Man Down

Blu-ray Review

Man Down Blu-ray Review Cover
KSM GmbH/Universum, 25.09.2017

OT: Man Down

 


America, we have a problem

Kriegs-Heimkehrer-Drama mit Shia LaBeouf.

Inhalt

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Natalie ahnt, dass Gabes Militärdienst nichts Gutes bereithalten wird

Gabriel Drummer hat mit Natalie eine tolle Frau und mit John einen zuckersüßen Sohnemann. Dennoch entschließt er sich, zum Militär zu gehen und sich für den Kampf an der Front in Afghanistan ausbilden zu lassen. Doch vor Ort werden Dinge geschehen, die Gabe nicht erwarten kann. Traumatisiert kehrt er nach Hause zurück und findet die USA in einem postapokalyptischen Zustand wieder. Er macht sich auf die Suche nach Frau und Kind, um wenigstens mit der Familie vereint zu sein. Doch erneut rechnet er nicht damit, was ihn erwartet …

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Für den Moment nur eine Übung …

Trotz Starbesetzung fand sich zwei Jahre lang für den Kriegs-Thriller mit Drama-Anteilen hierzulande kein Anbieter, bis der Independent NEW KSM zuschlug. Glücklicherweise, denn ansonsten wäre dem deutschen Zuschauer ein intensiver Film durch die Lappen gegangen. In Man Down erzählt Regisseur Dito Montiel (Empire StateEin Cop mit dunkler Vergangenheit) auf seine gewohnte Art und Weise die Geschichte eines Kriegsheimkehrers, der heim kommt und feststellen muss, dass es in den USA noch schlimmer aussieht als in Afghanistan. Mit farblich entsättigten und stimmungsvollen Bildern beschwört der Regisseur effektiv eine postapokalyptische Stimmung herauf, die ihre Wirkung auch aufgrund des kongenialen Filmscores nicht verfehlt. Seine Hauptfigur lässt er aus dem Off kommentieren, was hervorragend zur Ende-der-Welt-Stimmung passt. Dabei springt er in den Zeitebenen und puzzelt den Film nach und nach zu einem Ganzen zusammen. Szenen der militärischen Ausbildung wechseln sich ab mit trautem Familiendasein Gabriels. Dazu kommen die Sequenzen, die in der zerstörten Gegenwart spielen sowie solche, in denen unsere Hauptfigur von ihrem Kommandanten zu „einer Sache“ verhört wird. Auch innerhalb der einzelnen Ebenen wechselt Man Down die Zeiten, sodass der Zuschauer hier wirklich gefordert wird. Da Montiel zudem ziemlich gemächlich erzählt ist und eher die ruhigen Töne anschlägt, sollten sich hier vor allem solche Filmfans angesprochen fühlen, die nicht zwingend ein Actionfeuerwerk erwarten, nur weil ein Mann mit Tarnfleck auf dem Cover der Disk ist. Wenn der Film aber überraschend Gas gibt, wie es nach gut einer Dreiviertelstunde der Fall ist, kommt das ebenso unvermittelt wie heftig. Damit beginnt eine hoch spannende Phase, in der man auf beiden Zeitebenen gebannt vor dem Bildschirm sitzt. Wenn man sieht, wie Man Down den ausgetretenen Pfad des traumatisierten Soldaten ein wenig anders angeht und ein postapokalyptisches Szenario nutzt, um seine Protagonisten dort genauso weitermachen zu lassen, wie zuvor in Afghanistan, wird man dazu animiert, etwas stärker in die Tiefe der Charaktere einzudringen.

