Planet 4K – Unsere Erde in Ultra HD 4K UHD

Blu-ray Review

Busch Media Group, 15.11.2019

OT: Planet HD

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Hochaufgelöstes Südamerika

Beeindruckende 4K-Aufnahmen von beeindruckenden Landschaften.

Inhalt

Die Pagoden Südostasiens locken zahlreiche Pilgerer an

Alexander Sass ist Kameramann und Regisseur, Dokumentarfilmer und Globetrotter. Schon für Fascinating India hatte er die Kamera geführt und bereiste nun von 2017 bis 2019 sowohl Südostasien als auch Südamerika.
Die Ergebnisse seiner Aufnahmen finden sich nun in Planet 4K – einer UHD, die von den genutzten, modernen 4K-Kameras vor allem visuell profitieren sollte – immerhin bieten sowohl Südostasien als auch Südamerika genug Anlass für hochaufgelöste und bis in die Tiefe scharfe Aufnahmen.
Die Reise führt uns mit Disk I zunächst in zwei Etappen durch Teile Südamerikas – und zwar von Ecuador bis Bolivien und von Chile bis nach Patagonien. Wir nehmen Teil an einem Trip zu den Anbaugebieten des auch hierzulande so beliebt gewordenen Quinoas und folgen dem Weg weiter bis zum Titicacasee, der auf 3800 Metern Höher liegt und als Wiege der Inkas gilt.
Dort lebt das indigene Volk der Urus, die vom Fischfang leben und deren Häuser auf schwimmenden Inseln gebaut sind.
Von unglaublich spektakulärer Schönheit sind dann die roten und grünen Felsformationen des Valle Arcoiris (Regenbogentals), die man als reisewilliger Tourist auch selbst in Chile erkunden kann.

Rudern mit einem Bein auf einem wackligen Etwas von Bötchen – Respekt

Wenn dann der Río Petrohué in mehreren Stufen über 20 Meter in die Tiefe stürzt, sind das prächtige Aufnahmen, die vom 4K-Kameramaterial wirklich beeindruckend wiedergegeben werden. Im Hintergrund thront der Vulkan Osorno mit seinem schneebedeckten Gipfel in 2652 Metern Höhe. Wenn sich dessen weiße Krone vor tiefdunklem blauem Himmel abhebt, darf der Mund vor Ehrfurcht auch  mal herunter klappen.
Wenn Sass den südamerikanischen Kontinent dann hinter sich gebracht hat, nimmt er uns mit nach Südoastasien – und zwar von Myanmar nach Kambodscha und von Ho-Chi-Min Stadt bis zur Halong Bucht.
Zunächst besucht die Kamera die Shwedagon-Pagode in Yangon. Dieses beeindruckende Bauwerk ist der wichtigste Sakralbau Myanmars und man munkelt, dass dort mehr Gold verbaut ist als in Fort Knox lagert.
Erstaunliche Bilder sieht man, wenn man den Einbeinruderern zuschaut. Die Fischer halten äußerst geschickt Gleichgewicht auf ihren treibenden Nussschalen und holen ihre Netze ein, während sie mit einem zwischen den Beinen festgeklemmten Paddel das Schiffchen steuern.
Außerdem bemerkenswert: Die Lotusseide-Webereien in den kleinen Pfahldörfern. Die immense Menge an geernteten Lotos-Stängeln, die nötig ist, um einen Meter Lotusblütenseide zu weben, ist unglaublich (ca. 10.000).

Ecuadors Hauptstadt vom Panecillo aus gesehen

In Kapitel IV geht es dann durch Vietnam. Dieses seit dem Krieg immer mehr prosperierende Land bietet nicht nur unglaubliche Natur, sondern im Falle von Ho-Chi-Minh-Stadt (früher Saigon) auch eine Millionen-Metropole, in der die Nacht zum Tag wird. Sass schildert aber nicht nur, dass die Stadt von Motorrollern bevölkert wird, sondern kümmert sich hier vor allem auch um die kulinarischen Eigenschaften des Landes. Dafür reist er auch bis in die ländlichen Gebiete, in denn noch ganz traditionelle Reispapier-Rollen angefertigt oder Mangos noch mit einem Netz-Kescher vom Baum geangelt werden. Beeindruckend auch, wie in den höheren Ebenen des Landes noch auf ganz althergebrachte Weise der Reisanbau auf den Terrassen anbauen.
Was tatsächlich unangenehm auffällt, ist die Prominenz eines bestimmten Reiseveranstalters, der immer wieder von den glücklichen Einheimischen als Spender für gemeinnützige Projekte wie Schul- oder Kinderspielplatz-Ausstattung genannt wird.

