Buddies geworden sind. Wo Wilson als Geisterjäger durchweg überzeugt, strahlt er als blondierter Antagonist den Respekt eines Goldfischs aus und wirkt so furchteinflößend wie ein Guppy. Dazu agiert er dermaßen drüber (und meint das auch noch ernst), dass man sich zwischendurch die Augen zuhalten möchte.
Aber auch Willem Dafoe als Vulko schauspielert haarscharf an der Grenze zum B-Movie und wenn ein Octopus in der Arena als Perkussionist herhalten muss, ist die Grenze zum kitschigen Nonsens längst überschritten. Selbst wenn das in den Comics so vorgegeben ist, wirkt es im Film einfach lächerlich.
Da passt dann auch Lundgren ins Bild, oder? Immerhin ist der Schwede als ehemaliger He-Man der ungekrönte König des Trashfilms. Doch hey, Überraschung. Gerade seine Darstellung ist besser als in 90% seiner restlichen Filme. Er fällt also in dieser Anhäufung von Testosteron, Pathos und Kitsch erstaunlich positiv auf.
Was man vom zwischenzeitlich zum Black Manta mutierten Pirat David Kane nicht sagen kann – ich sage es gerne noch einmal: “Oh mein Gott”!
Ja, die Comic-Fans werden sagen: So sieht er in den Vorlagen halt nun mal aus. Mag ja stimmen, aber in einem SciFi-Film von 2018 muss es möglich sein, das Design anzupassen. Denn mit den übergroßen Augen und der Fliegenkopf-Form meint man tatsächlich, Puck, die Stubenfliege hätte zu viel Wachstumshormone genommen. Das Problem dabei: Black Manta wird (den Comic-Vorlagen entsprechend) als Aquamans Nemesis etabliert. Nur leider wirkt er in diesem Kostüm dermaßen lächerlich, dass sich ein Facepalm beim Schauen geradezu aufzwingt und man ein bisschen Angst vor möglichen Fortsetzungen bekommt.

Leider war es das aber noch nicht mit der Kritik: Denn schon der Einstand mit der Opening-Scene ist mehr als unglücklich. Ich wiederhole hier gerne meine Kritik aus anderen Rezensionen: Am Rechner kreierte Gesichts-Verjüngungen funktionieren einfach nicht. Das war schon bei X-Men: Der letzte Widerstand so, als Patrick Stewart und Ian McKellen digital bearbeitet wurden und das ist auch hier der Fall.
In der kompletten Eröffnung mit Nicole Kidman und Temuera Morrison wurden beide Gesichter dermaßen glattgebügelt und verjüngt, dass man ständig denkt, hier stimmt irgendwas nicht. Man beließ es aber nicht dabei, sondern animierte auch die Lippenbewegungen. Das sieht teils aus, als sähe man einer Android-Version von Kidman dabei zu, wie sie mit ungelenker Mimik den dargereichten Tee trinkt.
Früher hat man so etwas mit guter alter Schminke erledigt: Für die Darstellung der 30-jährigen Figur etwas jünger geschminkt, für die Mitt-Fünfzigerin etwas älter – fertig. Zumal Nicole Kidman auch im heutigen Alter noch ein so glattes Gesicht hat, dass viel Schminkerei gar nicht nötig gewesen wäre. Schlimmer noch: Während Morrison als Tom Curry ebenso sichtbar altert wie Willem Dafoe (dessen Vulko man in den Ausbildungsszenen Arthurs ebenfalls sichtbar verjüngte), erscheint Nicole Kidman später kaum gealtert. Eben weil sie auch heute noch einen extrem glatten Teint hat. Hier führt die am Rechner herbeigeführte Verjüngungskur praktisch zu einem logischen Bruch.
