La La Land 4K UHD

Blu-ray Review

OT: La La Land

La La Land 4K UHD Blu-ray Review Cover
Studiocanal, 24.05.2017

 


„Ich hasse Jazz!“

Hier kommt der große Oscar-Abräumer der 89. Annual Academy Awards.

Inhalt

Sensationelle Eröffnung des Films

Mia sehnt sich nach nichts anderem, als endlich während eines ihrer Castings entdeckt zu werden. Noch dazu, dass es scheinbar nie klappt und sie ihr Geld in einem Coffeeshop verdienen muss, ist sie auch noch unglücklich, weil sie schon länger keine echte Beziehung mehr hatte. Die letzte Begegnung mit einem Kerl war mit einem unbekannten Idioten, der sie morgens im Stau sekundenlang angehupt hat. Dieser Typ ist Sebastian, der ebenso einen Traum hat. Der Pianist möchte liebend gerne eine Jazz-Bar eröffnen, scheitert aber an seinem chaotischen Dasein und fehlender Kohle. Am selben Abend nach der Hup-Attacke treffen die beiden erneut aufeinander – und zwar genau in dem Moment, in dem Sebastian mal wieder grandios scheitert. Obwohl er sich morgens noch wie ein Arsch verhalten hat und Mia auch in dem Restaurant über den Haufen rennt, bleibt er ihr im Gedächtnis. Es vergehen einige Wochen, bevor sich die beiden per Zufall auf einer Party wiedertreffen und nach ein paar Zickereien tatsächlich ein Paar werden. Alles ist wunderbar, bis vor allem Sebastians Karriere neuen Schwung bekommt. Denn je besser es mit dessen Kunst klappt, desto stärker wird die Liebe zurückgedrängt …

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Okay, die Farbe der Kleider und die Frisuren sind arg stereotyp

Damien Chazelle ist gerade einmal 32 und offensichtlich ziemlich musikbegeistert. Sein Langfilmdebüt war ein Musical, sein zweiter Film, Whiplash, handelte von einem aufstrebenden Schlagzeuger, der von seinem Lehrer hart rangenommen wird und sein drittes Werk ist erneut ein Musical. La La Land ist der diesjährige Abräumer bei den Oscars und Golden Globes. 13 Trophäen räumte er bei beiden Veranstaltungen ab, unter anderem den Goldjungen für die beste Regie. Damit ist er der jüngste Regisseur, der jemals einen Oscar gewann. Dass sein Film aber auch nicht nur die Kritiker, sondern auch die Zuschauer überzeugte, sieht man anhand des Einspiels in den USA, das mit 150 Mio. Dollar für ein Musikfilm erstaunlich gut ist. Auch in Deutschland wollten gut 1,6 Mio. Menschen den Film sehen. Aus gutem Grund, denn La La Land ist eine Liebeserklärung an die klassischen Musicals der frühen 1930er bis in die 50er – die Zeit der Hollywoodträumer und der großen Ideen von Selbstverwirklichung. Gene Kelly oder Ginger Rogers lugen praktisch bei jeder Szene um die Ecke und die großen Titel der Zeit, wie Singin‘ in the Rain oder Westside Story, standen offenkundig Pate für Chazelle. Um seine Version eines altmodischen Musicals in Szene zu setzen, huldigt er aber auch der Stadt Los Angeles (La La Land ist ein Kosename für L.A.) und nahm an über 60 Originalschauplätzen auf. Wie sehr er diese Zeit verehrt, sieht man auch an den zahlreichen Zitaten. So hat Mia ein übergroßes Ingrid-Bergman-Plakat an ihrer Zimmerwand und sieht bei einem Rundgang auf dem Studiogelände eine Kulisse aus Casablanca.