Spektakuläre Nachtaufnahmen

Bild- und Tonqualität BD

Naturbursche vor Hochkultur

Die beiden Blu-rays von Planet 4K enthalten die gleichen vier Episoden aus Südostasien und Südamerika. Entsprechend basieren sie auf dem gleichen Ausgangsmaterial, was (im Falle von Südamerika) allerdings in 24p ausgegeben wird, nicht in 50p (siehe nächstes Kapitel).
Bei Südostasien liegt die Qualität allerdings durchweg unterhalb jener von Südamerika. Zum einen erscheinen die meisten Außenaufnahmen arg hell. Ein Überkontrastieren bleibt zwar aus, aber die generelle Kontrastdynamik bleibt eher im durchschnittlichen Bereich. Meist könnten die Farben während der hellen Tageslichtszenen auch etwas kräftiger sein. Besser wird’s, sobald man in Innenräumen unterwegs ist. So sieht man in den Webereien innerhalb des Pfahldorfs schöne Brauntöne, die satt erscheinen. Auch Außenaufnahmen, in denen der Himmel nicht direkt im Bild ist, profitieren – wie beispielsweise nach 33 Minuten, wenn ein Wasserfall vor schwarzem Gestein und grünen Farnen zu sehen ist. Die Bildruhe ist durchweg gut – mit Ausnahme einiger Vogelperspektiven, die kamerabedingt deutliche Schwierigkeiten in Sachen Artefaktbildung haben (Episode IV, 4’00). Außerdem zeigt sich beim Auf- und Abblenden schon mal Banding – Tribut an die 8-Bit-Farbtiefe der Blu-ray.
Wesentlich besser schlägt sich Südamerika schon bei der Blu-ray. Denn die Aufnahmen, die dort entstanden sind durchweg von höherer Farbintensität, noch größerer Bildruhe und haben keine Probleme bei Vogelperspektiven-Schwenks/-Kamerafahrten. Auch Nachtaufnahmen sind wesentlich kontrastreicher (Episode IV 22’10) und die Schärfe ist durch die Bank besser. Die Farbpracht bei den Urus am Titicacasee ist schon über die Blu-ray fantastisch und abgesehen von ganz leichtem Banding bei kritischen Farbverläufen ist hier alles prächtig.

Der Vulkan Osorno ragt über 2600 Meter hoch

Die Blu-ray liefert (wie die UHD auch) nur eine Stereo-Spur in dts-HD-Master-Kodierung. Räumlichkeit wird also maximal über zwei Lautsprecher erzeugt. In den meisten Szenen dominiert aber ohnehin der sanfte Score, der natürlich passend zum Inhalt ausgewählt wurde. Man hört also reichlich fernöstlich-orientalische Klänge in den Teilen drei und vier sowie eher von Akustikgitarren begleitete Bildern aus Südamerika.
Dazu kommt die sehr präsente und perfekt zu verstehende Erzählstimme von Sebastian Lohse, der hier erneut für eine Busch-Media-Doku die Kommentarfunktion übernommen hat. Atmosphärische Geräusche der entsprechenden Umgebung werden relativ leise hinzugemischt und wenn Einheimische etwas zum Besten geben, wird das harmonisch eingebettet. Viel mehr gibt’s hier nicht zu sagen, denn viel mehr gibt’s auch nicht zu hören.

Bild- und Tonqualität UHD

Die UHD hat keine Probleme mit Banding

Planet 4K ist zwischen 2017 und 2019 von Alexander Sass an Originalschauplätzen gedreht worden – und zwar in nativem 4K. Zum Einsatz kamen hier RED-Epic-Kameras sowie die Black Magic URSA und die 4K-Kamera einer Mavic Drohne für die Vogelperspektiven.
Während Südostasien mit 24 Bildern pro Sekunde aufgezeichnet wurde, nutzte Sass für Südamerika (Disk I) 50p, also eine erhöhte Framerate. Dies kommt natürlich nur der UHD zu Gute, die Blu-ray (siehe Text oben) muss dort auch mit 24p auskommen.
Abseits der 4K-Auflösung und der HFR-Bilder für Südamerika gelangten allerdings weder ein erweiterter Farbraum, noch HDR auf die UHDs. Von der Farb- und Kontrastgebung sind die Ultra-HDs also mit den Blu-rays identisch, sodass die Unterschiede in der etwas höheren Farbtiefe (10 Bit vs. 8 Bit) und natürlich der höheren Auflösung zu suchen sind.

Spektakulärer Lokomotiven-Friedhof

Im Falle von Südostasien fällt die Differenz nicht allzu hoch aus. Zwar kann man hier und da mehr Detailtiefe ausmachen, doch da die ursprünglichen Aufnahmen bereits nicht ganz so scharf und klar erscheinen, holt die UHD hier nicht sonderlich viel raus.
Ganz anders sieht es aus bei Südamerika. Die 50p-HFR-Bilder sind wie gemacht für eine Dokumentation. Die Bewegungsschärfe nimmt hier nicht nur in Schwenks zu, sondern auch bei geringfügigen Bewegungen von Blättern oder Ameisen, die ihre Fracht auf den definierten Wegen entlang tragen. Wirkt HFR bei Spielfilmen eher befremdlich und verhindert für viele Zuseher das Eintauchen in den Film, macht es bei einer Dokumentation umso mehr Sinn. Hier kann dieser flüssige „Urlaubsvideo“-Look für ein hautnahes Urlaubsgefühl sorgen und erzeugt augenblicklich Fernweh.
Selbst der extrem kritische Anflug auf Ecuadors Hauptstadt Quito gelingt in den vorderen zwei Dritteln ohne jedes Zucken. Lediglich ganz hinten werden ganz leichte Bewegungsartefakte offenbar. Im Vordergrund kann man dafür vom Panecillo aus fast jedes Detail auf den viel tiefer gelegenen Straßen und an den Häusern erkennen – kein Wunder, bei Datenraten zwischen 70 und 200! Mbps.
Während Südostasien also eher UHD-Durchschnittskost liefert, kann Südamerika teils mit Referenzbildern für aktuelle 4K-TVs glänzen.