Um neben ärgerlichen Kleinigkeiten wie dem nicht-mehr-Aufklären der inszenierten U-Boot-Attacke zu Beginn (die immerhin als Kriegs-Argument herhalten muss) zu einem letzten großen Kritikpunkt zu kommen: Ist Patrick Wilson als Antagonist bereits fehlbesetzt, verschenkt man auch noch das Potenzial, das in seiner Figur steckt. Die Themen Umwelt- und Meeresverschmutzung, Walfängerei und Delphinsterben werden kurz angerissen, wirken aber für Orm nur wie eine halbherzige Rechtfertigung, endlich den gewollten Krieg gegen die Menschen zu beginnen. Hier wäre so viel drin gewesen, dem Bad Guy eine Meta-Ebene zu verpassen, in der wir Zuschauer ihn hätten sogar verstehen, sein Handeln nachvollziehen können. Man hätte viel mehr machen können aus diesem moralischen Konflikt, hätte auch Aquaman mehr in diesen hineinziehen und dem Film dadurch wesentlich mehr Tiefe verleihen können – hätte …

Dass Aquaman trotz dieser ganzen ärgerlichen Versäumnisse und unglücklichen Entscheidungen dennoch kein Fehlgriff ist, liegt an vier Dingen: Jason Momoa, Amber Heard, der Optik und der Action.
Denn bei aller Kritik: Jason Momoas Charakter verzeiht man auch noch den peinlichsten Macho-Satz (“ich hätte auch draufpinkeln können”), weil er dabei so charmant mit seiner charismatisch-unterbrochenen Augenbraue zuckt (eine Narbe ziert nach einem Flaschen-Angriff eines Kneipengastes seit 2009 sein Gesicht).
Amber Heard sieht im grünen Atlantis-Catsuit dazu einfach hinreißend aus und kämpft sich beachtlich wehrhaft durch den Film.
Und was die Computer-Künstler in Sachen Unterwasserwelt erschaffen haben, ist ein visueller Hochgenuss sondergleichen. Wenn Vulko Arthur erklärt, dass seine Augen unter Wasser auch im Dunkeln sehen können, eröffnet die Kamera auch für den Zuschauer eine Welt, die fantastischer, detailreicher und lebhafter kaum sein könnte. Mit einer pastellbunten Farbpalette werden Pflanzen, Gebäude, Unterwasser-Gleiter und Kostüme so prächtig wiedergegeben, dass es für ungläubiges Staunen sorgt. Da Aquaman etwa zur Hälfte der Zeit unter dem Wasserspiegel spielt, kann man sich auch nach über zwei Stunden kaum an dieser Pracht satt sehen. Zumal jedes der unterschiedlichen Königreiche seine ganz eigene Optik erhalten hat. Von der vielfältig bunten Szenerie, die die Welt von Atlantis oder auch der Fishermen repräsentiert über die Düsternis, in der die Trench auf Beute gehen, bis hin zur erdig-braunen Oberfläche der Krustenwesen von Brine – alles wirkt stimmig und wirklich beeindruckend.
Das Gleiche gilt für sämtliche Actionszenen. Vom Opener im Leuchtturm Toms über die Fights in Sizilien bis hin zu den gruseligen Auseinandersetzungen mit den Trench ist das großes Kino. Letztere dabei in einer visuell wirklich großartigen Sequenz mündend, in der Arthur und Mera umgeben von Tausenden der zombieartigen Aquarianer mit Leuchtfackeln in die Tiefe tauchen. Und wenn Aquaman dann in einer Massenkriegs-Szene auf dem Boden der Brine endet, darf man den CGI-Künstlern und der Inszenierung Wans durchaus ein ehrlich gemeintes Lob aussprechen.
Was bleibt ist also extrem rasantes Actionkino, das inhaltlich, darstellerisch und in vielen Kleinigkeiten aber leider viel zu viel Potenzial ungenutzt liegen lässt.
Bild- und Tonqualität BD

Tja, das mit der Bildqualität von Aquaman ist so eine Sache. Denn abgesehen von den zahlreichen Pluspunkten, muss man natürlich damit leben, dass die Unterwasser-Szenen und vor allem die visuellen Effekte dort weicher gehalten sind und die Szenerie teils sehr hell ist. Das macht filmisch natürlich absolut Sinn und ist ein bewusst eingesetztes Stilmittel zur Schaffung von Atmosphäre. Es kann also mitnichten der BD angelastet werden, dass der Film in Teilen eben nicht knackscharf ist, sondern eher etwas weicher wirkt. Ab und an wird das noch deutlicher – und zwar immer dann, wenn Gesichter ihre digitale Verjüngungskur erhalten haben oder aber Amber Heard (unverständlicherweise) bisweilen arg abgesoftet rüberkommt (83’26). Interessant, dass Wilsons Antlitz hingegen ab und an etwas körnig erscheint.