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… doch bald schon wird es ernst

Unbestrittener Höhepunkt ist der Vorfall in Afghanistan, den Drummer für den Rest seines Lebens nicht vergessen wird und der ihn noch einmal wertschätzen lässt, was er mit seiner Familie eigentlich hat oder hatte. Da hätte es die klischeehafte Verwicklung mit Gabes Frau gar nicht gebraucht. Dass die „Storywendung“, auf die der Film die ganze Zeit über hinarbeitet, nicht wirklich überraschend kommt (immerhin werden die Hinweise früh gestreut), ist sicherlich ein Manko, über das man etwas verärgert sein darf. Zumal Man Down das ganze Zeitebenen-Chichi komplizierter veranstaltet als es für die Lösung nötig gewesen wäre. Dennoch verfehlen die Bilder im Finale ihre Wirkung nicht, wenn wir merken, wie traumatisiert Gabe wirklich ist. Setzte er bei seinen Filmen bisher hauptsächlich auf Hauptdarsteller Channing Tatum, so probiert Montiel nun mit Shia LaBeouf mal etwas Neues aus. Kein kleines Wagnis, denn der einst als kommender Mega-Star gehandelte Schauspieler hatte zuletzt mit seltsamen Aktionen zahlreiche Fans verloren und die künstlerische Zunft Hollywoods verunsichert. Das macht ihn als Darsteller aber nicht schlechter und auch hier zeigt er, dass er sich in Rollen einfinden und sie überzeugend geben kann. Wenn er sich in der Ausbildung zum Soldaten gleich mehrfach vom Drill-Instructor die Hände runterschlagen lässt, sieht man, dass beide es ernst meinen und kann die Emotionen praktisch spüren. Das gleiche gilt für das Gespräch mit Peyton (Gary Oldman), bei dem LaBeoufs Hand und Finger zu zittern beginnen oder auch für die anspruchsvolle Ausbildung an sich. An seiner Seite ist Jay Courtney ein solider Begleiter und Clifton Collins jr. als streunender Typ in der postapokalyptischen Welt ist auch kein Verlust. Die harmonischen Szenen vor dem Drama werden von Kate Mara (Der Marsianer) dominiert, die als Natalie eine überzeugende Heimbleibende gibt, die gar nicht glücklich darüber ist, dass ihr Mann in der Ferne den Helden spielen muss. Und mit ihrer Skepsis wird sie Recht behalten …

Bild- und Tonqualität

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Endlich hat Gabriel seinen Sohn gefunden

Das Bild von Man Down ist so abgestimmt, dass es zur Weltuntergangs-Stimmung passt. Eine Mischung aus Sepia- und Grautönen herrscht in den Sequenzen in den USA vor, während das Kriegsgebiet in Afghanistan authentisch erdig wirkt. Helle Bereiche überstrahlen meist bewusst, was ebenfalls zur Atmosphäre beiträgt. Objekte weisen dezent weiche Umrisse auf, was den Gesamtlook etwas soft erscheinen lässt.Dazu gesellt sich ein sichtbares und vordergründiges Korn, das in Bewegungen noch mal etwas stärker wird. Je nach Szenerie und Zeitebene wechselt das Bild in seiner Farbgestaltung und Schärfe ein wenig, was aber bewusstes Stilmittel ist.
Der Ton von Man Down nutzt einen sanften und unterschwellig funktionierenden Filmscore, der sich mit leichtem Hall auf alle Lautsprecher legt. Wenn es dynamisch wird und Schießereien auf dem Plan stehen, werden alle Lautsprecher genutzt und geben die Schusswechsel recht präzise wieder. Dialoge sind jederzeit sehr gut verständlich, selbst wenn dann doch mal die Action losbricht wie beim Scharmützel mit ein paar Einheimischen, das von einer Bomben-Explosion eingeleitet wird, die richtig Druck macht (43’30).

Bonusmaterial

Im Bonusmaterial von Man Down liegen lediglich eine Bildergalerie und der Trailer zum Film.

Fazit

Man Down ist ein intensiv gespieltes Drama, das trotz zerklüfteter Inszenierung mit eindringlichen Bildern und einer emotionalen Story zu fesseln weiß – sicherlich nicht für jeden, aber gerade für Cineasten, die sich gerne mal auf eine Geschichte einlassen können, eine Entdeckung wert.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 10%
Film: 70%

Anbieter: KSM GmbH/Universum
Land/Jahr: USA 2016
Regie: Dito Montiel
Darsteller: Shia LaBeouf, Jai Courtney, Kate Mara, Gary Oldman, Clifton Collins Jr., Tory Kittles, Jose Pablo, Nick Jones Jr.
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 90
Codec: AVC
FSK: 16

Trailer zu Man Down

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