Blu-ray (Südostasien): (Slider ganz nach rechts): Da die UHD auch in BT.709 und ohne HDR daher kommt, sind die Unterschiede zur BD gering.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Durch die höhere Auflösung wirken Kanten etwas schärfer, was zeitgleich für subjektiv etwas höheren Kontrast/Glanz sorgt.

Blu-ray (Südostasien): (Slider ganz nach rechts): Geht man näher ran, sieht man den 4K-Vorsprung der UHD.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Das Piaggio-Logo ist über die UHD klarer lesbar und besser konturiert.

Blu-ray (Südamerika): (Slider ganz nach rechts): Auch hier ist der leichte Unterschied im Kontrast nicht in HDR oder Rec.2020 zu suchen, sondern in der höheren Detail- und Bewegungsschärfe, die sich auch im Standbild darstellt.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Wer in der Tiefe genauer hinsieht, kann aber auch durchaus schon relevante Auflösungs-Unterschiede im Gesamtbild erkennen.

Blu-ray (Südostasien): (Slider ganz nach rechts): Noch deutlicher wird, wenn man näher ran geht.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Plötzlich werden Details wie Fensterrahmen sichtbar, die von der BD vermatscht werden.

Blu-ray (Südostasien): (Slider ganz nach rechts): Noch deutlicher wird es in der Tiefe.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Dort kommt die BD dann endgültig nicht mehr mit und differenziert nicht mal mehr die Etagen der Hochhäuser.

Wie oben beschrieben: Planet 4K liefert für die Blu-ray und UHD die identischen dts-HD-Master-Spuren in 2.0.

Bonusmaterial

Das Bonusmaterial besteht ausschließlich aus ein paar Hinweisen auf weitere hochwertige Titel des Anbieters.

Fazit

Planet 4K bietet vor allem im Falle der zweiteiligen Reise durch Südamerika 50-Hz-HFR-Referenzbilder. Trotz des Fehlens von HDR oder erweitertem Farbraum kann man hier nicht wenige Stellen finden, mit denen man seinen prächtigen OLED oder seinen nativen 4K-Beamer füttern kann, um Besucher zu beeindrucken. In puncto Auflösung ist das großes Doku-Kino.
Inhaltlich sind beide Dokus interessant, auch wenn hier nicht von Ort zu Ort gehetzt, sondern eher behäbig erzählt wird.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD (Südamerika): 80%
Bildqualität BD (Südostasien): 70%
Bildqualität UHD (Südamerika): 90%
Bildqualität UHD (Südostasien): 70%

Tonqualität BD/UHD: 75%

Bonusmaterial: 5%
Film: 75%

Anbieter: Busch Media Group
Land/Jahr: Deutschland 2010
Regie: Alexander Sass
Sprecher: Sebastian Lohse / Alexander Kent
Tonformate BD/UHD: dts-HD-Master 2.0: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 46’53 / 50’32 / 47’30 / 53’26
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: 2x BD-66
Real 4K: Ja
High Dynamic Range: Nein SDR/BT.709
Maximale Lichtstärke: –
FSK: 0

(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots liegt bei Anbieter: Busch Media Group)

Trailer zu Planet 4K

PLANET 4K – Unsere Erde in Ultra HD – Offizieller Trailer

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3 thoughts on “Planet 4K – Unsere Erde in Ultra HD 4K UHD

  1. Avatar Oliver Rockenbach

    Ich habe sämtliche Tier und NaturdoKus der letzten Jahre in BD und UHD.

    Diese hat mich völlig enttäuscht vom Bild.

    Weder auf meinem Oled noch auf meinem JVC Projektor.

    • Hi Oliver.
      Konntest du SÜDAMERIKA in 50Hz auf einem UHD-Display sehen?

    • Avatar Andreas Pump

      Mich hat die Bildqualität auch nicht vom Hocker gehauen. Rockymountainexpress sieht hier auf einem mittelprächtigen LCD im Schnitt besser aus (Pana TX-58GXW804). Auf meinem TV hat es sogar die 50hz Disc geschafft zu ruckeln. Was mich aber am meisten gestört hat war das die Kamera oft nicht das volle Bild scharf gestellt hat. Teils sogar die weniger interessanten Bereiche. Wobei ich sagen muss das mir es schon vorkam als wenn einen Menge Kontrast im Bild war. Teils zuviel. Ich hätte auf HDR gewettet. So kann man sich täuschen. MfG

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