Ansonsten kann man über die Bildqualität allerdings nur lobende Worte verlieren: Zum einen ist Aquaman ein nicht nur erzählerischer, sondern auch optisch sehr heller Film fürs DC-Universum. Außenaufnahmen erstrahlen in voller Pracht und die Farbvielfalt beim Sonnenuntergang am Leuchtturm ist schon toll. Auch das Szenario auf Sizilien belohnt mit wunderbar blauem Meer und auf dem Markt gibt es eine echte Farbexplosion. Natürlich gilt das auch für die tollen Pastelltöne unter Wasser, die schon fantastisch aussehen. Apropos “unter Wasser”:
Wie schon einige andere Filme vor ihm (Batman: The Dark Knight, Mission: Impossible VI – Fallout uvm.) nutzt Aquaman zudem ausgiebig Szenen im IMAX-Format – allerdings nicht mit IMAX-Kameras gefilmt, sondern im Prinzip nur aufgezoomt, bzw. im 16:9-Format dargestellt, wo die übrigen Szenen für 2,39:1 höchstwahrscheinlich schlicht beschnitten wurden. Man muss also mit einem Bildwechsel rechnen. Das 1,78:1-Seitenverhältnis wird für die Unterwasser-Szenen, Sahara-Sequenzen oder Flashbacks genutzt, während der Beginn und die Szenen auf Sizilien in Cinemascope vorliegen. Qualitativ lassen sich hier (abgesehen vom softeren Post-Produktions-Unterwasser-Look) keine großen Unterschiede ausmachen. Wie gesagt: Gefilmt wurde hier größtenteils mit identischen Kameras auf gleichem Sensor.

Beim Ton verfolgt Warner eine Strategie, die man schon zuvor mal beobachten konnte: Bereits die Blu-ray kommt mit deutschem Dolby Atmos in True HD, während die englische Fassung hier zwar auch Atmos liefert, aber nur in DD-Plus. Erst über die UHD erhalten auch Fans des O-Tons dann unkomprimiertes True HD als Kern. Doch wir wollen uns natürlich erst einmal mit der Synchro befassen und nachspüren, ob Aquaman wirklich das erhoffte und prognostizierte Sound-Highlight ist:
Die Antwort ist einfach: Ja, ist es!
Und zuvorderst soll hier der LFE-Kanal gelobt werden. Macht man sich mal den Spaß und lässt den Subwoofer solo laufen, bekommt man mit, dass er von 140 Minuten Gesamtlaufzeit locker 120 Minuten aktiv ist. Selten reichte außerdem ein Tiefton so weit hinab und unterstützte das Geschehen dermaßen aggressiv. Eindrucksvoll vermittelt er so die typisch dumpfe Atmosphäre, die man unter Wasser hört, bzw. vielmehr spürt.
Besonders beeindruckend gerät auch der Sweep bei 114’20, wenn Arthur seine Bestimmung findet – ohnehin eine sehr bassintensive Szene. Aber Bass ist ja nicht alles. Es gibt ja auch noch die Verständlichkeit und das Volumen von Dialogen sowie die Nutzung der Effektlautsprecher. Und während Stimmen (gerade jene von Arthur) sehr prägnant und griffig über den Center kommen, gab es zuletzt auch wenig Filme, die über die Surrounds so aktiv und kraftvoll waren. Dabei gelingt Aquaman, was nur wenige Abmischungen schaffen: Er klingt nicht angestrengt. Scheinbar locker und mühelos schüttelt er seine teils vehementen Signale aus den Speakern – inklusive der bisweilen extrem wuchtigen Filmmusik. Und weil die Sounds auch noch dieses wässrig-coole Design haben, macht das in sämtlichen Unterwasser-Actionszenen so viel Spaß, dass man das Grinsen kaum aus dem Gesicht bekommt. Das aber nicht nur aufgrund der fast permanenten und brachialen Action auf der regulären Ebene, sondern weil die Höhenebene ebenfalls schon länger nicht mehr so aktiv und gleichzeitig so nahtlos angebunden war. Die 3D-Sound kommen ebenso selbstverständlich dazu, wie sie sich an die normale Surroundebene angliedern.

