Killer’s Bodyguard – Leben am Abzug!

Blu-ray Review

Killer's Bodyguard - Leben am Abzug Blu-ray Review Cover
EuroVideo, 12.01.2018

OT: The Hitman’s Bodyguard

 


„Am besten langweilig!“

Von Elektrolyten und Kokain in Stoffpolstern.

Inhalt

Killer's Bodyguard - Leben am Abzug Blu-ray Review Szene 7
Bryce muss mittlerweile kleine Brötchen backen und den Abschaum der reichen Gesellschaft personenschützen

Michael Bryce war der Beste. Der beste Leibwächter, den man sich vorstellen und für den man Geld bezahlen konnte. Seine Maxime, möglichst langweilig zu arbeiten, alle Eventualitäten abzuklären und besonnen vorzugehen waren in Kombination mit seinen Nahkampf-Kenntnissen und Schusswaffen-Fähigkeiten schlicht unschlagbar. Bis zu diesem einen Tag, an dem der von ihm bewachte Japaner Kurosawa per Fernschoss exekutiert wurde. Das hatte Bryce nicht kommen sehen. Sein Ruf war damit ruiniert und die großen Aufträge blieben aus. Die Schuld daran gab er seiner Ex, die er im Verdacht hat, Kurosawa verraten zu haben. Genau diese Verflossene meldet sich jetzt, zwei Jahre später, aus Manchester bei ihm. Sie selbst sollte den berüchtigten Killer Kincaid von England nach Den Haag überführen, wo er als Kronzeuge gegen den weißrussischen Diktator Dukhovich aussagen soll. Der jedoch setzt alles daran, dass Kincaid den Internationalen Gerichtshof nicht lebend betritt, was Bryce und seinen Schützling nun zu Zielscheiben werden lässt. Die Zwei müssen sich wohl oder übel zusammenreißen, um zu überleben. Dumm, dass sie sich aber auch nicht die Bohne leiden können. Immerhin kennen sie sich von früher – und das waren keine gemeinsamen Zeiten …

Killer's Bodyguard - Leben am Abzug Blu-ray Review Szene 5
Dennoch ist er immer noch schusssicher

Zwei Typen, die sich nicht mögen, die aber zusammenhalten müssen, um gegen andere Typen, die sie noch weniger mögen, zu bestehen – die Grundprämisse von Killer’s Bodyguard ist so alt wie das Buddy-Movie und hat zuletzt schon in The Nice Guys einen amüsanten Neuaufguss erlebt. Jetzt kommt Expendables-3-Regisseur Patrick Hughes und lässt Smartass Ryan Reynolds auf Badass Sam Jackson treffen – und was ist das für eine Kombination. Sobald die beiden erstmals voreinander stehen, setzt es knackige Einzeiler wie: „Du nimmst seine Füße, ich seine Nasenlöcher“ und weitere granatenstarke Sprüche. Das Script ist den zwei Darstellern wie auf den Leib geschrieben und gibt ihnen ausgiebig die Möglichkeit, zu fluchen und für die irrwitzigsten Situationen zu sorgen. Dafür sorgt auch das ziemlich großartige Timing und die Choreografie der Kampfszenen. Schon die Schusswaffen-Abluxerei zwischen Kincaid und Bryce erinnert ein bisschen an eine gelungene Mischung aus die Faustwaffen-Action aus dem unterschätzten Equilibrium und John Wick. Und wenn Killer’s Bodyguard dann völlig absurde Stunts einfügt, wie jenen, in dem Kincaid vom Hochhaus über Umwege in einen Müllcontainer springt, dann ist das so übertrieben slapstickhaft, dass es kracht. Aber es passt. Und das sogar ziemlich gut. Genauso gut wie der konkurrierende Gesang der Zwei im alten W123 und die Situationskomik kurze Zeit später beim explodierenden Van. Es ist schon erstaunlich, wie schnell fast zwei Stunden vergehen können, wenn mal wirklich ein talentierter Drehbuchschreiber am Werk war und auf Schauspieler trifft, deren Improvisationstalent offenkundig ist. Und das, wo Autor Tom O’Connor das Skript ursprünglich als Actiondrama konzipiert hatte, es aber kurz vor Drehstart dann in eine Komödie umschrieb.

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Michaels Ex kämpft um ihren Kronzeugen