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Sebastian erweist sich zunächst einmal als Rowdie im Straßenverkehr

Selbstredend gilt die Hommage an die klassischen Genrevertreter auch für die Kostüme: Bunt wie Bonbons sind die Kleider, die eine dauerhafte Anlehnung an diese Zeit sind. So authentisch wirkt es oft, dass ein Tablet in Mias Kaffee fast wie ein Fremdkörper aus der Zukunft scheint. Oder wie eine mutige Verquickung des Altmodischen mit dem Modernen.
Doch es ist ja nicht nur die Neubelebung eines (fast) vergessenen Genres, die La La Land zum Erfolg werden ließ, sondern auch die Besetzung – und das, obwohl weder Ryan Gosling noch Emma Stone die Erstbesetzung waren. Zunächst waren Miles Teller, den Chazelle schon in Whiplash besetzt hatte, und Emma Watson für die Hauptrollen vorgesehen. Vielleicht hätte das auch funktioniert, doch ob Watson auch den Oscar für die beste Hauptrolle gewonnen hätte?
Es ist die Chemie zwischen Gosling und Stone, die einfach perfekt ist. Geübt ist eben geübt, haben die beiden doch schon in Crazy, Stupid, Love. und Gangster Squad zusammen gespielt. Grandios sind die Szenen, in denen sie sich fetzen und das auch über den ersten gemeinsamen Song zum Ausdruck bringen. Hier ist La La Land dann auch viel moderner als Look und Inszenierung es vermuten ließen. Denn so herrlich sarkastische Zicken-Texte hätte man 1955 wohl noch nicht gesungen. Dass die beiden auch noch gut singen und erstaunlich gut tanzen und steppen können, sorgt in den entsprechenden Szenen für wirklich eindrucksvolle Performances, die teils in langen Einstellungen am Stück gefilmt wurden – Respekt. Natürlich nehmen die beiden es nicht mit Fred Astaire oder Ginger Rogers auf, aber müssen sie das? Müssen zwei Schauspieler, die in einer Zeit leben und agieren, in der das Musical nicht das hauptsächliche Genre im Kino ist, sondern eine kleine Randerscheinung neben Comicverfilmungen oder Fantasy-Action, wirklich perfekt choreografiert und maximal elegant durch den Film schweben? Oder ist es vielmehr charmant, wenn Stone ihre schlanken Beine bisweilen etwas ungelenk nach vorne wirft? Spätestens, wenn sich die Hände beider im Kino langsam finden und im Moment des Kusses der alte Film reißt, ist klar, dass Letzteres viel besser zu Chazelles Film passt.

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Ihren Disput tanzen die beiden vor sternenklarer Nacht aus

La La Land, das steht weiter oben, feiert auch Los Angeles. Doch das eben nicht nur offensichtlich, sondern auch auf selbstironische Weise. So gliedert Chazelle seinen Film in die vier Jahreszeiten … die sich in Sachen Wetter nicht ansatzweise unterscheiden – ein augenzwinkerndes Lustigmachen über die Stadt, in der die Sonne scheinbar immer scheint. Inhaltlich könnte La La Land es sich einfach machen und schlicht eine Romanze schildern. Doch das wäre vielleicht ein bisschen naiv. Stattdessen integriert er den Disput zwischen Karriere und Liebesglück. Sebastian schildert Mia in einem wichtigen Moment, was Jazz für ihn bedeutet: Konflikt und Kompromiss – und das immer aufs Neue. Zum einen sieht man hier, wie wichtig ihm sein Thema ist, zum anderen auch, dass die Sache mit dem Kompromiss nicht immer funktioniert, wie er irgendwann nicht nur in Sachen Liebe feststellen muss. Das kann man dem Film als Kapitulation vorwerfen, auch wenn es zeigt, dass das Werk eines musikbegeisterten Regisseurs es schafft, gleichzeitig die Massen zu begeistern und dennoch eine fast nerdige Geschichte zu transportieren. Denn, so viel Ehre darf man Chazelle zuteil werden lassen: Selbst Jazz-Hasser (wie der Autor dieser Zeilen) verstehen irgendwann, worum es in diesem Musikgenre geht. Und weil es nicht nur Jazz-Songs gibt, sondern auch ein paar gefällige und sogar ein paar sehr schöne Pop-Songs, gehört der von Justin Hurwitz komponierte Soundtrack natürlich auch zu den Highlights des Films. Ebenso wie das Spiel Emma Stones, die vor allem dann zeigt, was sie kann, wenn sie (mal wieder erfolglos) für eine Rolle vorspricht und dabei komplett auf ihre Mimik reduziert wird. Weil La La Land aber nach einer Stunde aufzugeben beginnt, womit er angefangen hat und die Musicalnummern ebenso reduziert wie den luftigen Ton, beginnt sich Chazelles Film im Kreis zu drehen und verliert seine Figuren. Er lässt sie im Aussicht auf Karriere zu kalten Charakteren werden, die nicht einmal das tun, was sie eigentlich wollten – nur um des Erfolgs wegen. Die emotionale Achterbahnfahrt eines Whiplash erreicht La La Land dann leider nicht mehr, weil man als Zuschauer schon bald nicht mehr dran glaubt, dass sich der Traum der beiden auch wirklich erfüllt.