Und so fängt es “dort oben” gut an, sehr gut. Das Gewitter direkt zu Beginn wird von einem Setup mit vier Deckenlautsprechern so grandios verteilt, wie bisher noch nie. Da rattert der Donner von einem zum anderen Speaker, um zu verdeutlichen, dass das Geräusch auch in Natura nicht statisch an einer Stelle verweilt. Gerade auch die entfernteren Grummeleien liefern Gänsehaut für Atmos-Fans – absolut klasse!
Gewitter kommen als schon mal sensationell und durchweg gut rüber. Den nächsten tollen 3D-Sound gibt’s, wenn die Aquarianer den Leuchtturm überfallen und mit ihren glucksenden Waffen angreifen. Man fühlt sich plötzlich wie in einer Luftblase unter Wasser (ab 6’13). So schön und innovativ wie diese Soundeffekte sind – manchmal irrt der Atmos-Ton aus visueller Sicht: Wenn die Kamera von oben filmt, wie Atlanna einen der Eindringlinge unter den Türrahmen pfeffert, ist das sicherlich über den Köpfen der Protagonisten. Wenn die dabei aber von oben gefilmt werden, ist es visuell eben weit unterhalb der Kameraposition und gehört dann auch nicht auf die Heights (7’18). Schön hingegen, dass der Ton gemeinsam mit der Kamera unter Wasser taucht und dann immer ein leichtes Glucksen aus der Höhe mitbringt. Das vermittelt schon eine tolle Atmosphäre. Natürlich auch dann, wenn der Unterwasser-Gleiter über die Kamera hinwegrauscht, bevor er auf dem U-Boot andockt. Richtig rund von oben geht’s dann, wenn Aquaman das Untersee-Gefährt in Wallung bringt und es drinnen fast permanent zu rappeln und krachen beginnt (ab 14’07). Diese erste Viertelstunde gibt den Weg frei für ein wirklich außergewöhnlich immersives Klangerlebnis, das die Heights im Übrigen ausschließlich für Soundeffekte nutzt und die Filmmusik auf der regulären Ebene lässt.

Das passiert dann durchaus auch unter Wasser, wenn das U-Boot angreift und teils vehemente Geräusche von oben zu hören sind (28’26). Schlägt dann die Welle über das Land ein, wuscht und gluckert es ebenfalls eindrucksvoll (34’34). Glücklicherweise hat man übrigens nicht jede Unterwasserszene mit Glucksereien unterlegt – das würde auf Dauer auch eher anstrengend. Dafür gibt es schon mal Walgesänge oder auch das Gekreisch der Möwen an Land. Wirklich witzig sind die unterschiedlichen Sounds der Unterwasser-Gefährte in Atlantis, die über den Gleiter von Mera und Arthur hinweg zischen. Und wenn bei 46’50 die Energiewelle Atlantis versinken lässt, wird’s gar richtig brutal. Wenn dann Arthur und Orm zum ersten Kampf antreten, pocht es lautstark von oben und die Menge feiert ebenfalls mit Rundum-Applaus (ab 59’20). Während des Kampfes wuschen dann ebenfalls schon mal die Dreizacks über den Kopf hinweg und Wassergeräusche gibt es auch immer wieder. Ein weiteres Highlight mit zahlreichen direktionalen Geräuschen ist dann die Flucht von Mera und Arthur, während der es von oben kaum still bleibt. Beim Kampf auf Sizilien gibt es dann nach einer kurzen Verschnaufpause wieder etwas offensivere Signale, wenn Arthur durchs Dach kracht und mit Black Manta fightet (89’20). Ebenfalls genial sind die Schritte, die Mera kurz darauf auf den Dächern hinlegt und die man über sich hört. Beim Angriff der Trench hätte es hier und da noch etwas mehr sein dürfen. Dafür gibt es dann im Wasser einige der gruseligen Artikulationen der Wasserzombies und die Energieblitze kurz darauf erzeugen ein famoses Rundumgefühl (103’50). Im finalen Kampf auf dem Boden der Brine sitzt dann allerdings nicht jedes Signal perfekt, auch wenn es ein paar sehr deutliche Energieblitze, Delphingeräusche und Sounds, die von Aquamans Dreizack ausgehen, gibt. Die restliche Dynamik spielt sich größtenteils auf der regulären Ebene ab, die aber auch so schon ein absolutes Fest für jedes potente Heimkino ist. Dennoch wäre hier in Sachen Atmos mehr drin gewesen.