Für feuchte Augen sorgt auch Salma Hayek, die einen Heidenspaß an ihrer völlig überdrehten Rolle von Kincaids Frau hat und flucht wie ein altes Waschweib – selten war sie der entfesselt unterwegs und durfte so aus sich herausgehen. Dass man obendrauf noch Gary Oldman für die Rolle des Bösewichts bekommen hat, zeugt davon, dass das Skript wirklich viele Filmschaffende überzeugt hat. Selbst wenn Oldman hier etwas wenig Gelegenheit bekommt – WENN er auftaucht, ist er schön fies und gemein. Apropos gemein: Zimperlich geht’s nicht gerade zu in Killer’s Bodyguard – schon der Überfall auf den Gefangenen-Transport nach knapp 15 Minuten sorgt für zahlreiche ziemlich blutige Shootouts und wenn Hayek in Zeilupe fiesen Jungs die Schlagadern auftrennt, hat das schon fast Splatter-Qualitäten. Es vermittelt aber auch, dass der Film bei aller Komik durchaus als Actionmovie ernst genommen werden möchte. Und das ist er – also ein Actionfilm. Spätestens während der famosen Verfolgungsjagd in Amsterdam wird klar, dass Hughes‘ dritte Regie-Arbeit im Reigen der Genrefilme locker mitmischen kann. Ohnehin macht es Spaß, die Schauplätze zu sehen. London hat man zwar häufiger, aber Amsterdam zeigt auch hier mal weider, dass gerade seine Grachten und engen Gassen nicht erst seit Amsterdamned sensationell gut für Actionszenen taugen. Und so ist es auch hier, wenn auf engstem Raum das Motorrad die Verfolgung des Motorbootes in den Stadtkanälen aufnimmt. Für die vor Ort anwesenden Touristen und Einheimischen muss das ein großes Spektakel gewesen sein.
Wenn man etwas kritisieren möchte, dann die tempoverschleppenden Rückblenden, die etwas über die Hintergründe der Figuren erzählen. Einerseits ist es gut, dass man Motivationen und Herkünfte klärt, andererseits muss man das ja nicht zwingend in Zeitlupe machen und damit die eigentliche Rasanz drastisch ausbremsen.

Killer's Bodyguard - Leben am Abzug Blu-ray Review Szene 1
„Nicht die Waffen kreuzen!“ – ach nee, anderer Film …

Bild- und Tonqualität

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Showdown in Amsterdam

Die Totale von London zu Beginn ist leider ein bisschen grünstichig geraten, was nicht ganz so schick aussieht. Viele Szenen bei Tageslicht geraten daraufhin zu hell und was dieser Weichzeichner-Effekt um Reynolds und andere Darsteller herum soll, bleibt wohl Geheimnis der Macher. Ziemlich unnötig sind auch die Randunschärfen im unteren Bereich, die bisweilen ärgerlich krass ausfallen (22’25) und wo es bis zu einem bestimmen Zeitpunkt fast rauschfrei war, setzt urplötzlich Korn ein, von dem man sich fragt, was es dort soll (6’20) – selten war ein aktueller Film derart inkonsistent im Look. Wenn’s gewollte Stilmittel sind, dann sei es so. Es wirkt aber doch eher, als wären die aufzeichnenden Kameras und die Postproduktion hier nicht so ganz sorgfältig betreut worden. Zumal es dann wiederum Szenen gibt, die richtig gut aufgelöst sind (Totale von Den Haag 10’17 oder Amsterdam 59’42). Da insgesamt fünf Digitalkameras eingesetzt wurden, kann es natürlich auch daran liegen, dass man den Look schlicht nicht überein brachte.
Der Sound von Killer’s Bodyguard zeigt hingegen von Anfang an, was er auf dem Kasten hat. Schon die Filmtitel werden effektvoll eingefangen. Wenn dann der Hubschrauber von hinten ins Bild fliegt, setzt es saubere und äußerst direktionale Geräusche von hinten. Viel mehr noch setzt es, wenn Kincaids Transport angegriffen wird und die Bombe mit einem sauberen Bass-Sweep in die Luft geht (15’00). Und wenn die Querschläger aus dem Kofferraum des Benz durch die Gegend zischen, werden die Rears Zeuge von sensationellen Sounds (50’45). Dass der rockige Soundtrack (Klasse: Die rohe Country-Alternative-Rock-Version von Black Betty) über alle Lautsprecher präsentiert wird und die Dialoge sehr gut verständlich bleiben, macht den rundum gelungen Tonsektor im Gegensatz zum Bild zu einem vergnüglichen Erlebnis.

Bonusmaterial

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Fies – und das nicht nur beim Akzent: Gary Oldman als Dukhovich

Das Bonusmaterial von Killer’s Bodyguard beginnt mit witzigen Outtakes, die vor allem Salma Hayek als selbstkritische Ulknudel offenbaren. Dazu gibt’s insgesamt fünf Featurettes, die insgesamt eine Laufzeit von knapp 30 Minuten aufweisen und (abgesehen vom kurzen ersten) durchaus ein paar nette Informationen und Anekdoten preisgeben. Es geht um die Actionszenen, um die weiblichen Rollen und natürlich auch um die Stunts. Gerade beim Kommentieren dieser erweist sich Ryan Reynolds mal wieder als gut aufgelegter Scherzkeks.

Fazit

„Scheiße, was soll die Kacke?“ – Killer’s Bodyguard hat derart viel Spaß an den Schimpftiraden seiner beiden Darsteller, dass sich dieser unmittelbar auf den Zuschauer überträgt. Ryan Reynolds und Samuel L. Jackson harmonieren perfekt und die Action ist überraschend rasant. Echte Empfehlung – zumindest für solche, die gegen blutige Shootouts nichts einzuwenden haben.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 50%
Film: 80%

Anbieter: EuroVideo
Land/Jahr: USA 2016
Regie: Patrick Hughes
Darsteller: Ryan Reynolds, Samuel L. Jackson, Gary Oldman, Salma Hayek, Elodie Yung, Richard E. Grant, Kirsty Mitchell, Joaquim De Almeida, Juri Kolokolnikow,
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 118
Codec: AVC
FSK: 16

Trailer zu Killer’s Bodyguard


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