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Sebastian erklärt Mia den Jazz

Bild- und Tonqualität BD

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Ein schicksalhafter Kinobesuch

Freunde von klassischem Kinobild wird’s freuen: La La Land wurde mit anamorphen Linsen im CinemaScope-Format von 2,55:1 aufgenommen und fand ebenso den Weg auf die Blu-ray. Die dicke CinemaScope-Schrift prangt deshalb schon direkt zu Beginn auf der Leinwand. Die Tatsache, dass mit analogen Kameras aufgenommen wurde, fördert ein leichtes, aber angenehm-filmisches Korn zutage, das vor allem auf uniformen Hintergründen und während Kameraschwenks zum Tragen kommt (Wände ab 10’26, Stones Arm: 12’15, Wand 19’02). Die Farben sind stets lebhaft und kräftig – vor allem während der dunklen Aufnahmen auf den Straßen. Die erste Szene in Mias Coffeeshop hingegen wirkt etwas trüb und außerdem gibt’s immer mal wieder Randunschärfen (Schuhe 35’00). Bisweilen nutzt Chazelle Lens-Flare-Effekte, die ein bisschen Jazz-Atmosphäre erzeugen und ganz gut passen. Schade, dass die grundsätzliche Schärfe eher mittelprächtig ist.
Beim Sound ließ man sich nicht lumpen und integrierte die von einigen Kinos schon bekannte Dolby-Atmos-Spur auch auf die Blu-ray von La La Land. Kodiert mit True-HD-Kern klingt die Scheibe von Beginn an absolut räumlich und präsentiert die Gesangsnummern extrem weiträumig. Gerade in der ersten Szene wird das schon deutlich, wenn die akustische Eigenheiten eines Songs, der mitten auf einer verstauten Autobahnbrücke gesungen wird, authentisch dargestellt werden. Die Heights werden allerdings nur dezent (meist, wenn der ganze Chor mit einstimmt) integriert. Leider sind die deutschen Dialoge zwischen den original gelassenen Songs ein wenig muffig geraten. Damit fallen sie dann entsprechend aus dem Rahmen, was man durchaus wahrnimmt. Herausragend ist aber die Stereo- und Surround-Räumlichkeit, die gerade während der gesungenen Passagen zum Tragen kommt. Wenn Mias Mitbewohnerinnen von links und rechts aus den Nebenräumen singend auf den Flur treten, kann man ihren Weg wunderbar über die Lautsprecher nachvollziehen. Auch auf der Party „wuscht“ der Sound extrem räumlich aus sämtlichen Speakern (15’30). Den ersten echten Effekt von den Höhenkanälen gibt’s kurz davor, wenn das Wasser im Pool spritzt und man im Heimkino von oben scheinbar nass wird (15’14). Danach bleibt es allerdings doch meist still auf den Heights. Während der Musiknummern hätte man den Raum hier durchaus etwas dreidimensionaler gestalten können – zumal andere Effekte dann doch eher ausbleiben. Ist ja auch ein Musical und kein Actionreißer. Dafür ist die Dynamik wunderbar. So gab es zuletzt langen keinen so gut akzentuierten Bass mehr wie bei Sebastians ersten Auftritt mit der Band vor Publikum (74’20). Wenn die Bassdrum einsetzt, fühlt man sich mittendrin im Konzert. So liefert die Blu-ray zwar keine herausragende Atmos-Spur in punkto Höheninformation, aber einen wirklich sehr guten regulären Surroundsound.