Neben den Dolby-Atmos-Spuren gibt’s übrigens auch dts-HD-Master für beide Sprachen auf beiden Disks.
Bild- und Tonqualität UHD

Aquaman wurde mit Arri-Alexa-XT- sowie Arri-Alexa-Mini-Kameras vollständig digital aufgezeichnet. An deren Ausgang lagen 3.4K an, was (wenn man nach den meisten Quellen geht) allerdings nur über ein 2K-Digital-Intermediate auf die UHD gebracht wurde. Wir haben es also nur mit einer hochskalierten Disk zu tun, wenn man dasselbe 2K-DI genutzt hat wie jenes für den Kino-Release.
Dazu integrierte man selbstverständlich einen im Rahmen von Rec.2020 erweiterten Farbraum sowie den höheren Kontrastumfang HDR – und zwar nach statischem HDR10 und dynamischem Dolby Vision. HDR10 wurde hier mit 4000 Nits gemastert und liefert mit 3241 Nits in der Spitze richtig hell ab.
In der Praxis gibt sich im Grunde ein sehr ähnliches Bild wie bei der BD – zumindest was einen Teilbereich der kleinen Makel angeht. So ist auch die UHD nicht vor leichter Körnung auf Gesichtern gefeit. Gerade Wilsons Gesicht ist hin und wieder etwas wuselig, während Lundgren beim ersten konspirativen Treffen der Beiden sehr scharf abgebildet wird. Teilweise steht der Schwede fast dreidimensional im Raum.
Erstaunlich ist allerdings, dass der Unterschied nicht nur bei den Makeln gering ist, sondern auch grundsätzlich. Selten gab es eine UHD, deren Farbdarstellung und Kontrastierung zwischen Blu-ray SDR und UHD HDR so gering ausfiel. Im Falle von HDR10 muss man schon sehr genau hinschauen, um (mal abseits vom etwas dunkleren Master) Differenzen in der Farbpracht festzustellen. Ein wenig beeindruckender sieht es zwar schon aus, doch das liegt hauptsächlich am gesteigerten Schwarzwert und einem dadurch subjektiv etwas besseren Kontrast. HDR10 entfernt einen leichten Grauschleier, kann sich aber nicht entscheidend absetzen. Dass es sich zudem um ein 2K-Upscale handelt, lässt sich daran erkennen, dass auch die Schärfe selbst bei genauem Hinsehen nur unwesentlich besser aussieht.
Ganz anders dagegen Dolby Vision. Wo HDR10 noch sehr konservativ an Kontrastierung und Dynamik herangeht, wirkt Dolby Vision hier wesentlich differenzierter. Wer über eine DV-Kette verfügt, profitiert außerdem vom bestmöglichen Schwarzwert (kein Vergleich bspw. mit dem schwachen Bumblebee) und findet nur ein paar wenige dunklere Szenen eine Spur zu wenig durchzeichnet.
Im Großen und Ganzen setzt sich die UHD so richtig sichtbar also nur per Dolby Vision von der bereits sehr guten Blu-ray ab. Dafür macht dort die Unterwasserwelt aber noch mal mehr Spaß und es ist eine Wonne in diese einzutauchen. Was hier an Farben präsentiert wird, sucht seinesgleichen und steckt auch einen Valerian locker in die Tasche.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD stellt das weiße Gewand noch etwas neutraler dar und intensiviert den Kontrast im Gesicht – ein drastischer Unterschied in der Farbdynamik existiert aber nicht.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Ein bisschen mehr Schwarz auf den Tätowierungen, etwas weniger milchig im Hintergrund auf den Rängen – aber gigantisch sind die Differenzen nicht.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … ist die UHD im Himmel und im Meer dunkler und satter.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD hat etwas mehr Braunanteil im Sand, was ihn noch etwas natürlicher wirken lässt. Meras Haare sind hier eindrucksvoller.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): HDR10 liefert genau das: Mehr Kontrast, mehr Plastizität und doch sichtbar mehr Schwarz und Reflexionen auf der Rüstung.