Bild- und Tonqualität UHD

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Ein noch schicksalhafterer Besuch

La La Land wurde, wie erwähnt, klassisch mit analogen Kameras auf 16- und 35mm Film aufgenommen. Die Bilder wurden dann digital in 2K abgetastet, wovon ebenso ein 2K-Digital-Intermediate erstellt wurde. Die UHD ist also „nur“ eine hochgerechnete 4K-Variane der Blu-ray und kann in punkto Auflösung auch nicht wirklich mehr bieten als die 2K-Variante. Das liegt zum einen daran, dass die grundsätzliche Schärfe eher mittelprächtig ist und zum anderen auch an einem anderen Problem: Wie schon bei anderen UHDs ist das Korn aufgrund der höheren Auflösung leider deutlich sichtbar höher und sorgt auf entsprechend farbigen Hintergründen für ein ordentliches, noch stärkeres Wuseln (grüne Wand 26’34). Die Farben, die über den im Rahmen von Rec.2020 erweiterten Farbraum wiedergegeben werden, knallen natürlich gerade bei den bunten Kleidern und Details wie einer roten Jacke (49’15) ganz ordentlich. Auf der anderen Seite wirken Gesichter schon mal etwas zu sonnengebräunt und „verbrannt“ (Gosling: 72’58). Außerdem gibt’s ab und an leichte Farbverfälschungen auf Hauttönen – gerade, wenn die Umgebung farblich sehr intensiv ist (76’02).  Die weist die Blu-ray allerdings ebenso auf, weshalb man sich hier entscheiden muss, ob man den ganz dezenten Auflösungsvorsprung sowie die etwas bunteren Farben vor der BD bevorzugt.
Keinen Unterschied gibt’s beim Ton. Die UHD von La La Land nutzt die identischen Dolby-Atmos-Spuren, die auch die Blu-ray aufweist. Auch hier gibt’s also nur bedingt Höheninformationen, dafür einen wunderbar räumlichen Klang auf den regulären Ebenen.

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Die Blu-ray ist in den Gesichtstönen etwas dezenter und rosiger. Emma Stones rote Haare und Lippen sind nicht ganz so kräftig
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Die UHD zeigt das stärker betonte Gesicht. Der erweiterte Farbraum sorgt für orangerote Haare und deutlicher geschminkten Teint
La La Land BD vs UHD Bildvergleich D
Wiese und grüne Sträucher im Hintergrund sind auf der UHD etwas grüner, das rote Kleid wirkt satter und die Helligkeit/Bilddynamik lässt etwas mehr Kontrast zu. Allerdings liefert die UHD keinen drastisch anderen Look
La La Land BD vs UHD Bildvergleich C
Die grünen Sträucher sowie das rote Kleide der Dame in der Mitte sind nicht ganz so kräftig, die Bilddynamik ist etwas reduziert – die Blu-ray macht alles einen Hauch dezenter

Bonusmaterial

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Was wäre wenn …?

Mal abgesehen vom Audiokommentar von Regisseur Damien Chazelle und Komponist Justin Hurwitz, der sowohl auf der Blu-ray als auch auf der UHD von La La Land vorliegt, befinden sich die anderen Extras ausschließlich auf der BD. Dort sind einige Featurettes sowie mit „A Lovely Night“ und „City of Stars“ zwei Demo-Montagen der beiden Szenen zu finden.

Fazit

La La Land liefert eine Stunde lang absolut tolles Musical-Kino mit tollen Darstellern und wunderschönen Bildern. In der zweiten Halbzeit verlässt Chazelle aber der Mut, seinen eingeschlagenen Weg zu Ende zu gehen. Die bittere und tieftraurige Note erdet den Inhalt zwar wieder, nimmt dann aber doch zu viel Abstand von dem Traumgerüst, dass Chazelle zuvor aufgebaut hat und in dem man sich nur allzu gerne verloren hat.
Technisch liefert die Blu-ray einen tollen Sound, wenngleich die integrierten Atmos-Spuren nur selten miteinbezogen werden. Das Bild der UHD hätte noch mehr Schärfe und Plastizität vertragen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD: 70%
Bildqualität UHD: 70%

Tonqualität BD (dt. Fassung): 85%
Tonqualität BD (Originalversion): 85%
Tonqualität UHD (dt. Fassung): 85%
Tonqualität UHD (Originalversion): 85 %

Bonusmaterial: 50%
Film: 75%

Anbieter: Universal Pictures
Land/Jahr: USA 2016
Regie: Damien Chazelle
Darsteller: Emma Stone, Ryan Gosling, John Legend, Rosemarie DeWitt, J.K. Simmons, Finn Wittrock, Aimée Conn
Tonformate BD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): de, en
Tonformate UHD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): de, en
Bildformat: 2,55:1
Laufzeit: 128
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Real 4K: Nein (2K DI)
FSK: 6

Trailer zu La La Land

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