Bonusmaterial

Das Bonusmaterial von Aquaman hält auf der Blu-ray einige Featurettes bereits. Beginnen tut das Ganze mit einem 13-minütigen “Wie man zu Aquaman wird”. Hier wird mit viel Humor von allen Seiten beschrieben, wie Jason zur Rolle kam, wie lange er es geheimhalten musste.
Das zweite Featurette taucht tief in die Welt von Aquaman ein und schildert zahlreiche Bereiche – von der Herstellung der Kostüme über die aufwändigen Bewegungsabläufe der Unterwasser-Szenen bis hin zu den Dreharbeiten an Originalschauplätzen. Dabei hangelt man sich ein bisschen chronologisch an den Drehtagen entlang.
Weiter geht’s mit einem Beitrag über Regisseur James Wan und einen über Black Manta sowie über die Heldinnen von Atlantis. Zusätzlich darf man Patrick Wilson und Yahya Abdul-Mateen II in “Schurken-Training” beim Workout für ihre Rolle zusehen und bekommt natürlich auch Featurettes zu den Spezialeffekten und der Erschaffung der Unterwasser-Kreaturen. Außerdem gibt uns Dolph Lundgren eine Tour durch die Geschichte von Atlantis im Comic und in der Verfilmung. Final final bekommen wir noch eine Sneak Peek zu “Shazam!”.
Fazit
Aquaman hat Jason Momoa, Amber Heard und eine unglaublich großartige, hochwertige Optik. Leider ist das Drehbuch durchzogen von albernen Machoismen und die Figurentiefe reicht keinesfalls bis Atlantis hinunter. Vielmehr bleibt sie knapp unter der Wasseroberfläche. Man kann der (wahrscheinlichen) Fortsetzung nur wünschen, dass sie sich etwas intensiver mit den Charakteren auseinandersetzt.
Die Blu-ray liefert dazu bereits ein tolles Bild sowie einen großartigen Dolby-Atmos-Sound ab. Letzterem geht zwar zum Finale hin ein bisschen die Luft aus, bis dahin gehört er aber zum Besten, was man bisher vom Format hören durfte. Und im Zusammenspiel mit einer fantastisch dynamischen regulären Surroundebene haben wir es hier mit einer Referenzscheibe zu tun. Das Bild der UHD punktet mit nochmals kräftigeren Kontrasten und satteren Farben – hier gibt’s kaum was zu bemängeln.
Timo Wolters
Bewertung
Bildqualität BD: 90%
Bildqualität UHD (HDR10): 90%
Bildqualität UHD (Dolby Vision): 95%
Tonqualität BD/UHD 2D-Soundebene (dt. Fassung): 100%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Quantität (dt. Fassung): 75%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Qualität (dt. Fassung): 95%
Tonqualität BD/UHD 2D-Soundebene (Originalversion): 100%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Quantität (Originalversion): 75%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Qualität (Originalversion): 95%
Bonusmaterial: 70%
Film: 55%
Anbieter: Warner Home Video
Land/Jahr: USA 2018
Regie: James Wan
Darsteller: Jason Momoa, Amber Heard, Dolph Lundgren, Nicole Kidman, Willem Dafoe, Patrick Wilson, Temuera Morrison, Yahya Abdul-Mateen II, Graham McTavish, Randall Park
Tonformate BD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): de // Dolby Atmos (Dolby-Digital-Plus-Kern): en // dts-HD-Master: de, en
Tonformate UHD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): de, en // // dts-HD-Master: de, en
Bildformat: 2,35:1 // 1,78
Laufzeit: 143
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD-100
Real 4K: Nein (2K DI)
High Dynamic Range: HDR10, Dolby Vision
Maximale Lichtstärke: 3241 Nit
FSK: 12
(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots liegt bei Anbieter: Warner Home Video)
